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den letzten Jahren gerade eine solche Kunst in
der Vorbereitung von Gesetzen entfaltet zu
haben, daß eine Versammlung etwa in gutem
Glauben ein Gesetz annehmen kann, weil sie
überzeugt ist, daß es in den vorbereitenden
Stadien schon zu seiner Vollendung gelangt
ist. Trotz der Schnelligkeit der Arbeit hat die
Versammlung doch noch manche und große
Veränderungen an den ihr gemachten Vor
lagen vornehmen müssen. Wir beklagen des
halb aufrichtig, daß eine Reihe von Gesetzen,
die im Augenblick noch nicht dringend noth
wendig waren, wie z. B. das über die Buu-
desconsulate, über die Verpflichtung zum Mili
tärdienst, nicht auf eine spätere Session ver
schoben sind, zumal dieselbe so nahe bevor
stehen soll. Fragen wir uns nun, was hat
außer den organischen Gesetzen, die für die
Einrichtung des Bundes gemacht sind, einen
unmittelbaren Werth für das Volk, so fällt
im Verhältniß zu der Masse der Gesetze die
Ausbeute sehr gering aus. Sie beschränkt sich
auf das Paßgesetz, durch welches die arbeiten
den und die ärmeren Klassen jetzt ebenso ge
stellt werden, wie die Wohlhabenderen schon
seit langer Zeit gestellt sind, auf die Ein
führung eines gleichmäßigen Portosatzes für
die Briefe und auf die Aufhebung der Wucher
gesetze. Das letztere Gesetz ist bekanntlich aus
der Initiative des Hauses hervorgegangen.
Das andere vom Hause beschlossene und aus
seiner Initiative 'hervorgegangene, das sog.
Coalitionsgesetz, hat, wie wir aus dem Schwei
gen der Thronrede vermuthen, die Zustimmung
des Bundesraths nicht gefunden. Der Unter
schied zwischen den beiden ist der, daß das ge
nehmigte von der nationalliberalen Partei, das
nicht genehmigte dagegen von der Fortschritts
partei ausgegangen ist. Beide Parteien haben
für das eine wie für das andere gestimmt,
aber der Ursprung des Coalitionsgesetz es scheint
über sein Schicksal entschieden zu haben. Und
doch wäre dies Gesetz eine der wenigen Wohl
thaten gewesen, welche der erste Norddeutsche
Reichstag den arbeitenden Klassen verschafft
hätte. (L. C.)
Berlin. Die bair. Neichsrathskammer und
die württembergische Abgeordnetenkammer haben
endlich die Zollvereinsverträge angenommen.
Wien, 26. Oct. In der gestrigen Sitzung
wurden nach lebhaften, zum Theil stürmischen
Debatten die 7 ersten Paragraphen des Schul
gesetzes angenommen. Die §§ 1 — 3 lauten:
1. Die Leitung und Aufsicht über das ge-
sammte Unterrichts- und Erziehungswesen steht
ausschließlich dem Staate zu und wird durch
die hierzu gesetzlich berufenen Organe aus
geübt. —
2. Unbeschadet dieses Aufsichtsrechtes bleibt
die Besorgung, Leitung und unmittelbare Be
aufsichtigung des Religions-Unterrichtes für
die verschiedenen Glaubensgenossen in den
Volks- und Mittelschulen der betreffenden Kirche
oder Religions-Genossenschaft überlassen. Der
Uutericht in den übrigen Lehrgegenständen in
diesen Schulen ist unabhängig von dem Ein
flüsse jeder Kirche oder Religions-Genossenschaft.
3. Die vom Staate, von einem Laude oder
von Ortsgenieinden ganz oder theilweise ge
gründeten oder erhaltenen Schulen und Er
ziehungsanstalten sind allen Staatsbürgern
ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses zu
gänglich. —
Holstein. Zufolge Rescriptes vom 22. v. M.
hat das Königliche Ministerium der geistlichen
Unterrichts- und Medicinal-Angclegenhciten es gc-
nchmigt, daß bis auf Weiteres dciijenige» Predi
gern, welche sich für den Schleswig-Holsteinischen
Hanptverein der Gnstav-Adolph-Stisinng interes-
streu, gestattet werde, alljährlich am Reforma-
tionsfcste Becken an den Kirchenthürcu zum Besten
der gedachten Stiftung ausstellen zu lassen und
zu Beiträgen für den Verein an dem bezeichneten
Tage von den Kanzeln anfznforderii. Die Ergeb
nisse der Sanimlnngcn sind zufolge desselben
Miiüsterialrescriptes alsbald behufs deren Ver
wendung nach Bestimmung des Ministeriums an
die Königliche Regiermig abzuliefern.
