Schrveine-Kontingent 80%
Mit dem heutigen Tage tritt die durch Anordnung
"l. 46 der HB der Deutschen Viehwirtschaft vor-
àommene Erhöhung des Schweine-Kontingents
bisher 6V auf nunmehr 80 vH in Kraft. Sie ist
rechtzeitig genug gekommen, um zur Befriedi
gung des erhöhten Bedarfs zu den Osterfeiertagen
Ein entsprechendes Mehrangebot an Schweinefleisch
bereitzustellen. Mit der Heraufsetzung des Schlacht-
Eontingents wird auch eine neue Berechnungsgrunö-
Ia ûe für die Kontingentierung eingeführt. Während
bisher der Monat Oktober 1034 die Ausgangsbasis
bildete, ist nunmehr ein ganzes Jahr, und zwar vom
Oktober 1934 bis 28. September 1935 als Ber-
àchģzeit herangezogen worden .
^ Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, die durch die
Zugrundelegung eines einzigen Monats bei der
Kontingentierung entstandenen Ungleichheiten und
Harten zu vermeiden. Andererseits hat die Einfüh
rung der neuen Ausgangsbasis zur Folge, daß das
ulte und das neue Kontingent nicht ohne weiteres
miteinander vergleichbar sind. Der Zeitraum vom
Oktober 1934 bis 28. September 1035 umfaßt
Uamlich auch die Zeit der niedrigen Schweineauf-
ltiebe. So kommt es, daß das neue Kontingent
reicht um ein vylles Drittel hoher liegt als das
ulte, wie man bei oberflächlicher Betrachtung an
nehmen konnte.
Der Landpreis für die Klaffen b, c, d
Ein Appell des Rcichsfachfchaftsleiters
der Viehverteiler
9m Zusammenhang mit einer Erörterung der
Bestimmung über die Rinderkontingentierung hat
èer Neichsfachschaftsleiter der Viehverteiler, Alex
Brinkmann, einen Appell an die Viehhändler ge
dichtet, in dem es in Bezug auf den Einkauf von
Rindern u. a. heißt: Die Landpreise für Rinder sind
Höchstpreise und keine Festpreise; sie sind errechnet
Uach der oberen Preisgrenze der Schlachtwertklasse
Q ) des entsprechenden Richtmarktes abzüglich einer
"Ukostenspanne und müssen zwangsläufig der vor
aussichtliche Klassifizierung entsprechend im Land
Nuterzahlt werden, damit eine ordnungsgemäße
Beschickung der Märkte gewährleistet ist.
Der Händler soll und muß die Landhöchstpreise
öei den Tieren der Klassen b, c und d so uuterzah-
ļon, daß die Verwertung am Markt möglich ist.
Der Erzeuger soll gerade durch den Mindererlös
ş'ir beispielsweise eine d-Kuh künftighin in der
Aussicht auf Erzielung besserer Preise durch Aus-
fütterung bis zur völligen Ausmästung angeregt
Und angehalten werden. Dies könnte jedoch nicht ge
diehen, wenn er auf Kosten seiner Ausstichtiere auch
für seine d-Kuh den Höchstpreis erhielte.
In diesem Zusammenhang wird es eine wesent
liche Aufgabe des Viehhandels sein, durch Aufklä
rung und zweckentsprechendes Handeln dazu beizu
fügen, daß unreife Tiere nicht vorzeitig abge
schlachtet werden. Seitens des Reichsnährstandes ist
Wieder und wieder darauf hingewiesen worden, daß
^besondere junge, unreife Tiere keinesfalls an den
fchlachtviehmarkt gelangen. Sofern Erzeuger in
dulge Futtermangel nicht imstande sind, die Tiere
Leiter zu halten, ist es Sache des Handels, diese in
Gastwirtschaften und Weidebetriebe zu vermitteln.
Ein derartiges Vorgehen ist nicht nur aus nahe
liegenden volkswirtschaftlichen Erwägungen not
wendig, sondern ergibt sich aus der Jnteressenlage
des einzelnen Erzeugers.
