Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Schrveine-Kontingent 80% 
Mit dem heutigen Tage tritt die durch Anordnung 
"l. 46 der HB der Deutschen Viehwirtschaft vor- 
àommene Erhöhung des Schweine-Kontingents 
bisher 6V auf nunmehr 80 vH in Kraft. Sie ist 
rechtzeitig genug gekommen, um zur Befriedi 
gung des erhöhten Bedarfs zu den Osterfeiertagen 
Ein entsprechendes Mehrangebot an Schweinefleisch 
bereitzustellen. Mit der Heraufsetzung des Schlacht- 
Eontingents wird auch eine neue Berechnungsgrunö- 
Ia ûe für die Kontingentierung eingeführt. Während 
bisher der Monat Oktober 1034 die Ausgangsbasis 
bildete, ist nunmehr ein ganzes Jahr, und zwar vom 
Oktober 1934 bis 28. September 1935 als Ber- 
àchģzeit herangezogen worden . 
^ Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, die durch die 
Zugrundelegung eines einzigen Monats bei der 
Kontingentierung entstandenen Ungleichheiten und 
Harten zu vermeiden. Andererseits hat die Einfüh 
rung der neuen Ausgangsbasis zur Folge, daß das 
ulte und das neue Kontingent nicht ohne weiteres 
miteinander vergleichbar sind. Der Zeitraum vom 
Oktober 1934 bis 28. September 1035 umfaßt 
Uamlich auch die Zeit der niedrigen Schweineauf- 
ltiebe. So kommt es, daß das neue Kontingent 
reicht um ein vylles Drittel hoher liegt als das 
ulte, wie man bei oberflächlicher Betrachtung an 
nehmen konnte. 
Der Landpreis für die Klaffen b, c, d 
Ein Appell des Rcichsfachfchaftsleiters 
der Viehverteiler 
9m Zusammenhang mit einer Erörterung der 
Bestimmung über die Rinderkontingentierung hat 
èer Neichsfachschaftsleiter der Viehverteiler, Alex 
Brinkmann, einen Appell an die Viehhändler ge 
dichtet, in dem es in Bezug auf den Einkauf von 
Rindern u. a. heißt: Die Landpreise für Rinder sind 
Höchstpreise und keine Festpreise; sie sind errechnet 
Uach der oberen Preisgrenze der Schlachtwertklasse 
Q ) des entsprechenden Richtmarktes abzüglich einer 
"Ukostenspanne und müssen zwangsläufig der vor 
aussichtliche Klassifizierung entsprechend im Land 
Nuterzahlt werden, damit eine ordnungsgemäße 
Beschickung der Märkte gewährleistet ist. 
Der Händler soll und muß die Landhöchstpreise 
öei den Tieren der Klassen b, c und d so uuterzah- 
ļon, daß die Verwertung am Markt möglich ist. 
Der Erzeuger soll gerade durch den Mindererlös 
ş'ir beispielsweise eine d-Kuh künftighin in der 
Aussicht auf Erzielung besserer Preise durch Aus- 
fütterung bis zur völligen Ausmästung angeregt 
Und angehalten werden. Dies könnte jedoch nicht ge 
diehen, wenn er auf Kosten seiner Ausstichtiere auch 
für seine d-Kuh den Höchstpreis erhielte. 
In diesem Zusammenhang wird es eine wesent 
liche Aufgabe des Viehhandels sein, durch Aufklä 
rung und zweckentsprechendes Handeln dazu beizu 
fügen, daß unreife Tiere nicht vorzeitig abge 
schlachtet werden. Seitens des Reichsnährstandes ist 
Wieder und wieder darauf hingewiesen worden, daß 
^besondere junge, unreife Tiere keinesfalls an den 
fchlachtviehmarkt gelangen. Sofern Erzeuger in 
dulge Futtermangel nicht imstande sind, die Tiere 
Leiter zu halten, ist es Sache des Handels, diese in 
Gastwirtschaften und Weidebetriebe zu vermitteln. 
Ein derartiges Vorgehen ist nicht nur aus nahe 
liegenden volkswirtschaftlichen Erwägungen not 
wendig, sondern ergibt sich aus der Jnteressenlage 
des einzelnen Erzeugers. 
