Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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wird die Veranstaltung mit einer Gedenk 
feier und Kranzniederlegung im Ehrenhain 
der Stadt Neumünster für die Gefallenen des 
Weltkrieges und die Kämpfer, die in der 
Kampfzeit ihr Leben einsetzten für den Wieder 
aufstieg des Vaterlandes. — Zu dieser Feier 
sind Abordnungen des Reichsheeres, der SA., 
SS. und der Soldateubünde eingeladen. 
Die Kieler Universität bei der Jubelfeier 
der Universität Heidelberg. 
Kiel, 28. Juni. Die Universität Kiel wird, 
wie die Universitütspresse mitteilt, bei den 
Feierlichkeiten anläßlich des 680jährigen Ju 
biläums der Universität Heidelberg durch den 
Rektvr der Universität und die Dekane der 
Fakultäten vertreten sein. 
Ueberfahrcn und tödlich verletzt. 
Uetersen, 26. Juni. Auf der Landstraße 
zwischen Appen >lnd Glinde ereignete sich am 
Mittwoch ein schwerer Unglücksfall, dem der 
69jührige Beifahrer Adolf Wiese aus Ham 
burg zum Opfer gefallen ist. Wiese war bei 
einer Hamburger Fuhrgesellschaft beschäftigt, 
die eiserne Röhren durch eine Zugmaschine 
mit zwei Anhängern nach der Frairzosen- 
koppel bei Uetersen befördern ließ. Wiese, der 
auf dem ersten Anhänger saß, stürzte aus noch 
nicht geklärter Ursache plötzlich ab. Er fiel so 
unglücklich, daß die Räder der beitwn schwer 
beladenen Anhänger über ihn hinweggingen. 
Mit sehr schweren Verletzungen wurde der 
Verunglückte dem Krankenhause in Uetersen 
zugeführt, wo er bald darauf gestorben ist. 
Neuer Leiter der Ortskrankenkasse 
des Kreises Stcinburg. 
Itzehoe, 26. Juni. Als Leiter der Ortskran- 
keukasse des Kreises Steinburg ist der bishe 
rige Geschäftsführer Hermann Kottwitz end 
gültig berufen worden. Negierungsassessor 
Altmann als Vertreter des Landrats und 
Kreisversicherungsinspektor Uecker überbrach 
ten ihm mit besten Wünschen die Ernennungs 
urkunde. Hermann Kottwitz hat die Kasse un 
ter mißlichen Verhältnissen übernommen und 
cs ist ihm gelungen, ihr eine neue gesunde 
Entwicklung zu sichern. 
Ein Kind fiel ins Wasser. 
Itzehoe, 26. Juni. ÄM Stördeich hat sich 
dieser Tage ein gefährlicher Vorfall zugetra 
gen. Eine Frau ging mit ihren beiden VA und 
4 Jahre alten Kindern am Deich spazieren. 
Plötzlich riß das kleinere Kind sich los und 
rannte geradenwegs ins Wasser. Die erschrvk- 
kene Mutter lief, ohne sich zu besinnen, hin 
terher, obwohl sie nicht schwimmen konnte. 
Ein des Weges kommender Mann half Mut 
ter und Kind wieder aufs Trockene. 
Die Einsiedler von Lentföhrden gestorben. 
Lentföhrden, 25. Juni. Bor einiger Zeit 
wurde der achtzigjährige Erdhöhlenbewohner 
Ernst Adler, der zusammen mit seinem Freund 
Scharfenberg nahezu vierzig Jahre die Erd 
höhlen in der Nähe von Lentföhrden (Kreis 
Segeberg) bewohnte, ins Krankenhaus ge 
bracht. Sein Freund wurde darauf schwermü 
tig und schied einige Tage später freiwillig aus 
dem Leben. Jetzt ist im Krankenhaus zu Kal 
tenkirchen auch Opa Adler gestorben. Damit 
gehören nunmehr die Erdhöhlen in Lentföhr 
den, die jahrelang ein beliebtes Ausflugsziel 
waren, der Vergangenheit an. Auf Anordnung 
des Amtsvorstehers werden jetzt die Höhlen 
dem Erdboden gleichgemacht. 
