erufsschulung wohl - aber Wie?
Systematik in der Berufsschule durch
Zunehmende Erkenntnis
Es ist heutzutage überflüssig, sich über Sie Not
wendigkeit der Berufsschulung grundsätzlich zu
streiten. So weit sind wir immerhin schon, daß man
im Handwerk, in Kaufmannschaft und Industrie,
in Haus- und Landwirtschaft eine die praktische
Lehre unterstützende außerbetriebliche Schulung für
unentbehrlich hält. Und was Wunder, daß wir be
reits diese grundsätzliche Erkenntnis haben in einer
Zeit, die uns so recht auf unseren wahren Schatz
aufmerksam macht: die Arbeitskraft. Wir sind nicht
überaus gesegnet mit Naturgütern, die meisten
anderen Länder sind gliicklicher dran: aber wir
haben diese „relative" Armut so unendlich spät
bemerkt.
Es lief doch alles so schon von allein. Wir kauf
ten die Rohstoffe, veredelten sie, wie man sagt, und
verkauften sie als fertige Ware. Das war nicht
immer leicht, aber es war verhältnismäßig
leicht, und der Gewinn genügte, um uns alle als
Volk ohne Raum, d. h. ohne Schätze im Raum, an
ständig leben zu lassen. Bon dieser Zeit berichtete
einst der belgische Gesandte in Berlin an seine Re
gierung in Brüssel, Deutschland brauche nur den
Erfolg seines gewerblichen Schaffens abzuwarten,
um ohne Kolonien im Wetllauf imperialer Politik
Sieger zu werden.
Die Ernüchterung ist früh gekommen. Nur dau
erte es sehr lange, bis wir begriffen, worum es
sich denn handelt, was eigentlich zu tun ist, welche
Schätze uns denn noch zum Aufbau geblieben sind.
Heute weiß das jeder. Somit kann es keine Fra
ge mehr sein, ob dieser Schatz bis zum letzten aus
zunutzen ist oder nicht, sondern es geht darum, wie
es am besten geschieht. Halten ivir diesen Unterschied
jenen zugute, die sich heute noch gegen eine außer
betriebliche Schulung wehren. Billigen wir ihnen
zu, daß sie in zu starrem Wissen um die zentrale
Stellung der praktischen Lehre nicht gegen die Aus
bildung an sich sind, sondern nur nicht einsehen
können, daß diese außerbetriebliche Schulung un
entbehrliche ergänzende Dienste leistet.
Diese Gruppe von Lehrherren ist garnicht so
klein — gewesen, in diesem Beruf besonders, in
jenem weniger. Je mehr nämlich in einer Berufs
gruppe Gelegenheit war, einmal einen Saldo zu
ziehen über den wirklich vorhandenen Leistungs
stand, um so deutlicher wurde auch die Notwend ig-
keit ergänzender Ausbildung. DaS Handwerk darf
sich glücklich schützen, in Wahrung überkommener
Werte mit am eifrigsten praktische und ergänzende
Lehre gepflegt zu haben. Es hat auch jetzt durch
eine umfassende Gesetzgebung den erfolgreichen
Start unternommen, Schlacken zu beseitigen und
Lücken auszubessern.
.Handel und Industrie haben es schwerer, da über
haupt erst einmal (allerdings mit großen örtlichen
Unterschieden) das PrüfungSwesen aufzubauen ist.
Soweit es jetzt lfakultativ) besteht, haben die Er
gebnisse der lGehilfen-) Prüfungen umwälzende
Erkenntnisse gebracht. Man lese in der Deutschen
Wirtschaftszeitung, dem Organ der Arbeitsgemein
schaft der Industrie- und Handelskammern in der
Reichswirtschaftskammer, die Prüfungsberichte der
einzelnen Kammern, gleichgültig, ob aus dem
kaufmännischen oder industriellen Sektor! Auch
nicht eine Stimme wendet sich gegen die ergänzende
außerbetriebliche Ausbildung. Fast jedes Monats
heft der schleswig-holsteinischen Industrie- und
Handelskammern der letzten Zeit beschäftigte sich
mit den Ergebnissen der kaufmännischen und ge
werblichen Gehilfenprüfungen. In einer Mseitigen
Broschüre sind diese nochmals zusammengestellt und
aus den oft beunruhigenden Ergebnissen die lite
rarischen Folgerungen gezogen. Eigene Schulungs
abteilungen werden ausgebaut inmitten der be
rufsständischen Vertretung und was dergleichen
mehr: nian möchte nach der Zeit des Schlummerns
nun doppelt wach sein, bestrebt, das Versäumte
schnellstens nachzuholen.
