à liiuiìon offene Steilen.
àe Rekorziffer der Reichsanstalt
fur Arbeitsvermittlung für den Monat Mai.
Lie wird unterstützt durch die vorläufige Sta
tistik der Krankenkassenmitglieder, die 481000
Neuversicherte zählen. Die Arbeitsämter hat
ten nur 272 000 Erwerbslose weniger gemel
det. Ter Statistik der Krankenkassen kommt
ln der Tat eine erhöhte Bedeutung zu, da sie
den positiven Naweis liefert, und in den
vergangenen Jahren oft genug auch nach der
negativen Seite hin Ziffern der Arbeitsämter
vervollständigt hatte. Wir erinnern bei dieser
Gelegenheit an die Darlegungen des Präsiden
ten Syrup im Winter. Er hatte damals be
reits bei einer Analyse der Arbeitslosenzahl
ca. 7—800 000. Menschen ausgeschieden, die
ohnehin mehr in den Bereich der Armenpflege
gehörten als in den seinen. Er hatte außerdem
auf die ungewöhnlich hohe Zahl der in der
Statistik auftauchenden Erwerbstätigen hinge
wiesen, die nur durch ihrenStellenwechsel, nicht
aber durch ihre tatsächliche Erwerbslosigkeit
eme Rolle spielen. Er wies schließlich noch auf
einen starken Rest jener am meisten zu bedau
ernden Kategorie der Erwerbslosen hin, die,
wie gewisse Bergarbeitergruppen, durch das
Erliegen ihrer Industrie niemals wieder
Hoffnung auf Arbeit in ihrem Bezirk haben
werden, durch Wohnungsverhältnisse aber in
der Umsiedlung gehindert sind. Zieht man nach
drefer Analyse also die Zahl der überhaupt
nicht mehr Unterzubringenden ab, so erscheint
die tatsächliche Arbeitslosigkeit in Deutschland
als fast beseitigt. Angesichts der Besserung der
Kommunalfinanzen erscheint es ja heute'auch
nicht mehr ausgeschlossen, bei dem Stand von
unter anderthalb Millionen Erwerbslosen an
die schon von Präsident Syrup angedeutete
Reform zu denken.
Moskaus Dardanellen-Tradition
Es erscheint durchaus begreiflich, wenn die
plötzliche sowjetrussische Forderung nach unbe
dingter Offenhaltung der Dardanellen sogar
für sowjetrussische Kriegsschiffe, Truppen- und
Kriegsmaterialtransporte und auch für jeden
beliebigen Kriegsfall in London erhebliche Er
regung verursacht hat. So sehr diese Forderung
der politischen Geschichte Rußlands von jeher
eigen gewesen ist, so unverrückbar besteht auf
englischer Seite heute wie früher das Be
streben, kein Rußland, es mag bolschewistisch
«ein oder nicht, sich unter irgendwelchen Vor
wänden als „Mittelmeermacht" aufspielen zu
lassen. Außerdem verkennt man in London doch
ŗhl kaum, daß das französisch-bolschewistische
Mklitarbundnis letzten Endes auch hinter je
ner Forderung Moskaus steht und im Fall ir
gendwelcher kriegerischer Verwicklungen
Frankreichs und damit des Wirksamswerdcns
lenes Bündnisses durch das Auftreten größe
rer sowjetrussifcher Flottcnstrcitkräftc im
Mittelmecr eine völlig neue Lage entstehen
kann, an Ser England selbst nach fertigem Aus-
bau der Strecke Kapstadt—Singapore keines
falls vorbeisehen darf. Lord Stanhope hat sich
ja denn auch nicht weniger als 30 militärische
und juristische Sachverständige mitgebracht und
durfte entsprechend auftreten. Eine Frage für
sich ist freilich dabei, wie weit eine englische
Opposition gegen die Forderung Rußlands
durch die englische Annäherung an Moskau
auf Grund der kritischen Lage im Fernost be
grenzt ist.
In jedem Fall dürfte die englische Diploma
tie dieses schwierige Problem auch durch fi
nanzpolitische Gegengeschäfte zu beeinflussen
versuchen. Wenn eine Militarisierung der Dar
danellen überhaupt einen militärischen Wert
haben soll, dann ist ihre Befestigung unter rd.
800 Millionen englischen Pfiknd nicht zu er
stellen. Diese Summe geht natürlich weit über
die Finanzkräfte der Türkei zur Zeit hinaus.