Mit dem Fahrrad im Moor versunken. 
Vad Bramstedt, 26. Juni. Im Moor bei 
Weddelbrook kam ein älterer Bauer aus 
Nützen vom schmalen Fahrweg ab und stürzte 
mit seinem Fahrrad in eine tiefe Moorkuhle, 
Zwei Brüder, die in der Nähe arbeiteten, hör 
ten zum Glück die Hilferufe und konnten den 
Mann, der bereits bis zum Kopf im Moor ver 
sunken war, retten. 
Eine weitere Tat des Tierstechcrs. 
Ahrensburg, 26. Juni. In der Nacht zum 
22. Juni hat sich ein weiterer Full von Tier- 
stecherel in unserer Provinz ereignet. Im 
Kreise Stormarn, und zwar in Ahrensburg, 
kurz vor Hamburg, wurde wieder ein wertvol 
les Tier durch Messerstiche schwer verletzt. Es 
handelt sich um einen sechs Jahre alten wert- 
Von Stutenscha«, FohlenxrŞn und dergleichen 
Stutenkörung im Körbezirk Schwcsing als Ausgangspunkt allg. Betrachtung. 
Ob es zum größeren Teil Zufall war oder ur 
sprünglich gehegter Plan, es steht dahin, jedenfalls 
war sehr viel Zufall dabei, daß eine Fahrt an die 
Westküste bereits zum ersten und letzten Male an 
dem letzten Dienstag unterbrochen wurde. Pas 
siert man da auf der Strecke Schleswig—Husum 
am zeitigen Vormittag Oster - Ohrstedt, sicht 
hier einen Bauern mit Stute und Fohlen bei Fuß 
ziehen, dort einen Knecht mit zwei Jungpserden 
aff., bis man in Wcster-Ohrstedt auf die Frage: 
Was geht hier denn vor?, die Antwort erhält, daß 
hier Stuten- und Fohlcnschau, Körung und was 
sonst dergleichen noch sei. Die Pferöezüchter der 
Orte Oster- und Wcster-Ohrstedt, Schivesing, Jm- 
nenstedt, Ahrenviöl und einiger anderer träfen sich 
sier in Wester-Ohrstedt, um ihre Tiere Schlesiviger 
Schlages der Kör-Kommission zur Neuankörung, 
zur Prämiierung allgemein und zur Auswahl für 
tie Jungpferdeschau in Husum vorzustellen. Daß 
man auf Grund dieser bereitwillig und fachmännisch 
erteilten Auskunft anhielt, war klar, daß man blieb, 
ivar noch klarer. 
Zur Körung 
Die Körkommission hatte am Vorniittag in erster 
Linie die für eine Vcrbandsaufnahuie augemeldc- 
ien Stuten hinsichtlich ihrer Eignung zu prüfen. 
Oie gegenüber den Krisenjahren vollkommen ver- 
inderte Einstellung zum Berbandslebcn ist bekannt. 
Oie Neuaufnahme von Stuten im Jahre 1984 und 
>or allem die gcivaltigc, in der Geschichte des Ver- 
iandsleben einzigartig dastehende Ausweitung 
ies eingetragenen Stutenbestandes 1938 sind zahlen 
mäßig stichhaltigste Kennzeichen für diese Wandlung 
in der Bereitwilligkeit vcrbandsmäßiger Mitarbeit. 
Daß man in diesem Hochzuchtgebiet des Schleswiger 
Pferdes recht viel vorsichtiger als anderswo den 
Ausdruck Wandlung gebrauchen darf, versteht sich 
am Rande. Reden wir hier darum lieber nicht von 
einem geweckten Interesse, sondern von einem sich 
ausbreitenden Interesse, wofür in diesem Jahr die 
Anmeldung von 48 Stuten zur Aufnahme in den 
Verband der beste Beweis ist. 
