Mii-WeitSeibes*®, ‘feine.7
Von Hans Thielmann.
III.
Stadt der romantischen Dichtung.
Neben Jena und Berlin war es vornehm
lich Heidelberg, das Mittelpunkt der romanti
schen Dichtung wurde. Dichter wie Clemens
Brentano, A ch i m von Arnim, L ud -
wig Tieck, Joseph Görres und später
Max von Schenkendorf bestimmten
Werk und Wollen der Zeit. Brentano und
Arnim vereinigten sich in Heidelberg zu einer
überpersöulichen Aufgabe. Was wir heute an
alten deutsche» Volksliedern kennen, ist zum
größten Teil von den beiden erneuert und zn-
sammengetragen worden in Heidelberg. In
einer „obskuren Kneipe, dem Faulen Pelz" —
eine als Pauklokal der Landsmannschaften
bis in die jüngste Zeit bekannte und beliebte
Gaststätte — hatten sie ihr Arbeitszimmer.
Wem ist heute wenigstens dem Namen nach
nicht die berühmte Volksliedersammlung „Des
Knaben Wundcrhorn. Alte deutsche Volkslie
der^ bekannt, die erstmalig zur Michaelis
messe 1803 im Buchdruck bei Mohr u. Zimmer,
Heidelberg, erschien? Im Juli des folgenden
Jahres sollte der zweite Band erscheinen. Die
politischen Ereignisse der damaligen Zeit lie
ßen es aber vorerst nicht zur Verwirklichung
dieses Planes kommen. Arnim, der in Göttin
gen weilte, schrieb an Brentano: „Wer des
Vaterlandes Not vergißt, den wird auch Gott
vergessen in seiner Not. Ich will mitfreuen,
mitleiden, mitsallen, aufmuntern und trom
meln" — und plante die Herausgabe einer
patriotischen Zeitung „Der Preuße, ein Volks
blatt". Der literarische und kosmopolitische
Bürger der freien Reichsstadt Frankfurt,
Brentano, antwortete aus Heidelberg: „Was
Du von Vaterland und Dir sagst, muß sich
zeigen: ich habe kein Vaterland." Brentano
befand sich eben in einer Strömung, die den
ungeheuren Problemen seiner Zeit verständ
nislos gegenüberstand. Und doch ist uns heute
gerade dieser Brief so wertvoll, da er darin
ein „Lied von eines Studenten Ankunft und
seinem Traum auf der Brücke" beilegte, das
den Charakter der Stadt und die Wesensart
des damaligen Studenten trefflich zeichnete.
Arnim ist eine Zeit laug durch die Kriegswir
ren dem Freund verschollen,' über Brentano
brechen dunkle Tage herein. Seine Gattin
Sophie stirbt bei der Niederkunft eines toten
Kindes, der Dichter verfällt gänzlich einer
dumpfen Apathie. Erst 1807 sehen sich die
Freunde wieder und ein Jahr später leitet
Arnim den Druck des zweiten Bandes. Zur
gleichen Zeit gab der Gelehrte Görres, der
Brentano in den schweren Tagen nach dem
Tode seiner Gattin beigestanden hatte, die
Schrift: „Die teutschen Volksbücher. Nähere I
Würdigung der schönen Historien-, Wetter
und Arzneibüchlein" ebenfalls bei Mohr u.