Solche unreifen Tiere werden an den Märkten 
in die unteren Schlachtwertklassen eingereiht und 
können nur eine mäßige Verwertung erbringen, 
während sie nach Ausreifung und Ausmästung in 
Betrieben, die über reichliches Futter verfügen, zu 
günstigeren Preisen veräußert werden können. 
Hinzu kommt, daß gerade der kleinere Erzeuger, 
welcher vielleicht im ganzen Jahr eine mit Liebe 
und Sorgfalt ausgemästete Färse — ein Ausstich 
tier — zum Verkauf stellt, beim Festkaus ohne diese 
Bestimmung um den gerechten Lohn käme, denn er 
hat nicht die Möglichkeit, einen Preisausgleich 
durch die bessere Bezahlung schlechterer Qualitäten 
zu erzielen. Auch aus dieser Ueberlegung heraus 
war die getroffene Regelung erforderlich. 
BezîrksbutteraussteîlUng 
Am 4. April hielt der Milchwirtschaftsverband 
Nordmark in Hohenwestedt, Haus Harmonie, die 
20. Butterausstellung des Milchversorgungsverban 
des Holstein-West ab. 
Ausgestellt waren 40 Butterproben, davon mußten 
zwei Proben wegen Nichterfüllung der Ausstel 
lungsbedingungen von dem PrciswekkbewerV aus 
geschlossen werden. 
Die Butterproben wurden von doppelten Richter 
gruppen geprüft. Als Preisrichter nahmen teil: 
Direktor Fein-Altona, Buttersachverständiger Wil- 
kcn-Hamburg sowie die Meiereifachleute Bock-Bü- 
öelsdorf, Rohwer-Langweöel, Roh-Alt-Duvenstedt 
und Kreutz-Groß-Bollstedt. Das Ergebnis der 
Prüfung war wie folgt: Ausgestellt waren 38 Pro 
ben, davon konnten 32 Proben (84,2 vH) als „mar 
kenfähig", 6 Proben (18,2 vH) als „Deutsche feine 
Molkereiöutter" und 1 Probe (2,6 vH) als „Land 
butter" bezeichnet werden. Die Bewertung der 
markenfähigen Ausstellungsproben nach Punkten 
war wie folgt: 
26 Punkte erhielten die Meiereien: Wapelfeld, 
Beldorf, Hohenweüedt, Wettersberg, Haale, Nin 
dorf. Puls, Berinqstedt, Poyenberg u. Maisborstel. 
16 Punkte erhielten die Meiereien: Meezen, Hadc- 
marschen, Peißen, Remmels. 
17 Punkte die Meierei: Fitzbek. 
Den drei besten Proben wurden Ehrenpreise zu 
erkannt: den 1. Preis erhielt Meiereibetriebsleiter 
Mahnt-Wapelfeld, den 2. Preis erhielt Meierei 
betriebsleiter Jensen-Beldorf, den 3. Preis erhielt 
Meiereibetriebsleiter Andresen-Hohenwestedt. 
Die anschließende Ausstellungsversammlung war 
von 86 Personen besucht. Sie wurde von dem Ver 
treter des Milchversorgungsverbandes Holstein- 
West. Geschäftsführer Mais, geleitet. Meierei-In 
struktor Deertz-Kellinghusen erstattete den Bericht 
über die Ausstellung und Buttersachverständiger 
AWch 1038 Reîchszrrschûşşe zur Errichtung 
von GarsntLerSshriltern 
Laut Anordnung des Reichsministers für Ernäh- I 
rung wird die Gewährung von Reichszuschüssen ' 
für die Errichtung von Einsäuerungsbehältcrn auch 
im Rechnungsjahr 1086 in gleicher Weise wie bisher 
fortgesetzt. 
Die bisher bestehenden Richtlinien für die Ge 
währung von Reichszuschüssen werden etwas ge 
ändert bzw ergänzt. Ein Baukostenzuschuß von 
4 MM je Kubikmeter umbauten Gärraumes wird 
nur für schloe Einsäuerungsbehälter in massiver 
Bauausführung (Beton, Stein, Mauerwerk, Eisen) 
oder aus Holz gewährt, die wasserdruckfest und 
wasserundurchlässig sind, sowie allen an eine brauch 
bare Einsäuerungsanlage zu stellenden Anforde 
rungen entsprechen. Unter „umbauter Gärraum" ist 
lediglich der umbaute Leerraum, also ohne Mauer 
werk. zu verstehen. 