Solche unreifen Tiere werden an den Märkten
in die unteren Schlachtwertklassen eingereiht und
können nur eine mäßige Verwertung erbringen,
während sie nach Ausreifung und Ausmästung in
Betrieben, die über reichliches Futter verfügen, zu
günstigeren Preisen veräußert werden können.
Hinzu kommt, daß gerade der kleinere Erzeuger,
welcher vielleicht im ganzen Jahr eine mit Liebe
und Sorgfalt ausgemästete Färse — ein Ausstich
tier — zum Verkauf stellt, beim Festkaus ohne diese
Bestimmung um den gerechten Lohn käme, denn er
hat nicht die Möglichkeit, einen Preisausgleich
durch die bessere Bezahlung schlechterer Qualitäten
zu erzielen. Auch aus dieser Ueberlegung heraus
war die getroffene Regelung erforderlich.
BezîrksbutteraussteîlUng
Am 4. April hielt der Milchwirtschaftsverband
Nordmark in Hohenwestedt, Haus Harmonie, die
20. Butterausstellung des Milchversorgungsverban
des Holstein-West ab.
Ausgestellt waren 40 Butterproben, davon mußten
zwei Proben wegen Nichterfüllung der Ausstel
lungsbedingungen von dem PrciswekkbewerV aus
geschlossen werden.
Die Butterproben wurden von doppelten Richter
gruppen geprüft. Als Preisrichter nahmen teil:
Direktor Fein-Altona, Buttersachverständiger Wil-
kcn-Hamburg sowie die Meiereifachleute Bock-Bü-
öelsdorf, Rohwer-Langweöel, Roh-Alt-Duvenstedt
und Kreutz-Groß-Bollstedt. Das Ergebnis der
Prüfung war wie folgt: Ausgestellt waren 38 Pro
ben, davon konnten 32 Proben (84,2 vH) als „mar
kenfähig", 6 Proben (18,2 vH) als „Deutsche feine
Molkereiöutter" und 1 Probe (2,6 vH) als „Land
butter" bezeichnet werden. Die Bewertung der
markenfähigen Ausstellungsproben nach Punkten
war wie folgt:
26 Punkte erhielten die Meiereien: Wapelfeld,
Beldorf, Hohenweüedt, Wettersberg, Haale, Nin
dorf. Puls, Berinqstedt, Poyenberg u. Maisborstel.
16 Punkte erhielten die Meiereien: Meezen, Hadc-
marschen, Peißen, Remmels.
17 Punkte die Meierei: Fitzbek.
Den drei besten Proben wurden Ehrenpreise zu
erkannt: den 1. Preis erhielt Meiereibetriebsleiter
Mahnt-Wapelfeld, den 2. Preis erhielt Meierei
betriebsleiter Jensen-Beldorf, den 3. Preis erhielt
Meiereibetriebsleiter Andresen-Hohenwestedt.
Die anschließende Ausstellungsversammlung war
von 86 Personen besucht. Sie wurde von dem Ver
treter des Milchversorgungsverbandes Holstein-
West. Geschäftsführer Mais, geleitet. Meierei-In
struktor Deertz-Kellinghusen erstattete den Bericht
über die Ausstellung und Buttersachverständiger
AWch 1038 Reîchszrrschûşşe zur Errichtung
von GarsntLerSshriltern
Laut Anordnung des Reichsministers für Ernäh- I
rung wird die Gewährung von Reichszuschüssen '
für die Errichtung von Einsäuerungsbehältcrn auch
im Rechnungsjahr 1086 in gleicher Weise wie bisher
fortgesetzt.
Die bisher bestehenden Richtlinien für die Ge
währung von Reichszuschüssen werden etwas ge
ändert bzw ergänzt. Ein Baukostenzuschuß von
4 MM je Kubikmeter umbauten Gärraumes wird
nur für schloe Einsäuerungsbehälter in massiver
Bauausführung (Beton, Stein, Mauerwerk, Eisen)
oder aus Holz gewährt, die wasserdruckfest und
wasserundurchlässig sind, sowie allen an eine brauch
bare Einsäuerungsanlage zu stellenden Anforde
rungen entsprechen. Unter „umbauter Gärraum" ist
lediglich der umbaute Leerraum, also ohne Mauer
werk. zu verstehen.