Also wird London wohl zu verstehen geben,
daß man den türkischen Vorschlag nach völliger
Wiederherstellung der Souveränität über die
Dardanellen zuzustimmengeneigt sei, wenn die
Türkei — die notwendigen Rüstungsaufträge
nach England vergibt. Mit welcher Klappe ge
gebenenfalls zugleich auch die russische Fliege
zu erwischen wäre.
Unterdessen mehrt sich auch die Beunruhi
gung in Italien über die englische Haltung in
Montreux, die man in Rom als den Versuch
eines „Ueberraschungsmanövers" zu deuten
versucht. Man glaubt in politischen Kreisen
Italiens u. a., daß England in Montreux die
Sicherungen, die es bereits durch die Flotten
abmachungen mit östlichen Mittelmeerstaatcn
gegenüber Italien getroffen habe, nun durch
ein Ausgleichsgeschäft mit der Türkei weiter
auszubauen gedenkt.
Die Lage in Frankreich
Der Streik unter roten Fahnen
Ein neugieriges Anļerhnusmiļglîeâ.
DNB. London, 24. Juni. Im Unterhaus be
hauptete am Mittwoch der Abgeordnete Man
der (Liberal), daß in einem abgestürzten itali
enischen Flugzeug in Aegypten Pläne für
ernen italienischen Angriff auf Aegypten ge
funden worden seien. Mander wollte hierauf
wissen, ob Cranborne in der Lage sei, mitzu
teilen, daß keinerlei Dokumente der geschildcr-
ren Art in irgend einem italienischen Flug
zeug während der Sommermonate des letzten
Jahres gefunden worden seien.
Cranborne erwiderte, er könne auf diese
Erage nicht ohne weiteres eingehen- er bitte
sie schriftlich einzubringen.
* * *
Englische Bauern ptefeffteren
gegen Kirchensteuern.
DNB. London, 24: Juni. Ein Protestzüg von
"000 englischen Bauern, in dem alle englischen
Landschaften vertreten waren, bewegte sich am
Mittwoch durch London, um gegen die Kir
chensteuern Einspruch zu erheben. Ter De
monstrationszug trug Banner mit den Auf-
ichristen wie „Der Farmer erarbeitet, was die
Kirche vergeudet" und „Die Landwirtschaft ist
in Gefahr". Der Demonstrationszug, der gro
pes Aufsehen in London erregte, bewegte sich
durch die ganze Stadt und endete schließlich im
Hyöepark.
Der Protest der Bauern richtete sich gegen
die Gesetzesvorlage, die die Umlegung des
Kirchzehnten auf die Landwirtschaft vorsieht.
*
Englands Guthaben.
©ic bisher stets seit dem internationalen
Moratorium hat auch beim letzten Zahlungs
termin England die Zahlung der fälligen
Schuldenrate an die Vereinigten Staaten ver
weigert.
Eine englische Zeitung macht aus diesem
Anlaß eine Rechnung der Guthaben und
Schulden Englands auf und kommt zu dem
Schluß, daß Großbritannien nicht nur seine
Schulden an die Bereinigten Staaten, sondern
auch seine ganze Wiederaufrüstung bezahlen
könnte, wenn es seine Guthaben von seinen
Schuldnern zurückerhielte.
Fünfzig ausländische Nationen schulden dem
britischen Staat rund 400 Millionen Pfund,
"ach der alten Parität also etwa acht Milliar
den Mark. Die Liste der säumigen Schuldner
Großbritanniens umfaßt u. a. Columbia.
Ecuador, Mexiko, Paraguay, Rußland und den
amerikanischen Staat Mississippi. Alle diese
Staatsschulden sind reichlich dubios und in ab
sehbarer Zeit wohl schwerlich einzutreiben.
Das gilt vor allem für die russischen Schulden,
die von dem zaristischen Rußland aufgenom-
rucn worden sind. Bisher hat die Sowjetunion
noch mit keinem Staat eine endgültige Rege
lung der Rückzahlung der alten Staatsschulden
getroffen, obgleich über dieses Thema oft und
viel verhandelt worden ist.
pk SMlage in Marseille.
