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neuen Ausweichens von Genf eine weitere
Entfremdung sowohl Nord- wie Südamerikas
gegenüber Europa unvermeidlich. Da nun in
der Dardanellenfrage trotz zahlreicher Kon
fliktsstoffe ein politisches Austauschgeschäft
zwischen England und Italien durchaus mög
lich erscheint, darf man auf den Genfer Eier
tanz um die Kompromißsrage einigermaßen
neugierig sein.
Bon der Ratssitzung am Freitagnachmittag
liegt uns noch folgender Bericht vor:
An der heutigen Sitzung des Völkerbunds
rates nahm für Abessinien Ras Nasibu teil.
Er hatte jedoch keine Gelegenheit, das Wort zu
ergreifen, da Eden die Aussprache durch den
Hinweis auf die Versammlung abschnitt.
Der englische Außenminister Eden schlug
hinsichtlich der Locarnofrage vor, eine Befra
gung der Ratsmitglieder über den Zeitpunkt
zll veranstalten, an dem sich der Rat mit der
Frage des Locarnovertrages beschäftigen
könnte. Diesem Vorschlag wurde zugestimmt.
Fernbleiben Italiens von Genf.
In der Sitzung verlas der englische Außen
minister als Ratspräsident ein Schreiben des
neuen italienischen Außenministers Graf Cia-
no, der mitteilte, daß Italien aus den bekann
ten Gründen nicht an der Behandlung der
abessinischen Frage teilnehmen und demgemäß
euch der Erörterung der Locarno-Frage fern
bleiben müsse. Italien hoffe aber auf eine bal
dige Klärung, die ihm die Beteiligung an den
Genfer Arbeiten ermögliche.
Im übrigen war sich der Rat darüber einig,
daß er in der abessinischen Frage keine wesent
lichen Schritte unternehmen könne, nachdem
die Versammlung damit befaßt worden sei.
Sitzung des Neichskshmetts
Endlich mal ein offenes Wort
Ein katholischer Publizist zu dem Koblenzer Prozetz
DNB. Berlin, 26. Jnni. Das Reichskabinett
trat heute^nachmittag zu seiner letzten Sitzung
vor der Sommerpause zusammen, um noch
einige Gesetzentwürfe rechtlicher Natur zu ver
abschieden.
Angenommen ivurde ein Gesetz zur Aende
rung des Strafgesetzbuches, nach welchem ein
mal ein erweiterter Schutz gegen Wehrmittel-
beschädigung geschaffen wird, und ferner der
Bruch der Amtsverschwiegenheit sowohl bei
Beamten als auch bei nichtbeamteten Perso
nen durch besondere Bestimmungen dem Straf
recht unterstellt wird.
Das Gesetz über Hypothckcnzinsen stellt eine
Fortsetzung der Zinssenkungsaktion dar, in
dem nunmehr auch die Zinsen der Hypotheken,
die sich in privater Hand befinden, der Zins
ermäßigung unterworfen und die Voraus
setzungen für eine Angleichung der Zinssätze
der Hypotheken des freien Marktes an die Sätze
der Anstaltshypotheken geschaffen werden. Da
bei ist an einen gesetzlichen Zwangseingriff
nicht gedacht. Falls eine freie Vereinbarung
zwischen dem Schuldner und dem Hypotheken-
glüubiger nicht zustande kommt, soll durch Ver
tragshilfe des Reiches eine Senkung von nicht
inehr zeitgemäßen Hypothekenzinsen erreicht
werden. Die Regelung soll nur für den lang
fristigen Realkreüit gelten.
Das zweite Gesetz über die Gewährleistung
für den Dienst von Schuldverschreibungen der
Konversionskasse für deutsche Auslandsschul-
lcn sieht eineVerlängerung der bisherigen Be
stimmungen für die Zeit vom 1. Juli bis
Li. Dezember 1936 vor, da eine Besserung der
Tevisenlage nicht eingetreten ist, die die Aus
gabe von verzinslichen Fundierungsschuldver-
schreibungen der Konversionskasse anstelle des
Bartransfers von Zinsen, Dividenden usw.
notwendig gemacht hat.