Für kleinere Behälter mit einem Rauminhalt
bis zu 12 Kubikmeter (einschlietzlichj umbauten
Gärranmcs kann der Beihilfe?«); auf Antrag von
4 aus 6 MM je Kubikmeter erhöht werden. Diese
Erhöhung Erfolgt lediglich für Antragsteller, die
bisher noch keinen Reichszuschuß. erhalten haben
und nur für die nach dem 31. März 1936 errichteten
Behälter. Maßgebend für den Zeitpunkt der Errich
tung ist der Tag der Ausstellung der Bauabnahme
bescheinigung.
Die Landesbauernschaften prüfen, ob die einge
henden Beihilfeanträge den Richtlinien entsprechen.
Sie bestimmen die in Frage kommende Rcichsbei-
hilfe und sprechen die Zusagen hierfür aus. Erst
uach vorliegender Zusage kann der Bau der Ein-
säuerungsüehälter, für die ein Zuschuß in Anspruch
genommen werden soll, begonnen werden. Nach
Fertigstellung der Einsäuerungsanlage wirb von
der Landcsbaucrnschaft eine Bauabnahmebescheini
gung ausgestellt, aus Grund derer die Auszahlung
des Reichszuschusses erfolgt.
Zur Qualität der Zellwolle
In dem Geschäftsbericht der Christian Dierig
A.-G. in Langenbielau für 1935 heißt es zur Ver
wendung der Zellwolle: Ganz allgemein prophezeit
man der Zellwolle eine außerordentliche Zukunft.
Die Zellwolle bietet durch ihre Gleichmäßigkeit und
damit besonders gute Verarbeitungsmöglichkeit
soviel spiunstofftechnische Vorteile, daß selbst ein
etwas höherer Preis gegenüber der natürlichen
Baumwolle durchaus gerechtfertigt erscheint. Auch in
der Naßsestigkcit sind in den letzten Monaten so
große Fortschritte gemacht worden, daß man heute
Zellstoffmischgewebe reinen Baumwollgeweben ge
genüber als durchaus gleichwertig betrachten kann.
Stark beanspruchte Stoffe werden heute schon mit
einem Durchschuß von einem Sechstel Zellwolle her
gestellt, ohne daß die Güte des Materials nur im
geringsten zu wünschen übrig läßt, und es wäre
durchaus möglich, die Zellwollebeimischung »och zu
steigern. Gering beanspruchte Stosse, wie Moussc-
line, stellt man sogar heute zu 106 vH aus Zell
wolle her und die Güte dieses Erzeugnisses hat den
natürlichen Wollmousseline fast völlig verdrängt.
Witten-Hamburg den der Preisrichter. Landwirt-
Hastsrat Jversen von der Landesbauernschaft Kiek
hielt einen hochinteressanten Vortrag „Der Be
triebsleiter und sein Lehrling". Der Vortrag wurde
mit großem Beifall aufgenommen und rief eine
rege Debatte hervor. Mit einem dreifachen Siegheil
auf unsern Führer Adolf Hitler wurde die anre
gende Versammlung geschlossen.
Die Kaltblut-HengstversicherAna
Im Bahnhofshotel zu Flensburg fand unter dem
Vorsitz des Vereinsleiters C. I. Jessen-Tinning-
stedt (Kreis Südtondern) eine Mitgliederversamm
lung des Hengstverstcheruugsvereins der gekörten
kaltblütigen Hengste statt. Einleitend wurde in
ehrenden Worten des verstorbenen Borstandsmrt-
glieds I. Jochimsen-Soholmbrück und dessen um die
Hengstzucht gleichfalls verdienten Bruders N. Jo-
chimsen-Bredstedt, der ebenfalls im vorigen Jahre
verstorben ist, gedacht.
Aus dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß
am Ende des Rechnungsjahres etn Versicherungs
bestand von 156 Hengsten, davon 107 nachversicherte,
vorhanden war. Die Versicherungssumme beträgt in
der ordentlichen Versicherung 413 259 MM, in der
Nachversicherung 177 656 MM, zusammen 590 960
MM. Die zu deckenden Versicherungsschäden beliefen
sich auf rund 16 433 MM.