Heiligenhafen, 30. Oct. Der bisherige
Polizei-Anwalt bei dem Amtsgerichte in Preetz,
Herr Wettstein ist als Bürgermeister Hierselbst con-
stitnirt.
— Die Kreisrichter Mordhorst, Vogler und
Groth in Altona, Cartheuser, Maös, Bach-
mann, Schwer und Brodersen in Kiel, Brink
mann, Bähr und Rave in Itzehoe, v. Fischer-
Benzon und v. Ahlefeld in Schleswig, Callsen,
Jasper, Claildius, und Detlefsen in Flensburg
sind zu Kreisgerichtsräthen ernannt.
Kiel, 30. Oct. In der heute hier stattgefnnde-
ncii Wahl der Wahlmännner hat die liberale Partei
trotz aller Anstrengungen der Gegner einen sehr
glänzenden Sieg davon getragen. In den 12 Uc-
wahlkreisen sind 5-l Wahlmänncr der liberalen
Partei und nur 14 Wahlmänner der Regierungs
partei gewählt. Wir haben nicht nur im Allge-
meinen, sondern in allen 3 Classen gesiegt und
zwar in der 1. mit 13 gegen 11, in der 2. mit
17 gegen 3 und in der 3. mit 24 (hier hat
also die Regierungspartei nicht einen einzigen
Wahlmann durchsetzen können.) (K. Z.)
Flensburg, 30. Oct. (Nachrichten.) Die
heute hieselbst abgehaltene Wahl der Wahl
männer für die Abgeordnetenhauswahlen hat
sehr wenig Betheiligung gefunden. Es sind
in mehreren Districten gar keine Stimmen ab
gegeben. Das Militär sowie die dänischge
sinnten Einwohner haben sich gar nicht be
theiligt. Die Wahl in fast sämmtlichen Be
zirken war schon vor Mittag beendigt. Nur
sir einem oder in ein paar Bezirken fanb eine
engere Wahl statt.
Meldorf, 28. October. Der Obergerichts-
advocat Dose hieselbst ist zum Bürgermeister
in Segeberg ernannt.
* Rendsburg, 1. Nov. Den Compagnie-
Exercitien, zu denen vor mehreren Wochen
dieLaudwehrmannschaften herangezogen morden,
folgten in den letzten Tagen die Regiments
exercitien des Lösten Regiments, zu welchen
auch das Füsilierbataillon des genannten Regi
ments am verflossenen Sonnabend von Eckern
förde hier eingerückt war. Heute Vormittag
11 Uhr traf der Höchstcommandirende des 9.
Armeecorps Se. Exellenz Generallieutenant von
Mau sie in, behufs Inspection der Truppen
im Feuer, hier ein. Die Manöver auf dem
sog. Camp wurden mit ausgezeichneter Präcision
zur Zufriedenheit des Höchstcommandirenden
ausgeführt, in dessen glänzender Suite wir
Se. Exc. General-Lieutenant v. Rosenberg-Grus-
zinsky, Generalmajor v. Wrangel, General
major v. Bülow, Generalmajor v. Kaphengst,
Oberst v. d. Osten, Oberst v. Zglinitzky, Ma
jor v. Schlichting, Major v. Scribo, Haupt
mann Vogel v. Falkenstein und noch mehrere
höhere Stabsoffiziere bemerkten. Nach Beendi
gung der Inspection war große Tafel bei dein
Festungs-Commandanten Hrn. Generalmajor v.
Kaphengst. Ihr Absteig quartier hatten die
Herren im Hotel „Stadt Hamburg u. Lübeck"
genommen.
