der Vogel- und Kleinkierwelt vorgegangen
werden. Allerdings dürfen die Tiere nicht
getötet werden, sondern können lediglich ge
fangen und in „Sicherungsverwahrung" ge
nommen werden, bis sie der Eigentümer aus
gelöst oder die Ortspolizeibehörde über ihr
Schicksal entscheidet. Auch ist es untersagt, in
Hausgärten oder unmittelbarer Nachbarschaft
bewohnter Gebäude Katzen durch Köder anzu
locken.
In der Nähe von Großstädten und in Indu
striegebieten ist in Zukunft der Fang von
Stubenvögeln grundsätzlich nicht mehr gestat
tet. Dagegen kann eine beschränkte An
zahl gefiederter Hausgenossen von eigens zu
diesem Zweck von den höheren Naturschutz
behörden aufgestellten, zuverlässigen Leuten
in bestimmten Landbezirken nach wie vor ge
fangen werden. Sämtliche Stubenvögel müs
sen ferner in Zukunst beringt sein. Bei noch
im Handel befindlichen oder frisch gefangenen
Stubenvögeln hat dies unverzüglich mit dem
amtlich vorgeschriebenen Fußring zu erfolgen,
während bei in Privatbesitz befindlichen die
Beringung erst bis zum 1. Januar 1938 been
det sein muß. Bei ausländischen Vögeln ist
dagegen eine Kennzeichnung nicht erforderlich.
Zuwiderhandlungen werden mit Haft- oder
Geldstrafe bis zu 150 Mark geahndet, an deren
Stelle in besonders schweren Fällen sogar
Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren treten
können.
münde und zurück ohne Betriebsaufenthalt
durchfahren zu können. Die von der Firma
H e n s ch e l u. Sohn A.-G. in Kassel erbaute
Schncllzugtenderlokomotive wird den Anforde
rungen in jeder Hinsicht gerecht.
„H-L-Schnellverkehr" steht in metallenen
Buchstaben an dem doppelstöckigen strom
linienförmigen Eisenbahnzug, der am Diens
tag mit zweihundert Vertretern der Reichs-
Ministerien, der Behörden und Parteistellen,
der Reichsbahnhauptverwaltung, der Ver
waltung, der Lübeck-Büchener Eisenbahn, der
Baufirma, öer Presse, des Rundfunks und des
Films seine Jungfernfahrt von Hamburg
über Lübeck nach Travemünde antrat. Die neue
Zugart erregte auf dem Hamburger Haupt-
bahnhof das gleiche Aufsehen wie seinerzeit
der „Fliegende Hamburger" und vor wenigen
Wochen die Stromlinien-Schnelldampfzüge
öer Deutschen Reichsbahn. Die mit grauem
Eisenblech stromlinienförmig eingekleidete
Lokomotive hat bereits ihren Spitznamen be
kommen: „Mickymaus" ist sie in der Werk
statt von den Arbeitern getauft worden.
Eigenartig berührt ist man zunächst von
dem äußeren Anblick der Personenwagen.
Die breiten Fenster der unteren Abteile rei
chen bis auf den Bahnsteig herab, die Fenster
des Obergeschosses bis in das runde Wagen
dach hinauf. In Paris und Kopenhagen lau
fen solche doppelstöckigen Wagen schon im
Vorortsverkehr. Der Zug verließ den Ham
burger Hauptbahnhof um 12 Uhr 33. Er ent
wickelte sehr bald eine Geschwindigkeit von
100 Stundenkilometer und steigerte sie vor
übergehend auf 120 Kilometer. Auf allen Sta
tionen erregte das neueste Werk deutscher Ei
senbahntechnik Aufsehen. Trotz der àhnellig-
keit fährt der Zug bemerkenswert ruhig und
stoßfrei.
