Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

129. Jahrgang. 
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129. Jahrgang. 
Rendsburgs DrgeblutL 
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Nr. 144 
Dienstag, den 23. Zum 
1936 
Mißverständnisse können wir nicht brauchen 
Gibt es ein GeNeratts«ŞUPrsbl§m? 
, NSK. Mancher Mutter macht es Sorge, wie 
sie den rechten Ton den heranwachsenden Kin 
dern gegenüber finden soll, die in der neuen 
Kameradschaft der HI. und im Deutschen 
Jungvolk leben. Sie sorgt sich darum, ob ihr 
Kind der Familiengemeinschaft entfremdet und 
öamit zugleich der elterlichen Erziehung ent 
sagen werden kann. 
Eine Mutter schreibt da: „Es sind Mütter 
bekommen und haben gesagt, ihre Kinder hät 
ten sich verändert, hätten sich ihnen entfremdet, 
und schuld wäre wohl der Umgang mit den 
vielen Kameraden. Und es haben junge Men 
schen, Jungen und Mädel, mit Bedauern in 
der Stimme gesagt: Unsere Mutter interessiert 
sich nicht für unser neues Leben und Wirken, 
sie hat kein Verständnis für uns." 
Bon beiden Seiten ein Mißverständ- 
Ui s ! Die Mutter, die die Kinder ihrer nahen 
Beziehung zu sich entwachsen fühlt, macht dafür 
die neue Kameradschaft der Jungen verant 
wortlich. Die Kinder aber ziehen sich, befrem 
det durch das mangelnde Verständnis, von den 
Eltern zurück. Und so heißt die Parole für 
diese Mutter: „Mehr Kameradschaft, ihr 
Mütter..." 
So einfach aber liegen die Dinge nun doch 
Uicht, daß man sie mit einem „Man nehme..." 
Erledigen könnte. Die Mutter, die vom ersten 
Tage des Lebens ihres Kindes an sich für sein 
inneres und äußeres Gedeihen verantwortlich 
weiß können wir nicht mit Redensarten und 
liutem Zureden abfertigen. Ihr untrüglicher 
Instinkt sagt ihr, daß da etwas vor sich geht, 
was nur mit wirklichem Verständnis von 
beiden Seiten bewältigt werden kann. Die 
Pflege und Erziehung eines Menschen ist eine 
ernste Aufgabe. Jede rechte Mutter wird auch 
später, wenn ans ihren Kindern längst Män 
ner und Frauen geworden sind, prüfen und 
fragen, wo sie es etwa hat fehlen lassen an 
Pflege und Erziehung, wenn später einmal die 
Ander nicht zu tüchtigen, aufrechten und ge 
sunden Menschen geworden sind. Diese Ver 
antwortung können sie an niemanden anders 
abtreten. 
Wir Mütter dieses neuen Staates sollen 
wissen, daß unsere Kinder nicht uns gehören, 
sondern eben diesem Staate, in den sie hinein 
geboren wurden, und wir wollen es auch nicht 
anders haben. Wir bejahen alle deshalb selbst 
verständlich und freudig die Einbeziehung 
schon der Zehnjährigen in die Aufgaben der 
Volksgemeinschaft, deren Teil sie sind. Auch sie 
werden einmal an diesem Staate mitarbeiten, 
Und es ist gut, wenn sie früh in ihren Pflich- 
ienkreis hineinwachsen. 
So stellt die Erziehung durch das Elternhaus 
einerseits und durch die Kameradschaft in der 
HI. andererseits eine glückliche Ergänzung für 
Unsere Jugend dar. Alles, was die Frau als 
Mutter und Hüterin der Kultur ihren Kindern 
siir das Leben mitgeben kann, wird entscheidend 
iw Alter von 10 bis 14 Jahren von Liesen 
wit Verständnis aufgenommen und davon Be 
sitz ergriffen. Pflegt in der Jugend im Eltern 
baus gerade in diesen Jahren der Sinn für die 
Familie als der kleinsten Zelle des Staates 
>w erwachen und sich zu entwickeln, so lernt der 
nunge in der neuen Kameradschaft den Sinn 
für die Gemeinschaft, die Verpflichtung dem 
Polksganzen gegenüber, das sich freudig Ein 
ordnen um eines gemeinsamen Zieles willen. 
Nun müssen aber unsere Jungen wissen, daß 
ihnen das Verständnis der Mutter für ihre 
Ueuen Ausgaben im einzelnen nicht immer zu 
fliegen kann, denn es ist für die Mutter, die 
Unter so ganz anderen Bedingungen aufge 
wachsen ist, oft schwer, sich da hineinzufinden. 