Zu entschädigen waren: 1. „Diplomat" (Eigen
tümer Genossenschaft Tiebensee), 2. „Feldjäger" (I.
Garleff-Oldenburg), 3. „Orpheus" (H. Hansen-
Hemmeckdorf-Südtondern) und 4. „Jsedor" (Guts-
pächter Janus-Ovendorf). In der Junghengstver
sicherung waren Schäden nicht zu vergüten. In der
Abteilung A „gekörte Hengste" betrug der Jahres
überschuß 5817,54 MM, in der Abteilung 6 „Jung
hengste" 226 MM. Das Gesamtvermögcn der Ver
sicherung beläuft sich nach Hinzuzählung des vor
läufigen Ueberschusses auf 24 886,49 MM. Die Aende
rung der Satzungen, die der juristische Beirat Dr.
Hennings-Bredstedt erläuterte, wurden dem Ent
wurf entsprechend angenommen. Die Versicherungs
summe wurde von 7006 auf 8500 Moil erhöht. Neu
in den Beirat berufen wurde Thomsen-Bilschau.
Der Verbandsleiter schloß die rege verlaufene
Versammlung mit einem dreifachen Siegheil auf
den Führer.
Große Schlachtvich-Aussnhr
aus Dänemark nach Deutschland
In dieser Woche sind über die Grenzschlachthäuser
in deutschen Häfen rund 6660 Schlachtrinder aus
Dänemark eingeführt worden, 1700 mehr als in
der Vorwoche. Dafür wird in der „Stillen Woche"
kein Vieh eingeführt. — Im ersten Vierteljahr 1936
sind aus Dänemark insgesamt 1388 schwere dänische
Pscrde nach Deutschland ausgeführt worden. Die
Preise lagen während der ersten beiden Monate um
1006 Kr., sie stiegen im März auf bis zu 1200 Kr.
sür erstklassige Tiere. Wie verlautet, sollen künftig
auch leichtere Pferde angekauft werden.
Neuer Oelfund bei Heide
Bei Heide in Holstein ist die dritte Erdölbohrung
in 450 Meter Tiefe sündig geworden. Die Ansangs
ergiebigkeit soll etwa 26 Tonnen je Tag betragen.
Der Bezirk Heide ist seit September 1085 zum ersten
Male statistisch erfaßt. Er ergab in den letzten vier
Monaten des Jahre 1935 eine Ausbeute von 1564
Tonnen Erdöl.
Se? MiZ Doktor Rübezahl
Nomarr von Anton Schwab
Copyright by: Romanverl. Greiser. Karlsruhe.
49) Nachdruck verboten.
Als er wieder zu sich kam, da lag er in sei-
Wohnung in seinem Bett, und Onkel
glacis saß mit glücklichem, stolzem Gesicht
Verwundert schaute sich der Arzt um.
^"Ja, was ist denn das? Wo bin ich denn?
oiii Bett! Ich bin doch nicht krank!"
Dröhnend lachte Onkel Klaas auf.
^»Onkol Doktor ist krank! Der gute Doktor-
Rübezahl, den heute die ganze Stadt feiert,
Rr Held von Kollmenberger, der die Stadt
^rettet hat!"
Da siel dem Arzte alles wieder ein, und un
willkürlich erschauerte er, als er an das furcht-
äre Erlebnis dachte!
, ."Ich habe die . . . Stadt gerettet?" sagte er
Rse. „Das hat wohl so sein sollen!"
^.»Fa, Onkel Doktor, das hat so sein sollen!
!r te wissen ja nicht, wie stolz ich auf Sie bin!
W"ünerwetter, das war eine Leistung! Kate hat
0ï Freude geweint! Und Jorinöe hat auch
D^eint! Und jetzt warten alle, daß der gute
Doktor Rübezahl wieder gesund wird."
"Ich bin doch nicht krank!" lachte der Arzt,
"ņd es u>ar das alte sieghafte Lachen. „Raus
us den Federn! Mir fehlt nichts! Scher' dich
^us, Onkel Klaas! Ich will mich anziehen!"