Heute Vormittag hat das Füsilierbataillon
des 85. Regiments seinen Rückmarsch nach
Eckernförde angetreten. Das Offiziercorps und
die Regiments-Musik gaben dem Bataillon das
Geleite.
— Auch ist in Steuerangelegenheiten der
Herr Regierungspräsident Elwanger aus Kiel
hier anwesend.
—, 31. Oct. Die am Mittwoch - Vormittag
stattgehabte Wahl vo» Wahliiiäniier» zum Abge-
ordiieteuhaus verlief unter »»gemein schwacher
Betheiligung.^ Von ca. 2000 'Wahlberechtigten
habe» ca. 170—180 ihre Stimmen abgegeben.
I» Folge dieser äußerst schwachen Betheiligung
seitens der großen Mehrzahl der Bürgerschaft ge
lang es der regierungsfreundlich - con'stitiitioucllen
Partei, die zur Erfüllung ihrer Wahlpflicht auf
den, Kampfplätze sich zahlreich cingefunden hatte,
16 von ihren Candidate» dnrchznbringc». Die
Zahl der demokratischen Candidatcu beträgt 20. Hei
terkeit erregte es, daß in mehreren Fällen die Ur
wähler sich selbst wählten.
Sonstige Wahlresultate liegen folgende vor:
Hadersleben: 20 Deutsche, 14 Dänen.
Apenrade: 9 Deutsche, 10 Dänischgesinnte.
Sonderburg: 14 Dänen, 4 Deutsche.
Tandem: von 640 Wählern hatten 124 ge
stimmt, die Dänischgesülnten enthielten sich
der Wahl.
Tönning: 10 Liberale, 2 Nationale.
Husum: 16 Liberale, 2 regierungsfreundlich.
Schleswig: In der 3. Abtheilung siegten die
Radicalen, in der 2. Classe die Nationalen.
Heide: von 24 Wahlmännern 21 liberale.
Wesselburen: 5 Liberale, 1 zweifelhaft.
Lunden: 13 Liberale, 2 zur Regierungspartei
gehörend.
Elmshorn: 12 Liberale, 9 der Regierungspartei
angehörig.
Ploen: von 9 Wahlmünnern 6 liberal.
Nortorf: vorherrschend liberal.
Meldorf: 8 Liberale, 4 Gegner.
Neumttnster: 17 Conservative, 13 Liberale.
Amt Neumünster: 10 Liberale, 1 regierungs
freundlich.
Glückstadt: von 21 Wahlmännern 15 liberale.
Crempe: liberal.
Brunsbüttel und Umgegend: liberal.
Altona: von 216 Wahlmännern 114 liberal
(Freihafenpartei).
Im südliche» Schleswig war die Betheiligung
an den Wahlen gleichsaÜs eine äußerst geringe.
So wurde» in dem Wahlbezirk Nübbcl-Elsdorf
17 (Stimmen abgegeben, in Duvenstedt mußten
die Wahlvorsteher, da Niemand zum Wählen er
schien, unverrichteter Sache nach Hanse gehen. In
Eckernsördc waren von 1100 Wählern 60 erschiene».
Wien, 31. October. (H. N.) Der Kaiser
begiebt sich morgen nach Compiegne. Seine
Ankunft hier erfolgt am 7. November. Der
Besuch in Stuttgart steht fest, Besuche in Karls
ruhe und München sind wahrscheinlich. Von
einem Besuche beim Berliner Hofe ist keine
Rede, auch keine Einladung dazu ergangen.—
Frh. v. Beust geht morgen nach London und
trifft mit dem Kaiser erst wieder in München
zusammen.