Ty muß der Junge um ihr Verständnis eben 
so werben, wie um die Einsicht seiner Kame 
raden. 
Wo die Mutter ihrem Kind gegenüber nie 
ckwas anderes hat sein wollen als Kamerad, 
freund und Vertrauter, wird es keine Schwie 
rigkeiten geben. Der zunehmenden Reife des 
Ungen Menschen entsprechend, wird so zu 
Das Verhältnis von Mutter und Sohn 
jeder Zeit die rechte Form gefunden werden, 
und die Jugend wird fühlen, daß, so wie sie zu 
ihren Verantwortungen stehen muß, auch die 
Mutter gar nicht anders kann, als gleichver 
antwortlich zu handeln. Das Kind will weder 
Führer noch Erzieher, von dem es nicht den 
gleichen Ernst'erwarten darf, den es seinen 
Aufgaben entgegenzubringen gelernt hat. Sv 
müssen beide bemüht sein, die Mißverständnisse 
aus dem Wege zu räumen, und es wird kein 
Raum für ein Generationsproblem in unse 
rem Volksleben sein. 
Charlotte de Boor-Friedrich. 
§rà an der eigenen Aast. 
Eindrücke von der Reichsschulungstagung 
der NS.-Frauenschaft. 
NSK. Ein Zug nach dem andern rollt auf 
die Mole von Norddeich, und immer mehr 
Frauen besteigen die kleinen Dampfer, die ge 
duldig am Kai auf die Fahrgäste warten. Sie 
bringen die Frauen ans allen Gauen des 
Reiches zur Nordseeinsel Norderney zu dem 
2. Reichsschulungslehrgang der NS.-Frauen- 
schaft. Auf der nordfriesischen Nordseeinsel sol 
len die 3000 Amtswalterinnen Erholung und 
neue Kräfte für die weitere Arbeit im Gau, 
Kreis und in der Ortsgruppe finden. 
In ihrem Begrüßungswort sagte die Reichs 
frauenführerin: „Wir haben uns das Ziel ge 
steckt, alle Frauen und Mädel unserer Nation 
zum Bewußtsein ihrer Kraft, zur Freude an 
dieser Kraft und zur stolzen Verantwortung 
eines zeitbedingten harten Weges unseres 
Volkes aus freiem Willen zu verpflichten." 
Gerade die Freude an der eigenen Kraft, an 
der Arbeit, sollen die Frauen auf Norderney 
neu finden, und weil bei dieser Tagung die 
Freude Len Mittelpunkt bildet, steht sie im 
Zeichen der Erholung und Freizeit. 
Nach einem Vortrag des Reichsleiters Buch 
ging ich ein Stück Weges mit einer Ortsgrup 
penleiterin einer kleinen westfälischen Stadt. 
Reichsleiter Buch hatte in seinem Vortrag 
ausgesprochen, daß einmal der Führer zu ihm 
gesagt hatte: „Das höchste Glück, was es für 
Menschen gibt, ist eine glückliche Ehe". Ueber 
diese Worte des Führers sprachen wir. 
„Ich habe zu Hause meinen Mann und fünf 
Kinder", sagte sie, „und ohne meine Familie 
wäre ich nicht der Mensch geworden, der ich 
heute bin. Ich sehe heute das Leben von der 
Perspektive des Helsens, des Dienens und der 
Verantwortung. Aus meiner Familie schöpfe 
ich immer wieder neue Kraft. Wenn ich, die 
Mutter, lebensmutig und fröhlich bin, sind sie 
es auch. Und so, wie ich die Aufgaben hier zu 
lösen versuche, so versuche ich sie auch in meiner 
Arbeit für die Frauenschaft zu lösen, und ich 
versuche, meinen Frauen die rechte Führerin 
zu sein, wie ich meiner Familie eine rechte 
Mutter sein will." 
An einem anderen Tage sprach ich mit einer 
jungen Kreisfranenschaftsleiterin: „Das schön 
ste an dieser Tagung ist die Gemeinschaft vieler 
gleichgesinnter Frauen, wie ja auch Hanpt- 
amtsleiter Hilgenfeldt in seinem Vortrag be 
tonte: „Unsere Zeit ist ein Bekenntnis zur 
Kraft, und daraus entsteht die Gemeinschaft 
des Volkes." Es ist so schön, daß neben der 
Schulung für die Arbeit die Erholung des ein- 
E«gla«d «rrh Deutschland 
Eigener Bericht unserer Berliner Redaktion 
In England haben am Sonntag Massen 
meetings der verschiedenen Verbände und Or 
ganisationen für Frieden und Verständigung 
stattgefunden. Es ist dabei wieder in einer 
Reihe Städten zu ernsten Zusammenstößen 
zwischen Anhängern und Gegnern der Sank 
tionen gekommen, so .in Birmingham und 
Glasgow. In Hull gab es bei den Zusammen 
stößen acht Verletzte. 