Für kleinere Behälter mit einem Rauminhalt 
bis zu 12 Kubikmeter (einschlietzlichj umbauten 
Gärranmcs kann der Beihilfe?«); auf Antrag von 
4 aus 6 MM je Kubikmeter erhöht werden. Diese 
Erhöhung Erfolgt lediglich für Antragsteller, die 
bisher noch keinen Reichszuschuß. erhalten haben 
und nur für die nach dem 31. März 1936 errichteten 
Behälter. Maßgebend für den Zeitpunkt der Errich 
tung ist der Tag der Ausstellung der Bauabnahme 
bescheinigung. 
Die Landesbauernschaften prüfen, ob die einge 
henden Beihilfeanträge den Richtlinien entsprechen. 
Sie bestimmen die in Frage kommende Rcichsbei- 
hilfe und sprechen die Zusagen hierfür aus. Erst 
uach vorliegender Zusage kann der Bau der Ein- 
säuerungsüehälter, für die ein Zuschuß in Anspruch 
genommen werden soll, begonnen werden. Nach 
Fertigstellung der Einsäuerungsanlage wirb von 
der Landcsbaucrnschaft eine Bauabnahmebescheini 
gung ausgestellt, aus Grund derer die Auszahlung 
des Reichszuschusses erfolgt. 
Zur Qualität der Zellwolle 
In dem Geschäftsbericht der Christian Dierig 
A.-G. in Langenbielau für 1935 heißt es zur Ver 
wendung der Zellwolle: Ganz allgemein prophezeit 
man der Zellwolle eine außerordentliche Zukunft. 
Die Zellwolle bietet durch ihre Gleichmäßigkeit und 
damit besonders gute Verarbeitungsmöglichkeit 
soviel spiunstofftechnische Vorteile, daß selbst ein 
etwas höherer Preis gegenüber der natürlichen 
Baumwolle durchaus gerechtfertigt erscheint. Auch in 
der Naßsestigkcit sind in den letzten Monaten so 
große Fortschritte gemacht worden, daß man heute 
Zellstoffmischgewebe reinen Baumwollgeweben ge 
genüber als durchaus gleichwertig betrachten kann. 
Stark beanspruchte Stoffe werden heute schon mit 
einem Durchschuß von einem Sechstel Zellwolle her 
gestellt, ohne daß die Güte des Materials nur im 
geringsten zu wünschen übrig läßt, und es wäre 
durchaus möglich, die Zellwollebeimischung »och zu 
steigern. Gering beanspruchte Stosse, wie Moussc- 
line, stellt man sogar heute zu 106 vH aus Zell 
wolle her und die Güte dieses Erzeugnisses hat den 
natürlichen Wollmousseline fast völlig verdrängt. 
Witten-Hamburg den der Preisrichter. Landwirt- 
Hastsrat Jversen von der Landesbauernschaft Kiek 
hielt einen hochinteressanten Vortrag „Der Be 
triebsleiter und sein Lehrling". Der Vortrag wurde 
mit großem Beifall aufgenommen und rief eine 
rege Debatte hervor. Mit einem dreifachen Siegheil 
auf unsern Führer Adolf Hitler wurde die anre 
gende Versammlung geschlossen. 
Die Kaltblut-HengstversicherAna 
Im Bahnhofshotel zu Flensburg fand unter dem 
Vorsitz des Vereinsleiters C. I. Jessen-Tinning- 
stedt (Kreis Südtondern) eine Mitgliederversamm 
lung des Hengstverstcheruugsvereins der gekörten 
kaltblütigen Hengste statt. Einleitend wurde in 
ehrenden Worten des verstorbenen Borstandsmrt- 
glieds I. Jochimsen-Soholmbrück und dessen um die 
Hengstzucht gleichfalls verdienten Bruders N. Jo- 
chimsen-Bredstedt, der ebenfalls im vorigen Jahre 
verstorben ist, gedacht. 
Aus dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß 
am Ende des Rechnungsjahres etn Versicherungs 
bestand von 156 Hengsten, davon 107 nachversicherte, 
vorhanden war. Die Versicherungssumme beträgt in 
der ordentlichen Versicherung 413 259 MM, in der 
Nachversicherung 177 656 MM, zusammen 590 960 
MM. Die zu deckenden Versicherungsschäden beliefen 
sich auf rund 16 433 MM. 