Durch das Gesetz zur Aenderung des Beför-
ternngssteuergesetzrs sollen Einnahmequellen
für den Bau der Reichsautobahnen, insbeson
dere für die Tilgung und Verzinsung der ein
gegangenen Verbindlichkeiten, erschlossen wer
den. Danach wird die Veförderungssteuer aus
den gewerbsmäßigen Kraftfahrzeugverkehr,
itnd zwar den Güterfernverkehr und den Werk-
fernverkehr sowie auf andere gewerbsmäßige
Beförderungsarten ausgedehnt. Hierzu gehö
ren der Ortslinienverkehr mit Kraftomnibus
sen, die Personenbeförderung durch die Deut
sche Reichsbahn, der Gelegenheitsverkehr, der
Linienverkehr und der Kraftdroschkenverkehr.
Bei letzterem tritt durch diese Neuregelung
eine Erhöhung der Besteuerung im ganzen
nicht ein.
Das Reichsumlegungsermächtigungsgesetz
bezweckt die Zusammenlegung zersplitterten
ländlichen Grundbesitzes, um den Erfolg der
Meliorationen, der durch diese Zersplitterung
beeinträchtigt wurde, voll zur Wirkung kom
men zu lassen.
Schließlich verabschiedete das Reichskabinett
ein Gesetz über die Befähigung zum höheren
bautechnischen Verwaltungsdienst, das die
Grundlage für die Vereinheitlichung des Aus-
bilöungs- und Prüfungswesens für den Nach-
wuchs der höheren bautechnischen Verwal-
tungsbeamten bildet.
Am Schluß der Sitzung sprach der Führer
und Reichskanzler den Mitgliedern des
Reichskabinetts seinen Dank für die im ersten
halben Jahre geleistete Arbeit aus und ent
ließ die Kabinettsmitglieder mit den besten
Wünschen in die Sommerferien.
Man hat nach den Untersuchungen des Kob
lenzer Prozesses vergeblich auf eine Meinung
aus katholischen Kreisen gewartet. Wir durften
bis jetzt nur eine Kritik an der Durchführung
des Prozesses verzeichnen in der Form eines
Hirtenbriefes. Umso mehr ist es zu begrüßen,
daß im „V.B." ein katholischer Schriftleiter die
Empfindungen, die Millionen Katholiken bet
dem Prozeß hatten, zu Papier bringt. Wir
entnehmen daraus einige „offene" Worte.
(Die Schriftleitg.).
Nachdem unsere Bischöfe in ihrem Hirten
brief zu den Vorkommnissen in den Klöstern
der Franziskanerbrüder Stellung genommen
haben, ist es nunmehr an der Zeit, daß wir
deutschen Katholiken, die wir zu der großen
Schar der Gläubigen gehören, die nicht das
Ehrenkleid des Priesters tragen, in dieser An
gelegenheit das Wort ergreifen.
Vorweg möchte ich dabei feststellen, daß uns
anständig, sachlich und ehrlich denkende Katho
liken der Hirtenbrief sehr enttäuscht hat. Wir
hatten fürwahr etwas anderes erwartet als
diese Art sich zu einer, unsere Kirche tief
treffende Angelegenheit zu äußern. Wir hatten
erwartet, daß im hohen Klerus ein heiliger
Zorn über die Verworfenheit dieser Ordens
brüder und auch der Patres und Geistlichen,
die sich derselben Verbrechen schuldig gemacht
haben, enrbrennen würde. Statt dessen wird
in weinerlichem Bedauern über die böse deut
sche Presse hergezogen, die die Gerichtsver
handlungen in Koblenz in einer sonst nicht
üblichen Weise tendenziös aufbausche und so
für die Jugend eine Gefahr und für anstän
dige Menschen ein Aergernis darstelle.
