Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

erufsschulung wohl - aber Wie? 
Systematik in der Berufsschule durch 
Zunehmende Erkenntnis 
Es ist heutzutage überflüssig, sich über Sie Not 
wendigkeit der Berufsschulung grundsätzlich zu 
streiten. So weit sind wir immerhin schon, daß man 
im Handwerk, in Kaufmannschaft und Industrie, 
in Haus- und Landwirtschaft eine die praktische 
Lehre unterstützende außerbetriebliche Schulung für 
unentbehrlich hält. Und was Wunder, daß wir be 
reits diese grundsätzliche Erkenntnis haben in einer 
Zeit, die uns so recht auf unseren wahren Schatz 
aufmerksam macht: die Arbeitskraft. Wir sind nicht 
überaus gesegnet mit Naturgütern, die meisten 
anderen Länder sind gliicklicher dran: aber wir 
haben diese „relative" Armut so unendlich spät 
bemerkt. 
Es lief doch alles so schon von allein. Wir kauf 
ten die Rohstoffe, veredelten sie, wie man sagt, und 
verkauften sie als fertige Ware. Das war nicht 
immer leicht, aber es war verhältnismäßig 
leicht, und der Gewinn genügte, um uns alle als 
Volk ohne Raum, d. h. ohne Schätze im Raum, an 
ständig leben zu lassen. Bon dieser Zeit berichtete 
einst der belgische Gesandte in Berlin an seine Re 
gierung in Brüssel, Deutschland brauche nur den 
Erfolg seines gewerblichen Schaffens abzuwarten, 
um ohne Kolonien im Wetllauf imperialer Politik 
Sieger zu werden. 
Die Ernüchterung ist früh gekommen. Nur dau 
erte es sehr lange, bis wir begriffen, worum es 
sich denn handelt, was eigentlich zu tun ist, welche 
Schätze uns denn noch zum Aufbau geblieben sind. 
Heute weiß das jeder. Somit kann es keine Fra 
ge mehr sein, ob dieser Schatz bis zum letzten aus 
zunutzen ist oder nicht, sondern es geht darum, wie 
es am besten geschieht. Halten ivir diesen Unterschied 
jenen zugute, die sich heute noch gegen eine außer 
betriebliche Schulung wehren. Billigen wir ihnen 
zu, daß sie in zu starrem Wissen um die zentrale 
Stellung der praktischen Lehre nicht gegen die Aus 
bildung an sich sind, sondern nur nicht einsehen 
können, daß diese außerbetriebliche Schulung un 
entbehrliche ergänzende Dienste leistet. 
Diese Gruppe von Lehrherren ist garnicht so 
klein — gewesen, in diesem Beruf besonders, in 
jenem weniger. Je mehr nämlich in einer Berufs 
gruppe Gelegenheit war, einmal einen Saldo zu 
ziehen über den wirklich vorhandenen Leistungs 
stand, um so deutlicher wurde auch die Notwend ig- 
keit ergänzender Ausbildung. DaS Handwerk darf 
sich glücklich schützen, in Wahrung überkommener 
Werte mit am eifrigsten praktische und ergänzende 
Lehre gepflegt zu haben. Es hat auch jetzt durch 
eine umfassende Gesetzgebung den erfolgreichen 
Start unternommen, Schlacken zu beseitigen und 
Lücken auszubessern. 
.Handel und Industrie haben es schwerer, da über 
haupt erst einmal (allerdings mit großen örtlichen 
Unterschieden) das PrüfungSwesen aufzubauen ist. 