Zu entschädigen waren: 1. „Diplomat" (Eigen 
tümer Genossenschaft Tiebensee), 2. „Feldjäger" (I. 
Garleff-Oldenburg), 3. „Orpheus" (H. Hansen- 
Hemmeckdorf-Südtondern) und 4. „Jsedor" (Guts- 
pächter Janus-Ovendorf). In der Junghengstver 
sicherung waren Schäden nicht zu vergüten. In der 
Abteilung A „gekörte Hengste" betrug der Jahres 
überschuß 5817,54 MM, in der Abteilung 6 „Jung 
hengste" 226 MM. Das Gesamtvermögcn der Ver 
sicherung beläuft sich nach Hinzuzählung des vor 
läufigen Ueberschusses auf 24 886,49 MM. Die Aende 
rung der Satzungen, die der juristische Beirat Dr. 
Hennings-Bredstedt erläuterte, wurden dem Ent 
wurf entsprechend angenommen. Die Versicherungs 
summe wurde von 7006 auf 8500 Moil erhöht. Neu 
in den Beirat berufen wurde Thomsen-Bilschau. 
Der Verbandsleiter schloß die rege verlaufene 
Versammlung mit einem dreifachen Siegheil auf 
den Führer. 
Große Schlachtvich-Aussnhr 
aus Dänemark nach Deutschland 
In dieser Woche sind über die Grenzschlachthäuser 
in deutschen Häfen rund 6660 Schlachtrinder aus 
Dänemark eingeführt worden, 1700 mehr als in 
der Vorwoche. Dafür wird in der „Stillen Woche" 
kein Vieh eingeführt. — Im ersten Vierteljahr 1936 
sind aus Dänemark insgesamt 1388 schwere dänische 
Pscrde nach Deutschland ausgeführt worden. Die 
Preise lagen während der ersten beiden Monate um 
1006 Kr., sie stiegen im März auf bis zu 1200 Kr. 
sür erstklassige Tiere. Wie verlautet, sollen künftig 
auch leichtere Pferde angekauft werden. 
Neuer Oelfund bei Heide 
Bei Heide in Holstein ist die dritte Erdölbohrung 
in 450 Meter Tiefe sündig geworden. Die Ansangs 
ergiebigkeit soll etwa 26 Tonnen je Tag betragen. 
Der Bezirk Heide ist seit September 1085 zum ersten 
Male statistisch erfaßt. Er ergab in den letzten vier 
Monaten des Jahre 1935 eine Ausbeute von 1564 
Tonnen Erdöl. 
Se? MiZ Doktor Rübezahl 
Nomarr von Anton Schwab 
Copyright by: Romanverl. Greiser. Karlsruhe. 
49) Nachdruck verboten. 
Als er wieder zu sich kam, da lag er in sei- 
Wohnung in seinem Bett, und Onkel 
glacis saß mit glücklichem, stolzem Gesicht 
Verwundert schaute sich der Arzt um. 
^"Ja, was ist denn das? Wo bin ich denn? 
oiii Bett! Ich bin doch nicht krank!" 
Dröhnend lachte Onkel Klaas auf. 
^»Onkol Doktor ist krank! Der gute Doktor- 
Rübezahl, den heute die ganze Stadt feiert, 
Rr Held von Kollmenberger, der die Stadt 
^rettet hat!" 
Da siel dem Arzte alles wieder ein, und un 
willkürlich erschauerte er, als er an das furcht- 
äre Erlebnis dachte! 
, ."Ich habe die . . . Stadt gerettet?" sagte er 
Rse. „Das hat wohl so sein sollen!" 
^.»Fa, Onkel Doktor, das hat so sein sollen! 
!r te wissen ja nicht, wie stolz ich auf Sie bin! 
W"ünerwetter, das war eine Leistung! Kate hat 
0ï Freude geweint! Und Jorinöe hat auch 
D^eint! Und jetzt warten alle, daß der gute 
Doktor Rübezahl wieder gesund wird." 
"Ich bin doch nicht krank!" lachte der Arzt, 
"ņd es u>ar das alte sieghafte Lachen. „Raus 
us den Federn! Mir fehlt nichts! Scher' dich 
^us, Onkel Klaas! Ich will mich anziehen!" 
* 
"Er will sich anziehen!" sagte Onkel Klaas 
.Eignügt. „Er ist wieder auf dem Posten! Rich- 
grob ist er geworden! Gottlob, er ist wieder 
Alte!" 
