Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Dev Tag in Wovt unö Bild 
Kiellegung des „LZ. 130" 
DNB. Friedrichshofen, 26. 6. (Erg. Funkm.) 
Während die beiden Luftschiffe „Graf Zeppe 
lin" und „Hindenburg" im fahrplanmäßigen 
Dienst den Ozean auf ihren Fahrten nach 
Nord- und Südamerika überqueren, wird in 
der Heimatwerft in Friedrichshafen rüstig am 
Bau des Schwesterschiffes des „Hindenburg" 
gearbeitet. Am Dienstag erfolgte in der gro 
ßen Luftschiffhalle, in der auch „LZ. 129" ent 
standen ist, die Kiellegung des „LZ. 130". Die 
ersten Ringe, ein Haupt- und drei Hilfsringe, 
sind — wie der Fachausdruck lautet — „ge 
kippt" worden und hängen bereits am Hallen 
dach. Es wird nun an der Montierung der 
Längsträger gearbeitet. Damit ist das Groß 
abteil des Duraluminium-Gerüstes geschaffen. 
Der Bau des „LZ. 130" wird rasch voran 
schreiten,' denn zwei weitere Gerippringe sind 
in der Halle in Arbeit. Nach ihrer Fertigstel 
lung werden die Ringe „gekippt" und gleich 
mäßig mit Hilfe eines neuartigen Montage 
ringes dem Mittelstück des Gerippes ange 
schlossen. In der neuerstellten Ringbauhalle, 
nördlich der Halle des „Graf Zeppelin", ist 
mit dem Aufriß eines weiteren Ringes be 
gonnen. Eine Anzahl Einzelteile für weitere 
Ringe sind fertiggestellt, und das Bautempo 
ist demzufolge bedeutend rascher als bei 
„LZ. 129". Die Werftleituno ' 'met mit der 
Fertigstellung bis Ende r" . Jahres. Die 
Maschinengondeln befin .■■i) bereits im 
Bau. „LZ. 130" erhält i . sein Schwesterschiff 
Räumlichkeiten für 30 Fahrgäste,' die Aufent 
haltsräume für die Mannschaften werden noch 
etwas vergrößert. 
Der Berliner Bauunglücks-Prozetz. 
Skatzenbahn und Baugrube. 
Am Donnerstag wurde die Vernehmung 
des Diplomingenieurs Geißlreiter, des Stati 
kers der Berlinischen Baugesellschaft, fortge 
setzt. Der Zeuge bezeichnete den Angeklagten 
Noth als einen ausgezeichneten Fachmann. 
Eine der Auframmungen, die von dem Zeu 
gen Geißlreiter und dem Angeklagten Noth 
s. Zt. als „unsinnig" gekennzeichnet worden 
ist, soll auf Veranlassung des Mitangeklagten 
Reichsbahnrats Schmitt erfolgt sein. Von dem 
Aufbrechen von Bremsklötzen durch die an der 
Baugrube entlang fahrende Straßenbahn will 
der Zeuge erst «ach dem Einsturz gehört ha 
ben. Die Haltestelle sei so gelegt worden, daß 
die Wagen in etwa gleichmäßiger Geschwin 
digkeit an der Grube entlang fahren konnten. 
Erst nachher habe sich herausgestellt, daß in 
besonders verkehrsreichen Zeiten Stockungen 
eintraten, so daß die Straßenbahnwagen zu 
weilen auf der Strecke abbremsen mußten. 
Geißlreiter betonte, daß man mit derartigen 
Verkehrsstockungen nicht habe rechnen können, 
sonst hätte er von vornherein die Bremswir 
kung der Straßenbahn in seine statischen 
Berechnungen miteinbezogen. Nach der Dar 
stellung des Zeugen ist Hoffmann eines Tages 
zusammen mit ihm und dem Angeklagten 
Noth über die Baustelle gegangen und hat sich 
erkundigt, wie es mit der Straßenbahn stehe. 
Noth habe ihm darauf erklärt, daß „da unten 
besonders gute Verschwertungen" lägen. Von 
einer Neurammung will der Zeuge mit Noth 
nicht gesprochen haben. Noth soll ihm gegen 
über aber geäußert haben, daß sich Weyher 
gegen die Sicherung der zu kurzen Rammträ 
ger durch Anlegung von Betonsockeln aus pe 
kuniären Gründen gewandt habe. 