Soweit es jetzt lfakultativ) besteht, haben die Er 
gebnisse der lGehilfen-) Prüfungen umwälzende 
Erkenntnisse gebracht. Man lese in der Deutschen 
Wirtschaftszeitung, dem Organ der Arbeitsgemein 
schaft der Industrie- und Handelskammern in der 
Reichswirtschaftskammer, die Prüfungsberichte der 
einzelnen Kammern, gleichgültig, ob aus dem 
kaufmännischen oder industriellen Sektor! Auch 
nicht eine Stimme wendet sich gegen die ergänzende 
außerbetriebliche Ausbildung. Fast jedes Monats 
heft der schleswig-holsteinischen Industrie- und 
Handelskammern der letzten Zeit beschäftigte sich 
mit den Ergebnissen der kaufmännischen und ge 
werblichen Gehilfenprüfungen. In einer Mseitigen 
Broschüre sind diese nochmals zusammengestellt und 
aus den oft beunruhigenden Ergebnissen die lite 
rarischen Folgerungen gezogen. Eigene Schulungs 
abteilungen werden ausgebaut inmitten der be 
rufsständischen Vertretung und was dergleichen 
mehr: nian möchte nach der Zeit des Schlummerns 
nun doppelt wach sein, bestrebt, das Versäumte 
schnellstens nachzuholen. 
Ob für die Berufsschule nunmehr das Goldene 
Zeitalter angebrochen ist? Ob endlich alles, was 
lernt, aus Grund des Reichsberufsschulgesetzes nach 
einheitlichen Richtlinien in ihre Obhut muß? War 
ten wir ab, was das angekündigte Gesetz bringt, 
welchen Spielraum es den einzelnen Ländern zur 
Pflege eigener Belange läßt! Aber stellen wir mit 
Genugtuung fest, daß endlich der Boden genügend 
aufgelockert ist, um jenem kläglichen Zustand ein 
Ende zu bereiten, daß nach beendeter Schulzeit eine 
weitere außerbetriebliche Schulung plötzlich ab 
brach und ein Großteil deutscher Jugend sich selbst 
überlassen blieb. 
Beispiele aus der Praxis 
Das Wie der Berufsschulung ist heutzutage Ge 
genstand mannigfaltiger Erörterung. Sehen wir 
hier von den rein fachlichen Fragen ab und er 
örtern wir im nachfolgenden die Fundamental 
frage, wie die innerhalb eines Bezirks in Lehre 
stehende Jugend am zweckmäßigsten dem Wirkungs 
bereich einer Berufsschule zugeführt werden kaun: 
Die beiliegende Skizze erübrigt weitere Worte über 
den näherer Behandlung unterzogenen Bezirk. Die 
von dem Leiter der hiesigen Berufsschule, Direktor 
Seidel, initiativ betriebenen Planungsarbeiten er 
möglichten uns die eingehende Darstellung der im 
Kreise Rendsburg bestehenden Verhältnisse und der 
etwaig zu ergreifenden Maßnahmen, um durch einen 
andersartigen Aufbau des Berufsschulwesens nicht 
nur dem in der Stadt Rendsburg und Umgebung 
wohnenden Lehrling die Voraussetzung für einen 
ordnungsgemäßen Berufsschulbesuch zu verschaffen, 
sondern im Rahmen des Möglichen auch den in 
fachliche Zusammenfassung — Die Verhältnisse im Kreise Rendsburg und die Möglichkeiten ihrer Wandlnag 
wohnenden Lehrlinge an einem verkehrsmäßig denk- Kiel fahren können, dergleichen die 2 Baugewerbe 
bar günstig gelegenen Schwerpunkt, einer Notwen- ler aus Rotenhahn nach Kiel, eben weil es ver- 
digkeit, der sich die beteiligten Kreise keineswegs kehrsgünstiger für sie liegt, trotzdem in Achterwehr 
den einzelnen Dörfern verstreut wohnhaften Lehr 
lingen. 