Paris, den 29. October. Der „Moniteur"
meldet: Dem Banket im Stadthause wohnten
beide Kaiser, die Kaiserin, die österreichischen
Erzherzöge, die Königin von Holland, der
König von Baiern, Ludwig der Erste, bei. —
Napoleon brachte folgenden Toast aus: „Ich
trinke auf die Gesundheit des Kaisers von
Oesterreich und der Kaiserin Elisabeth, deren
Abwesenheit wir lebhaft bedauern. Ich bitte
Sie, diesen Toast annehmen zu wollen als
den Ausdruck unserer tiefgefühlten Sympathien
für Ihre Person, Ihre Familie und Ihr Land/s
— Der Kaiser von Oesterreich erwiderte: „Bei
dem kürzlichen Besuche der Gruft meiner Ahnen
in Nancy dachte ich daran, ob wir nicht in
diese Gruft alle Uneinigkeiten versenken könnten,
welche beide Länder, welche berufen sind, zu-
smnmen die Wege des Fortschrittes und der
Civilisation zu wandeln, getrennt haben. Soll
ten wir nicht durch unsere Einigung dem Frie
den, ohne welchen das Gedeihen der Völker
unmöglich ist, ein neues Unterpfand bieten
können?"
„Ich danke der Stadt Paris für den mir
bereiteten Empfang, denn die Beziehungen der
Freundschaft und des guten Einvernehmens
zwischen den Souoerainen haben heutzutage
doppelten Werth, weil sie sich stützen auf die
Sympathien und die Bestrebungen der Völker.
Ich trinke die Gesundheit des Kaisers, der
Kaiserin, des kaiserlichen Prinzen, Frankreichs
und der Stadt Paris."
Paris, den 29. October, Abends. Die
„France", den Trinkspruch des Kaisers von
Oesterreich besprechend, bemerkt: Oesterreich und
Frankreich repräsentiren die Bedingungen des
dauerhaften Friedens, gegründet auf das Gleich
gewicht der Mächte und die Unabhängigkeit
der Völker. Ein Frieden, welcher den unbe
rechtigten Ehrgeiz triumphiren ließe, wäre des
Zeitalters unwürdig. Eine wahrhafte Frie
denspolitik giebt den Völkern wie den Regie
rungen eine Garantie gegen Drohung und Un
terdrückung. Diese Politik legte der Kaiser
von Oesterreich unter allgemeinem Beifall dar.
Die öffentliche Meinung wird darin den Aus
druck ihrer eigenen Ideen und Hoffnungen
finden.
Der „Etendard" spricht sich gleichfalls höchst
beifällig über den Trinkspruch aus.
ParK, 31. October. Die „Liberte" sagt!
Frankreich drückte Preußen seine Erkenntlich-
kett aus für seine Haltung in der Kirchenstaats
frage, welche mächtig zur Erhaltung des Frie
dens beigetragen habe. Die Mehrzahl der
Mächte nahm das Conferenzprojekt günstig ans,
nur der Papst weigert sich. Die Conferenz
würde daher ohne den Papst stattfinden.
Florenz. Am 22. subr Garibaldi Nachts gegen
die römische Grenze, übernahm Donnerstag den
Befehl über die Legion Menoili's und ließ sie
gleich vorwärts marschire», in der Stärke vo»
etwa 3500 Man». Am 24. früh stieß er in
Monterotondo auf eine starke Coloniie päpstlicher
Truppen, die sich auf jener Anhöhe verschanzt hat
ten, und die mit Anillcrie versehen die Garibal-
dianer festen Fuße« erwartet,n. Garibaldi ließ
zun, Angriffe blasen und schlug die Päpstlichen
aufs Haupt, nahm ihnen drei Kanonen weg und
machte eine Zahl Gefangene. Durch ein kühnes
taktisches Manöver hatte er die Feinde umzingelt,
so daß sie sich nicht mehr wehren konnten
»nd in wilder Flucht unter Zurücklaffung von
Waffen und Munition ihr Heil suchen mußten.
Garibaldi ließ verfolgen, aber bei Torrctlo konn
ten sich die Zuaven wieder sammeln und aus Rom
in vergangener Nacht Verstärkung erhalten. Am
25. früh griff sie der Jnsurgentengeneral wieder
an und sprengte sie wieder auseinander. Von den
Insurgenten wurden einige Führer schwer verwun
det und getödtct; darunter der Major Salomone.
Major Mosto ist schwer verwundet. Der Weg
nach Rom war damit geöffnet und am 27. Mit
tags langte Garibaldi vor Rom an. Letzteres ver
sichern der .Italic' zufolge, auch Reisende, die
von der Grenze eingetroffen sind. Au deinselbe»
Schärliu verwandt, empfing von ihr auch seinen
Morgenkaffee und aß zweimal wöchentlich am Tische
seiner Wirthin.