Bei der weiteren Vernehmung des Zeugen 
Geißlreiter kam zur Sprache, daß die BVG., 
die die Straßenbahn längs der Baugrube be 
treibt, die statische Sicherung der westlichen 
Mittelwanö des Tunnels ausdrücklich ver 
langt hat. Das entsprechende Schreiben der 
BVG. ist an Weyher gerichtet worden. Der 
Zeuge betonte aber, daß ihm Aenderungen 
von Weyher nicht bekanntgegeben worden 
seien. Seiner Darstellung nach konnte er sich 
dieser Frage auch nicht eingehender widmen, 
weil er vollauf mit anderen Arbeiten beschäf 
tigt war. 
Flugzeugunglück in Humburg. 
DNB. Hamburg, 25. Juni. Am Donnerstag 
vormittag gegen 11 Uhr stürzte in unmittel 
barer Nähe des Flughafens Hamburg-Fuhls 
büttel das Flugzeug D-Ahim aus etwa 156 
Meter Höhe ab und geriet nach dem Aufschlag 
in Brand. Die Besatzung, 2 Mann, kam hier 
bei nms Leben. Außerdem wurde eine in der 
Nähe des Unsallortes befindliche Frau durch 
Brandwunden verletzt. 
Die „Leipzig" vor Danzig. 
DNB. Danzig, 26. Juni. Der deutsche 
Kreuzer „Leipzig" ist am Donnerstag gegen 
18 Uhr unter jubelnden Kundgebungen vieler 
Tausende in den Danziger Hafen eingelaufen. 
Als das Schiff anlegte, stimmte die unüber 
sehbare Menschenmenge, die alle freien Plätze 
und Dächer in der Nähe des Hafens besetzt 
hatte, das Deutschland- und Horst-Wessel-Lied 
an. Der Kommandant des Kreuzers, Kapitän 
zur See Schenk, begab sich an Land und schritt 
in Begleitung des Gauleiters Forster die 
Front der nationalsozialistischen Verbände 
und Marincvereine ab. Am Abend veran 
staltete die Danziger Regierung im Saal des 
Rathauses ein Essen zu Ehren des Kriegs 
schiffes. 
Abschied von Staatssekretär Bülow. 
In der Kaiser-Wilhelm-Geöächtniskirche zu Berlin fand die Trauer 
feier für den verstorbenen Staatssekretär im Außenministerium, 
v. Bülow, statt. Der Führer und Reichsaußenminister v. Neurath 
erwiesen ihrem Mitarbeiter die letzte Ehre. (Presse-Photo, K.) 
Die Eisenvahnkatastrophe in Spanien. 
NeroosM des Zugführers infolge 
Verspätung. , 
DNB. Madrid, 25. Juni. Ueber die Ur 
sachen des schweren Eisenbahnunglücks, das 
sich am Dienstag bei Bembibre ereignete, wird 
jetzt bekannt, daß der Führer des Schnellzuges 
infolge zweistündiger Verspätung auf der vor 
dem Tunnel liegenden Station San Miguel 
de Las Duenas nicht das Abfahrtssignal des 
Stationsvorstehers abwartete und einfach los 
fuhr. Der Maschinist des entgegenkommen 
den Güterzuges sah die Katastrophe kommen, 
brachte seine Lokomotive am Eingang des 
Tunnels zum Halten und flüchtete in die 
nahen Berge, wo man ihn später in einem 
Zustand der Verzweiflung wiederfand. Ter 
Heizer des Güterzuges konnte sich nicht mehr 
retten und kam ums Leben. 
Der Groß-Heringer Prozeß. 
Weilsverkündung heule. 
DRV. Naumburg, 25. Juni. Das Urteil im 
Groß-Heringer Prozeß konnte am Donnerstag 
zu der festgesetzten Zeit um 16 Uhr nicht ver 
kündet werden, da die Verteidigung während 
der Urteilsberatung einen neuen Antrag ge 
stellt hatte. Zur Beratung dieses Antrages 
wurde nochmals in die Verhandlung einge 
treten und für deren Dauer die Oeffentlichkeit, 
auch die Presse, ausgeschlossen, weil die öffent 
liche Verhandlung die Gefährdung eines Be 
triebsgeheimnisses der Reichsbahn bedeuten 
würde. 
Nach längerer Verhandlung teilte der Vor 
sitzende, als die Oeffentlichkeit wiederhergestellt 
war, mit, daß die Urteilsverkündung am Frei 
tagmittag erfolgen werde. Dann trat die 
Große Strafkammer des Landgerichts Naum 
burg wieder zur Vollsitzung, der Urtcils- 
beratung, zusammen. Die Verteidiger haben 
den von ihnen eingebrachten Antrag zurück 
gezogen. 