In einprägsamer Weise hat bereits Dr. Schoen- 
waldt-Altona die organisatorische Neuordnung im 
Kreise Süderdithmarschen in der Mai-Nummer der 
„Wirtschaftlichen Nachrichten" behandelt. Er unter 
streicht zunächst unter dem Thema „Die Zentrali 
sierung des Berufsschulwesens in Schleswig-Hol 
stein" die Notwendigkeit der die Lehre ergänzen 
den Berufsschulung, betont dabei die unerläßliche 
Spezialisierung des Nachwuchses beim Unterricht 
und stellt an Hand der Zustände im Kreise Süder 
dithmarschen fest, daß das bisherige Berufsschul 
wesen dem Ziel einer möglichst weitgehenden Aus 
richtung „auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse der 
verschiedenen Wirtschaftszweige und -Untergruppen" 
nicht entspricht und nimmt alsdann die Bildung 
der Kreisverbandsschule Süderdithmarschen zum 
Anlaß, um praktisch das Wie zu zeigen, das zwecks 
Bildung von Fachklassen auf eine Zentralisation 
des Berufsschulwesens hinausläuft. Da die Kreis- 
verussschule als „Ideal der anzustrebenden Lösung" 
an etat- und finanzrechtlichen Gründen scheitert, ist 
als Uebergangslösung die Form einer „Verbands 
schule für den Kreis Süderdithmarschen" gewählt. 
Skizzieren wir kurz das Wesen derartiger zweck- 
verbandlich zusammengeschlossener Berufsschulbe 
zirke an Hand der Satzungen für die im Dezem 
ber 1938 erstmalig hier in der Provinz in dieser 
Art gegründete „Verbandsberufsschule für Fried 
richstadt und Umgebung". Der Sinn dieser Neu 
gründung war — wie klar sein dürfte — die öe- 
rufsschulmäßige Erfassung der in diesem Winkel 
verschlossen, so daß die Neugründung baldigst voll 
zogen werden konnte. Sie bringt den Beteiligten 
neben schulischen Vorteilen auch solche wirtschaft 
licher Art. 
Die rechtliche Unterlage für die Neugründung 
bilden zwei Mustersatzungen, und zwar die für den 
„Zweckverband der Verbandsberufsschule für Fried 
richstadt und Umgebung" und eine zweite über die 
Berufsschulpflicht im Bezirk dieser Verbandsschule. 
In der Zweckverbandssatzung heißt es über den 
Zweck, daß die Stadt Friedrichstadt sowie die Ge 
meinden Koldcnbüttel, Lunden, Seeth, Drage, Sü- 
der- und Norderstapel an Stelle der bisher in den 
genannten Gemeinden vorhandenen einzelnen Schu 
len einen Zweckverband zur Einrichtung und Unter 
haltung einer Berufsschule bilden, dem auch andere 
Gemeinden beitreten können. Friedrichstadt stellt 
die Lehr- und Lernmittel zur Verfügung, im übri 
gen werden sämtliche Kosten, abgesehen von den 
Beihilfen und Einlagen (Schulgeld freiwilliger 
Schüler), anteilig nach Zahl der berufsschulpflichti- 
ten Jugendlichen auf die Verbandsmitglieder um 
gelegt. Verbandsvorsteher ist der Bürgermeister von 
Friedrichstaöt, ihm steht ein aus den Bürgermeistern 
der Mitgliedergemeinden zusammengesetzter Ver 
bandsausschuß beratend zur Seite. — 
Die Satzung über die Berufsschulpflicht regelt 
die Schulpflicht sbis zum vollendeten 18. Lebens 
jahr), die Pflichten der Lehrherren, die Aufgaben 
der zu berufenden Schulbeiräte usf. 
Zum Bernfsschulaufbau im Kreise Rendsburg 
Im Kreise Rendsburg haben — wie wir aus 
obiger Quelle erfahren konnten — nicht alle Lehr 
linge z. Zt. die Gelegenheit, eine für Angehörige 
ihres Berufes eingerichtete Fachklasse zu besuchen. 
Wohl lassen sich 15 Verufsschulorte aufzählen, doch 
können Fachklassen nur an wenigen Stellen durch 
geführt werden, da die dazu notwendige Zahl von 
Schülern einer Berufsrichtung nur in wenigen 
Fällen vorhanden ist. Dagegen trifft man oft sog. 
„gemischte" Klassen an, in denen Lehrlinge mit den 
verschiedensten Berufen allgemein — und fach 
theoretisch unterwiesen werden. 
