Sittlichkeitsprozetz gegen Franziskanerbrnder
mit Deutschland. Nach einem Schlußwort des
Außenministers sprach die Kammer mit 382
gegen 198 Stimmen der Regierung ihr Ver
trauen aus.
Die Blätter der Volksfront stimmen natür
lich der Regierungserklärung zu, während die
Blätter der Rechten heftige Kritiken enthal
ten. Man schreibt u. a., die Autorität Frank
reichs nehme von Tag zu Tag in England,
Belgien, in Mittel- und Osteuropa ab. Allge
mein kommt auch zum Ausdruck, daß man über
die Erklärungen und ihren Inhalt enttäuscht
sei.
Daß die Lage der französischen Regierung
innerpolitisch gesehen nicht sehr rosig ist, zei
gen die täglichen Berichte über die Streiks
unter kommunistischer Führung. Selbst Blät
ter, die der Volksfront nahestehen, äußern ihre
Besorgnis über die Entwicklung in Frank
reich. Man schreibt: „Wir befinden uns auf
einem schlechten Weg. Noch ist es Zeit, ein Ab
gleiten aufzuhalten. Morgen wird es zu spät
sein."
In der italienischen Presse zeigt man offen
die Enttäuschung über den Inhalt der franzö
sischen Regierungserklärung.
*
Die englische Regierung setzt sich durch.
Im englischen Unterhaus wurde am Diens
tag die Aussprache fortgesetzt, die Eden am
Donnerstag mit seiner Rede eingeleitet hat.
Ueber dem Unterhaus lag eine ruhige
Atmosphäre, wenn auch die Opposition in ihren
Ausführungen heftig blieb. Der Führer der
Opposition, A t t l e, brachte einen Antrag ein,
der Negierung das Mißtrauen auszusprechen,
da ihr Mangel an Geschlossenheit in der
Außenpolitik das Ansehen des Landes gemin
dert, den Völkerbund geschwächt und den Frie
den gefährdet habe. Die Regierung habe sich
geweigert, ein Risiko für den Frieden einzu
gehen und habe damit das Land in eine gefähr
liche Lage gebracht. Die strategische Lage des
Landes sei nicht die von 1914. Sein eigentliches
Herz sei heute auf dem Luftwege vom Festland
her zu erreichen. Die Besitzungen des britischen
Reiches im Fernen Osten hingen vom guten
Willen Japans ab, der Weg nach Indien vom
guten Willen Italiens.
Innenminister Simon verteidigte die Re
gierungspolitik, gab aber zu, daß der Völker
bund einen schweren Rückschlag erlitten habe.
Nur durch eine militärische Aktion des Völker
bundes und seiner Mitglieder hätte man die
Lage ändern können. Aber kein einziges Mit
glied des Völkerbundes sei bereit gewesen,
Gewalt anzuwenden aus Furcht vor der Ent
wicklung, die ein solcher Krieg nehmen könnte.
Sir Archibald S4 n c l a i r erklärte, der Ent
rüstungssturm im Land sei größer als zur
Zeit der Hoare-Laval-Krise. Der Kampf mit
der Waffe der Sanktionen könne fortgesetzt
werden, aber die Regierung verliere die
Nerven. Der Konservative Evans dagegen
griff die Sanktionsfrennde lebhaft an. Die
unmittelbaren Interessen Englands lügen
längs der Grenzen Belgiens, Hollands und
Frankreichs. Die französische Armee sei das
Schutzschild, hinter dem England wieder einig
werden könne. Er schloß seine Rede, indem
er nach dem Muster französischer Chauvinisten
blätter Deutschland alle möglichen dunkeln Ab
sichten unterschob. Nach weiteren Auslassun
gen einzelner Abgeordneter schloß Minister
präsident B a l d w i n die Unterhausaussprache
mit einer längeren Erklärung ab. Die Re
gierung sei trotz aller Enttäuschungen bereit,
ihre Politik weiterhin auf den Völkerbund ab
zustellen, er hoffe auf äußerst enge Zusammen
arbeit zwischen England und Frankreich in
Genf. Einer Anerkennung der italienischen
Annektierung Abessiniens werde man in Genf
nicht zustimmen.