(»And es dauerte nicht lange, da kam er, und 
^9te fiel ihm lachend und weinend um den 
',Nur ruhig, Kate!" tröstete er sie. „Es ging 
r« auf den Tod! Ich dachte schon nicht mehr, 
Uß ich euch wiedersehe." 
-§ann sah er in Jorindes leuchtende Augen 
Stumm drückte sie ihm beide Hände. 
"Lieber, lieber Helmer . . . nlas Sie getan 
liven, das wird Ihnen die ganze Stadt nicht 
vergessen!" 
Verlegen winkte der Arzt ab und sagte: 
, ich bin froh, daß es vorbei ist! Was 
. . . ist mit dem Verbrecher geschehen?" 
„Der ist . . . wahnsinnig geworden! In das 
Irrenhaus eingeliefert", sagte Kate. „Inspek 
tor Schumert kam vor einer Stunde und sagte 
es uns." 
„Ich ahnte es!" bemerkte der Arzt leise. „Ich 
sah schon vor Tagen in seinen Augen die krank 
hafte Veränderung. Wahnsinn hat ihn zu der 
Tat getrieben! Vorbei! Nicht mehr daran den 
ken! Kate, ich . . . ich schäme mich ja, es zu sa 
gen . . . aber ich habe furchtbaren Hunger!" 
Da brachen alle in ein herzhaftes befreiendes 
Lachen airs und eiligst deckte man dem Doktor 
den Tisch. 
* 
„Eine Stunde später sagte Helmer zu Onkel 
Klaas ganz ernsthaft: „Onkel Klaas, nimmst 
du mich als Schwiegersohn?" 
„Jederzeit, Helmer!" schmunzelte der Alte. 
„Ob mich Jorinde nimmt?" 
„Klopf nur an! Ich denks!" 
„Schön, Onkel Klaas! Dann will ich mir 
schleunigst meinen fürchterlichen Bollbart her 
unternehmen lassen!" 
„Das tu, mein Junge!" lobte Onkel Klaas. 
Und wenige Minuten drauf fiel der Voll- 
bart und der Friseur staunte, als er jetzt den 
Doktor ansah. 
Das war doch nicht zu glauben, wie jung 
dieses energievolle Männergesicht wirkte. Edel 
waren die Züge und nahmen sofort für sich ein. 
Dr. Stiller kam ins Haus Prinxheim und 
traf Ossi mit den Kindern im lustigen Spiele 
an. Ihre Angen leuchteten hell auf, als sie 
den Arzt sah. 
„Ah . . . Herr Doktor! Nicht wahr, da stau 
nen Sie, mein Vater erkennt Gregors Kinder 
an, er hat sich ausgesöhnt! Ein ganz anderer 
Mensch ist er geworden. Es geschehen noch 
Zeichen und Wunder!" 
„Wahrlich, es geschehen noch Zeichen und 
Wunder! Wissen Sic denn schon das große 
Ereignis?" 
„Nein, was ist denn geschehen? Papa wurde 
angerufen und ging so aufgeregt fort." 
„Dr. Feldhammer hat die Stadt gerettet!" 
„Ich verstehe nicht?" 
I „Frank ist gefaßt worden, von Dr. Felöham- 
mer, als er das große Lager von Nitroglyzerin 
in die Luft sprengen wollte. Die ganze Stadt 
wäre ein Trümmerhaufen geworden, wenn ... 
Doktor Feldhammer nicht die Höllenmaschine 
unter Einsatz des eigenen Lebens ans dem 
furchtbaren Nitroglyzerin herausgefischt hätte." 
Bei seinen Worten war das Mädchen ganz 
blaß geworden. 
„Frank ... ist wahnsinnig! Er ist in eine 
Irrenanstalt eingeliefert worden. Ein Wahn 
sinniger ist für alle diese Taten verantwortlich 
zu machen." 
„Wieviel muß ich diesem Manne Dr. Feld 
hammer abbttten!" 
„Alle, alle haben sie abzubitten! Heute abend 
findet ihm zu Ehren ein Fackelzug statt. Ick) 
wollte sie einladen, mit mir zusammen dem 
Fackelzug beizuwohnen." 
„Gern, Herr Doktor! Ich bin dabei! Holen 
Sie mich ab!" 