Hamburg-Lüöeck-Travemünde
Die Lübeck-Büchener Eisenbahn hat für den
Schnellverkehr zwischen Hamburg—Lübeck-
Travemünde eine neuartige Zugeinheit ge
schaffen, um dem auf dieser Strecke ständig zu
nehmenden Personenverkehr gerecht werden
zu können, und zwar handelt es sich um einen
doppelstöckigen Stromliuienzug. Der Doppel
wagen, der über die Puffer 46,14 Meter mißt,
enthält 258 Sitzplätze dritter Klasse sowie 42
Sitzplätze zweiter Klasse. Durch vier Schiebe
türen, die zwei Reisenden gleichzeitig das Ein
steigen gestattet, betritt man eine Plattform,
die soweit abgesenkt ist, daß man vom Bahn
steig bequem einsteigen kann. Bon der Platt
form führt an beiden Seiten je eine Treppe
mit vier bequemen Stufen in das untere Stock
werk, in der Mitte eine Treppe von doppelter
Breite mit sieben Stufen in das obere Stock
werk. Die Räume sind in beiden Stockwerken
1,92 Meter hoch, so daß auch große Menschen
aufrecht stehen können. Die gepolsterten Bänke
in der dritten Klasse mit fünf Sitzen in einer
Reihe bieten angenehme Sitzplätze. Die Bänke
haben Klapplehnen, so daß man sowohl hinter
einander in der Fahrtrichtung, als auch ein
ander gegenüber sitzen kann. Die zweite Klasse
mit einer Abteilbreite von 2,30 Meter hat in
einer Reihe vier Rollsitze in der in Eisen
bahnwagen sonst üblichen Anordnung. In der
dritten Klasse kann Kleingepäck in beschränk
tem Umfang untergebracht werden. Der Wa
gen hat jedoch außerdem ein Gepäckabteil, das
bis unter die Decke ausgenutzt werden kann.
Das Handgepäck wird am Wagen wie in einer
Garderobe an einen Pagen abgegeben und
kostenlos befördert.
Auch die Lüftung wurde neu geregelt. Die
Fenster können nicht geöffnet werden, da es
erfahrungsgemäß nicht möglich ist, bei schneller
Fahrt große Räume durch Oeffnen der Fenster
zu lüften. Durch Einlaßschieber in den Fen
stersäulen wird jetzt unter Zusatz von Frisch
luft dauernd Luft eingepreßt, so daß die Lust
im Wagen sich innerhalb einer Stunde zwölf
mal erneuert. Im Sommer wird gekühlte Luft
aus besonderen Anlagen eingepumpt. Im
Winter werden die Wagen geheizt, indem die
eingepreßte Luft an einem Wärmeaustauscher
vorbeigeleitet wird. Großer Wert wurde auf
gute Beleuchtung gelegt, um den Fahrgästen
das Lesen angenehm zu machen. Es wurden
über jeder Sitzreihe zwei Lampen angebracht.
Der Lokomotivbau mußte eine den besonde
ren Verhältnissen angepaßte Schnellzugloko
motive entwickeln, die im Vorwärts- und
Rückwärtsgang eine Wageneinheit mit 120
Stundenkilometer, zwei Einheiten mit 90
Stundenkilometer befördert. Die Lokomotive
führt für 180 Kilometer Wasser mit sich, um
gegebenenfalls die Strecke Hamburg—Trave-
ĶrrrZs Post
In Rangstorf bei Berlin fand das Richtfest
eines Sportflughafens statt, der im Juli schon
den Sportfliegern aus aller Welt aus Anlaß
der Olympischen Spiele zur Verfügung stehen
soll.
Auf der Strecke Ingolstadt—Augsburg wur
de ein Auto vom Zuge überfahre«. Die Auto
insassen, der Arzt Dr. Ruetten aus Schroben:
hausen und seine zehnjährige Tochter, wurden
getötet.
Beim Zusammenstoß eines Personenkraft
wagens mit einem Fernlastzug an einer Stra
ßenkreuzung in Chemnitz wurden zwei Bei
fahrer des Lastzuges getötet. Bon zwei schwer
verletzten Insassen des Personenkraftwagens
stqxb einer im Krankenhaus. -
In Berlin wurde ein 27 Jahre alter Wer
ner T., der den Namen seiner Mutter als
Deckmantel für Betrügereien mißbraucht hat,
zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt.
U. a. hatte der Angeklagte seine Mutter „ster
ben" lassen, um durch diese Vorspiegelung eine
Freundin zur Hergäbe von „Beerdigungsko
sten" zu veranlassen.
um
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