Zimmer heraus. Der bekannte Germanist
Jakob Grimm urteilte über das Werk:
„Ohne vollständige historische Ergründung, die
ihm in der kurzen Zeit ohne alle Vorarbeiten
nicht möglich war, ist Görres in die Wahrheit
alter Poesie hineingedrungen." Soviele Dich
ternamen der damaligen Zeit heute noch Klang
haben, wie Tieck, Uhland, Eichendorff, Max
von Schenkendorf, Jean Paul, Lenau u. a.,
die in Heidelberg geweilt haben, alle ihre
Werke zeitigen dasselbe Gefühl, das sie beim
Rauschen von Wäldern auf erhabenen Bergen,
des im verglühenden Abendrot gleißenden
Neckarstromes und der dämmernden Silhou
etten der Schloßruine erfaßte, das Gefühl, das
Arnim in einem Brief an Bettina Brentano
wiedergab, wenn er schrieb: „ ... So oft ich
mich anderswohin wünsche, fühle ich doch, daß
ich diese Berge immer vermissen werde, an
denen ich so oft mein Auge und mein Gemüt
erhärtet habe..." — und Eichcndorffs Tage
bücher vermitteln von seiner ersten Einfahrt
in Heidelberg folgenden Eindruck: „Enges,
blühendes Tal, in der Mitte der Neckar, rechts
und links hohe felsichte, laubichte Berge. Am
linken lifer Heidelberg, groß und schön. Nur
eine Hauptstraße mit mehreren Toren und
Märkten. Links, überschaut von dem Abhänge
eines Berges, die alte Pfalzburg, gewiß die
größte und schönste Ruine Deutschlands, ma
jestätisch die Stadt."
(Fortsetzung folgt.)
Wußten Sie schon, ♦..
baß ein Erfinder jetzt einen Spiegel erfunden
hat, in dem man sich so sieht, wie andere einen
sehen? Es zeigt die Gesichtszüge genau wie
eine Photographie,'
*
daß es in Tibet eine Familie gibt, deren
Verhältnisse man als recht eigentümlich be
zeichnen muß. Der Bruder Alakh Jamv Japa
ist Oberlama des großen Klosters Lhabrang
Gomba, während die Schwester Ab See die
Führerin der berüchtigsten Räuberbande von
Tibet ist,'
*
daß die Berber in Algier sehr merkwürdige
Eigentumsbegriffe haben. Es kommt vor, daß
einem Manne der Stamm eines Baumes ge
hört, einem anderen die Zweige und einem
dritten der Boden, auf dem der Baum steht,'
*
daß die Pikrinsäure, die während des Krieges
zur Herstellung von Explosivstoffen benutzt
wurde, jetzt dazu dient, zwei schlimme Krank
heiten zu bekämpfen, nämlich die Schlafkrank
heit und die Kinderlähmung:
ch
daß es in Ungarn Soda-Seen gibt, aus denen
früher Soda, kohlensaures Natrium, gewon
nen wurde?
ch
daß der Spinat seine Heimat im Orient hat
und durch die Araber nach Spanien gebracht
worden ist?
„Admiral Tchcer" in Stockholm.
Das deutsche Panzerschiff „Admiral Scheer" weilt zur Zeit in der schwedischen
Hauptstadt zu Besuch. (Presse-Photo, K.)
Tom Zaggler /
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Mauz,
München.
43) Nachdruck verboten.
„Es ist noch immer dieselbe Stimme," denkt
er verzweifelt und er trinkt ihre Worte, die sie
zu Juta spricht, in sich ein, wie die Erde im
Frühling einen warmen Regen.
Jetzt wendet sie ihm ihr Gesicht zu. Sie ver
sucht ein Lächeln, das ihr nicht recht gelingen
will.
„Grüß Gott . . ." sagt sie leise zu ihm und
macht eine Bewegung mit dem Arm, als möch
te sie ihm die Hand reichen. Auf halbem Weg
aber läßt sie den Arm wieder sinken.
Toni merkt, wie ihm das Blut in die Stirne
springt.
„Nicht einmal die Hand will sie mir geben,"
denkt er wütend. „Und meinen Namen weiß sie
auch nicht mehr. Gut, so habe ich den ihren
auch vergessen."
Die Kleine auf den Boden stellend, strafft er
seinen Körper und sagt mit hartem, schonungs
losem Klang:
„Grüß Gott, Frau Kerber!"
Wieder gleitet dieses gemachte Lächeln über
ihr Gesicht. Ihr Blick ruht sekundenlang in
dem seinen.
„Sie ist nicht glücklich," fährt es ihm durch
den Sinn. Und dann nimmt er sein Gewehr
vom Brunnenrand und geht fort.
Die zwei Frauen blicken ihm nach, wie er
hoch und straff durch den Park geht und dann
das Gittertürchen hinter sich zuwirft, ohne sich
noch einmal umzublicken.