„Ja, ich komme! Jubelnd sprach er es, daß 
die Kinder aufhorchten und sich ansahen. 
Das hatte was zu bedeuten! 
* 
Als Dr. Feldhammer wieder heimkam, er 
kannte ihn zunächst niemand. Alle staunten 
und bewunderten ihn. Es wollte ihnen nicht in 
den Kopf, daß dieser große elegante Mann mit 
dem energievollen, edlen Gesicht der „Rübe 
zahl" von einst sein sollte. 
Aber als sie sich damit abgefunden hatten, da 
war die Freude doppelt so groß. Jorinde sagte 
offen, daß er viel, viel hübscher so ausschaue, 
was Helmer begreiflicherweise sehr freute. 
Nur der kleine Toni war nicht ganz damit 
einverstanden. Vorwurfsvoll sagte er: „Onkel, 
ich kann doch nicht mehr zausen!" 
* 
Der Abend kam. 
Die ganze Stadt war auf den Beinen und 
ein Meer von Fackeln zog durch die Straßen 
bis vor's Doktorhaus. 
Alles schrie nach dem Doktor, die Begeiste 
rung war grenzenlos. Wohl oder übel mußte 
sich der Arzt zeigen. Mit Jorinde und der 
Schwester, im Hintergründe Onkel Klaas mit 
den Kindern, trat er aus dem Hanse und ein 
ohrenbetäubender Beifall empfing ihn. 
In begeisterter Weise wurde der Arzt ge 
feiert und alle drängten heran, um ihm die 
Hand zu schütteln. 
Und dann kamen die Freunde und strömten 
ins Haus, Ernst von Prinxheim kam Mt OK 
Dr. Stiller erschien ebenso wie Görtz mit seiner 
Frau, die auf einmal ganz anders war, die 
Kriminalisten kamen und viele, viele andere 
mehr. 
Frau Kate hatte alle Hände voll zu tun, um 
die Gäste zu bewirten. 
Als sie an der Tafel saßen, umgeben von 
fröhlichen Menschen, da beugte sich Helmer zu 
Jorinde und sagte: „Der Bürgermeister hat 
den Wunsch ausgesprochen, daß ich mir eine 
Frau nehme! Und hier bleibe! Haben Sie es 
gehört, Jorinde?" 
„Ja!" stammelte das Mädchen und wurde 
glühendrot. 
Er faßte nach ihrer Hand und fragte herz 
lich: „Der grobe Doktor Rübezahl und die 
feine, vornehme Jorinde van Meuenhnis, gibt 
das ein Paar?" 
Offen sah sie ihn an und antwortete fest: 
„Ja, Helmer! Das gibt ein Paar!" 
Da umfaßte er sic und gab ihr vor allen Leu 
ten den Berlobungskuß. 
Im gleichen Augenblick sprang Onkel Klaas 
auf und schrie ein donnerndes Juhn. 
Dann klopfte er an sein Glas und rief: „Ich 
habe die Ehre, die Verlobung meiner Nichte 
Jorinde mit Herrn Dr. Feldhammer, dem 
Retter der Stadt, hiermit feierlichst anzuzei 
gen!" 
Da brachs aber los. Ein toller Jubel war im 
Raume und alles drängte sich, um dem Braut 
paare Glück zu wünschen. 
Kate umschlang Bruder und Freundin wei 
nend und versicherte, daß Helmer jetzt die 
Nichtige gefunden habe. Die Kinder tanzten 
lachend um das Paar und der kleine Toni 
kletterte dann auf Ossis Schoß. 
„Tante, willst du dich nicht auch verloben?" 
Alles lachte und blickte auf Ossi, die vor Ver 
legenheit blutrot geworden war. 
Dann sah sie fragend Stiller an. Und der 
wußte, daß seine Stunde gekommen war, als 
er jetzt den Druck ihrer liebenden Hand spürte. 
Er sprach kein Wort, sah hinüber zu Herrn 
von Prinxheim und der alte Herr verstand 
die Frage. 
Ein abgeklärtes Lächeln ging über seine 
Züge und er nickte dem jungen Arzt zu. 
Dann sagte er laut: Meine Tochter Ossi wird 
sich verloben, wenn das Trauerjahr vorüber 
ist! Und wer der Glückliche ist, das müssen Sie 
heute raten, meine Freunde." 
--- Ende. 6-4 
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