Meine Ansicht möchte ich in folgendem Satz
zusammenfassen: Noch niemals hat die deutsche
Tagespresse so viel Feingefühl für das reli
giöse Empfinden der katholischen deutschen
Volksgenossen gezeigt, wie gerade in der Be
richterstattung über die Koblenzer Verhand
lungen.
Die Straftaten selbst hat sie fast ausschließ
lich mit den entsprechenden Gesetzespara-
graphcn bezeichnet, woraus sich die Jugend
gar nichts und der juristische Laie nur wenig
nehmen kann. Die deutsche Presse hat es sich
angelegen sein lassen, die Berichterstattung
über diese heikle Angelegenheit so knapp wie
möglich zu halten und nur die gravierenden
Punkte mit objektiver Sachlichkeit zu be
rühren.
Ich sehe auch nicht ein, worin die Gefahr für
unsere Jugend hier zu erblicken ist. Darf sie
denn nicht erfahren, daß auch im Priesterrock
und in der Kutte nicht immer Heilige stecken?
Wenn aber unsere Jugend in diesen Dingen
auch sehend wird, dann ist sie auch in der Lage,
sich im gegebenen Falle selbst zu schützen oder
den Schutz der Behörden anzurufen, der ihr
ja, eingestandenermaßen, vom hohen Klerus
nicht gewährt werden kann.
Weshalb soll ferner verschwiegen werden,
aus welcher Ordensgemeinschaft diese Misse
täter stammen? Nachgewiesen sitzen über die
Hälfte der Ordensbrüder auf der Anklagebank.
Will man uns nun tatsächlich glauben machen,
daß die anderen nichts von diesem Treiben
ihrer Brüder gewußt haben?
Will die deutsche Tagespreise aber dem Emp
finden anderer Ordensgesellschaften gerecht
werden, so hätte sie schon allein aus diesem
einen Grunde die Pflicht, den Namen der Or
densgesellschaft, der die Uebeltäter angehörten,
anzuprangern,- denn im anderen Falle hätte
jede andere, anständige Ordensbruderschaft in
einen falschen Verdacht geraten können.
Anstatt nun mea culpa mea maxima culpa
zu sagen, möchte man diese Gelegenheit nicht
vorbeigehen lassen, um der deutschen Presse
etwas am Zeuge zu flicken.
Es ist durchaus zu verurteilen, wenn die
oberste Kirchenbehöröe, wie in diesem Falle,
seine Ablehnung des begangenen Verbrechens
mit einem Vorwurf gegen die deutsche Tages
preise einleitet und erst im späteren Verfolg
des Sendschreibens zu eiuer mehr als lauen
Verurteilung der Verbrecher kommt. Ich habe
Fälle erlebt, wo gerade unsere oberste Kirchen-
behördc ganz andere und deutlichere Worte ge
funden hat,' warum jetzt diese schamhafte Zu
rückhaltung und Empfindlichkeit.
Die deutsche Tagespresse hat in vorbildlicher
Weise ihre Pflicht getan, was man von unserer
obersten Kirchenbehörde und von dem hohen
Klerus durchaus nicht sagen kann. Für einen
gläubigen Katholiken ist es bitter, seiner eige
nen Kirchenbehörde ein solches Zeugnis aus
stellen zu müssen.
Jeder anständig denkende Katholik lehnt die
Ausführungen des bischöflichen Sendschrei
bens, als nicht den Kern der Sache treffend,
ab und unterschreibt die Erwiderung der deut
schen Presse in ihrem gesamten Inhalt.
Jeder anständig denkende deutsche Katholik
mutz aber auch ablehnen, daß der Bischof von
Trier nunmehr znm Visitator in dieser Ange
legenheit ernannt worden ist; denn gerade dem
Bischof von Trier waren, wie das Prozeßver
fahren ergeben hat, die Zustände in der Or-
dcnsgemeinschaft bekannt.
