Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

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Sbli-Meädeiherg, ®u ‘Feine. 
Von HansThielmann. 
iv. 
Hebbel und Heidelberg. 
Die Zeit der Romantik war längst verklun 
gen, als eine neue Aera der Dichtung über 
Europa flutete. Das Lebensgefühl der Roman 
tik wich dem des Realismus. Vom Norden 
wurde die Dichtung der Zeit von Ibsen be 
stimmt,' erster Vertreter in Deutschland war 
Hebbel. Wie würde sich die Natur Heidel 
bergs auf ihn, dem Erkenntnis des Tragischen 
notwendige Weltanschauung schon in Wessel 
buren war, auswirken? Er war schon am 
Abend der Ankunft (2. April 1836) so ergriffen 
von der Erhabenheit der Natur, von dem 
wuchtenden Bergmassiv des „Heiligen Berges" 
sauf dem heute Deutschlands schönste und ne 
ben der des Reichssportfeldes größte Thing 
stätte liegt), daß er sofort in seine nordische 
Heimat, beglückt von der südlichen Schönheit, 
schrieb: „daß die Mandelbäume blühen". In 
seinem „Nachtlied" spricht er von der „Unend 
lichen Melodie — quellende, schwellende Nacht 
— voll von Lichtern und Sternen" — von 
einer „Vergessenheit und Heiligtrunkenem". 
Es ist unverkennbar, daß der Dichter des 
Realismus von der romantischen Kraft dieser 
Stätte gänzlich umwoben wurde, wie die 
Realität seines Werkes von einer nur in Hei 
delberg erschauten Farbenpracht prangte. Die 
Schilderung eines Sonnenunterganges mag 
als Beispiel angeführt sein: „. . . violettblau 
der Himmel, schwärzlichblau das kaum zuvor 
erleuchtete Gewässer des Teiches — blaßrot, 
mildes Gelb, reinstes Violett, immer mehr zu 
dunkelndes Rot". Als er, der rasch ausneh 
mende Dichter, diese Natur in sich aufgesogen 
hatte, und die Schilderung Heidelbergs im 
Werk eine dem Wirklichkeitssinn entsprechen 
de Lösung gefunden hatte, konnte die Stadt 
ihm nichts Neues mehr bieten. Im September 
reiste er weiter südwärts. Er suchte „eine 
äußere Umgebung, die mich mehr anregt, als 
das, seiner schönen Natur ungeachtet, grenzen 
los langweilige Heidelberg" — und hoffte 
diese in München zu finden. 
Joseph Victor v. Schessel, 
der Sänger Heidelbergs 
Er, dessen Denkmal vor der Terrasse hinter 
den Schloßruinen in die blühende, offene 
Rheinebene schaut, wurde der Sänger der 
alten Universitätsstadt, dessen Lied „Alt-Hei 
delberg, du Feine . . ." durch die ganze Welt 
hallte. Bier Jahre weilte er dort, wurde aktiv, 
fröhlicher Kumpan der noch heute innerhalb 
des N.S.D.St.B. (nationalsozialistischer Stu 
dentenbund) als Kameradschaft bestehenden 
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Manz, 
München. 
44) Nachdruck verboten. 
Längst hat es Monika aufgegeben, ihrem 
Mann wegen seines Lebenswandels Vorwürfe 
zu machen. Still trügt sie ihr Leid und fügt 
sich in das Unabänderliche. 
Zu Monikas Ueberraschung kommt Rudolf 
an diesem Abend frühzeitig nach Hause. Er ist 
freundlich und von besonderer Aufmerksam 
keit zu Monika. Sie wappnet sich im stillen, 
denn sie weiß, daß sich dahinter irgendeine 
Bosheit verbirgt. 
Das Essen verläuft, ohne daß etwas vor 
fällt. Aber dann, als Rudolf die Serviette 
zusammenfaltet, zeigt er jenes Lächeln, das sie 
so haßt an ihm. Sich zurücklehnend, greift er 
nach der Zigarettenschachtel, die auf dem 
Rauchtisch liegt, zündet sich umständlich eine 
Zigarette an und sagt: 
„Heute habe ich eine Nachricht für dich, die 
dich sicher sehr freuen wird. Uebrigens herz 
liche Grüße vom Vater!" 