Erfreulicherweise sorgen viele einsichtige und ver- 
antwortungsbewußte Lehrherren dafür, daß ihre 
Lehrlinge Fachklassen in einer größeren Berufs 
schule des Bezirkes besuchen. So sind z. B. in der 
Berufsschule der Stadt Rendsburg heute neben 564 
Renbsburger Lehrlingen 318 auswärtige Lehrlinge 
gegen ein Entgelt von 2g MM je Jahr eingeschult, 
statt 94 bis Ostern d. I. 1933. Besser kann zahlen 
mäßig doch nicht bewiesen werden, wie stark der 
Lehrherr bereits dem Ruf seiner Innung und der 
übergeordneten Kreishandwerkerschaft und Hand 
werkskammer, der Industrie- und Handelskammer, 
der DAF. usf. nach ordentlicher Fachschulung gefolgt 
ist! In manchen kleineren im Weichbild Rends 
burgs liegenden Berufsschulen ivar das Hinstreben 
zu den Fachklassen der nächsten größeren Schule 
so umfassend, daß dort der Ilnterrichtsüetrieb ein 
gestellt werden mußte. Man denke an Orte wie 
Büdelsdorf, Jevenstedt, Fockbek, Hamdorf, Brei- 
holz, Elsdorf, Schacht-Audorf. Zahlreiche andere 
Gemeinden, wie Achterwehr, Nortorf, Embühren 
usw. aus dem Kreise Rendsburg, Owschlag und 
Bargstedt usw. aus Eckernförde, haben einen Teil 
ihres Nachwuchses in Rendsburg untergebracht. 
Wer wollte, vom Standpunkt der Berufsaus 
bildung gesehen, diese Entwicklung in sehr vielen 
Einzelfüllen nicht freudigen Herzens begrüßen? 
Aber damit ist doch keineswegs eine befriedigende 
Allgemetnlösung der Berufsschulfrage im Kreis- 
gebiet erreicht! 
Obwohl die Gesamtverhältnisse keineswegs so 
liegen, daß sich diese Lösung nicht erreichen ließe. 
Man ziehe die Parallele zu den bereits in der 
Provinz geschaffenen, keineswegs günstiger gela- 
gerten Neugründungen dieser Art und erwäge fol 
genden Ausbau: 
Alle Städte und Gemeinden des Kreises schließen 
sich zu einem Verband mit dem Zwock der Ein 
richtung und Unterhaltung einer Berufsschule zu 
sammen. Diese Berufsschule tritt an die Stelle 
der bisher im Bezirke vorhandenen einzelnen 
Schulen dieser oder ähnlicher Art. 
Der Unterricht wird in verschiedenen Schularten 
durchgeführt. Die Schulorte werden so gewählt, daß 
die Einrichtung von Fachklassen möglich ist und 
sämtliche Lehrlinge im Kreise in nicht zu großer 
Entfernung letiva bis zu 10 Km.) oder unter be 
sonders günstigen Verkehrsbedingungen eine für sie 
passende Fachklasse erreichen können. 