Wir deutsche Katholiken haben schon des
öfteren, zuletzt noch bei der Saarabstimmung
und am 29. März 1936, unter Beweis gestellt,
daß wir treu hinter unserer Regierung stehen,
und deshalb werden wir es auch selbst von
unserer obersten Kirchenbehörde nicht dulden,
daß der Anschein erweckt wird, als stände das
katholische deutsche Volk hinter einem solchen
Machwerk, wie es der letzte Hirtenbrief dar
stellt.
Deshalb begrüßen wir auch diese Säube-
rungsaktion, die unsere Regierung gegen einen
Teil pflichtvergessener Priester und Ordens
leute eingeleitet hat; denn vor dem Gesetz sind
wir alle gleich, und bei keinem Volk würde
eine Regierung dafür Verständnis finden,
wenn sie in der Strafverfolgung vor dem
Priesterkleid Halt machen würde.
Wir deutsche Katholiken haben nach all die
sen Vorkommnissen ein Interesse daran, end
lich einmal zu wissen:
Was geschieht von seiten der kirchlichen Be
hörden mit den verurteilten Priestern und Or
densleuten? (Sollen diese vielleicht nach ver
büßter Strafe wieder aus die katholische deut
sche Bevölkerung losgelassen werden?)
Was geschieht mit den geflüchteten verbre
cherischen Priestern und Ordensleuten?
Verbrechen bleibt Verbrechen, und es wird
dadurch nicht getilgt, daß sich die Pflichtverges
senen jenseits der deutschen Grenze unter dem
Schutz ihrer geistlichen Behörde der Freiheit
erfreuen und sogar ihren Geifer gegen das
neue Deutschland verspritzen dürfen.
An der Klärung all dieser Fragen — und
zwar nicht durch lauwarme Salbadereien —
haben wir deutsche Katholiken moralisch fast
noch ein größeres Interesse als unsere Re
gierung. H. P.
Schwere Schlägerei im làmischen
ïïmkl
Die Beziehungen Englands
zu Deutschland
Offenes Bekenntnis Lord Londonderrys
DNB. London, 26. Juni. In einer Rede vor
dem Konservativen Verband äußerte sich der
frühere Luftfahrtminister Lord Londonderry
über die Beziehungen zu Deutschland. Die
deutsche Nation, so erklärte er u. a., sei in ih
rem Wunsche nach Frieden ebenso bemüht, wie
es die Engländer seien.
„Wir sollten die Angebote, die Hitler der
Welt gemacht hat, nicht in einem knauserigen
oder pedantischen Geist aufnehmen. Nach mei
nem Urteil hängt der Weltfrieden in erster
Linie von einer Verständigung zwischen
Frankreich, Deutschland und Großbritannien
ab.
Wir sollten endgültig mit diesem Ziel vor
Augen arbeiten, anstatt dem Irrlicht eines
theoretischen Lehrsatzes zu folgen, der einen
sogenannten Völkerbund, in dem drei große
und mächtige Nationen nicht vertreten sind,
als die Lösung aller internationalen Probleme
hinstellt — einen Völkerbund, der offenkundig
gescheitert ist, als er aufgerufen wurde, den
Frieden herzustellen und aufrechtzuerhalten."
Londonderry fuhr fort, daß es England an
scheinend an einer bestimmten Innen- und
Außenpolitik fehle und daß die Regierung nicht
in der Lage sei, die notwendige Führung zu
geben. In dem englischen Wunsche nach Frie
den sei eine angemessene Bewaffnung Groß
britanniens der wichtigere Punkt. England
dürfe sich von diesem Ziel durch keinerlei Pro
paganda abbringen lassen, ganz gleich, ob sie
von entschlossenen und skrupellosen Feinden
oder von Idealisten und Theoretikern ausgehe.
