Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Sittlichkeitsprozetz gegen Franziskanerbrnder 
mit Deutschland. Nach einem Schlußwort des 
Außenministers sprach die Kammer mit 382 
gegen 198 Stimmen der Regierung ihr Ver 
trauen aus. 
Die Blätter der Volksfront stimmen natür 
lich der Regierungserklärung zu, während die 
Blätter der Rechten heftige Kritiken enthal 
ten. Man schreibt u. a., die Autorität Frank 
reichs nehme von Tag zu Tag in England, 
Belgien, in Mittel- und Osteuropa ab. Allge 
mein kommt auch zum Ausdruck, daß man über 
die Erklärungen und ihren Inhalt enttäuscht 
sei. 
Daß die Lage der französischen Regierung 
innerpolitisch gesehen nicht sehr rosig ist, zei 
gen die täglichen Berichte über die Streiks 
unter kommunistischer Führung. Selbst Blät 
ter, die der Volksfront nahestehen, äußern ihre 
Besorgnis über die Entwicklung in Frank 
reich. Man schreibt: „Wir befinden uns auf 
einem schlechten Weg. Noch ist es Zeit, ein Ab 
gleiten aufzuhalten. Morgen wird es zu spät 
sein." 
In der italienischen Presse zeigt man offen 
die Enttäuschung über den Inhalt der franzö 
sischen Regierungserklärung. 
* 
Die englische Regierung setzt sich durch. 
Im englischen Unterhaus wurde am Diens 
tag die Aussprache fortgesetzt, die Eden am 
Donnerstag mit seiner Rede eingeleitet hat. 
Ueber dem Unterhaus lag eine ruhige 
Atmosphäre, wenn auch die Opposition in ihren 
Ausführungen heftig blieb. Der Führer der 
Opposition, A t t l e, brachte einen Antrag ein, 
der Negierung das Mißtrauen auszusprechen, 
da ihr Mangel an Geschlossenheit in der 
Außenpolitik das Ansehen des Landes gemin 
dert, den Völkerbund geschwächt und den Frie 
den gefährdet habe. Die Regierung habe sich 
geweigert, ein Risiko für den Frieden einzu 
gehen und habe damit das Land in eine gefähr 
liche Lage gebracht. Die strategische Lage des 
Landes sei nicht die von 1914. Sein eigentliches 
Herz sei heute auf dem Luftwege vom Festland 
her zu erreichen. Die Besitzungen des britischen 
Reiches im Fernen Osten hingen vom guten 
Willen Japans ab, der Weg nach Indien vom 
guten Willen Italiens. 
Innenminister Simon verteidigte die Re 
gierungspolitik, gab aber zu, daß der Völker 
bund einen schweren Rückschlag erlitten habe. 
Nur durch eine militärische Aktion des Völker 
bundes und seiner Mitglieder hätte man die 
Lage ändern können. Aber kein einziges Mit 
glied des Völkerbundes sei bereit gewesen, 
Gewalt anzuwenden aus Furcht vor der Ent 
wicklung, die ein solcher Krieg nehmen könnte. 
Sir Archibald S4 n c l a i r erklärte, der Ent 
rüstungssturm im Land sei größer als zur 
Zeit der Hoare-Laval-Krise. Der Kampf mit 
der Waffe der Sanktionen könne fortgesetzt 
werden, aber die Regierung verliere die 
Nerven. Der Konservative Evans dagegen 
griff die Sanktionsfrennde lebhaft an. Die 
unmittelbaren Interessen Englands lügen 
längs der Grenzen Belgiens, Hollands und 
Frankreichs. Die französische Armee sei das 
Schutzschild, hinter dem England wieder einig 
werden könne. Er schloß seine Rede, indem 
er nach dem Muster französischer Chauvinisten 
blätter Deutschland alle möglichen dunkeln Ab 
sichten unterschob. Nach weiteren Auslassun 
gen einzelner Abgeordneter schloß Minister 
präsident B a l d w i n die Unterhausaussprache 
mit einer längeren Erklärung ab. Die Re 
gierung sei trotz aller Enttäuschungen bereit, 
ihre Politik weiterhin auf den Völkerbund ab 
zustellen, er hoffe auf äußerst enge Zusammen 
arbeit zwischen England und Frankreich in 
Genf. Einer Anerkennung der italienischen 
Annektierung Abessiniens werde man in Genf 
nicht zustimmen. 