.DNB. Paris, 28. Juni. (Eig. Funkm.) Die
Are,klage in Marseille ist vorläufig noch un
verändert. Stach wie vor sind die Schiffe von
ihren Mannschaften besetzt und die rote Fahne
weht auf den Masten. Während Vertreter der
streikenden Matrosen und der Schiffseigentü
mer am Mittlvvchnachmittag in Paris beim
Ministerpräsidenten Leon Blum und bei dem
Unterstaatssekretär im Handelsministerium,
-rasso, weilten, traf ein Telegramm aus Mar-
seille ein, das die grundsätzliche Zustimmung
m'r Schiffsgesellschaften zu den Forderungen
der Streikenden brachte. Unterstaatssekretär
Tassv erklärte, daß der Streik nunmehr be
endet sei. Wie er weiter mitteilte, habe der
Streik der Marseiller Matrosen sich besonders
für die Jttsel Korsika z» einer Gefahr für die
öffentliche Gesundheit ausgewirkt, da durch
das erzwungene Ruhen des Schiffahrtverkehrs
keine Medikamente mehr dorthin verschickt
werden könnten. Ebenfalls sei für Algerien
die Stockung im Handelsverkehr mit dem fran
zösischen Mutterlande von weittragender Be
deutung, wie aus einem dringenden Appell der
dortigen Unternehmerverbänöe an die Regie
rung hervorgeht.
*
Auch die Kriegsmarine in Mitleidenschaft
gezogen.
Nunmehr ist auch die französische Kriegs
marine durch die Streikbewegung in Mitlei
denschaft gezogen worden. Etwa 300 Arbeiter
der Werft von St. Denis bei St. Nazaire, die
an Bord zweier Kreuzer und an Bord von
vier Unterseebooten Ausbesserungsarbeiten
durchführen, haben die Arbeit niedergelegt. Die
Arbeiter haben aber zwei in der 'Nähe der
Werft liegende Hallen besetzt und dort die rote
Fahne gehißt.
400 weitere Arbeiter der Loire-Werft St.
Denis bei St. Nazaire der Abteilung Turbi
nenbau haben ebenfalls den Streik erklärt und
die betreffenden Werftanlagen besetzt.
Auch die Kriegsmarine betroffen
wurde der Verkehr von Jerusalem zum Toten
Meer vorübergehend stillgelegt. — In Haifa
forderten kommunistische Flugblätter zum
Kampf gegen den Abbruch des Streiks auf.
* * »
Ģuernseys Miz.
Guernsey, die Königin der Kanalinseln,
hatte kürzlich beschlossen, die Heeresmacht zu
verstärken. Nach dem ersten Appell meldeten
sich soviel Freiwillige für die Guernsey-Miliz,
daß die Regierung der Insel nicht weiß, wo sic
mit ihnen hin soll.
^ Die Miliz der Kanalinseln stammt aus dem
iiahre 1203, als die wehrfähigen Bewohner des
Landes zum Kriege gegen Frankreich aufge
rufen wurden. Der Loyalität dieser Miliz, die
dem britischen König als oberstem Kriegs
herrn untersteht, hat der Insel viele Privileg
gicn eingebracht, die heute noch bestehen und
Guernsey und die anderen britischen Kanal
inseln zu politisch überaus interessanten Ge
bilden machen, Guernsey ist nahezu unabhän-
m. Es hat sein eigenes Gericht, seine eigene
Verwaltung und sein eigenes Militär und un
tersteht in keiner Weise der britischen Negie
rung, sondern unmittelbar dem König. Dafür
erhält Guernsey allerdings auch keinerlei Zu-
jchüssc von der britischen Hauptinsel,- selbst die
Kosten für das Heer, das natürlich sehr klein
ist und an dessen Spitze ein Oberst steht, muß
es selbst tragen.
Ein Nittel gegen Giftgas^
Ein französischer Arzt, Dr. Delvalkez aus
Courrieres, will ein Mittel gesunden Haben,
das vor jedem Giftgas, gleich welcher Art,
schützen soll. Es handelt sich dabei nicht .um
eine Maske, sondern um eine Flüssigkeit, Hie
gegebenenfalls mit Hilfe eines Taschentuches
durch die Nase eingeatmet werden soll. Jà
übrigen brauche man sich nur den Mund zuzu
halten und lediglich durch die Nase zu atmen,,
um völlig sicher zu sein.
Erfindungen wie die obige sind nicht gerade
sehr selten. Meist stellt sich aber bald heraus,
daß es mit der Sicherheit des Mittels nicht
weit her ist oder daß die Anwendung schwierig
oder unmöglich ist. Ob die Erfindung des Dr.
Delvallez in diese Kategorie praktisch wert
loser Schutzmittel fällt, läßt sich natürlich nicht
entscheiden, da keine Einzelheiten über die Er
findung bekannt geworden sind. Immerhin
wird mitgeteilt, daß der Oberstkommandie-
rcnde der französischen Armee, Pêtain, einen
persönlichen Bericht des Dr. Delvallez einge
fordert hat und daß die angebliche Erfindung
bereits von einem Sachverstänöigenausschwß
der Armee untersucht wird.
zollte es sich wirklich um ein geeignetes
Mittel gegen Gasverletzungen handeln, so soll
der Stoff in allen Drogerien Frankreichs zum
öffentlichen Verkauf freigegeben werden.