Ueber die zukünftige Politik der englischen
Regierung, die, wie schon gesagt, auf den Völ
kerbund ausgebaut sein soll, sagte Baldwin
noch, daß man nun versuchen müsse, inwieweit
die kollektive Sicherheit verwirklicht werden
könne. Abschließend sagte Baldwin u. a.: Bei
Waterloo habe Wellington die Hilfe der
Preußen erwartet, um seinen Erbfeind, die
Franzosen, zu besiegen. 100 Jahre später hät
ten Englands Erbfeinde, die Franzosen,
Schulter an Schulter mit ihm gegen diejenigen
gekämpft, die Englands Verbündete bei Water
loo gewesen seien. Das lege ihm die Frage
nahe, ob denn nicht die Zeit für diese drei
großen Länder gekommen sei, sich zusammen
zuschließen und eine Politik der Befriedung
Europas herauszufinden.
Mit 384 gegen 170 Stimmen wurde dann der
Regierung das Vertrauen ausgesprochen.
*
Eine bemerkenswerte Meldung liegt noch
aus Polen vor. Danach wird in einer War
schauer Zeitung der Jude als Wegbereiter des
Bolschewismus bezeichnet. Als Beispiel gelten
die drei, lateinischen Staaten Westeuropas
Spanien, Frankreich und Belgien, die heute
von einer revolutionären Bewegung erfaßt
seien, deren Ende nicht abzusehen sei. In Ost
europa sei vorerst keine revolutionäre Tätig
keit sichtbar, aber dafür sei hier ein wichtiger
Faktor vorhanden, der jede Revolution erleich
tere, nämlich die zahlreichen Juden. — Ueber-
schrift: Wachsende Erkenntnisse.
DNB. Koblenz, 23. Juni. Am Dienstag
wurde in dem großen Sittlichkeitsprozeß der
276 Brüder der Franziskanerbruöerschaft gegen
den Hauptangeklagten, den 23 Jahre alten
Wilhelm A l t e g o e r alias Bruder Hermann-
Josef und als Mitangeklagte gegen die Brüder
Jrenaeus (Anton Spengler) und Basi
lius (Richard Korczikowski) verhandelt. Bru
der Hermann-Josef wird beschuldigt, in den
verschiedenen Ordensniederlassungen durch
neun selbständige, teilweise in sich fortgesetzte
Handlungen mehrere Jahre hindurch mit den
Brüdern Friedrich Neuser (Bruder Rari-
mund), Anton Spengler (Jrenaeus), Hans
Broß (Alexander), Friedrich Korsmeier
(Bruder Agricola), Egou Fillings (Leon-
tiuö). Sebastian Mcrtes (Bruder Casher)
und Richard Korczikowski (Bruder Ba
silius) unzüchtige Handlungen getrieben zu
haben. Eine Nachtragsanklage legt ihm außer
dem unzüchtigen Verkehr mit dem Bruder
Otto Münz (Bruder Delectus) zur Last. Dem
Angeklagten Richard Korczikowski wird ein
Fall von Unzucht mit dem Hauptangeklagten
Altegoer (Bruder Hermann-Josef) zur Last
gelegt.
Dem Mitangeklagten Anton Spengler (Bru
der Jrenaeus) wird Unzucht mit dem Bruder
Hermann-Josef in Bad Kreuznach im Jahre
1933 zur Last gelegt.