Ueber die zukünftige Politik der englischen 
Regierung, die, wie schon gesagt, auf den Völ 
kerbund ausgebaut sein soll, sagte Baldwin 
noch, daß man nun versuchen müsse, inwieweit 
die kollektive Sicherheit verwirklicht werden 
könne. Abschließend sagte Baldwin u. a.: Bei 
Waterloo habe Wellington die Hilfe der 
Preußen erwartet, um seinen Erbfeind, die 
Franzosen, zu besiegen. 100 Jahre später hät 
ten Englands Erbfeinde, die Franzosen, 
Schulter an Schulter mit ihm gegen diejenigen 
gekämpft, die Englands Verbündete bei Water 
loo gewesen seien. Das lege ihm die Frage 
nahe, ob denn nicht die Zeit für diese drei 
großen Länder gekommen sei, sich zusammen 
zuschließen und eine Politik der Befriedung 
Europas herauszufinden. 
Mit 384 gegen 170 Stimmen wurde dann der 
Regierung das Vertrauen ausgesprochen. 
* 
Eine bemerkenswerte Meldung liegt noch 
aus Polen vor. Danach wird in einer War 
schauer Zeitung der Jude als Wegbereiter des 
Bolschewismus bezeichnet. Als Beispiel gelten 
die drei, lateinischen Staaten Westeuropas 
Spanien, Frankreich und Belgien, die heute 
von einer revolutionären Bewegung erfaßt 
seien, deren Ende nicht abzusehen sei. In Ost 
europa sei vorerst keine revolutionäre Tätig 
keit sichtbar, aber dafür sei hier ein wichtiger 
Faktor vorhanden, der jede Revolution erleich 
tere, nämlich die zahlreichen Juden. — Ueber- 
schrift: Wachsende Erkenntnisse. 
DNB. Koblenz, 23. Juni. Am Dienstag 
wurde in dem großen Sittlichkeitsprozeß der 
276 Brüder der Franziskanerbruöerschaft gegen 
den Hauptangeklagten, den 23 Jahre alten 
Wilhelm A l t e g o e r alias Bruder Hermann- 
Josef und als Mitangeklagte gegen die Brüder 
Jrenaeus (Anton Spengler) und Basi 
lius (Richard Korczikowski) verhandelt. Bru 
der Hermann-Josef wird beschuldigt, in den 
verschiedenen Ordensniederlassungen durch 
neun selbständige, teilweise in sich fortgesetzte 
Handlungen mehrere Jahre hindurch mit den 
Brüdern Friedrich Neuser (Bruder Rari- 
mund), Anton Spengler (Jrenaeus), Hans 
Broß (Alexander), Friedrich Korsmeier 
(Bruder Agricola), Egou Fillings (Leon- 
tiuö). Sebastian Mcrtes (Bruder Casher) 
und Richard Korczikowski (Bruder Ba 
silius) unzüchtige Handlungen getrieben zu 
haben. Eine Nachtragsanklage legt ihm außer 
dem unzüchtigen Verkehr mit dem Bruder 
Otto Münz (Bruder Delectus) zur Last. Dem 
Angeklagten Richard Korczikowski wird ein 
Fall von Unzucht mit dem Hauptangeklagten 
Altegoer (Bruder Hermann-Josef) zur Last 
gelegt. 
Dem Mitangeklagten Anton Spengler (Bru 
der Jrenaeus) wird Unzucht mit dem Bruder 
Hermann-Josef in Bad Kreuznach im Jahre 
1933 zur Last gelegt. 