Die Karte zeigt einen Borschlag für die Wahl von 
8 Schularten mit den dazugehörigen Schulbezirken. 
Die Schulorte sind gewählt unter Berücksichtigung 
der am 15. Juli 1935 im Kreise gewerblich tätigen 
fund der kaufmännisch tätigen, soiveit ihre Zahl 
bekannt war) Lehrlinge. Unter den damaligen 
Umständen, die im wesentlichen heute ähnlich vor 
liegen werden, könnten in den einzelnen Orten 
folgende Fachklassen eingerichtet werden: 
1. Achterwehr (Bezirk Nordost), 
bis jetzt ohne Schule, nach dem Vorschlag mit 1 
Klasse für konstruierende Berufe (wie Schlosser, 
Schmiede, Maschinenbauer). Nach dem Stande vom 
16. 7. 85 müßten also die Schmiede aus Achterwehr 
si Lehrling), BranöSbek (1), Bredenbek (2), Schön 
wohld (1) Ottendorf (2) und Kopperpahl fl), die 
Vaugewerbler aus Westensee (3), Bredenbek (1), 
Bovenau (1) und Melsdors (1), die Klempner 
aus Bovenau fl), Russee (1) und Kronshagen (1) 
und endlich die Autoschlosser aus Kronshagen (2) 
nach Achterwehr, während die Bäcker aus Westen 
see (2) nach Nortorf, von Bovenau (1) nach Rends 
burg, von Molfsee (1) und Russee (1) sowie KronS- 
hagen fl) nach Kiel fahren, 1 Maler aus Brands- 
bek nach Rendsburg, 1 Stellmacher aus Russee und 
1 Autoschlosser aus Kronshagen nach Kiel. Wir 
zählen bewußt Einzelheiten aus einem dieser von 
Direktor Seidel abgegrenzten Bezirke auf, um zu 
zeigen, baß mit einer derartigen Planung keines 
wegs eine einengende Starrheit verbunden ist, was 
u. a. schon daraus hervorgeht, daß die Schmiede aus 
Emkenöorf (1) und Ottendorf (2) nach Nortorf und 
Ş' = Schul orte 
Plankarte für den Aufban des Berufsschulwesens îm Kreise Rendsburg 
die bezirklich zugehörige Fachklasse eingerichtet ist- 
2. Nortorf (Bezirk Südost). 
Je eine Klasse für Metallarbeiter (mit 16 Schü- 
lern) und Bäcker (mit 17 Schülern), alles nach dein 
Stande vom 16. 7. 35. 2 Vaugewerbler fahren nach 
Neumünster, 1 nach Rendsburg, desgl. der Tischler 
und die beiden Maler: 1 Sattler fährt nach Rends 
burg, der andere nach Neumünster, desgl. die beiden 
Schlachter. 
3. Hohenwestedt (Bezirk Süd). 
Je 1 Klasse für Metallarbeiter (mit 19 Schülern) 
und für Bäcker (mit 12 Schülern). Die Tischler (4), 
Vaugewerbler (4), Maler (1), Schlachter (5)' 
Schneiderinnen (2), Schneider (4), Schuhmacher (3) 
und Elektriker (1) fahren geschlossen nach Rends 
burg. Von den Friseuren fährt einer nach Rends 
burg, der anderoXrach Neumünster. 
4. Hademarschen (Bezirk Südwest). 
Je 1 Klasse für Metallarbeiter (mit 17 Schülern), 
für Vaugewerbler (21), für Nahrungsgewerbe (I 7 ) 
und endlich fürs Bekleidungsgewerbe (12). Da die 
Friseure dem Bekleidungsgewerbe eingegliedert 
sind, können alle Lehrlinge vom Schwerpunkt Hade 
marschen erfaßt werden. 
5. Rendsburg (Bezirk Nord) 
mit Fachklassen für a) Elektriker, Maurer, Tischler, 
Zimmerer und Stellmacher. Bekleidung, Schnei 
derinnen, Bäcker, Schlachter, Friseure, Buch- 
gewerbler, Maler, Schlosser und Maschinenbauer, 
Autoschlosser, Schmiede, Klempner, b) für kauf 
männisch tätige Lehrlinge, Verwaltungs- und 
Rechtsanwaltslehrlinge. 
Mit dieser Aufteilung lassen sich augenblicklich 
im wesentlichen alle Lehrlinge betreuen. Die 
Drogisten und der Stricker besuchen ihre Fach 
schulen in Neumünster, die Schornsteinfeger und 
Dentisten in Kiel. Etwas schwieriger ist die fach 
gemäße Ausbildung des Uhrmachers und der 
Photographin, die in Rendsburg nach bestem Ver 
mögen eingegliedert sind. 
Was wäre erreicht? 
Grundsätzlich also dürfte mit dieser Aufteilung 
der Beweis erbracht sein, daß jene Lehrlinge, die in 
ihrem Bezirk nicht die für sie richtige Fachklasse 
finden, eine entsprechende im Nachbarbezirk be- 
suchen können, da günstige Verkehrsbeüingungen 
bestehen. 