Die Vernehmung des Hauptangeklagten Al
tegoer ergibt, daß er in den Ordcnsnicüer-
lagen der Franziskaner in Waldbreitbach,
Kreuznach, Linz, Ebernach und Waldniel tätig
gewesen ist. Sowohl aus der Vernehmung des
Angeklagten Bruders Hermann-Josef als auch
aus der Vernehmung der Zeugen ergibr sich,
daß die in Frage kommenden Brüder mit
dem Angeklagten in nicht wiederzugebender
Weise geschlechtlich verkehrt haben. Bruder We-
ner, der dem Angeklagten Altegoer diese Per
versitäten beigebracht hat und der mit ihm, be
vor sie zur Christmesse gingen, widernatürlich
verkehrte, befindet sich zur Zeit im Ausland.
Der Angeklagte Bruder Basilius gibt sehr
märchenhafte Erklärungen ab, nach denen er
die unzüchtige Handlung mit Bruder Her
mann-Josef halb im Schlaf ausgeführt haben
wlll. Die Erzählung klingt in allen ihren Ein
zelheiten derart unglaublich, daß der Vor-
'itzende den Angeklagten ernsthaft zur Wahr
haftigkeit ermahnen muß.
Auch der Angeklagte Spengler (Bruder Jre
naeus) will von der Absicht einer unzüchtigen
Handlung nichts wissen und lediglich eine me
dizinische Untersuchung vorgenommen haben!!
Der Staatsanwalt führte in seinem Plä
doyer u. a. aus, daß man bei Beginn der fünf
ten Verhandlungswoche in diesem Prozeß wie
der einmal Gelegenheit habe, das Netz der
Querverbindungen innerhalb des Franziska
ner-Bruderordens festzustellen. Man müsse sich
angesichts der dauernd wiederkehrenden wider
lichen Schilderungen vor einer Abstumpfung
vor diesen Dingen hüten. Bei der Beurteilung
müßten vielmehr nicht nur die einzelnen
Straftaten, die jeweils zur Debatte stünden,
und nicht nur die Person der Angeklagten, son
dern vor allem der Gesamtkomplex berücksich
tigt werden. Leute, die in der Oeffentlichkeit
als halbe Heilige angesehen worden seien,
wenn sie in Klosterkleidern gemessenen Schritts
durch die Straßen gingen, hätten diese Sachen
getrieben, und zwar, wie die Verhandlung er
gab, sehr oft an den höchsten kirchlichen Feier
tagen. Im einzelnen beantragte er gegen den
Angeklagten Altegoer eine Gefängnisstrafe
von drei Jahren und sechs Monaten unter
Anrechnung der Untersuchungshaft von vier
Monaten, gegen den Angeklagten Richard Kor
czikowski sieben Monate Gefängnis und gegen
Spengler acht Monate Gefängnis, in den bei
den letzten Fällen unter Anrechnung der vol
len Untersuchungshaft. Der Verteidiger hob die
Jugendlichkeit des Hauptangeklagten hervor
und daß dieser als Kind ins Kloster gekommen I
Anscheinend in einem verfrühten und sach
lich unbegründeten Triumphgefühl hat die
Lloyd-George-Gruppc im Unterhaus einen
Antrag eingebracht, der in Anbetracht der poli
tischen Zusammenhänge einen etwas zweifel
haften Beigeschmack hat. Er zieht einen Fall
aus dem Jahre 1864 an, wo Disraeli ein Miß
trauensvotum gegen den damaligen bekannten
englischen Staatsmann und Ministerpräsiden
ten Lord Palmerstone beantragt hatte, weil
dieser den Dänen gegenüber Preußen zuerst
den Rücken gestärkt, sie dann aber im Stich ge
lassen hatte. Der Antrag der Lloyd-Georgc-
Gruppe macht sich auch die Wendung aus dem
Parallelfall von 1864 zu eigen, wonach durch
jene Haltung Palmerstones „der Einfluß Eng
lands herabgesetzt und der Friede gefährdet"
worden sei. In ähnlicher Weise ist jetzt der An
trag der Lloyd-George-Gruppe in bezug auf
den Fall Abessinien statt Dänemark formuliert
worden. Er hat praktisch keine andere Bedeu
tung als die eines freilich reichlich boshaften
Nadelstichs, nicht zuletzt durch seine historische
Verflechtung. Lord Palmerstone war nämlich
seinerzeit auch ein Befürworter der ersten ita
lienischen Einheitsbewegung. Andererseits
hatte er sich den Beinamen „Lord Firebrand"
erworben^ weil er sich gelegentlich auch nicht
und dort verführt worden sei. Er sei schließ
lich nach drei Jahren dem Gift in den Klöstern
erlegen.