Die Vernehmung des Hauptangeklagten Al 
tegoer ergibt, daß er in den Ordcnsnicüer- 
lagen der Franziskaner in Waldbreitbach, 
Kreuznach, Linz, Ebernach und Waldniel tätig 
gewesen ist. Sowohl aus der Vernehmung des 
Angeklagten Bruders Hermann-Josef als auch 
aus der Vernehmung der Zeugen ergibr sich, 
daß die in Frage kommenden Brüder mit 
dem Angeklagten in nicht wiederzugebender 
Weise geschlechtlich verkehrt haben. Bruder We- 
ner, der dem Angeklagten Altegoer diese Per 
versitäten beigebracht hat und der mit ihm, be 
vor sie zur Christmesse gingen, widernatürlich 
verkehrte, befindet sich zur Zeit im Ausland. 
Der Angeklagte Bruder Basilius gibt sehr 
märchenhafte Erklärungen ab, nach denen er 
die unzüchtige Handlung mit Bruder Her 
mann-Josef halb im Schlaf ausgeführt haben 
wlll. Die Erzählung klingt in allen ihren Ein 
zelheiten derart unglaublich, daß der Vor- 
'itzende den Angeklagten ernsthaft zur Wahr 
haftigkeit ermahnen muß. 
Auch der Angeklagte Spengler (Bruder Jre 
naeus) will von der Absicht einer unzüchtigen 
Handlung nichts wissen und lediglich eine me 
dizinische Untersuchung vorgenommen haben!! 
Der Staatsanwalt führte in seinem Plä 
doyer u. a. aus, daß man bei Beginn der fünf 
ten Verhandlungswoche in diesem Prozeß wie 
der einmal Gelegenheit habe, das Netz der 
Querverbindungen innerhalb des Franziska 
ner-Bruderordens festzustellen. Man müsse sich 
angesichts der dauernd wiederkehrenden wider 
lichen Schilderungen vor einer Abstumpfung 
vor diesen Dingen hüten. Bei der Beurteilung 
müßten vielmehr nicht nur die einzelnen 
Straftaten, die jeweils zur Debatte stünden, 
und nicht nur die Person der Angeklagten, son 
dern vor allem der Gesamtkomplex berücksich 
tigt werden. Leute, die in der Oeffentlichkeit 
als halbe Heilige angesehen worden seien, 
wenn sie in Klosterkleidern gemessenen Schritts 
durch die Straßen gingen, hätten diese Sachen 
getrieben, und zwar, wie die Verhandlung er 
gab, sehr oft an den höchsten kirchlichen Feier 
tagen. Im einzelnen beantragte er gegen den 
Angeklagten Altegoer eine Gefängnisstrafe 
von drei Jahren und sechs Monaten unter 
Anrechnung der Untersuchungshaft von vier 
Monaten, gegen den Angeklagten Richard Kor 
czikowski sieben Monate Gefängnis und gegen 
Spengler acht Monate Gefängnis, in den bei 
den letzten Fällen unter Anrechnung der vol 
len Untersuchungshaft. Der Verteidiger hob die 
Jugendlichkeit des Hauptangeklagten hervor 
und daß dieser als Kind ins Kloster gekommen I 
Anscheinend in einem verfrühten und sach 
lich unbegründeten Triumphgefühl hat die 
Lloyd-George-Gruppc im Unterhaus einen 
Antrag eingebracht, der in Anbetracht der poli 
tischen Zusammenhänge einen etwas zweifel 
haften Beigeschmack hat. Er zieht einen Fall 
aus dem Jahre 1864 an, wo Disraeli ein Miß 
trauensvotum gegen den damaligen bekannten 
englischen Staatsmann und Ministerpräsiden 
ten Lord Palmerstone beantragt hatte, weil 
dieser den Dänen gegenüber Preußen zuerst 
den Rücken gestärkt, sie dann aber im Stich ge 
lassen hatte. Der Antrag der Lloyd-Georgc- 
Gruppe macht sich auch die Wendung aus dem 
Parallelfall von 1864 zu eigen, wonach durch 
jene Haltung Palmerstones „der Einfluß Eng 
lands herabgesetzt und der Friede gefährdet" 
worden sei. In ähnlicher Weise ist jetzt der An 
trag der Lloyd-George-Gruppe in bezug auf 
den Fall Abessinien statt Dänemark formuliert 
worden. Er hat praktisch keine andere Bedeu 
tung als die eines freilich reichlich boshaften 
Nadelstichs, nicht zuletzt durch seine historische 
Verflechtung. Lord Palmerstone war nämlich 
seinerzeit auch ein Befürworter der ersten ita 
lienischen Einheitsbewegung. Andererseits 
hatte er sich den Beinamen „Lord Firebrand" 
erworben^ weil er sich gelegentlich auch nicht 
und dort verführt worden sei. Er sei schließ 
lich nach drei Jahren dem Gift in den Klöstern 
erlegen. 