„Hat er geschrieben?" fragt Monika ruhig. 
Aber ihre Hände zittern ein wenig, als sie 
das Geschirr zusammenräumt. 
„Ja, heute hat er geschrieben. Der alte Herr 
fühlt sich sehr wohl bei seiner Gemsjägerei. 
Nächste Woche soll große Treibjagd sein. Dazu 
hat er uns beide eingeladen." 
„Was heißt uns? Ich gehe doch nicht auf 
die Jagd." 
„Doch, doch, mein Mädchen, das wirst du 
tun. Du läufst auch Ski und treibst noch an 
deren Sport. Und außerdem, der alte Herr 
will es so." Rudolf zieht einen Brief aus sei 
ner Rocktasche und liest ein paar Sätze vor. 
„... Besonders freue ich mich auf Monika. 
Sie soll sich einen Lodenanzug machen lassen, 
dann muß sie mit mir auf den Hochstand. Das 
wird ihr sicherlich Freude machen, denke ich.." 
Rudolf faltet den Brief wieder zusammen. 
„Also, siehst du, es ist kein Humbug. Tu 
wirst dem Vater schon seinen Wunsch erfüllen 
müssen." 
„Wenn er e§ durchaus haben will, dann mei 
netwegen!" 
„Sehr erfreut scheinst du allerdings nicht 
darüber zu sein", sagte Rudolf spitz. 
„Wenn ich ehrlich sein will, dann muß ich 
schon sagen, daß ich lieber zu Hause bliebe." 
Rudolf lächelte boshaft. 
„Wie du dich verstellen kannst. Meinst du, 
ich weiß es nicht, wie es dich drängt, den Zagg- 
ler Toni wieder zu sehen?" 
Ein Zucken fliegt über die Stirne der jun- 
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Burschenschaft Frankonia, absolvierte dort 
seine juristischen Studien und promovierte 
1849. Weltflucht war ihm zuwider. Bei aller 
Fröhlichkeit der jungen Burschenschafter 
immer bewußter Patriot, der als Sekretär der 
„Vertrauensmänner des deutschen Volkes" 
zum Frankfurter Parlament geschickt wurde. 
Was die Wirklichkeit ihm versagte, holte er 
sich in den Quellen der Geschichte — und so 
entstand sein „Ekkehard", aufgebaut auf gründ 
lichen Studien, die er durch Quellenforschung 
der Universität betrieben hatte. Er ist einer 
der deutschesten und bekanntesten Romane ge 
schichtlichen Charakters. Es sind nicht nur die 
Heidelberg-Lieder, ist nicht nur der Ekkehard- 
Roman, die ihn bekannt und der ganzen Welt 
zugänglich gemacht haben. Wie viele in harm 
losem Uebermut schäumende Zech- und Stu 
dentenlieder von ihm sind in die Sammlung 
„Gaudeamus igitur" aufgenommen worden. 
Mochten Krankheitskeime an den Kräften sei 
nes Körpers zehren, immer, wenn er Heidel 
bergs Boden betrat, gesundete er an Körper 
und Seele. In seinem Leben gab es, wie er 
in des „Rodensteiners Ritt zum Mond" froh 
lockt — „im Himmel und auf Erd' — Halt 
nur ein Heidelberg." 
Ruperto Carola — und ihre Studenten 
Man fährt wie durch eine Passage einer 
Weltstadt, wenn man am Bahnhof die Straßen 
bahn besteigt, um zur Universität zu kommen, 
— so eng ist die Hauptstraße, eine der wenigen 
größeren Straßen, die durch die Altstadt sich 
hin bis zum Karls-Tor ziehen. Inmitten 
enger, verwinkelter Gassen öffnet sich ein gro 
ßer freier Platz, um den die Universitätsge- 
büude, Bibliothek und Institute gruppiert sind. 