Auf die deutsch-englischen Beziehungen zu
rückkommend, führte Lord Londonderry aus:
„Wie Sie wissen, habe ich an diese freundschaft
lichen Beziehungen geglaubt, und ich habe
mein Bestes getan, in der letzten Zeit eine
wirkliche Fühlung mit Deutschland herzustel
len. Ich habe versucht, ein Studium über die
deutsche Seclenverfassung, über die Gefühle
und die Weltanschauung der Deutschen anzu
stellen. Ich finde in Deutschland menschliche
Wesen wie alle anderen, mit denselben Vor
zügen und denselben Fehlern. Sie haben eine
Leidenszeit durchgemacht, die wir niemals ge
kannt haben, und infolgedessen ist es schwierig
für uns, ihre Empfindungen genau zu erken
nen. Von dem deutschen Regierungssystem
möchte ich soviel wie nichts sagen. Die Dikta
tur ist allen unseren Gedankengängen fern.
Wenn aber eine Diktatur Leistungsfähigkeit
schafft, wen« sie einer Nation Glaube» und
Idealismus einflößt, dann müssen wir dafür
sorge», daß die Demokratie, an die wir glau
ben, dieselben Ergebnisse erzielt. Laßt uns
alles in unseren Kräften stehende tun, um
Vertrauen allen Ländern einzuflößen und be
sonders gegenüber Deutschland und Italien!
Ich hebe diese Länder hervor im Hinblick auf
die gefährlichen Elemente in England, die in
einem Falle nicht an die Ehrlichkeit Deutsch
lands glauben und die im anderen Falle wün
schen, ihre Entrüstung über Italien zu zeigen,
indem sie die Sanktionspolitik fortsetzen. Die
se beiden Standpunkte zeigen einen vollständi
gen Mangel an jeder gesunden Perspektive."
Lord Londonderry erklärte dann, daß der
Völkerbund in seiner gegenwärtigen Form
nicht in der Lage sei, einen Krieg zu verhindern
oder einen angefangenen Krieg zu beendigen.
Man müsse daher die Frage prüfen und sein
Aeußerstes tun, eine neue Organisation zu
schaffen, wenn eine internationale Organisati
on errichtet werden solle, um die gegenwärti
gen Probleme zu lösen. England müsse der
Sanktionspolitik ein Ende machen und ein
sehen, daß die von ihm fälschlicherweise einge
schlagene Politik nur Schaden angerichtet habe.
DNB. Paris, 27. Juni. (Eig. Funkm.)
Die Rechtsblätter Ami du penple, Jour und
Echo de Paris bringen als einzige Zeitungen
die Meldung von der schweren Schlägerei im
lateinischen Viertel am Freitagabend. Nach
dem Ami du peuple sollen über 30 Verletzte zu
verzeichne» sein. Echo de Paris berichtet von
etwa 10 Verhaftungen.
Uebereinstimmend werden die Vorgänge wie
folgt geschildert: Studenten und Abiturienten,
die gerade ihr Examen bestanden hatten und
aus einem größeren Schulgebäude des Boule
vard St. Michel herauskamen, sahen sich etwa
200—300 Anhängern der Volksfrontparteien
gegenüber, die versuchten, ihnen ihre blau-
weißrotcn Bändchen von den Knopflöchern und
Rvckaufschlägen zu reißen. Eine allgemeine
Schlägerei war bald im Gange, der die Polizei
einstweilen untätig zusah. Die Marseillaise
und. die Internationale wurden gesungen.
Einige Polizeibeamte sollen mit erhobener
Faust die Internationale mitgesungen haben!
Beim Eingreifen der Polizei flüchtete alles teils
in die Seitenstraßen, teils in die zahlreichen
Kaffees und Restaurants des Studentcnvier-
tels. Ueberall ging aber die Schlägerei weiter,
wobei auch Unbeteiligte Fußtritte und Schläge
erhielten. Tische und Geschirr gingen in die
Brüche. Die Volksfrontanhünger sollen auch
mehrfach blauweißrote Fahnen, mit denen
zahlreiche Häuser, dem Aufruf des Obersten de
la Rocque folgend, geschmückt waren, abgeris
sen haben.