Ob für die Berufsschule nunmehr das Goldene
Zeitalter angebrochen ist? Ob endlich alles, was
lernt, aus Grund des Reichsberufsschulgesetzes nach
einheitlichen Richtlinien in ihre Obhut muß? War
ten wir ab, was das angekündigte Gesetz bringt,
welchen Spielraum es den einzelnen Ländern zur
Pflege eigener Belange läßt! Aber stellen wir mit
Genugtuung fest, daß endlich der Boden genügend
aufgelockert ist, um jenem kläglichen Zustand ein
Ende zu bereiten, daß nach beendeter Schulzeit eine
weitere außerbetriebliche Schulung plötzlich ab
brach und ein Großteil deutscher Jugend sich selbst
überlassen blieb.
Beispiele aus der Praxis
Das Wie der Berufsschulung ist heutzutage Ge
genstand mannigfaltiger Erörterung. Sehen wir
hier von den rein fachlichen Fragen ab und er
örtern wir im nachfolgenden die Fundamental
frage, wie die innerhalb eines Bezirks in Lehre
stehende Jugend am zweckmäßigsten dem Wirkungs
bereich einer Berufsschule zugeführt werden kaun:
Die beiliegende Skizze erübrigt weitere Worte über
den näherer Behandlung unterzogenen Bezirk. Die
von dem Leiter der hiesigen Berufsschule, Direktor
Seidel, initiativ betriebenen Planungsarbeiten er
möglichten uns die eingehende Darstellung der im
Kreise Rendsburg bestehenden Verhältnisse und der
etwaig zu ergreifenden Maßnahmen, um durch einen
andersartigen Aufbau des Berufsschulwesens nicht
nur dem in der Stadt Rendsburg und Umgebung
wohnenden Lehrling die Voraussetzung für einen
ordnungsgemäßen Berufsschulbesuch zu verschaffen,
sondern im Rahmen des Möglichen auch den in
fachliche Zusammenfassung — Die Verhältnisse im Kreise Rendsburg und die Möglichkeiten ihrer Wandlnag
wohnenden Lehrlinge an einem verkehrsmäßig denk- Kiel fahren können, dergleichen die 2 Baugewerbe
bar günstig gelegenen Schwerpunkt, einer Notwen- ler aus Rotenhahn nach Kiel, eben weil es ver-
digkeit, der sich die beteiligten Kreise keineswegs kehrsgünstiger für sie liegt, trotzdem in Achterwehr
den einzelnen Dörfern verstreut wohnhaften Lehr
lingen.
In einprägsamer Weise hat bereits Dr. Schoen-
waldt-Altona die organisatorische Neuordnung im
Kreise Süderdithmarschen in der Mai-Nummer der
„Wirtschaftlichen Nachrichten" behandelt. Er unter
streicht zunächst unter dem Thema „Die Zentrali
sierung des Berufsschulwesens in Schleswig-Hol
stein" die Notwendigkeit der die Lehre ergänzen
den Berufsschulung, betont dabei die unerläßliche
Spezialisierung des Nachwuchses beim Unterricht
und stellt an Hand der Zustände im Kreise Süder
dithmarschen fest, daß das bisherige Berufsschul
wesen dem Ziel einer möglichst weitgehenden Aus
richtung „auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse der
verschiedenen Wirtschaftszweige und -Untergruppen"
nicht entspricht und nimmt alsdann die Bildung
der Kreisverbandsschule Süderdithmarschen zum
Anlaß, um praktisch das Wie zu zeigen, das zwecks
Bildung von Fachklassen auf eine Zentralisation
des Berufsschulwesens hinausläuft. Da die Kreis-
verussschule als „Ideal der anzustrebenden Lösung"
an etat- und finanzrechtlichen Gründen scheitert, ist
als Uebergangslösung die Form einer „Verbands
schule für den Kreis Süderdithmarschen" gewählt.
Skizzieren wir kurz das Wesen derartiger zweck-
verbandlich zusammengeschlossener Berufsschulbe
zirke an Hand der Satzungen für die im Dezem
ber 1938 erstmalig hier in der Provinz in dieser
Art gegründete „Verbandsberufsschule für Fried
richstadt und Umgebung". Der Sinn dieser Neu
gründung war — wie klar sein dürfte — die öe-
rufsschulmäßige Erfassung der in diesem Winkel
verschlossen, so daß die Neugründung baldigst voll
zogen werden konnte. Sie bringt den Beteiligten
neben schulischen Vorteilen auch solche wirtschaft
licher Art.