„Toni," sagt Monika leise und dann deckt sie
erschrocken die Hand auf den Mund.
„Mußt dich nicht schämen vor mir," sagt Juta
warm und lächelt der Jugendfreundin auf
munternd zu. „Hast lange auf dich warten las
sen, Monika. Ich mußte annehmen, daß du
glücklich bist und daß es dir gut geht. Man hört
es ja auch allgemein."
Monika macht eine matte Bewegung mit der
Hand durch die Luft.
„Was wissen die Leute! Meine Mutter wird
es halt überall rumtragen, wie glücklich es ihre
Tochter getroffen hat."
„Ich habe nicht daran geglaubt, Monika."
Juta klatscht in die Hände.
„So, Kinder, für heute ist es Schluß."
Sie übergibt die Kleinen den Schwestern und
geht mit Monika in das gemütliche Wohnzim
mer zu ebener Erde.
Hochlarrdsroma» von Haus Gruft
„Nun erzähl mir einmal, Monika. Ist es
sehr schwer?"
„Manchmal mein ich, ich müßt davonlaufen."
„Ach Gott, so weit fehlt es?"
„Die ersten Wochen war alles gut," erzählt
Monika. „Aber daun hat er mir auf einmal die
Sache mit dem Toni vorgeworfen: Wärst bei
deinem Banernlümmel geblieben! Er sagt, ich
hätt net ihn geheiratet, sondern sein Geld. Und
gegen die Wahrheit gibts kein Auflehnen. Es
is so, wie er sagt. Aber es hätt anders werden
können. Ich hab den festen Willen g'habt, ihm
ein braves Weib zu sein. Und wenn er zu mir
auch so g'wesen wär', dann hätt ich den Toni
schließlich doch vergessen können."
Juta überlegt lange, welchen Trost sie geben
könnte. Endlich glaubt sie, die richtigen Worte
gefunden zu haben.
„Wir Frauen sind nun einmal geboren, zu
leiden und zu dulden. Ich weiß, es ist schwer.
Aber du wirst es zwingen, wenn du den festen
Willen hast. Wie klein mutz doch dein Mann
in seinem Charakter sein, wenn er dich mit
Vergangenem quält. Laß es dir nie anmerken,
wie sehr er dein Inneres trifft."
Monika nickt.
„Der Toni wird übrigens jetzt der Jäger
deines Schwiegervaters," lenkt Juta das Ge
spräch ab.
„Der Toni hat sich Bedenkzeit ausbcdungen,
hat mir mein Schwiegervater erzählt."
„Er ist sich aber inzwischen schon schlüssig ge
worden und nimmt an."
„Wirklich?" fragt Monika. „Ich hab mir
denkt, er tät ablehnen."
Es dunkelt schon, als Monika, von Juta bis
zur Straße hinaus begleitet, den Heimweg
antritt.
Auf dem Weg zum Abendschoppen im Post
bräu begegnet dem Toni heute der Steinmüller
Bartl. Seine Strafe ist vor einigen Tagen ab
gelaufen.
Toni blickt ihm ruhig ins Gesicht. Er hat so
gar einen Gruß auf der Zunge. Aber das Wort
erstirbt ihm im Mund, als er in die haßerfüll
ten Augen des Bartl sieht.
Auch recht, denkt der Jäger und geht an dem
andern vorbei.
Bei seinem Eintritt in die Gaststube winkt
ihm der alte Kerber sofort freundlich zu, der
mit seinem Sohn in der hintersten Ecke an dem
gedeckten Tisch sitzt.
Dorthin lenkt Toni seinen Schritt. Da hält
ihn der Wirt am Aermel zurück und flüstert
ihm zu:
„Der Bartl war heut den ganzen Nachmittag
da. Nimm dich in acht, Toni, vor ihm. Er hat
gesagt: die fünfzehn Monat zahlt er dir heim."
Toni lacht übermütig.
„Sprüchemachen ivar schon immer seine starke
Seite. Meinetwegen soll er nur kommen. I bin
schon da."
Dann tritt er an den Tisch der Kerber.
Rudolf Kerber lächelt verbindlich, als ihm
sein Vater den Jäger vorstellt.