Bis 20 Uhr haben die Schlägereien zwischen
den Volksfrontanhängern und den Studenten
angedauert, die, wie der Ami du peuple wei
ter mitteilt, in Zukunft selbst für die Aufrech--
erhaltung der Ruhe im lateinischen Viertel
sorgen wollen, wenn die Polizei nicht dazu in
der Lage sein sollte. Man erwartet für Sonn
abend abend wiederum Ansammlungen und
möglicherweise Zusammenstöße zwischen na
tionalgesinnten Studenten und Volksfron.
anhängern.
GmerMmk in Sļ. Nazmre.
DNB. Paris, 26. Juni. Am Freitagvormit
tag ist aus den Werften und Eisenwerken von
St. Nazaire der Generalstreik ausgebrochcn
Auf allen Schiffen wehen rote Fahnen. Die
Streiks betreffen fünf Großbetriebe mit ins
gesamt 0130 Arbeitern. Die Arbeiter fordern
die Durchführung des Eiuigungsabkommens
über den Rahmenvertrag.
Der Seemannsstreik in Marseille beendet.
DNB. Paris, 26. Juni. Der Streik der Ma
trosen von Marseille ist beendet. Bereits am
Freitagnachmittag sollen drei Dampfer nach
Südafrika auslaufen.
«eramworrlicher Haupļschrtstletļer imv Herausgever: F ' -
dtnond Möller.
Stellvertreter des Hauptschrîftlelters: Herbert Puhlnmn"
Verantwortlich für Politik: Herbert Puhlmann,- für den
örtlichen und allgemeinen Teil: Adolf Gregor!,' für
den wirtschaftlichen Teil: Dr. Cl. Biclfeldt,- für de»
provinziellen Teil: Karl Müller, alle in Rendsburg
Bildvcrantwortliche: Resfortleiter.
Verantwortlicher Anzelgenleiter: Karl Jacobsen, Rendsburg
Verlag und Druck: Heinrich Möller Söhne, Rendsburg.
D-*A. Schleswig-Holsteinische Landeszeitung (Rendsburgs
Tageblatt — Hohenwestedter Zeitung / Die Landnot
Hanerau-Hademarfchen — Süderbraruper TageblciM
D.-A. V 36 über 13 50.0 Pl. Nr. 7.
Das Kloster hak ihn verdorben.
Bruder Ildefons zu fünf Monaten Gefängnis
verurteilt.
DNB. Koblenz, 26. Juni. Am heutigen Frei
tag stand in der Reihe der Sittlichkeitsprozesse
gegen die Franziskaner-Brüder der 20jührigc
Bruder Ildefons vor Gericht.
Der Angeklagte hat eine strenge und ordent
liche Erziehung gehabt und ging, da er sich dazu
berufen fühlte, mit sechzehn Jahren ins Klo
ster der Franziskaner zu Waldbreitbach. Hier
führte er sich außerordentlich gut bis der Bru
der Nedemptus in sein Leben trat, der ihn zu
unsittlichen Dingen verführte. Es folgten dann
selbständige Handlungen des Bruders Ilde
fons mit den Brüdern Suitbert und Basilius.
Der Angeklagte hatte noch kein Gelübde ab
gelegt.
Der Staatsanwalt beantragte acht Monate
Gefängnis für den Angeklagten, der auf
Grund der Beweisaufnahme nicht so innerlich
verdorben sei wie die meisten der Brüder, die
bisher vor Gericht gestanden hätten. Er habe
aus sexueller Not gehandelt, sei verführt wor
den und stände sicherlich nicht in der Anklage
bank, wenn er das Kloster nie gesehen hätte.
Das Urteil lautete wegen fortgesetzter wi
dernatürlicher Unzucht auf fünf Monate Ge
fängnis. Die Strafe ist durch die erlittene Un
tersuchungshaft verbüßt, der Haftbefehl wurde
aufgehoben.
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