Sehr wichtig ist zu bemerken, daß sich bei Durch 
führung dieses Aufbaus neben einer einwand 
freien sachlichen Gliederung der Schule ein gün 
stiger Einsatz der Lehrkräfte erreichen ließe, da diese 
riötigenfalls auch in verschiedenen Schulorten des 
Verbandsbezirks zu unterrichten hätten. 
Z. Zt. sind in der Rendsburger Berufsschule ins 
gesamt 11 Lehrkräfte vorhanden. Davon sind fünf 
Planstellen, und zwar 4 Gewerbelehrer (Metall-, 
Bau- und Holz-, Nahrungsmittel- u. Bekleidungs 
gewerbe) und 1 Handelslehrer, und 2 Außerplan 
stellen, und zwar je 1 Handels- und Geiverbelehrer 
(Metaller). Die nebenberuflichen Lehrkräfte setzen 
sich zusammen aus 1 Bildhauer, 1 VerivaltungS- 
fachmann, 1 Friseur- und 1 Malermeister. 
Nach Sem neuen Plan wäre selbstverständlich zur 
Erfüllung der größeren Aufgaben im gesamten 
Kreisgebiet eine Erweiterung des Lehrkörpers von 
nöten: mit einer Neueinsetzung von 2 Lehrkräften 
würde man aber den Anforderungen gerecht wer 
den können. Dabei ist zu bedenken, daß bis zürn 
April d. I. in den Orten Nortorf, Hohenwestedt, 
Hademarschen bereits eine außerplanmäßige Kraft 
(Holzgewerbler) voll beschäftigt gewesen ist. Somit 
ergäbe sich rein rechnerisch hinsichtlich der Zahl der 
Lehrkräfte eine Ausweitung um eine Kraft, um 
über den alten Zustand (bis zum April d. I.) eine 
restlose Erfassung der Lehrlinge im Kreisgebiet zu 
erwirken. 
Genaue Angaben über die bis jetzt aufgebrachten 
und die mit dem neuen Plan verbundenen Kosten 
erübrigen sich im Rahmen dieser Darstellung. Doch 
kann allgemein angesetzt werden, daß in all' den 
Bezirken, in denen eine ähnliche Planung durch 
geführt ist, die Koste» je Schüler nach der Neu 
ordnung niedriger geworden sind, ivas auch weiter 
nicht in Erstaunen setzen dürfte, weil die Planung 
aus einen wirtschaftlichen Einsatz aller Kräfte hin 
zielt. 
Man könnte seitens der Lehrherren oder des Lehr 
lings mit dem Einwand höherer Fahrtkosten kom 
men. Dem ist zu entgegnen, daß die Zahl der 
reisenden Schüler bei dem jetzigen Zustand bereits 
außerordentlich groß ist und sich nach dem Plan, 
insgesamt gesehen, keineswegs vergrößern, eher 
noch verkleinern wird, da die Fach klaffen an den 
verkehrsgünstig gelegenen Schwerpunkten für das 
Gros der Lehrlinge eingerichtet werden. Es fahren 
also im Prinzip die Lehrer zu den Schülern und 
nicht umgekehrt die Schüler zu den Lehrern. Der 
Nachteil, daß in der Minderheit vorhandene Be 
rufsangehörige in Einzelfällen längere Retsewegr 
zurückzulegen haben, sollte dem Gesamtplan nickst 
hinderlich sein, zumal sie selbst dabei den Vorteil 
besonderer Fachausbildung haben. 
Damit enden wir zum Schluß am Ausgangs 
punkt unserer Darstellung. Schulische Fachausbil 
dung mutz der praktischen Lehre ergänzend zur 
Seite treten, um das wichtigste Gut, die Arbeits 
kraft, bestmöglichst in den Dienst der Gesamtheit 
einzusetzen. Der neue Plan einer kreisivetseu 
Aufteilung hat dabei den Vorteil, daß er einer zU 
erwartenden reichsrechtlichen Regelung der Berufs- 
schulverhältnisse die entsprechenden BoraussetzungeU 
schafft. 
Dr. B.
	        
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