Der Vorsitzende verkündete folgendes Urteil: 
Das Verfahren gegen den Angeklagten Speng 
ler wird auf Grund der Amnestie vom 7. Aug. 
1934 eingestellt, Korczikowski wird freigespro 
chen, der Angeklagte Altegoer wird wegen 
fortgesetzter widernatürlicher Unzucht zu einer 
Gefängnisstrafe von einem Jahr und acht Mo 
naten unter Anrechnung der Untersuchungs 
haft von sechs Monaten verurteilt. 
Dieder ein Devisenschieber-prozeß. 
DNB. Vacha (Landkreis Eisenach), 23. Juni. 
Bor dem Schöffengericht hatten sich am Diens 
tag Theodor Frank aus Somborn 
(Kreis Gelnhausen) und der kathol. Pfarrer 
Josef Beier aus Borsch (Landkreis 
Eisenach) wegen Vergehens gegen die Devisen 
bestimmungen zu verantworten. Weiter war 
der Pater August Hilarius Frank, der 
sich zur Zeit im Ausland aufhält, wegen des 
gleichen Deliktes angeklagt. 
Das Urteil lautete gegen Pater Hilarius 
Frank ans zwei Jahre neun Monate Zucht 
haus und 61000 Mark Geldstrafe sowie 18 200 
Mark Wertcrsatz und fünf Jahre Ehrenrechts 
verlust. Der Angeklagte Befer erhielt ein 
Jahr neun Monate Gefängnis und insgesamt 
40 000 Mark Geldstrafe. Das Verfahren gegen 
den Angeklagten Theodor Frank wurde auf 
Grund des Straffrciheittzesetzes eingestellt. 
Dem Hauptangeklagten Pater Hilarius 
Frank waren fünf selbständige Handlungen 
gegen die Devisenbestimmungen zur Last ge 
legt, die er Anfang 1935 begangen hatte. Da 
bei zog er den Pfarrer Franz Beier sowie 
seinen Bruder Theodor Frank in diese Schie 
bungen hinein. Aus den Ermittlungen ging 
hervor, daß Pater Hilarius Frank Angehöri 
ger der „Priester-Kongregation vom kostbaren 
Blut" ist, die eine Vereinigung katholischer 
Weltpriester darstellt und deren Sitz für die 
deutschsprechende Provinz Feldkirch in Oester 
reich ist. 
* * * 
Abschluß der Beweisaufnahme 
im Audrö-Prozcß. 
Sļjälmann kommissarisch vernommen. 
DNB. Hamburg, 23. Juni. Im Audrs- 
Prozeß, der seit Wochen vor dem Strafsenat 
des Hanseatischen Oberlanöesgerichts ver 
handelt wird, wurde am Dienstag die Beweis 
aufnahme abgeschlossen. Nach Vernehmung 
der letzten Zeugen verlas der Vorsitzende des 
Strafsenats die Niederschrift über die Ver 
nehmung des Zeugen Thälmann, der am 
Montag in Berlin kommissarisch vernommen 
worden ist und sich, wie der Vorsitzende mit 
teilte, in bestem Gesundheitszustand befindet. 
— Die Schlußvortrüge der Staatsanwaltschaft 
sind für Donnerstag vorgesehen. 
* * -!- 
DNB. Berlin, 23. Juni. Am heutigen 
23. Juni sind es genau 17 Jahre her, daß Sol 
daten und Studenten die nach den Bestimmun 
gen des Versailler Vertrages an Frankreich 
abzuliefernden eroberten Fahnen aus dem 
Kriege 1870-71 und den Freiheitskriegen aus 
dem Zeughaus holten und unter dem Gesang 
des Deutschlandliedes vor dem Denkmal Fried 
richs des Großen verbrannten. 