Gemeinsam aber war auf allen Kundgebun 
gen die Forderung nach einer Politik Eng 
lands für die Verständigung und den Frieden 
Europas. Die Londoner Times haben die euro 
päische Frage entscheidend von einer Klärung 
des deutsch-englischen Verständnisses abhängig 
gemacht. Es setzt sich in England allmählich die 
Ueberzeugung durch, daß es keine lebenswich 
tigen Interessengegensätze zwischen Deutsch 
land und England gibt. 
Unverständlich bleibt uns in Deutschland 
nur Englands immer neue Mahnung, die auch 
in der englischen Presse Ausdruck findet, nach 
einer baldigen Beantwortung der englischen 
Rückfragen. 
Die deutsche Antwort auf den englischen 
Fragebogen kann unmöglich die große Rolle 
spielen, die man ihr in England zuschreibt. Die 
Berliner Börsenzeitung hat in einer Betrach 
tung zur Lage sehr richtig ausgeführt, daß die 
ses Ausfragen und diese Belehrungen Ueber- 
reste einer Politik seien, die England in die 
Lage gebracht habe, eingestehen zu müssen, daß 
man sich „schwer verrechnet" hat. Dieses Ver 
rechnen habe angefangen, als man Barthon 
gestattete, die Bündnispolitik und die Einkrei 
sung Deutschlands bis zur Sinnlosigkeit wei 
terzutreiben, bis zum Pakt von Stresa. 
Zu diesem Dulden der Einkreisung Deutsch 
lands zählt auch das französisch-sowjetrussische 
Militärbündnis, gegen das Deutschland ver 
gebens sich gewandt hat, weil es Vorkriegs- 
zustünde und Vorkriegsbedrohungen wieder 
holt, die damals zum Weltkrieg und zum 
Tode von Millionen der Besten jedes Volkes 
geführt haben. 
Die Gegenseite muß sich erst daran gewöh 
nen, daß seit dem nationalsozialistischen Re 
gime in Deutschland das System der ulimati- 
ven Forderungen an Deutschland vorbei ist, 
jenes System, das in Versailles begonnen und 
mit mehr oder weniger Abschwächungen bis 
zum 30. Januar 1933 gedauert hat. In den 
14 Jahren warf man Deutschland vor, sobald 
es nicht sogleich wollte, wie die anderen dik 
tierten, daß es keinen Beweis seines Friedens 
willens geben wolle. 
Der englische Außenminister hat ähnliches 
jetzt noch einmal gesagt. Er meinte, man hätte 
einen „deutschen Beitrag des guten Willens" 
erwartet. In diesem Satz liegt die Erkenntnis, 
daß die Quelle des Mißtrauens und der Miß 
Verständnisse noch nicht verstopft ist. 
Man muß die Frage stellen: Warum? Denn 
Deutschland hat durch das großherzige Frie 
densangebot seines Führers, das die Englän 
der erst nach fast zwei Monaten Wartezeit be 
antworteten, das Vollkommenste und das 
Weitgehendste an Friedcnsbereitschaft und Zu 
geständnissen gegeben, das ein Staat nur geben 
kann. 
In den kommenden Unterhausdebatten 
wird sich, wie Daily Mail schreibt, eine Flut 
von Anfragen über die englische Regierung er 
gießen, die die intensive Weitertreibung der 
Verständigungsaktion in Europa betreffen. 
Die englische Regierung — so schreibt das 
Arbeiterparteiblatt „Daily Herald" — hat 
Schonfrist bis zur Völkerbundsversammlung. 
Deutschlands Geschicke werden den Weg wei 
tergehen, der ausschließlich im deutschen In 
teresse liegt. Dieses Interesse ist aber das 
gleiche, das die Sonntagskundgebungen in 
England zum Ausdruck brachten: Frieden und 
Verständigung ohne Mißtrauen und ohne 
Mißverständnisse. 
zelncn Menschen steht. Die Tage sind ja nur 
kurz, die uns hier geschenkt werden, aber sie 
sind so voll Erlebens, daß sie uns lange von 
Nutzen und in Erinnerung bleiben werden." 