Fritz Sölger war bereits 21 Jahre alt und
konnte erst im nächsten Semester daran denken,
sein Abiturienten-Examen zu machen.
Er war verwaist, voter- und mutterlos seit
seinem zwölften Jahre, hatte im fünfzehnten be
reits als Apothekerlchrling sein selbstverdientes
Brot gegessen und dann vom brennenden Trieb
zum Studium hingerissen, sich eine jener ärmli
chen Existenzen gegründet, wo der Schüler durch
Lehren sich das dürftige Brot schafft, um selbst
lernen zu können. Fünf Freitische machten es ihm
möglich, alle Tage in der Woche Mittag esse» zu
können, den» am Sonnabend ließ er sich sein Essen
aus einer billige» Restauration holen und Sonn
tags lud ihn Tante Schärliu jedesmal ein, ihr
Gast bei dem kleinen Brate» zu sein, den» Beru-
hardine so wohlschmeckend zuzubereiten wußte. —•
Das war ein Festtag für den einsam lebenden
Jüngling. Im Zimmer der Tante war cs im
Winter so gemüthlich warm. Die Ofenröhre lag
schon, wenn er eintrat, voll schöner Borstorfer
Aepfel, die gebraten und mit Zucker genossen später
ein angeiiehines Dessert bildeten, zu dem Frau
Schärliu noch schöne Haselnüsse und Honig zu
fügen pflegte. Dann trank man vortrefflichen
Kaffee und plauderte so fröhlich und so herzlich
miteinander, und war die gütige Wirthin wohl
genug, so blieb Fritz auch Abends bei den Da
men und las ihnen beim Lampenlichte vor.
Diese Lescabende waren nun besonders Bern-
hardinen's Freude. Das junge vielbeschäftigte
Mädchen hatte nicht Zeit, ihren Geist durch fleißi
ges Lesen zu nähren. Romane kannte sie gar nicht,
die Mutter liebte eine solche Lrctüre nicht, und
die Bücher, welche diese ihr in die Hand gab,
waren zwar alle nützlich aber kaum sehr unterhal
tend für ein junges Mädchrn.
Meistens waren cs Reisebcschrcibcruugen.
»Du wirst mit eigenen Augen wenig von Got
tes großer und schöner Welt sehen,' pflegte Frau
Schärliu zu ihrer Tochter zu sagen, .lerne sie denn
durch die Worte Anderer kennen,' und so las
Becnhardine für sich allein die Nordpolexpeditio-
neu des Capitaiu Roß und die Schilderungen der
Sahara, sie war mit Io Vaillant am Eap der
guten Hoffnung und mit Cook auf O'Tahiti.
Manchmal war das ganz hübsch, aber schöner
war es doch, wenn der junge Sölger mit seiner
klangvollen Stimme die Dramen Schiller's vor
las, und manches Thräuchen floß aus den Augen
des junge» Mädchens, dem Abschiede von Max
Piccolomini, und dem Tode der Gattin Fiesco's.
^ Sölger, der selbst einen natürliche» Sinn für
Poesie hatte, fand eine besondere Freude daran,
für seine Frenndinnen die Odyssee zu übersetzen,
und sie so in die ferne Vergangenheit des Men
schengeschlechtes zurückzuführen. Das waren ge-
nußreiche Stunden für alle Drei und Bcrnhardine
freute sich im Winter noch mehr als im Sommer
ans den Sonntag, obgleich auch die Soniniersouu-
tagc ihren Reiz hatten, denn Frau Schärliu brachte
dieselben mit ihrer Tochter und bisweilen auch von
Fritz begleitet meist an der sechsten Schleuse zu.
Der Herr Präsident batte der kränklichen Wittwe
für jeden Sonntagnachmittag seinen Wagen zur
Disposition gestellt, und wie heiter genossen Mut
ter und Tochter das sonst so kostspielige Vergnü
gen einer Spazierfahrt i» der schönen Sommerluft!