Zur Linken die alte ehrwürdige Alma mater, 
heute zum größten Teil nur noch Sekretariats- 
nnd Geschäftsräume der Studentenschaft ber 
gend, ihr frontal gegenüber die neue Univer 
sität, eine Stiftung des früheren amerikani 
schen Botschafters Jacob Gould Schurman. 
Man kaun von diesem Gebäude, daß rechteckig 
um den Jnnenhof den Hexenturm (heute 
Denkmal der gefallenen Studenten) ein 
schließt, nicht behaupten, daß trotz der statt 
lichen Raumverhältnisse hier ein Kunstwerk 
neuzeitlicher Baukunst entstanden wäre. Der 
Fremde, besonders aber der Ausländer, ist 
meist beim Anblick dieses riesigen Gebäude- 
komplexes entsetzt. Umso rascher aber hellen sich 
seine Mienen auf, wenn er die Jnnenräume 
der Schmiede deutschen Geistes betritt. 
(Fortsetzung folgt.) 
Tom Zaggler / 
Hochlandsromar» von Hans Ernst 
gen Frau. Sie hat eine heftige Entgegnung 
auf der Zunge. Aber sie preßt die Lippen zu 
sammen und wendet sich zum Fenster. 
„Dein Schweigen gibt mir die Antwort auf 
meine Frage", sagt Rudolf, hinter sie tretend. 
Sie sieht ihn mit einem großen, kühlen 
Blick an. 
„Früher hast du mich gequält mit deiner 
Liebe, und heute quälst du mich mit deinen 
Bosheiten. Was mit dem Toni gewesen ist, das 
war vorbei in der Stund, als ich dein Weib 
geworden bin." 
„Warum hast du dann immer noch sein Bild 
versteckt im Wäscheschrank? Und dieses Kreuz 
da an deinem Hals ist auch von ihm. Trag 
es nur, trag es immerhin! Ich will aber auch 
nicht, daß du mir nachspionierst. Du bist meine 
Frau geworden, aber dein Herz blieb dem 
andern. Es ist möglich, sogar sehr wahrschein 
lich, daß ich mich nicht genug bemüht habe, 
dein Herz zu gewinnen." 
Rudolf verschränkt die Hände hinter dem 
Rücken und geht im Zimmer auf und ab. 
„Wir sind uns gleichgültig geworden, Mo 
nika. Wir haben aneinander keinen Teil mehr. 
Jehes lebt für sich, mit seinen eigenen Ge 
danken, mit seinen eigenen Wünschen. Wir 
hätten nicht heiraten dürfen. Aber damals 
habe ich dich geliebt. Es lebt sich aber auch so 
ganz schön —" 
Er blickt auf die Uhr an seinem Handgelenk. 
„Donnerwetter! So spät schon. Ich muß ja 
noch in den Klub. Entschuldige, Monika, und 
laß dir die Zeit nicht lang werden." 
Einen Schlager pfeifend, eilt er aus dem 
Zimmer. Gleich darauf hört man den Motor 
anspringen, und der Wagen führt aus dem 
Hof. 
Monika atmet schwer. Sie weiß, daß das mit 
dem Klub eine Lüge war. 
Langsam geht sie durch alle Räume des Hau 
ses. Reich und kostbar ist hier alles, aber tot 
und fremd. Zu keinem Ding findet sie ein in 
neres Verhältnis. 
„Ich hab mich verkauft", redet sie sich selbst 
zu. „Ich hab mich selber verkauft, aus Feig 
heit, aus Trotz gegen den Toni, aus Angst vor 
dem Ruin des Brandlhofes. Ich hab's getan — 
und muß mein Leben tragen . . ." 