Der Vorsitzende verkündete folgendes Urteil:
Das Verfahren gegen den Angeklagten Speng
ler wird auf Grund der Amnestie vom 7. Aug.
1934 eingestellt, Korczikowski wird freigespro
chen, der Angeklagte Altegoer wird wegen
fortgesetzter widernatürlicher Unzucht zu einer
Gefängnisstrafe von einem Jahr und acht Mo
naten unter Anrechnung der Untersuchungs
haft von sechs Monaten verurteilt.
Dieder ein Devisenschieber-prozeß.
DNB. Vacha (Landkreis Eisenach), 23. Juni.
Bor dem Schöffengericht hatten sich am Diens
tag Theodor Frank aus Somborn
(Kreis Gelnhausen) und der kathol. Pfarrer
Josef Beier aus Borsch (Landkreis
Eisenach) wegen Vergehens gegen die Devisen
bestimmungen zu verantworten. Weiter war
der Pater August Hilarius Frank, der
sich zur Zeit im Ausland aufhält, wegen des
gleichen Deliktes angeklagt.
Das Urteil lautete gegen Pater Hilarius
Frank ans zwei Jahre neun Monate Zucht
haus und 61000 Mark Geldstrafe sowie 18 200
Mark Wertcrsatz und fünf Jahre Ehrenrechts
verlust. Der Angeklagte Befer erhielt ein
Jahr neun Monate Gefängnis und insgesamt
40 000 Mark Geldstrafe. Das Verfahren gegen
den Angeklagten Theodor Frank wurde auf
Grund des Straffrciheittzesetzes eingestellt.
Dem Hauptangeklagten Pater Hilarius
Frank waren fünf selbständige Handlungen
gegen die Devisenbestimmungen zur Last ge
legt, die er Anfang 1935 begangen hatte. Da
bei zog er den Pfarrer Franz Beier sowie
seinen Bruder Theodor Frank in diese Schie
bungen hinein. Aus den Ermittlungen ging
hervor, daß Pater Hilarius Frank Angehöri
ger der „Priester-Kongregation vom kostbaren
Blut" ist, die eine Vereinigung katholischer
Weltpriester darstellt und deren Sitz für die
deutschsprechende Provinz Feldkirch in Oester
reich ist.
* * *
Abschluß der Beweisaufnahme
im Audrö-Prozcß.
Sļjälmann kommissarisch vernommen.
DNB. Hamburg, 23. Juni. Im Audrs-
Prozeß, der seit Wochen vor dem Strafsenat
des Hanseatischen Oberlanöesgerichts ver
handelt wird, wurde am Dienstag die Beweis
aufnahme abgeschlossen. Nach Vernehmung
der letzten Zeugen verlas der Vorsitzende des
Strafsenats die Niederschrift über die Ver
nehmung des Zeugen Thälmann, der am
Montag in Berlin kommissarisch vernommen
worden ist und sich, wie der Vorsitzende mit
teilte, in bestem Gesundheitszustand befindet.
— Die Schlußvortrüge der Staatsanwaltschaft
sind für Donnerstag vorgesehen.
* * -!-
DNB. Berlin, 23. Juni. Am heutigen
23. Juni sind es genau 17 Jahre her, daß Sol
daten und Studenten die nach den Bestimmun
gen des Versailler Vertrages an Frankreich
abzuliefernden eroberten Fahnen aus dem
Kriege 1870-71 und den Freiheitskriegen aus
dem Zeughaus holten und unter dem Gesang
des Deutschlandliedes vor dem Denkmal Fried
richs des Großen verbrannten.