*
"Er will sich anziehen!" sagte Onkel Klaas
.Eignügt. „Er ist wieder auf dem Posten! Rich-
grob ist er geworden! Gottlob, er ist wieder
Alte!"
(»And es dauerte nicht lange, da kam er, und
^9te fiel ihm lachend und weinend um den
',Nur ruhig, Kate!" tröstete er sie. „Es ging
r« auf den Tod! Ich dachte schon nicht mehr,
Uß ich euch wiedersehe."
-§ann sah er in Jorindes leuchtende Augen
Stumm drückte sie ihm beide Hände.
"Lieber, lieber Helmer . . . nlas Sie getan
liven, das wird Ihnen die ganze Stadt nicht
vergessen!"
Verlegen winkte der Arzt ab und sagte:
, ich bin froh, daß es vorbei ist! Was
. . . ist mit dem Verbrecher geschehen?"
„Der ist . . . wahnsinnig geworden! In das
Irrenhaus eingeliefert", sagte Kate. „Inspek
tor Schumert kam vor einer Stunde und sagte
es uns."
„Ich ahnte es!" bemerkte der Arzt leise. „Ich
sah schon vor Tagen in seinen Augen die krank
hafte Veränderung. Wahnsinn hat ihn zu der
Tat getrieben! Vorbei! Nicht mehr daran den
ken! Kate, ich . . . ich schäme mich ja, es zu sa
gen . . . aber ich habe furchtbaren Hunger!"
Da brachen alle in ein herzhaftes befreiendes
Lachen airs und eiligst deckte man dem Doktor
den Tisch.
*
„Eine Stunde später sagte Helmer zu Onkel
Klaas ganz ernsthaft: „Onkel Klaas, nimmst
du mich als Schwiegersohn?"
„Jederzeit, Helmer!" schmunzelte der Alte.
„Ob mich Jorinde nimmt?"
„Klopf nur an! Ich denks!"
„Schön, Onkel Klaas! Dann will ich mir
schleunigst meinen fürchterlichen Bollbart her
unternehmen lassen!"
„Das tu, mein Junge!" lobte Onkel Klaas.
Und wenige Minuten drauf fiel der Voll-
bart und der Friseur staunte, als er jetzt den
Doktor ansah.
Das war doch nicht zu glauben, wie jung
dieses energievolle Männergesicht wirkte. Edel
waren die Züge und nahmen sofort für sich ein.
Dr. Stiller kam ins Haus Prinxheim und
traf Ossi mit den Kindern im lustigen Spiele
an. Ihre Angen leuchteten hell auf, als sie
den Arzt sah.
„Ah . . . Herr Doktor! Nicht wahr, da stau
nen Sie, mein Vater erkennt Gregors Kinder
an, er hat sich ausgesöhnt! Ein ganz anderer
Mensch ist er geworden. Es geschehen noch
Zeichen und Wunder!"
„Wahrlich, es geschehen noch Zeichen und
Wunder! Wissen Sic denn schon das große
Ereignis?"
„Nein, was ist denn geschehen? Papa wurde
angerufen und ging so aufgeregt fort."
„Dr. Feldhammer hat die Stadt gerettet!"
„Ich verstehe nicht?"
I „Frank ist gefaßt worden, von Dr. Felöham-
mer, als er das große Lager von Nitroglyzerin
in die Luft sprengen wollte. Die ganze Stadt
wäre ein Trümmerhaufen geworden, wenn ...
Doktor Feldhammer nicht die Höllenmaschine
unter Einsatz des eigenen Lebens ans dem
furchtbaren Nitroglyzerin herausgefischt hätte."
Bei seinen Worten war das Mädchen ganz
blaß geworden.
„Frank ... ist wahnsinnig! Er ist in eine
Irrenanstalt eingeliefert worden. Ein Wahn
sinniger ist für alle diese Taten verantwortlich
zu machen."
„Wieviel muß ich diesem Manne Dr. Feld
hammer abbttten!"
„Alle, alle haben sie abzubitten! Heute abend
findet ihm zu Ehren ein Fackelzug statt. Ick)
wollte sie einladen, mit mir zusammen dem
Fackelzug beizuwohnen."
„Gern, Herr Doktor! Ich bin dabei! Holen
Sie mich ab!"