Die rechtliche Unterlage für die Neugründung
bilden zwei Mustersatzungen, und zwar die für den
„Zweckverband der Verbandsberufsschule für Fried
richstadt und Umgebung" und eine zweite über die
Berufsschulpflicht im Bezirk dieser Verbandsschule.
In der Zweckverbandssatzung heißt es über den
Zweck, daß die Stadt Friedrichstadt sowie die Ge
meinden Koldcnbüttel, Lunden, Seeth, Drage, Sü-
der- und Norderstapel an Stelle der bisher in den
genannten Gemeinden vorhandenen einzelnen Schu
len einen Zweckverband zur Einrichtung und Unter
haltung einer Berufsschule bilden, dem auch andere
Gemeinden beitreten können. Friedrichstadt stellt
die Lehr- und Lernmittel zur Verfügung, im übri
gen werden sämtliche Kosten, abgesehen von den
Beihilfen und Einlagen (Schulgeld freiwilliger
Schüler), anteilig nach Zahl der berufsschulpflichti-
ten Jugendlichen auf die Verbandsmitglieder um
gelegt. Verbandsvorsteher ist der Bürgermeister von
Friedrichstaöt, ihm steht ein aus den Bürgermeistern
der Mitgliedergemeinden zusammengesetzter Ver
bandsausschuß beratend zur Seite. —
Die Satzung über die Berufsschulpflicht regelt
die Schulpflicht sbis zum vollendeten 18. Lebens
jahr), die Pflichten der Lehrherren, die Aufgaben
der zu berufenden Schulbeiräte usf.
Zum Bernfsschulaufbau im Kreise Rendsburg
Im Kreise Rendsburg haben — wie wir aus
obiger Quelle erfahren konnten — nicht alle Lehr
linge z. Zt. die Gelegenheit, eine für Angehörige
ihres Berufes eingerichtete Fachklasse zu besuchen.
Wohl lassen sich 15 Verufsschulorte aufzählen, doch
können Fachklassen nur an wenigen Stellen durch
geführt werden, da die dazu notwendige Zahl von
Schülern einer Berufsrichtung nur in wenigen
Fällen vorhanden ist. Dagegen trifft man oft sog.
„gemischte" Klassen an, in denen Lehrlinge mit den
verschiedensten Berufen allgemein — und fach
theoretisch unterwiesen werden.
Erfreulicherweise sorgen viele einsichtige und ver-
antwortungsbewußte Lehrherren dafür, daß ihre
Lehrlinge Fachklassen in einer größeren Berufs
schule des Bezirkes besuchen. So sind z. B. in der
Berufsschule der Stadt Rendsburg heute neben 564
Renbsburger Lehrlingen 318 auswärtige Lehrlinge
gegen ein Entgelt von 2g MM je Jahr eingeschult,
statt 94 bis Ostern d. I. 1933. Besser kann zahlen
mäßig doch nicht bewiesen werden, wie stark der
Lehrherr bereits dem Ruf seiner Innung und der
übergeordneten Kreishandwerkerschaft und Hand
werkskammer, der Industrie- und Handelskammer,
der DAF. usf. nach ordentlicher Fachschulung gefolgt
ist! In manchen kleineren im Weichbild Rends
burgs liegenden Berufsschulen ivar das Hinstreben
zu den Fachklassen der nächsten größeren Schule
so umfassend, daß dort der Ilnterrichtsüetrieb ein
gestellt werden mußte. Man denke an Orte wie
Büdelsdorf, Jevenstedt, Fockbek, Hamdorf, Brei-
holz, Elsdorf, Schacht-Audorf. Zahlreiche andere
Gemeinden, wie Achterwehr, Nortorf, Embühren
usw. aus dem Kreise Rendsburg, Owschlag und
Bargstedt usw. aus Eckernförde, haben einen Teil
ihres Nachwuchses in Rendsburg untergebracht.
Wer wollte, vom Standpunkt der Berufsaus
bildung gesehen, diese Entwicklung in sehr vielen
Einzelfüllen nicht freudigen Herzens begrüßen?
Aber damit ist doch keineswegs eine befriedigende
Allgemetnlösung der Berufsschulfrage im Kreis-
gebiet erreicht!
Obwohl die Gesamtverhältnisse keineswegs so
liegen, daß sich diese Lösung nicht erreichen ließe.
Man ziehe die Parallele zu den bereits in der
Provinz geschaffenen, keineswegs günstiger gela-
gerten Neugründungen dieser Art und erwäge fol
genden Ausbau:
Alle Städte und Gemeinden des Kreises schließen
sich zu einem Verband mit dem Zwock der Ein
richtung und Unterhaltung einer Berufsschule zu
sammen. Diese Berufsschule tritt an die Stelle
der bisher im Bezirke vorhandenen einzelnen
Schulen dieser oder ähnlicher Art.