Der Hauptbeteiligte der Aktion, Walter 
von Simons, ließ damals durch den heu 
tigen SA. - Brigaüearzt Dr. Kurt von 
S t u ck r a ö, Berlin, am Sonnabend, dem 
23. Juni, eine Reihe von studentischen Verbin 
dungen benachrichtigen, daß sie sich am Mon 
tagfrüh in kleinen Gruppen unauffällig auf 
der Straße Unter den Linden und dem Platze 
vor dem Zeughaus verteilen möchten. 
Im Laufschritt wurden die Fahnen zum 
Denkmal Friedrichs des Großen gebracht. Die 
scheute, zur erhöhten Ehre Englands irgendwo 
in der Welt auch eineu Konflikt erstehen zu 
lassen. 
Königsgcburtstagsfeicrn im britischen 
Weltreich. 
DNB. London, 23. Juni. Der 42. Geburts 
tag König Eduards VIII. wurde am Dienstag 
im ganzen britischen Weltreich mit großen 
Paraden und eindrucksvollen Feierlichkeiten 
begangen. 
In London selbst nahm der König auf dem 
Platz der Gardereiter die übliche Geburtstags 
parade ab. Die Parade, an der sich Truppen 
der Leibgaröeregimcnter zu Fuß und der 
berittenen Garde sowie zahlreiche Musik 
kapellen in ihren historischen Uniformen be 
teiligten, bot ein farbenprächtiges Bild. 
Italienische Ehrung für den 
Reichsjugendführer. 
DNB. Nom, 23. Juni. Auf Vorschlag des 
Chefs der italienischen Regierung, Mussolini, 
hat der König von Italien den Jugendführer 
des Deutschen Reiches, Baldur von Schirach, 
zum Komtur des Ordens der italienischen 
Krone ernannt. 
Studenten bildeten Spalier und verhinderten 
das Einschreiten der Polizei. Die Fahnen wur 
den mit Benzin übergössen. Leutnant von Si 
mons hielt eine kurze Ansprache, dann schlosst» 
Soldaten und Studenten einen festen Kreis, 
und unter den Klängen des Deutschlandliedes 
wurden die Fahnen den Flammen übergeben. 
Aus Anlaß des Jahrestages dieses Tages 
empfing am 23. Juni mittags Reichsminister 
Dr. Goebbels jene Männer, die damals an 
der Beschlagnahme der Fahnen im Zeughaus 
und an ihrer Verbrennung beteiligt waren, 
unter Führung des Herrn Walther von Si 
mons in seinem Ministerium. 
von Simons, auf dessen Kopf von der dama 
ligen Regierung der Republik ein hoher Preis 
ausgesetzt und dessen Auslieferung an Frank 
reich bereits beschlossen worden war, mußte 
seiner Zeit Deutschland verlassen und ins Aus 
land gehen. Erst nach der Wieöerbefreiung und 
Wiedererstarkung des deutschen Volkes konnte 
er deutschen Boden wieder betreten. 
Der ßgsMerkchr in Mcseille 
fafjmgefegf. 
Ausbreitung des Streiks auf die 
übrigen Mittelmeerhäfen? 
DNB. Paris, 24. Juni. (Eig. Funkm.) Der 
Matin berichtet, daß sich die Streikbewegung 
im Marseiller Hafen weiter ausgedehnt habe. 
Uber 68 Schiffen wehe die rote Fahne, rund 
4000 Streikende hielten die Schiffe, die von 
ihren Kapitänen und Offizieren verlassen 
worden seien, besetzt. Der Hafenverkehr ruhe 
völlig. 
Die Verpflegung der Streikenden wird, so 
weit möglich, aus Schiffsvorräten beschafft, 
wobei es, wie der Matin weiter meldet, sogar 
zu gewaltsamem Aufbrechen der Türen zu 
den Vorratskammern gekommen sein soll. Dem 
Streik haben sich nicht nur die Matrosen der 
Hafenrundfahrtschiffe, der Schlepper und auch 
der kleinsten Boote angeschlossen, sondern so 
gar die Schiffsreparaturarbeiter, die Schiffs 
anstreicher und die Dockarbeiter. 