„Ja, ich komme! Jubelnd sprach er es, daß
die Kinder aufhorchten und sich ansahen.
Das hatte was zu bedeuten!
*
Als Dr. Feldhammer wieder heimkam, er
kannte ihn zunächst niemand. Alle staunten
und bewunderten ihn. Es wollte ihnen nicht in
den Kopf, daß dieser große elegante Mann mit
dem energievollen, edlen Gesicht der „Rübe
zahl" von einst sein sollte.
Aber als sie sich damit abgefunden hatten, da
war die Freude doppelt so groß. Jorinde sagte
offen, daß er viel, viel hübscher so ausschaue,
was Helmer begreiflicherweise sehr freute.
Nur der kleine Toni war nicht ganz damit
einverstanden. Vorwurfsvoll sagte er: „Onkel,
ich kann doch nicht mehr zausen!"
*
Der Abend kam.
Die ganze Stadt war auf den Beinen und
ein Meer von Fackeln zog durch die Straßen
bis vor's Doktorhaus.
Alles schrie nach dem Doktor, die Begeiste
rung war grenzenlos. Wohl oder übel mußte
sich der Arzt zeigen. Mit Jorinde und der
Schwester, im Hintergründe Onkel Klaas mit
den Kindern, trat er aus dem Hanse und ein
ohrenbetäubender Beifall empfing ihn.
In begeisterter Weise wurde der Arzt ge
feiert und alle drängten heran, um ihm die
Hand zu schütteln.
Und dann kamen die Freunde und strömten
ins Haus, Ernst von Prinxheim kam Mt OK
Dr. Stiller erschien ebenso wie Görtz mit seiner
Frau, die auf einmal ganz anders war, die
Kriminalisten kamen und viele, viele andere
mehr.
Frau Kate hatte alle Hände voll zu tun, um
die Gäste zu bewirten.
Als sie an der Tafel saßen, umgeben von
fröhlichen Menschen, da beugte sich Helmer zu
Jorinde und sagte: „Der Bürgermeister hat
den Wunsch ausgesprochen, daß ich mir eine
Frau nehme! Und hier bleibe! Haben Sie es
gehört, Jorinde?"
„Ja!" stammelte das Mädchen und wurde
glühendrot.
Er faßte nach ihrer Hand und fragte herz
lich: „Der grobe Doktor Rübezahl und die
feine, vornehme Jorinde van Meuenhnis, gibt
das ein Paar?"
Offen sah sie ihn an und antwortete fest:
„Ja, Helmer! Das gibt ein Paar!"
Da umfaßte er sic und gab ihr vor allen Leu
ten den Berlobungskuß.
Im gleichen Augenblick sprang Onkel Klaas
auf und schrie ein donnerndes Juhn.
Dann klopfte er an sein Glas und rief: „Ich
habe die Ehre, die Verlobung meiner Nichte
Jorinde mit Herrn Dr. Feldhammer, dem
Retter der Stadt, hiermit feierlichst anzuzei
gen!"
Da brachs aber los. Ein toller Jubel war im
Raume und alles drängte sich, um dem Braut
paare Glück zu wünschen.
Kate umschlang Bruder und Freundin wei
nend und versicherte, daß Helmer jetzt die
Nichtige gefunden habe. Die Kinder tanzten
lachend um das Paar und der kleine Toni
kletterte dann auf Ossis Schoß.
„Tante, willst du dich nicht auch verloben?"
Alles lachte und blickte auf Ossi, die vor Ver
legenheit blutrot geworden war.
Dann sah sie fragend Stiller an. Und der
wußte, daß seine Stunde gekommen war, als
er jetzt den Druck ihrer liebenden Hand spürte.
Er sprach kein Wort, sah hinüber zu Herrn
von Prinxheim und der alte Herr verstand
die Frage.
Ein abgeklärtes Lächeln ging über seine
Züge und er nickte dem jungen Arzt zu.
Dann sagte er laut: Meine Tochter Ossi wird
sich verloben, wenn das Trauerjahr vorüber
ist! Und wer der Glückliche ist, das müssen Sie
heute raten, meine Freunde."
--- Ende. 6-4
â