Von diesen 46 Stuten wurden 21 angenommen, 
Uso reichlich die Hälfte für nicht würdig befunden, 
vergegenwärtigt man sich, daß an zwei anderen 
ikörstellen durch dieselbe Kommission von 87 bzw. 40 
wrgeführten Stuten 20 nicht angenommen wurden, 
io wird der schärfere Maßstab offensichtlich, den man 
in diesem Jahr an die Beurteilung der Stuten 
rnlegt (s. die Ergebnisse im Kreise Rendsburg). 
Die in Ohrstedt ausgeschiedenen Pferde waren 
teilweise in der Umgebung geborene, zum nicht ge 
ringen Teil aber aus Dänemark eingeführte Stu 
ten. Diese „Jmport"-Ware war keineswegs berük- 
kend. Da sah man große und kleine, ganz leichte 
und sehr schwere, von einem einheitlichen Typ nicht 
die Spur. Wir wollen mit dieser Feststellung nicht 
jene andere treffen, daß im eigenen BcrbandSgebiet 
nicht auch gute und schlechte vorhanden seien, aber 
eins zeichnete durchweg selbst die am Körtag mit 
„Nicht angenommen" verabschiedeten Einheimischen 
doch aus, eine gewisse Typtreue. Man sah eben 
vorwiegend den alten Schleswiger. man sah aber 
nicht in diesem Tier dieses und jenes Blut und in 
jenem Tier jenes und dieses oder gar noch ein 
anderes Blut, wie es bei den abgelehnten Dänen 
der Fall ivar. Es liegt nnS fern, gegen diese 
Dänen in ihrer Eignung für Pflug und Egge zu 
polemisieren, abgesehen davon, daß handelspoliti 
sche Notwendigkeiten und gegenüber inländischer 
Preislage günstige Einkaufschancen die Einfuhr- 
verständlich und bis zu einem gewissen Grade sogar 
erforderlich machen — sofern man aber von züchteri 
schen Werten spricht und diese auch dem Gros der 
abgelehnten Importware nachsagen möchte, dann 
wird der spätere (Miß-)Erfolg eine derartige Be 
hauptung Lügen strafen. WWßfa dem Erstcher einer 
fünfjährigen und älteren dänischen, gasten Stute 
auch das Glück blühen, daß sie trächtig wird jwas 
der Fachmann zumeist bezweifelt und im schwer zu 
verwirklichenden Ratschlag, trächtige Tiere oder 
solche mit Fohlen bei Fuß zu kaufen, den Nieder 
schlag findet), so wird er mit diesem Glück nicht sehr 
oft die Hoffnung paaren dürfen, daß er nun ein 
typgctreues, das heißt der Berbanösanschauung ent 
sprechendes Muttertier sein eigen nennen kann. 
Wieviel Blutantcile bezogen sind und in welchem 
Mischungsverhältnis, wer möchte das generell, ge- 
ichweige denn von Fall zu Fall entscheiden) daß 
man sich aber mit der Gesamtheit der aufgekauften 
dänischen Stuten nicht nur in die Lichtseiten, son 
dern auch in die Schattenseiten dänischer Züchter 
arbeit hineinstellt, beweist allein schon das Bild der 
in Ohrstedt abgelehnten „Butenländer" zur Ge 
nüge/ Möge darum der Verband in seinem Bestre 
ben, diese Tiere in ihren unmittelbar züchterisch 
negativen Folgewirkungen unschädlich zu machen, 
möglichst von Erfolg gekrönt sein. Wäre er es nicht, 
das Ziel eines Aus- und Ausbaus der Zucht aus 
den im Verbände vorhandenen Erbanlagen zu er 
wirken. wie es in der sich von Jahr zu Jahr meh 
renden Abkehr von jenseitigen Vatertieren eindeu 
tig sichtbar wird, würde an einer anderen, infolge 
der weit größeren Stutenzahl fast nicht minder ge 
fährlichen Stelle aus primitive Weise empfindlich 
unterminiert. Im übrigen berichteten wir bereits 
von der Mahnung der .Verbandsleitung an die 
Einkausskommission, das zugebilligte Kontingent 
nur bis zum züchterisch unbedingt vertretbaren 
Ausmaß auszunutzen. 