Heidelberger Festtage. 
Internationale llnioersitälskonferenz. 
DNB. Heidelberg, 25. Juni. Donnerstag 
vormittag trat in einem der großen Hörsäle 
der Universität die Internationale Universi 
tätskonferenz zu ihrer ersten allgemeinen 
Sitzung zusammen. Geheimrat Professor Dr. 
Hoops, der Präsident der diesjährigen Konfe 
renz und bekannte Anglist der Universität 
Heidelberg, eröffnete die Sitzung mit einem 
Ueberblick auf die bisherigen Kongresse. In 
diesem Jahre wird eine der Hauptaufgaben 
sein, die genauen Satzungen der internationa 
len Konferenzen festzulegen. Alle politischen 
Fragen sind ausgeschlossen. Im Vordergrund 
der Tagung steht ein Bericht über Beseitigung 
der Ueberfüllung der Universitäten und über 
die Frage der Gesundheitsfürsorge für die 
Studierenden. Hoops betonte, daß die Länder 
auf diesen Konferenzen viel voneinander ler 
nen könnten. 
Japans Slympiafchwimmer sind da. 
DNB. Berlin, 26. Juni. (Eig. Funkmeld.)! 
Heute früh traf die Hauptstreitmacht der japa 
nischen Olympiaschwimmer in der Reichs 
hauptstadt ein. In Stärke von 22 Mann unter 
Führung des japanischen Olympiasiegers von 
Los Angeles, Kiykawa, haben die Japaner 
Reise von Tokio über Sibirien, Moskau und 
Warschau ohne Aufenthalt zurückgelegt und 
sind nach der wochenlangen Bahnfahrt wohl 
und munter am Schauplatz ihrer Kämpfe ein 
getroffen. Am Vormittag folgte ein Empfang 
im Olympischen Komitee, und dann bezogen 
die Japaner ihre Quartiere im Olympischen 
Dorf. 
Tödliche Kopfsprünge. 
In Gifhorn blieb der 15jährige Kaus- 
mannslehrling Richard Behrens bei einem 
Kopfsprung in den Allerkanal, der an dieser 
Stelle nur einen Meter tief ist, mit dem Kopf 
im Schlamm stecken. Er wurde zwar von 
Kameraden aus seiner unglücklichen Lage be 
freit, starb aber, da er sich den Halswirbel ge 
brochen und das Rückenmark verletzt hatte, im 
Braunschweiger Krankenhaus an seinen Ver 
letzungen. Ein ähnlicher Unfall ereignete sich 
in der Badeanstalt in G r o ß - R h ü d e n. Der 
Landarbeiter Erich Konrad aus Wohlenhausen 
geriet bei einem Sprung von einem drei Me 
ter hohen Sprungbrett auf ein im Wasser 
schwimmendes Spielbrett, das er nicht hatte 
sehen können, da ein anderer Schwimmer aus 
ihm stand und es unter Wasser drückte. Er 
wurde vom Schwimmeister an Land geholt 
und ins Krankenhaus nach Hildesheim ge 
bracht, wo er seinen Verletzungen erlag. 
Der „Baum des Friedens" 
vom Blitz getroffen. 
Während des letzten ungewöhnlich schweren 
Gewitters, von dem die französische Hauptstadt 
heimgesucht wurde, schlug der Blitz in den 
„Baum des Friedens" im Montrougepark ein, 
der dann vom Sturm auf einen in der Nähe 
befindlichen Musikpavillon geschleudert wurde. 
Von dessen Trümmern wurden etwa 50 Frauen 
und Kinder verletzt, die darin Schutz gesucht 
hatten. (Weltbild, K.) 
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Ein Riesenzeltlager am Fuße des Funkturms. 
Ein riesiges Zeltlager am Fuße des Funkturms rvird während der Olympischen 
Spiele die Jugendgruppen aus ganz Europa aufnehmen (Atlantic, K.) 
Die größte Knrzwellenanlage der Welt in Zeesen. 
Die Deutsche Reichspost hat in Zeesen bei Berlin eine Kurzwellensendeanlage er 
richtet, die die großen sportlichen Ereignisse der XI. Olympischen Spiele in alle Welt 
verbreiten wird. Es wurden zwei neue Sendehäuser errichtet, von denen jedes im 
Schwerpunkt einer Richtstrahleranlage steht. Die Anlagen sind jetzt nach den Erwei 
terungsbauten zahlen- und auch leistungsmäßig die größten der Welt. 
(Scherl-Bilderdienst, K.)s
	        
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