Der Ami du peuple berichtet, daß sich die 
Streikbewegung auch auf die anderen französi 
schen Mittelmeerhäfen auszudehnen beginne. 
So sei der Verkehr des Hafens Port-Vendres 
völlig stillgelegt. Auch hier wehe die rote 
Fahne an den Masten der Schiffe. Das Blatt 
erklärt, diese Vorfälle ließen darauf schließen, 
daß der Bolschewismus im Anmarsch sei. 
* 
Oberst de la Rocque gründet eine neue 
Partei. 
DNB. Paris, 24. Juni. (Eig. Funkm.) Der 
Führer der nunmehr durch eine ergänzende 
Verordnung restlos verbotenen und aufgelö 
sten Feuerkreuzorganisation, Oberst de la 
Rocque, hat in einer Erklärung vor der Presse 
die bevorstehende Gründung der französischen 
Sozialen Partei (Partie Social Francais) an 
gekündigt. Eine Liste der Abgeordneten seiner 
Partei in der Kammer werde er in drei Tagen 
veröffentlichen. In seinen weiteren Erklärun 
gen bedauert de la Rocque u. a., daß durch das 
Verbot auch der sozialen Einrichtungen der 
Feuerkreuzler zahlreiche Kranke und Bedürf 
tige der notwendigen Betreuung beraubt wor 
den seien. 
* H * 
Selfsame Vorstellungen 
von moderner Kriegführung scheint in der Tat 
die Kantonregierung zu haben. Bei dem Vor 
marsch der von fünf Seiten jetzt in die eine der 
beiden Provinzen der Kantonregierung, 
Kwangsi, eindringenden nordchinesischen Trup 
pen stellt sich heraus, daß die Kantontruppen 
nur über ganze 100 000 Liter Petroleum und 
700 Tonnen Brennstoff verfügen, und auch die 
ind erst mit letzter Gelegenheit aus Hongkong 
herangekommen. Und die Machthaber von 
Kanton wollten gar gegen Japan Krieg füh 
ren, notfalls ohne Nanking! 
* * » 
Schwedische Handelsschüler bereisten 
Jeulschland. 
Pahlmanns Handelsinstitut in Stockholm, 
das etwa 400 Schüler auf ihren späteren 
Kaufmannsberuf vorbereitet, veranstaltet 
edes Jahr Studienreisen in das europäische 
Ausland. In diesem Jahr hat das Institut 
zum ersten Male auch Deutschland in das 
Reiseprogramm einbezogen. Eine stattliche 
Schülergruppe unter Leitung von Magister 
Edelfors hat in diesen Tagen eine dreiwöchige 
Reise durch Deutschland beendet, bei deren 
Durchführung sie von der Nordischen Vcrbin- 
dnugsstelle und dem Deutschen Akademischen 
Austauschdienst beraten wurden. Ihren Ab- 
chluß fand die Reise mit einem Empfang 
durch die Nordische Verbindungsstelle in Ber 
lin, in deren schönem Haus die schwedischen 
Gäste zusammen mit Schülern und Schülerin 
nen der Berliner höheren Handelslchranstal- 
ten einige frohe Stunden verbrachten. 
Verantwortlicher Hauptschriftleiter um Herausgever: Fer 
dinand Möller. 
Stellvertreter des Hauptschristleiters: Herbert Puhlmann- 
Verantwortlich für Politik: Herbert Puhlmann, für den 
örtlichen und allgemeinen Teil: Adolf Gregori; fü* 
den wirtschaftlichen Teil: Dr. Cl. Biclfeldt; für den 
provinziellen Teil: Karl Müller, alle in Rendsburg- 
Bildverantwortliche: Ressortleiter. 
Verantwortlicher Änzeigenleiter: Karl Jacobsen, Rendsburg. 
Verlag und Druck: Heinrich Möller Söhne, Rendsburg, 
D-'A- Schleswig-Holsteinische Landeszeitung (Rendsburgs 
Tageblatt — Hohenwestedter Zeitung / Di« Lanbpoşi 
Hanerau-Hademarschen — Süderbraruper Tageblatts 
D.-A. V 36 über 13 SM Pl. Nr. 7. 
Blutiger Hohn im Auterhems
	        
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