Kurz über die Lirngpferdeschau 
Neben der Neuankörung waren aus den Jahr 
gängen 1983 bis 1934 die Spitzeutiere für die als 
ständige Einrichtung gedachte Jungpscrdcschau in 
Husum und anschließend für die vom alten SchleS- 
wigschen Verein lgegründet 1887) zu vergebenden 
Prämien auszusuchen. Das Material, das zu die 
sem Zweck aus den Jahrgängen 1938—1933 vorge 
führt wurde, zeugte von dem hohen Stand der 
Zucht in dieser Gegend. Als Väter hörte man 
Namen ivie Dan <Bes. Fr. Glöe, Oster-Treia), 
Dierk (Chr. Hansen, Jmmenstedl), Erbgraf (H. 
Sieh, Treia), Gabriel (Fr. Glöe, Oster-Treia), 
Iwan (Pferdczuchtverein Wittvek) und vor allem 
Leuthold (Joh. Chr. Thomsen, Oster-Ohrstcdt) und 
den Gabriel-Sohn Mephisto (Pferdezuchtverein Jm- 
menstcdt, gez. von E. Denker, Desmerciereskoog). 
Die ersten fünf genannten Hengste sind aus Däne 
mark eingeführt. 
Bon Mephisto wurden aus der Hengstkörung 1936 
fünf Hengste vorgeführt und drei angenommen, da 
runter der von Chr. Hansen-Jmmenstedt gezüchtete 
Spitzenhengst des Jahrgangs, „Raubritter". Leut- 
hold bekam von sechs vorgestellten Hengsten drei 
angekört. Von 25 angekörten, im Verbandsgebiet 
geborenen Hengsten entstammen somit sechs Hengste 
den beiden im fraglichen Körbezirk Schivesing statio 
nierten Hengsten Leuthold und Mephisto. 
vollen Fuchswalloch, der sich auf der Koppel 
des Hamburger Staatsgutes Wulfsdorfcr Hof 
befand. Das Tier erhielt zwei Stiche in die 
Brust, von denen der eine etwa 16 Ztm. lang 
und etwa 8—10 Ztm. tief war. Der zweite 
Stich war etwa 6 Ztm. lang. Trotzdem ist zu 
hoffen, daß das Tier durchkommen wird. 
Aus cU*n Ģeácidssaai 
Zuchthaus und Gefängnis für Sittenverbrecher 
Kiel, 23. Juni. Der 46 Jahre alte Hermann 
Lauschke aus Kiel, der zur Zeit im Gerichts- 
gefangnis in Kiel in Untersuchungshaft sitzt, 
hatte sich wegen Blutschande vor der Großen 
Kieler Strafkammer zu verantworten. Er 
wurde auf Grund des ihm zur Last gelegten 
Verbrechens zu einer Zuchthausstrafe von 
zwei Jahren verurteilt. 
Wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen 
in elf Fällen hatte sich der 41 Jahre alte Ar 
nold Klindt aus Wisch (Krs. Plön) zu ver 
antworten. Der Angeklagte, der ein sehr wil- 
lensschwacher Mensch ist, hatte sich, um dem 
seelischen Druck zu entgehen, selbst dem Ge 
richt gestellt. Er wurde zu einer Gefängnis 
strafe von zwei Jahren verurteilt. 
Von der Anklage der fahrlässigen Tötung 
freigesprochen. 
Kiel, 24. Juni. Vor der Großen Kieler 
Strafkammer hatten sich der 48 Jahre alte 
Heinrich B. aus Wentorf (Kreis Eckernförde) 
und der 27 Jahre alte Walter Hü. aus Kiel 
wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. 