Der Unterricht wird in verschiedenen Schularten
durchgeführt. Die Schulorte werden so gewählt, daß
die Einrichtung von Fachklassen möglich ist und
sämtliche Lehrlinge im Kreise in nicht zu großer
Entfernung letiva bis zu 10 Km.) oder unter be
sonders günstigen Verkehrsbedingungen eine für sie
passende Fachklasse erreichen können.
Die Karte zeigt einen Borschlag für die Wahl von
8 Schularten mit den dazugehörigen Schulbezirken.
Die Schulorte sind gewählt unter Berücksichtigung
der am 15. Juli 1935 im Kreise gewerblich tätigen
fund der kaufmännisch tätigen, soiveit ihre Zahl
bekannt war) Lehrlinge. Unter den damaligen
Umständen, die im wesentlichen heute ähnlich vor
liegen werden, könnten in den einzelnen Orten
folgende Fachklassen eingerichtet werden:
1. Achterwehr (Bezirk Nordost),
bis jetzt ohne Schule, nach dem Vorschlag mit 1
Klasse für konstruierende Berufe (wie Schlosser,
Schmiede, Maschinenbauer). Nach dem Stande vom
16. 7. 85 müßten also die Schmiede aus Achterwehr
si Lehrling), BranöSbek (1), Bredenbek (2), Schön
wohld (1) Ottendorf (2) und Kopperpahl fl), die
Vaugewerbler aus Westensee (3), Bredenbek (1),
Bovenau (1) und Melsdors (1), die Klempner
aus Bovenau fl), Russee (1) und Kronshagen (1)
und endlich die Autoschlosser aus Kronshagen (2)
nach Achterwehr, während die Bäcker aus Westen
see (2) nach Nortorf, von Bovenau (1) nach Rends
burg, von Molfsee (1) und Russee (1) sowie KronS-
hagen fl) nach Kiel fahren, 1 Maler aus Brands-
bek nach Rendsburg, 1 Stellmacher aus Russee und
1 Autoschlosser aus Kronshagen nach Kiel. Wir
zählen bewußt Einzelheiten aus einem dieser von
Direktor Seidel abgegrenzten Bezirke auf, um zu
zeigen, baß mit einer derartigen Planung keines
wegs eine einengende Starrheit verbunden ist, was
u. a. schon daraus hervorgeht, daß die Schmiede aus
Emkenöorf (1) und Ottendorf (2) nach Nortorf und
Ş' = Schul orte
Plankarte für den Aufban des Berufsschulwesens îm Kreise Rendsburg
die bezirklich zugehörige Fachklasse eingerichtet ist-
2. Nortorf (Bezirk Südost).
Je eine Klasse für Metallarbeiter (mit 16 Schü-
lern) und Bäcker (mit 17 Schülern), alles nach dein
Stande vom 16. 7. 35. 2 Vaugewerbler fahren nach
Neumünster, 1 nach Rendsburg, desgl. der Tischler
und die beiden Maler: 1 Sattler fährt nach Rends
burg, der andere nach Neumünster, desgl. die beiden
Schlachter.
3. Hohenwestedt (Bezirk Süd).
Je 1 Klasse für Metallarbeiter (mit 19 Schülern)
und für Bäcker (mit 12 Schülern). Die Tischler (4),
Vaugewerbler (4), Maler (1), Schlachter (5)'
Schneiderinnen (2), Schneider (4), Schuhmacher (3)
und Elektriker (1) fahren geschlossen nach Rends
burg. Von den Friseuren fährt einer nach Rends
burg, der anderoXrach Neumünster.
4. Hademarschen (Bezirk Südwest).
Je 1 Klasse für Metallarbeiter (mit 17 Schülern),
für Vaugewerbler (21), für Nahrungsgewerbe (I 7 )
und endlich fürs Bekleidungsgewerbe (12). Da die
Friseure dem Bekleidungsgewerbe eingegliedert
sind, können alle Lehrlinge vom Schwerpunkt Hade
marschen erfaßt werden.
5. Rendsburg (Bezirk Nord)
mit Fachklassen für a) Elektriker, Maurer, Tischler,
Zimmerer und Stellmacher. Bekleidung, Schnei
derinnen, Bäcker, Schlachter, Friseure, Buch-
gewerbler, Maler, Schlosser und Maschinenbauer,
Autoschlosser, Schmiede, Klempner, b) für kauf
männisch tätige Lehrlinge, Verwaltungs- und
Rechtsanwaltslehrlinge.