„Sehr erfreut," sagt er. „Im übrigen kennen
wir uns ja vom Hörensagen," setzt er hinzu
und zieht die Unterlippe in seiner gewohnten
Weise etwas herab.
„Immer noch nicht schlüssig?" fragt Herr-
Kerber und winkt der Kellnerin, daß sie noch
eine frische Flasche und noch ein drittes Glas
bringen solle.
„Doch, Herr Kerber, ich hab mirs bereits
überlegt. Ich nehm den Dienst bei Ihnen an."
„Na ja, ich hab fest damit gerechnet. Sie sol
len es auch nicht bereuen und ich hoffe, daß Sie
mit mir auch so zufrieden sind wie mit Ihrem
bisherigen Herrn."
„Da darf man dir gratulieren, Vater," sagt
der junge Kerber. „Der Zaggler ist ein tüch
tiger Jäger. Das hört man allgemein."
„Mir ist nicht umsonst soviel daran gelegen,
ihn für mich zu gewinnen." Er hebt sein Glas.
„Also, zum Wohlsein, Zaggler. Oder darf ich
auch Toni sagen?"
„Der Herr Graf hat mich auch so genannt
und es soll auch in dieser Beziehung nix ge
ändert werden," sagt Toni.
„Siehst du, wir verstehen uns ja schon ganz
gut. Ich komme in den nächsten Tagen einmal
in die Jagdhütte. Vielleicht können sich die an
dern Jäger auch dort einfinden. Ich möchte mir
die Leute einmal ansehen. Du bürgst doch für
sie?"
„Jawohl, Herr Kerber. Für den Hornberger
und für den Weindl leg ich die Hand ins Feuer.
Die sind treu bis auf die Knochen. Und wenn
der Herr Kerber sich als guter Jagdherr er
weist, dann gehn sie auch für ihn durch dick
und dünn."
„An mir soll es nicht fehlen," beteuert Ker
ber und hebt von neuem sein Glas.
Sie leeren noch etliche Flaschen, bis sie sich
kurz vor Mitternacht trennen.
Auf dem Heimweg meint Rudolf zu seinem
Vater:
„Er redet ein bißchen frei heraus, der Zagg
ler."
„Wieso? Mir hat jedes Wort gefallen von
ihm. So hab ich es gerne, wenn «ater frisch otm
praktische Winke für die Hausfrau.
Altbackene Semmeln lassen sich dreimal so
leicht zerreiben, wenn man sie zuvor auf einer
trockenen Bratpfanne bei kleinem Feuer (da
sic sonst schwärzen) ganz heiß hat werden
lassen,' je heißer, um so leichter zu reiben.
*
Käse schimmelt nicht, wenn man in die
Käseglocke ein Stückchen Würfelzucker tut.
ck
Pellkartoffel pellen sich leichter, wenn man
sie zuvor in eiskaltes Wasser taucht: während
man eine pellt, bleibt die nächste im kalten
Wasser, nicht länger.
*
Zitronen, gut angewärmt, werden weit bes
ser beim Gepreßtwerden ausgenutzt.
Anekdoten
Dolgorncki, der russische Fürst, besaß sehr
viel Gemütsruhe und einen wahrhaft philo
sophischen Gleichmut. Durch keine Not und
Gefahr, nicht in den schwierigsten und verzwei
feltsten Lagen des Lebens ließ er sich aus
seinem seelischen Gleichgewicht bringen.
Einmal hatte er sich zu einer Reise über das
Baltische Meer eingeschifft und verfiel in einen
tiefen Schlummer, gerade zu einer Zeit, wo ein
entsetzliches Ungewitter heraufzog, so daß auch
der Unerschrockenste und Beherzeste zu zagen
und zu zittern anfing.
Ein Offizier rannte in dem gefährlichsten
Augenblick aufgeregt zu Dolgorucki und weckte
ihn mit den vorwurfsvollen Worten:
„Wie können Sie nur jetzt schlafen, wo wir
alle ertrinken müssen?"
„Ei, wenn dem so ist", versetzte darauf mit
stoischem Gleichmut der Fürst, „so weiß ich
wahrhaftig nicht, warum man mich eigentlich
erst mit Gewalt aufgeweckt hat. Machen Sic es
wie ich!"