Wie aus der Anklage hervorging, war der 
Angeklagte Hä. Anfang Dezember vorigen 
Jahres mit einem Lastwagen mit Anhänger 
vvn der Preetzer Chaussee bei Kiel in eine 
abschüssige Straße eingebogen und hatte nicht 
bemerkt, daß sich an der rechten Straßenseite 
eine Baugrube befand, die nach seiner Aus 
sage ohne Warnungszeichen und ohne Sperr 
blocks war. Es gelang ihm zwar, den Last- 
ivagen trotz der vereisten Straße noch an der 
Baugrube vorbeizubringen, jedoch geriet der 
Anhänger ins Rutschen und glitt in die Bau 
grube, wobei der Lastwagen nachgezogen wur 
de. Der hier beschäftigte Arbeiter Lundquist 
geriet dabei unter den umgekippten Anhänger 
und erlitt so schwere Verletzungen, daß er 
nachmittags in der Klinik gestorben ist. Nach 
eingehender Beweisaufnahme — u. a. fand 
auch eine Besichtigung der Unfallstelle durch 
das Gericht statt — wurde der Angeklagte Hä. 
freigesprochen, da ihm eine Schuld nicht nach 
zuweisen war. Gegen den Mitangeklagten -B., 
der es nach Ansicht des Gerichts trotz seiner 
entgegengesetzten Aussage unterlassen hatte, 
einen Sperrblock aufzustellen, wurde das Ver 
fahren ans Grund des Straffreiheitsgesetzes 
vom 24. 4. 1936 eingestellt. 
Meisterprüfungen 
Die Meisterprüfung vor den Meisterprü. 
fungskommissionen der Handwerkskammer zv 
Flensburg haben bestanden: 
Die Bäcker: 
Walter Truberg in Gr.-Dannewerk, 
Hermann Gabriel, Rendsburg, Hohe Str. 28, 
Richard Kraft, Rendsburg, Grafenstr., 
Jocob Nissen, Fahretoft, 
Martin Breiholz in Süderhastedt i. Dithm. 
Die Friseure: 
Karl Schnell in Eckcrnsörde, Bahnhofstr. 1., 
Johannes Dvhrn, Hochdoun i. Dithm. 
Der Herrenschneider: 
Georg Clausen in Leck. 
Die Klempner: 
Richard Biegcmann, Wcssclburen, 
Hans Biegemann, Wessclburcn. 
Die Schlachter: 
Klaus Ehlers in Stafstcdt, 
Carl Wohlert in Husum, Woldsenstr. 86, 
Ernst Grotzky, Hochdonn i. Dithm. 
Die Schmiede: 
Hans Petersen in Jvcrslund, Flensburg-Ld^ 
Wilhelm Dresel, Stasstedt, 
Klaus Lüthje. Schülp bei Rendsburg. 
Der Stellmacher: 
Ernst Nissen in Lindholm. 
Die Stickerinnen: 
Elfriede Stölt, Flensburg, Glücksb. Str. 86 
Katharina Petersen, Husum, Neustadt 36. 
Von den reichlich 60 vorgestellten Fohlen hatten 
allein 24 Mephisto und sogar 31 den Leuthold zum 
Vater. Die sechs aus 22 Stutsohlen ausgewählten 
Fohlen für Husum verteilten sich je zur Hälfte auf 
Mephisto und Leuthold, bei den ausgewählten 
Hengstfohlen hatte Lcuthvld geringes Uebergewicht. 
Die große Bedeutung, die man aus dem Ver 
bandsgebiet allgemein der Qualität dieser tiefen 
und schweren, typischen Muttertieren entstammen 
den Fohlen beimißt, ging vor allem daraus hervor, 
daß.Zue .Au;ahP.b.etan.nter HeiWtģufziichter.. aus 
deru, .Platze,apareu. Wir nennen nur die Hansens. 