Der Hauptbeteiligte der Aktion, Walter
von Simons, ließ damals durch den heu
tigen SA. - Brigaüearzt Dr. Kurt von
S t u ck r a ö, Berlin, am Sonnabend, dem
23. Juni, eine Reihe von studentischen Verbin
dungen benachrichtigen, daß sie sich am Mon
tagfrüh in kleinen Gruppen unauffällig auf
der Straße Unter den Linden und dem Platze
vor dem Zeughaus verteilen möchten.
Im Laufschritt wurden die Fahnen zum
Denkmal Friedrichs des Großen gebracht. Die
scheute, zur erhöhten Ehre Englands irgendwo
in der Welt auch eineu Konflikt erstehen zu
lassen.
Königsgcburtstagsfeicrn im britischen
Weltreich.
DNB. London, 23. Juni. Der 42. Geburts
tag König Eduards VIII. wurde am Dienstag
im ganzen britischen Weltreich mit großen
Paraden und eindrucksvollen Feierlichkeiten
begangen.
In London selbst nahm der König auf dem
Platz der Gardereiter die übliche Geburtstags
parade ab. Die Parade, an der sich Truppen
der Leibgaröeregimcnter zu Fuß und der
berittenen Garde sowie zahlreiche Musik
kapellen in ihren historischen Uniformen be
teiligten, bot ein farbenprächtiges Bild.
Italienische Ehrung für den
Reichsjugendführer.
DNB. Nom, 23. Juni. Auf Vorschlag des
Chefs der italienischen Regierung, Mussolini,
hat der König von Italien den Jugendführer
des Deutschen Reiches, Baldur von Schirach,
zum Komtur des Ordens der italienischen
Krone ernannt.
Studenten bildeten Spalier und verhinderten
das Einschreiten der Polizei. Die Fahnen wur
den mit Benzin übergössen. Leutnant von Si
mons hielt eine kurze Ansprache, dann schlosst»
Soldaten und Studenten einen festen Kreis,
und unter den Klängen des Deutschlandliedes
wurden die Fahnen den Flammen übergeben.
Aus Anlaß des Jahrestages dieses Tages
empfing am 23. Juni mittags Reichsminister
Dr. Goebbels jene Männer, die damals an
der Beschlagnahme der Fahnen im Zeughaus
und an ihrer Verbrennung beteiligt waren,
unter Führung des Herrn Walther von Si
mons in seinem Ministerium.
von Simons, auf dessen Kopf von der dama
ligen Regierung der Republik ein hoher Preis
ausgesetzt und dessen Auslieferung an Frank
reich bereits beschlossen worden war, mußte
seiner Zeit Deutschland verlassen und ins Aus
land gehen. Erst nach der Wieöerbefreiung und
Wiedererstarkung des deutschen Volkes konnte
er deutschen Boden wieder betreten.
Der ßgsMerkchr in Mcseille
fafjmgefegf.
Ausbreitung des Streiks auf die
übrigen Mittelmeerhäfen?
DNB. Paris, 24. Juni. (Eig. Funkm.) Der
Matin berichtet, daß sich die Streikbewegung
im Marseiller Hafen weiter ausgedehnt habe.
Uber 68 Schiffen wehe die rote Fahne, rund
4000 Streikende hielten die Schiffe, die von
ihren Kapitänen und Offizieren verlassen
worden seien, besetzt. Der Hafenverkehr ruhe
völlig.
Die Verpflegung der Streikenden wird, so
weit möglich, aus Schiffsvorräten beschafft,
wobei es, wie der Matin weiter meldet, sogar
zu gewaltsamem Aufbrechen der Türen zu
den Vorratskammern gekommen sein soll. Dem
Streik haben sich nicht nur die Matrosen der
Hafenrundfahrtschiffe, der Schlepper und auch
der kleinsten Boote angeschlossen, sondern so
gar die Schiffsreparaturarbeiter, die Schiffs
anstreicher und die Dockarbeiter.