Mit dieser Aufteilung lassen sich augenblicklich
im wesentlichen alle Lehrlinge betreuen. Die
Drogisten und der Stricker besuchen ihre Fach
schulen in Neumünster, die Schornsteinfeger und
Dentisten in Kiel. Etwas schwieriger ist die fach
gemäße Ausbildung des Uhrmachers und der
Photographin, die in Rendsburg nach bestem Ver
mögen eingegliedert sind.
Was wäre erreicht?
Grundsätzlich also dürfte mit dieser Aufteilung
der Beweis erbracht sein, daß jene Lehrlinge, die in
ihrem Bezirk nicht die für sie richtige Fachklasse
finden, eine entsprechende im Nachbarbezirk be-
suchen können, da günstige Verkehrsbeüingungen
bestehen.
Sehr wichtig ist zu bemerken, daß sich bei Durch
führung dieses Aufbaus neben einer einwand
freien sachlichen Gliederung der Schule ein gün
stiger Einsatz der Lehrkräfte erreichen ließe, da diese
riötigenfalls auch in verschiedenen Schulorten des
Verbandsbezirks zu unterrichten hätten.
Z. Zt. sind in der Rendsburger Berufsschule ins
gesamt 11 Lehrkräfte vorhanden. Davon sind fünf
Planstellen, und zwar 4 Gewerbelehrer (Metall-,
Bau- und Holz-, Nahrungsmittel- u. Bekleidungs
gewerbe) und 1 Handelslehrer, und 2 Außerplan
stellen, und zwar je 1 Handels- und Geiverbelehrer
(Metaller). Die nebenberuflichen Lehrkräfte setzen
sich zusammen aus 1 Bildhauer, 1 VerivaltungS-
fachmann, 1 Friseur- und 1 Malermeister.
Nach Sem neuen Plan wäre selbstverständlich zur
Erfüllung der größeren Aufgaben im gesamten
Kreisgebiet eine Erweiterung des Lehrkörpers von
nöten: mit einer Neueinsetzung von 2 Lehrkräften
würde man aber den Anforderungen gerecht wer
den können. Dabei ist zu bedenken, daß bis zürn
April d. I. in den Orten Nortorf, Hohenwestedt,
Hademarschen bereits eine außerplanmäßige Kraft
(Holzgewerbler) voll beschäftigt gewesen ist. Somit
ergäbe sich rein rechnerisch hinsichtlich der Zahl der
Lehrkräfte eine Ausweitung um eine Kraft, um
über den alten Zustand (bis zum April d. I.) eine
restlose Erfassung der Lehrlinge im Kreisgebiet zu
erwirken.
Genaue Angaben über die bis jetzt aufgebrachten
und die mit dem neuen Plan verbundenen Kosten
erübrigen sich im Rahmen dieser Darstellung. Doch
kann allgemein angesetzt werden, daß in all' den
Bezirken, in denen eine ähnliche Planung durch
geführt ist, die Koste» je Schüler nach der Neu
ordnung niedriger geworden sind, ivas auch weiter
nicht in Erstaunen setzen dürfte, weil die Planung
aus einen wirtschaftlichen Einsatz aller Kräfte hin
zielt.
Man könnte seitens der Lehrherren oder des Lehr
lings mit dem Einwand höherer Fahrtkosten kom
men. Dem ist zu entgegnen, daß die Zahl der
reisenden Schüler bei dem jetzigen Zustand bereits
außerordentlich groß ist und sich nach dem Plan,
insgesamt gesehen, keineswegs vergrößern, eher
noch verkleinern wird, da die Fach klaffen an den
verkehrsgünstig gelegenen Schwerpunkten für das
Gros der Lehrlinge eingerichtet werden. Es fahren
also im Prinzip die Lehrer zu den Schülern und
nicht umgekehrt die Schüler zu den Lehrern. Der
Nachteil, daß in der Minderheit vorhandene Be
rufsangehörige in Einzelfällen längere Retsewegr
zurückzulegen haben, sollte dem Gesamtplan nickst
hinderlich sein, zumal sie selbst dabei den Vorteil
besonderer Fachausbildung haben.
Damit enden wir zum Schluß am Ausgangs
punkt unserer Darstellung. Schulische Fachausbil
dung mutz der praktischen Lehre ergänzend zur
Seite treten, um das wichtigste Gut, die Arbeits
kraft, bestmöglichst in den Dienst der Gesamtheit
einzusetzen. Der neue Plan einer kreisivetseu
Aufteilung hat dabei den Vorteil, daß er einer zU
erwartenden reichsrechtlichen Regelung der Berufs-
schulverhältnisse die entsprechenden BoraussetzungeU
schafft.
Dr. B.