Als sicher kann man annehmen, daß die
Berichte der französischen Zeitungen insoweit
übertrieben sind, als sic behaupten, daß das
Mittel gegen jedes Giftgas schützen soll. Das
kann zum mindesten nicht auf die Giftgase zu
treffen, die die Gewebe angreifen, denn in
diesem Fall ist die Wirkung des Gases ja
mehr oder weniger unabhängig von den'At
mungsorganen.
Zum Besuch der italienischen Flieger
in Berlin.
DScV. Berlin, 24. Juni. Die am Mittwoch-
mittag in Berlin unter Führung des Armee-
generals der Flieger Balle eingetroffenen ita
lischen Flieger statteten am Nachmittag dem
Reichsluftfahrtministerium einen Besuch ab.
wo stc der Staatssekretär der Luftfahrt, Gene
ral. der Flieger Milch, in Vertretung des
Rckchsministers Göring empfing.
^ Am Abend vereinigte ein Zusammensein im
Haus der Flieger die italienischen Gäste mit
den Angehörigen der verschiedenen Zweige deck
deutichen Luftfahrt. Im Auftrag der Reichs-
regierung und insbesondere des ReichslufG
fahrtmmisters hieß Staatssekretär Milch die
italienischen Flieger mit herzlichen Worten
willkommen. Staatssekretär General Valle
rankte für den liebenswürdigen Empfang, der
em neuer Beweis für die kameradschaftliche
Verbundenheit der Flieger in der- ganzen
Welt sei.
Slrett auch in Zran.
Ehrung einer deutschen Dichterm.
Agnes Miegel erhält den Herder-Preis
der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Stiftung.
DNB. Berlin, 24. Juni. Der Herder-Preis
der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Stiftung,
der jährlich eine außerordentliche geistige Lei
stung des Deutschtums im Osten auszeichnen
soll, ist von der Universität Königsberg erst
malig für das Jahr 1936 der Dichterin Agnes
Miegel zuerkannt worden.
Tie Hafenarbeiter von Oran in Französiich-
Nordafrika haben sich der Streikbewegung an
geschlossen und haben die dort im Hafen lie
genden Dampfer besetzt.
Im Straßenbahn erstreik der Stadt Lyon, die
seit Tagen ohne Straßenbahnverkehr war,
konnte Mittwoch eine Einigung erzielt wer
den. Die Straßenbahner werden noch im Lause
des Donnerstags den Betrieb wieder aufneh
men.
Dagegen ist im Streik der Kaffeehauskellner,
im Hotelgewerbe und in der Bauindustrie von
Lyon bisher keine Einigung erzielt worden.
Der Streik in den Erdölraffinerien hat eine
starke Verminderung des Kraftwagenverkehrs
in Lyon zur Folge gehabt.
Der RcŞrìcgsmrņister, Generalfelömar-
schall von Blomberg, begibt sich am 27. Juni
nach Hamburg, wo er am gleichen Tage dem
Springderby und am 28. Juni dem Deutschen
Derby beiwohnen wird.
Frau Scholtz-Klink hat auf der Nordischen
Woche in Lübeck zugesagt, demnächst in Kvpcn-
hageii über die Stellung der Frau im Dritten
Reich zu sprechen.
Berliner EmflmzmgW.
3)9741. Berlin, 24, Juni. Nach einer zwei-
tagigen Verhandlungspause, die dazu dienen
oltte, dem Gericht und den übrigen Prozeß-
beteiligten Gelegenheit zur Ausarbeitung des
bisher angefallenen Aussagematerials zu ge-
ben, wurde am Mittwoch die Beweisaufnahme
im Berliner Bauunglücksprozeß fortgesetzt.
Zur Vernehmung gelangte der 34jährige
Diplom-Ingenieur Anton Geißelreite r
der bei dem Bau des Tunnels in der Her-
mann-GöriNg-Straße als Statiker der Berli
nischen Baugesellschaft mitgewirkt hat. Nach
ocn Bekundungen des Zeugen fehlten in der
Hermann-Göring-Straße die sonst übliche«
“ ttö Konstruktionszeichnungen der
Reichsbahn. Den erst Absteckplan erhielt der
Zeuge vom Angeklagten Weyher am 4. Fe-
bruar 1935, nachdem inzwischen die Ramm-
arbeiten auf Veranlassung Weyhers längst be
gonnen worden waren.