à,,-Pàrsen-Bredstèdt, E. Den- 
ker-Desmerciereskoog.. * !.'*'* ° ” 
. . . und die Fohlenpreise 
So viel ivir hören konnten, wurden von den 26 
vorgeführten Hengstfohlen bereits sechs von Hengst 
züchtern angekauft zu Preisen, die durchweg zwi 
schen 500 und 600 MJL lagen. Den Spitzenprcis er 
zielte ein erststellig placierter Leuthold-Sohn aus 
Schwesingfeld, der für 850 MJi nach Jmmenstcdt 
ging. Ein anderes Hengstfohlen soll bei einer For 
derung von reichlich 700 MM unverkauft geblieben 
sein. Im Durchschnitt dürfte der Preis für die zur 
Zucht vorgesehenen Hengstfohlen bei 600—650 MM 
gelegen haben. 
Bedenkt man, daß diese Tiere offenbar zum größ 
ten Teil mit Angeld verkauft werden, so bringen 
die betreffenden Mütter ihren Besitzern ein ganz 
nettes Sümmchen ein. Man werte diese Preise aber 
nicht nach allgemeinen Gesichtspunkten, sondern be 
rücksichtige, daß es sich um ausgesprochene Eliteware 
handelt, die selbst bei gebührlicher Beachtung des 
Risikos als angekörte Hengste eine saubere Stange 
Geld abgeben können. Somit wird man in diesem 
Falle nicht von widernatürlich hoher Bepreisung 
reden dürfen. 
Anders wird es freilich schon, wenn man hört, 
daß im vorigen Jahr in der betreffenden Gegend 
für ein Stutsohlen 1500 MJl gezahlt sind und daß 
für dasselbe Fohlen in diesem Jahr im Mutter 
leibe bereits 800 MM geboten wurden. Aber selbst 
neutralste Beobachter wagen über den Grad des 
Sinngemäßen derartiger Preise nicht zu entscheiden. 
Sie gestehen einerseits die beachtliche absolute 
Preishöhe ein, meinen aber andrerseits, daß man 
Zuchtwert schwerlich nach Geld bemessen kann und 
diese Ausgabe sich sehr wohl rentieren könne. 
Das Problem der Preishöhe sängt eben — das 
entdeckt man immer wieder — nicht bei der ivahren 
Qualitätsware an. Hier kann ein sog. Liebhaber- 
wert sehr oft auch wirtschaftlich gerechtfertigt sen,. 
Der Preis fängt erst an problematisch zu werden, 
wenn die mittlere und unterdurchschnittliche Ware 
sich wertwidrig zu sehr den Oualitätspreisen an 
gleicht. Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, wird 
man eine erhebliche Erhöhung der Fohlenpretse 
über das jetzige Maß hinaus natürlich mit gemisch 
ten Gefühlen betrachten müssen. In irgendeiner 
Form kommt dann doch der Rückschlag, selbst wenn 
sich einer durch das Aufzuchtgeschäft angeregten 
fieberhaften Ausweitung der Bedeckungsziffern ge 
gebenenfalls dadurch entgegenwirken ließe, daß man 
nur die in den Verbandsregistern aufgenommenen 
Stuten zur Bedeckung zuläßt. Im letzten müssen 
immer die Aufzuchtkosten (einschl. Risiko) und der 
angemessene Gewinn die preisbildende Grundlage 
abgeben. 
Diese grundsätzliche Erwägung tut der Genug 
tuung keinen Abbruch, daß endlich einmal nach 
langen Jahren der Krise Pferde sur Preise ihre 
Besitzer wechseln, die eine gedeihliche züchterische 
Arbeit auf Sicht gewährleisten. Damit ist auch die 
Triebkraft da zur Beseitigung der heutigen, z. T. 