Wahrlich, die verwaiste, von allen jugendlichen
Be rgnügunge» ausgeschlossene Bernhardiue Schär-
lin war glücklicher, als es viele Töchter reicher
Eltern sind,, die, vo» einer Zerstreuung zur andern
eilend, den Frieden der Häuslichkeit, das echte
Glück heiterer Arbeitsamkeit nicht kennen.
Als der junge Sölger nach glücklich vollendetem
Abiturienten-Examen zur Universität abging, war
Bernhardine siebcnzehn Jahre, ei» sanftes, fleißi
ges Mädchen, nicht gerade schön, aber von ange
nehmem Aeußercn und gewinnendem Wesen.
Der Abschied vo» ihrem Jugendfreunde war
gleichsam der Wendepunkt ihres Lebens An dem
selben Tage ward die immer kränkelnde Mutter
ernstlich krank und mußte sich legen, Bcrnhardine
pflegte sie mit aller Liebe und Ausdauer. Olden
dorf, seit dem Tode des Vaters fast ein väterli
cher Freund Bcrnhatdinen's und stets voll Auf
merksamkeit für die kränkelnde Wittwe, that was
möglich war, das sinkende Leben zu stütze», aber
sie selbst fühlte, daß ihre Tage gezählt seien, und
wie herzlich und ernstlich auch ihr Vertrauen auf
Ihn war, der der rechte Vater ist über alles was
Kinder heißt, im Himmel und auf Erden, so lag
doch große Angst auf ihrem Mutterherzcn. Nicht
sowohl wegen Vernhardinen's Zukunft, sie ver-
traute aufi ®ott,_ der dem Fleißige» Brot gibt,
aber sie fühlte sich belastet von dem Geheimniß,
das sie dem jungen Mädchen nach dem Wunsche
des sterbenden Vaters »och immer nicht mitge
theilt hatte. Durfte sie cs ihr auch jetzt verschwei
gen. d urfte sie das sieben zehnjährige Mädchen in
Unwissenheit darüber lassen, daß sie ganz in der
Nähe eine Verwandte besaß, die gewiß die na
türliche Berpflichtung, vielleicht, wahrscheinlich so
gar, auch die Liebe und den guten Willen haben
mochte, die verwaiste Jugend der einzigen Toch
ter ihres Sohnes zu schützen?
Sie kannte die Verhältnisse, die einst dem Fehl
tritte der Frau vorangegangen waren, die, jetzt
eine Matrone nnd in sehr'glänzenden Verhältnissen
lebend, sich allgemeiner Achtung erfreuen konnte,
nicht. Hatte sie das Recht, de» schwer errungenen
Frieden ihres Greiscnalters zu stören und anS
Rücksichten auf ihr Kind in jenem Familienkreise
Erinnerungen an eine Vergangenheit anszufrischc»,
die jedenfalls traurig waren?
Würde ihr theurer verstorbener Gatte, dem sie
nun bald für ewig vereint zu finden hoffen durfte, sol
chen Schritt billige» ? Würde er ihn für nothwendig
wendig und seiner jugendlichenTochter heilsam halten?
Alle diese Frage» bewegten die Kranke mit gro
ßer Unruhe in ihrem Herzen, und die liebevolle
Tochter erkannte wohl, das ihre Mutter von Ge
danken gequält wurde, die sie ihr nicht mitzutheilen
wagte, aber sie hielt es für Unrecht, diese Unruhe
durch Fragen vielleicht noch zu vermehren und
suchte nur die geliebte Mutter, die offenbar auch
Sorgen für die Zukunft der Tochter hatte, nach
Kräften zit beruhigen. (Forts, folg.)
Vacant:
Eleinentarlehrerstelle i» Hohenaspe. Gehalt 375 Ķ
Elemcntarlehrerstclle in Garding. Gehalt 700 f re ie
Wohnung, Garte» und 75 $ Feuerungsgeld.
Die Stege eines Küsters und Lehrers an der Mittcl-
knabenktaffe in Garding. Freie Wohnung und Feue
rung nnd 800 Ŗ Gehalt.
Das Rectorat in Preetz. Freie Dieustwohnuna und Gar
te», Gehalt 1500 Ŗ Cour., IG Fade» Holz
Obereleinentarktasseiilehrer-Stelle zu Preetz. Gehalt 600 M,
FeuecungSgeld 90 $.