Des Negus Tagewerk irr Emglimd
Rund 3 g arabische Freischärler getötet.
DNB. Jerusalem, 24. Juni. Bei einer mili
tärischen Aktion im Gebirge bei Tulkarem,
über deren Ergebnis eine amtliche Meldung
noch fehlt, wurden Pressemeldungen zufolge
von einer etwa 60 Mann starken arabischen
Gruppe 2T5—35 Freischärler getötet. Der Rest
wurde zerstreut. Seitdem sind die asmarischen
Städte und Dörfer ruhig.
Auf eine Kraftwagenkarawane der Palästina
Potash Comp, wurde auf der Jerichowstraße
erneut ein Feuerüberfall ausgeführt. Die An
greifer konnten nach 40 Minuten von Militär
zurückgeschlagen werden. Durch Zerstörung
einer Brücke über die Straße nach Jericho
„Me man erfährt, wird der Ex-Negus von
Ubesstnren noch in England verweilen, ehe er
seinen Wohnsitz nach Vevey in der Nähe von
Gens verlegt. Er folgt noch mehreren Ein
ladungen, die ihm von bekannten englischen
Persönlichkeiten zugeleitet worden sind. Offi
ziell ist allerdings sein Wohnsitz noch immer
am Princes-Gate, nachdem sein eigentlicher
Hotelaufenthalt ein baldiges Ende fand. Es
dürfte interessieren, wie nun der Negus von
Abessinien in London seine Tage verbringt,
nachdem ihm doch direkte Betätigungsmöglich-
keiten auf dem Gebiet der Politik genommen
worden sind.
Der Negus hat eine ganze Anzahl Verände
rungen in seiner Lebensführung vorgenom
men. Es erwies sich offenbar durch den Klima
wechsel und durch andere Umstände für not
wendig, sich den neuen Verhältnissen anzu
passen. Er trägt im Hause nicht mehr jene
weißen Gewänder, mit denen man ihn Addis
Abeba verlassen sah. Er trügt jetzt einen sehr-
gut geschnittenen dunklen Anzug, der aller
dings dem Negus einiges von seiner exzentri
schen Eigenart und exotischen Absonderlichkeit
nimmt. Was aber viel interessanter ist: Der
Negus war fast vollständiger Vegetarier, so
lange er in Addis Abeba lebte. Es wird aller
dings behauptet, er sei es vor allem deshalb
gewesen, weil er immer fürchten mußte, durch
Fleisch vergiftet zu werden. In England ißt er
schon morgens früh das kräftige englische
Frühstück mit Speck und Eiern. Auf die ver
wickelten Reisgerichte seiner Heimat hat er
scheinbar sehr leicht verzichten können.
^Während der Negus in Addis Abeba jeden
Tag um 5 Uhr morgens aufstand und schon
sehr früh den Gottesdienst besuchte, schläft er
jetzt in London mindestens bis 4L7 Uhr mor-
geiis. Nach dem Frühstück unternimmt er
einen kleinen Spaziergang und beginnt dann
mit seinen Empfängen, dem Lesen der einge
gangenen Berichte und der Erfüllung der we
nigen offiziellen Pflichten verschiedener Art,
die ihm noch geblieben sind.
Nachmittags von 2 bis 4 Uhr ruht er noch
mals. Den Nachmittag über arbeitet er,
schreibt unter anderem an seinen Memoiren
und geht erst spät abends gegen 12 Uhr zu
Bett. Uebrigens unternimmt er jeden Mor
gen Körperübungen. Er hat sich zu diesem
Zweck einen Ruderapparat angeschafft.
«eranrworrlicher Hauprschriftleiter unv yerausaever: Fer
dinand Möller.
Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Herbert Puhlmann,
verantwortlich für Politik: Herbert Puhlmann; für den
örtlichen und allgemeinen Teil: Adolf Gregori; für
den wirtschaftlichen Teil: Dr. Cl. Vielfcldt; für den
provinziellen Teil: Karl Müller, alle in Rendsburg.
Bildveraniwortliche: Ressortleiter.
Verantwortlicher Anzeigenleiter: Karl Jacobsen, Rendsburg,
«erlag und Druck: Heinrich Möller Söhne. Rendsburg.
D--A. Echieswig-Holsteinifche Landeszeitung (Rendsburg»
Tageblatt - Hohenwestedter Zeitung ) Die Landpost
Hanerau-Hademarfchen — Eüderbraruper Tageblatt),
D.-A. V 36 über 13 600 Pl. Nr. 7, ,
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