allerdings saisonal zu erklärenden großen Nach 
frage. Am Ziel einer Befriedigung der Nachfrage 
für den „gerechten" Preis (wenn man diesen oft 
mißbrauchten Begriff gebrauchen darf) mitzuarbei 
ten, ist die Aufgabe aller inländischen Züchter. Je 
mehr es gelingt, desto besser dürfte, prinzipiell ge 
sehen, auch der Nachfrageseite qualitätsmäßig ent 
sprochen sein. Nicht, daß im Ausland keine guten 
Pferde vorhanden, seien, aber die guten Tiere gehen 
schwerer über die 'Grenze als sie tut Inland den 
Besitzer wechseln. Die Bewertung, mit der man 
in dieser Hinsicht z. B. von seiten der Reichswehr 
an die inländischen Schläge herangeht gegenüber 
den aufgekauften Vertretern ausländischer Schlages 
kennzeichnet zur Genüge die züchterische Aufgabe, die 
heute gilt und morgen, die bloß heute besonders 
brennend ist. 
Züchter-Psychologie 
Dafür hat der Züchter seinen guten Lohn ver- 
dient, aber schlimm wäre es, sähe man nur in dem 
erzielbaren Gewinn den Anreiz zur Pferdezucht, 
besser zur Zucht schlechthin. Was wäre z. B. gewor 
den, ivenn nur das Gros der Züchter eines Ber- 
bandsgcbietes sich lediglich von diesen rein geschält? 
lichen Motiven in der letzten und langjährigen 
Krisenperiode hätte leiten lassen? Die ganze Zucht 
wäre um Jahrzehnte zurückgeworfen, vielleicht wäre 
dieses Stück Erbe der Väter sogar gänzlich vor die 
Säue gegangen. ES gibt eben noch etwas anderes, 
was jenseits des Geschäftsmäßigen erst die Brücken 
schlagen hilft über die schlechten Zeiten: der nicht 
verstandesmäßig zu erfassende Trieb, dieses Tier, 
das da in der Väter Stall stand, aus deren Weide 
ging und ihren Pflug zog, der Nachwelt zu erhalten, 
Es genügt nicht, in dieses Wesen verliebt zu sein — 
das hält nicht vor — man muß vielmehr förmlich 
von dem Glauben besessen sein, ohne dieses Wese» 
einfach nicht auskommen zu können. Nennt ein 
Verband Züchter dieser Art, gleichgültig, ob Hoch 
oder Gebrauchszüchter, in Unzahl sein eigen, er 
hat einen Schatz in Händen, der ihn die schwerste 
Schicksalsfrage überwinden Hilst und stets zu rich 
tigen Entscheidungen zwingt, den er also sorgfältig 
zu hegen und zu pflegen hat. 
Ich sprach einen Abnahme-Bauern in Ohrstedt, 
den Gründer des alten Schwesinger Pferdczuchtver- 
eins Schleswiger Schlages. „Wir haben, so meint« 
er, auch in den schlechtesten Zeiten an unseren 
Pferd festgehalten und die Zucht niemals über dal 
zulässige Maß eingeschränkt. Deshalb stehen wir in 
BcrbandSgebiet auch recht günstig da und Haber 
jetzt auch den wirtschaftlichen Vorteil. Aber mär 
hat vor allem Züchter zu sein und erst dann Hand- 
ler. Die beste Stute muß stets für einen selbst ge 
rade gut genug sein: gibt man sie ab. ohne gleichen 
oder besseren Ersatz zu haben, es wirkt sich immer 
nachteilig aus." 
Jeder wahre Bauer weiß um dieses Gruudgcsetz 
ler Züchterarbeit. Die Nichtigkeit dieses Grundsatzes 
wurde im Körbczirk Schivesing auf der Stutenscha« 
durch den Erfolg bewiesen, und daö zieht stell 
am meisten. 
Als Gast nahm man den Eindruck mit nach Haus 
daß hier die ganze Einwohnerschaft von der Pferde 
zucht erfüllt ist, jung und alt, groß und klein. Dü 
Stutenschau ist für sie ein Ereignis, das man ein 
fach gesehen haben muß. 
Und daß man im vorliegenden Fall vom Ersolc 
auf den Geist schließt und im allgemeinen von den 
gleichen Geist ans einen etwaig erstrebten Erfolg 
wer würde einem das verargen dürfen? Dr. B.
	        
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