Am Strand, auf der Promenade und in der 
Stadt begegnet man den vielen Frauen und 
sieht überall in lachende Augen. Es ist gewiß, 
daß diese Frauen, wenn sie in die Heimat zu 
rückgekehrt sind, noch lange an die Tage der 
Gemeinschaft auf Norderney zurückdenken 
werden, und das Wort der Reichsfrauenfüh 
rerin wird für ihre Arbeit von neuem Gültig 
keit gewonnen haben: Wir wollen in Kamerad 
schaft arbeiten und in Treue dienen. 
* * * 
Zlaliemsche Sorgen um hie 
„Mlallengesahr". 
Es ist bereits einmal von Mussolini aus 
gesprochen worden, daß er mit allen Mitteln 
die Bildung eines Mulattenvolkes in Jtalie- 
nisch-Ostafrika verhindern werde. Dieser Tage 
nun wandte sich der Senator Nicola Penüe, 
der Leiter der medizinischen Klinik in Genua, 
an die italienischen Frauen und forderte sie 
auf, zu ihren Männern nach Abessinien zu 
reisen. Die italienischen Frauen seien die 
einzige Schranke gegen das Ueberhandnehmen 
der Mulatten, die „degenerierte Produkte und 
unglücklicherweise noch fruchtbarer seien als 
die Neger,' sie stellten eine tote Last dar und 
eine Gefahr für das koloniale Mannestum". 
-i- * * 
Eden heim Negus. 
DNB. London, 22. Juni. Wie halbamtlich 
mitgeteilt wird, wird der Negus am Dienstag 
vormittag den Außenminister Anthony Eden 
in der abessinischen Gesandtschaft empfangen. 
Der Kaiser wird sich Ende der Woche nach 
Genf begeben, um während der Tagung des 
Völkerbundsrates in Genf anwesend zu sein. 
Nach einer Reutermeldung aus Kairo traf 
dort am Montag der abessinische General Ma- 
konncn ein. Wie Reuter behauptet, beabsichtigt 
er, sich nach der westabesstnischen Provinz Gore 
zu begeben, um dort die Lage zu überprüfen. 
Sammlung àssìmscher ßlreMrWe? 
London, 22. Juni. Nach mit aller Vorsicht 
aufzunehmenden Berichten aus Dschibuti und 
Kairo wachsen mit dem Einsetzen der Regen 
zeit in Abessinien die Schwierigkeiten für die 
italienischen Behörden in Abessinien, die nur 
einen begrenzten Teil des Landes in Besitz 
und unter Kontrolle haben. 
Im Süden Abessiniens herrschen nach den 
einlaufenden Meldungen immer noch recht un 
geordnete Zustände. Im Westen des Landes 
bildet sich zur Zeit eine neue abessinische Re 
gierung. Im Gebiet der Galla hat das Ban 
denwesen feste Formen angenommen, und auch 
dort wird von einer ncugebildeten abessinischen 
Regierung berichtet. Zahlreiche Häuptlinge 
weigern sich immer noch, sich zu unterwerfen. 
Ans der Straße von Addis Abeba nach Dessie 
haben sich zahlreiche Ueberfälle ereignet. Sie 
haben Marschall Graziani zu sehr ernsten 
Warnungen an die Bevölkerung veranlaßt. 
Nach dem Bericht eines nach Kairo geflüch 
teten europäischen Offiziers, der auf seiten der 
Abessinier kämpfte, konzentrieren sich zur Zeit 
der ehemalige Führer der Nordarmee, Ras 
Jmru, und der Schwiegersohn des Negus, Ras 
Desta, der eine Armee im Süden führte, mit 
ihren Truppen bei Gore in Westabessinien. 
Ihre Truppen sollen in guter Verfassung sein. 
Im übrigen machten sich allenthalben wirt 
schaftliche Schwierigkeiten bemerkbar. Die 
Eisenbahnverwaltung der Linie Dschibuti— 
Addis Abeba weigere sich, Lire für die Zahlung 
von Frachten und Fahrkarten in Empfang zu 
nehmen. 
* * * 
MlenmMàr der Smjels» 
Die schwedischen Blätter berichten von großen 
sowjetrussischen Flottenmanövern im Bottni 
schen Meerbusen. Aftonbladet schreibt, die 
Flotte sei bis kurz vor Skelleftea im nördlichen 
Schweden vorgestoßen und selbst zur Zarenzeit 
habe man eine derartige zahlenmäßig starke 
russische Flotte nie im Bottnischen Meerbusen 
gesehen.
	        
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