Der Ami du peuple berichtet, daß sich die
Streikbewegung auch auf die anderen französi
schen Mittelmeerhäfen auszudehnen beginne.
So sei der Verkehr des Hafens Port-Vendres
völlig stillgelegt. Auch hier wehe die rote
Fahne an den Masten der Schiffe. Das Blatt
erklärt, diese Vorfälle ließen darauf schließen,
daß der Bolschewismus im Anmarsch sei.
*
Oberst de la Rocque gründet eine neue
Partei.
DNB. Paris, 24. Juni. (Eig. Funkm.) Der
Führer der nunmehr durch eine ergänzende
Verordnung restlos verbotenen und aufgelö
sten Feuerkreuzorganisation, Oberst de la
Rocque, hat in einer Erklärung vor der Presse
die bevorstehende Gründung der französischen
Sozialen Partei (Partie Social Francais) an
gekündigt. Eine Liste der Abgeordneten seiner
Partei in der Kammer werde er in drei Tagen
veröffentlichen. In seinen weiteren Erklärun
gen bedauert de la Rocque u. a., daß durch das
Verbot auch der sozialen Einrichtungen der
Feuerkreuzler zahlreiche Kranke und Bedürf
tige der notwendigen Betreuung beraubt wor
den seien.
* H *
Selfsame Vorstellungen
von moderner Kriegführung scheint in der Tat
die Kantonregierung zu haben. Bei dem Vor
marsch der von fünf Seiten jetzt in die eine der
beiden Provinzen der Kantonregierung,
Kwangsi, eindringenden nordchinesischen Trup
pen stellt sich heraus, daß die Kantontruppen
nur über ganze 100 000 Liter Petroleum und
700 Tonnen Brennstoff verfügen, und auch die
ind erst mit letzter Gelegenheit aus Hongkong
herangekommen. Und die Machthaber von
Kanton wollten gar gegen Japan Krieg füh
ren, notfalls ohne Nanking!
* * »
Schwedische Handelsschüler bereisten
Jeulschland.
Pahlmanns Handelsinstitut in Stockholm,
das etwa 400 Schüler auf ihren späteren
Kaufmannsberuf vorbereitet, veranstaltet
edes Jahr Studienreisen in das europäische
Ausland. In diesem Jahr hat das Institut
zum ersten Male auch Deutschland in das
Reiseprogramm einbezogen. Eine stattliche
Schülergruppe unter Leitung von Magister
Edelfors hat in diesen Tagen eine dreiwöchige
Reise durch Deutschland beendet, bei deren
Durchführung sie von der Nordischen Vcrbin-
dnugsstelle und dem Deutschen Akademischen
Austauschdienst beraten wurden. Ihren Ab-
chluß fand die Reise mit einem Empfang
durch die Nordische Verbindungsstelle in Ber
lin, in deren schönem Haus die schwedischen
Gäste zusammen mit Schülern und Schülerin
nen der Berliner höheren Handelslchranstal-
ten einige frohe Stunden verbrachten.
Verantwortlicher Hauptschriftleiter um Herausgever: Fer
dinand Möller.
Stellvertreter des Hauptschristleiters: Herbert Puhlmann-
Verantwortlich für Politik: Herbert Puhlmann, für den
örtlichen und allgemeinen Teil: Adolf Gregori; fü*
den wirtschaftlichen Teil: Dr. Cl. Biclfeldt; für den
provinziellen Teil: Karl Müller, alle in Rendsburg-
Bildverantwortliche: Ressortleiter.
Verantwortlicher Änzeigenleiter: Karl Jacobsen, Rendsburg.
Verlag und Druck: Heinrich Möller Söhne, Rendsburg,
D-'A- Schleswig-Holsteinische Landeszeitung (Rendsburgs
Tageblatt — Hohenwestedter Zeitung / Di« Lanbpoşi
Hanerau-Hademarschen — Süderbraruper Tageblatts
D.-A. V 36 über 13 SM Pl. Nr. 7.
Blutiger Hohn im Auterhems