Und mit diesen Worten legte er sich wieder
hin und schlief seelenruhig weiter.
*
Der Aeppelwein.
Werder bei Berlin hat Frühlingsfest bei
Obstwein, der, — reichlich genossen — beim
einen diese, beim andern jene Wirkung hat.
Im Laufe des Abends spielt das Orchester
eines großen Gartenrestaurants u. a. die Ab-
schiedssinfonie von Haydn, bei der bekanntlich
ein Musiker nach dem andern seinen Part be
endet und mit dem Instrument unterm Arm
abgeht, bis schließlich der Dirigent seinen Stab
hinlegt und ebenfalls verschwindet. Eben
klemmen sich wieder zwei Flötisten ihre schwar
zen Rohre unterm Arm und hauen ab. Da
hört man aus der Mitte des Gartens eine
weibliche Stimme: „Siehste, Justav, da vaüuf-
ten schon wieder zwei, ick sage dir, trinke mel
nich so ville von dem Aeppelwein."
der Leber wegredet. Eine wahre Pracht, wenn
man den Jungen bloß anschaut. Ein offenes
Gesicht und eine Gestalt, wie aus Eisen ge
schmiedet. Da bist du ein Waisenkind dagegen."
Rudolf zieht es vor, darauf keine Antwort
zu geben. Er sagt nur:
„Es freut mich für dich, wenn du zufrieden
mit ihm bist."
„Da bin ich unbesorgt. Nun ist's an dir, daß
du im Geschäft deinen Mann stellst. Ich selber
möchte jetzt auf längere Zeit ausspannen und
werde bei meiner Jagd bleiben, bis der erste
Schnee füllt."
Dringende Geschäfte rufen Rudolf am näch
sten Tag schon nach München. Er besteht dar
auf, daß Monika mit ihm fährt.
Ehe ohne Liebe.
In einem waldumhegten Vorort, etwas
außerhalb der Großstadt, steht das Wohnhaus
der Familie Kerber. Ein schön gepflegter Gar
ten umschließt das Haus, und auf der Rückseite,
kaum hundert Schritte entfernt, beginnt der
Wald. Schön ist cs hier zur Sommerzeit. Man
wird vom Ruf der Bögel wach und läßt sich
von ihnen in den Schlaf singen.
Monika ist tagsüber mit dem Mädchen und
einer alten Köchin allein. Das Geschäft befin
det sich im Zentrum der Stadt, und Rudolf
kommt nur mittags auf ein paar Stunde»
heim, manchmal auch am Abend, meist aber
erst spät in der Nacht.
Es ist ein schwüler Nachmittag im späte»
August. Monika sitzt mit einer Näharbeit ir»
Erker des Wohnzimmers und läßt sinnend
die Hände im Schoß ruhen.
Vierzehn Monate ist sie nun verheiratet-
Ihr kommt es vor, als seien es ebensoviel
Jahre. So lang dehnt sich die Zeit in einer
Ehe ohne Liebe. Längst hat sie eingesehen, daß
sie damals, zwar unter Zwang, und dennoch
voreilig gehandelt hat. Und seit sie den Toni
wieder sah, weiß sie, daß er sie nie vergesse»
wird. Sie kennt ja jede Falte in seinem Ge-
sicht und hat ihm durch seine klaren Auge»
auf den Seelen'grund geschaut.
Seitdem sie dieses Wissen in sich trägt, ist
eine große Ruhe in sie gekommen. Es schmerzt
sie kaum mehr, zu wissen, daß ihr Mann nicht
immer nur geschäftlich so lange fortbleibt des
Abends. Nur als er einmal eine recht zweifel
hafte Begleitung ins Haus bringen wollte, da
hat sie sich mit gespreizten Armen vor die
Türe gestellt und ihm erklärt:
„Das Haus bleibt rein, solang ich da wohn."
Rudolf wollte auffahren. Aber da hat er All
spüren bekommen, daß mit Monika in dieser»
Punkt nicht zu spaßen war.
(Fortsetzung solM '
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