Eine wilde Qual erfaßt sie, weil sie kein 
Ziel nnü kein Ende sieht. Jahre, Jahrzehnte, 
ein Leben lang soll das noch dauern. Es gibt 
kein Zurück mehr in die Zeit, die voll gewesen 
war von Glück nnd Sonnenschein. Wille und 
Kraft, Glaube und Vertrauen hätte sie da 
mals haben müssen, dann hätte sie niemals 
Wußten Sie schon,.. ♦ 
daß amerikanische Gehirnspezialisten festge 
stellt haben, daß vom 30. Lebensjahr ab inso 
fern eine Gehirnschrumpfung eintritt, als die 
Gehirnmasse von diesem Zeitpunkt ab an Ge 
wicht verliert? Das soll nicht bedeuten, daß die 
Qualität dadurch beeinträchtigt würde. 
vor 
daß südamerikanische Indianer lange 
den Europäern Giftgas in der Form ange 
wandt haben, daß sie spanischen Pfeffer auf den 
Wällen der belagerten Dörfer verbrannten 
und so die Gegner blendeten oder schwere Au 
genentzündungen bei ihnen hervorriefen? 
sonniger Morgen, als er seine Zelle verließ, 
worüber er sich sehr freute und meinte, der 
Tag sei so schön, als habe er sich denselben zu 
seiner Hinrichtung ausgewählt. 
Plötzlich hörte er helle Glockentöne und 
fragte Miromon, den zweiten Todeskandida 
ten: „Sind das die Totenglocken?" 
Und jener antwortete achselzuckend mit ge 
lassenem Lächeln: „Darüber kann ich Ihnen 
leider keine Auskunft geben, Sirei denn es ist 
das erste Mal, daß ich hingerichtet werde!" 
Deutlich. 
daß der berühmte Grizzlybär in den USA. 
auszusterben scheint? Man hat in 2 Jahren 
eine Abnahme seiner Kopfzahl um 25 vH fest 
gestellt. 
Anekdote« 
Als der Kaiser Maximilian von Mexiko zur 
Stätte der Exekution des über ihn verhängten 
Todesurteiles geführt wurde, war ein recht 
Die „Weiße Dame", die zu nächtlicher Stun 
de im Berliner Schloß umgehen soll, bildete 
eines Abends an der Tafelrunde Friedrichs 
des Großen das Tischgespräch. Auch Voltaire 
war zugegen. Er hörte zu, beteiligte sich aber 
zunächst nicht an der Unterhaltung,' schließlich 
meinte er, diese Frau sei ihm so unheimlich, 
daß er ihr nicht begegnen möchte. Darauf der 
König: „Sie irren, mein Lieber. Die Weiße 
Dame ist die harmloseste aller Frauen. Ich 
wünschte, daß auch die übrigen nur des Nachts 
einige Stunden lustwandelten und uns tags 
über in Ruhe ließen." 
Ein Brief Hebbels aus Heidelberg 
an den Kirchspiel schreiber in Wesielburen 
An den Kirchspielschreibcr V o ß 
in Wesselburen. 
Heidelberg, den 14. Juli 1836. 
Wertester Herr Kirchspielschreiber! 
...Ich bin gegenwärtig Student und in 
Heidelberg. Letzteres mit ganzer, ersteres mit 
halber Seele. Die toten Wellen des akademi 
schen Lebens rollen an mir wie an einem Fels 
block vorüber und reißen mich selten mit sich 
fort. Dies ist so wenig mein Verdienst als mei 
ne Schuld. Ich habe viel zu tun,' aber es gibt 
immer Stunden, worin sich an geistige Arbei 
ten nicht denken läßt, und diese benutze ich red 
lichst zur Aufnahme und Genuß alles dessen, 
was hier in so reichem Maße die Umgebung 
beut. Ich sage absichtlich: die Umgebung, denn 
die Natur, so schön sie ist, tuts nicht allein,' 
Heidelberg könnte eher einen Berg, als das 
Schloß entbehren. Die Stadt liegt ganz eigen 
tümlich am Neckar, einem kleinen, munteren 
Fluß, zwischen zwei bedeutenden Bergreihen, 
harmlos und freundlich, wie es sich bei einer 
so gigantischen Nachbarschaft geziemt,' eine 
Brücke, schlank wie der Bogen, den eine 
Schwalbe im Fliegen beschreibt, führt über 
den Neckar und endigt sich in einem wirklich 
den Fuß über die Schwelle dieses Hauses set 
zen brauchen. 
In ihrem Zimmer angekommen, wird sie 
ruhiger. Dort sind Gegenstände, die sie an die 
Heimat erinnern. Dort kann sie Zwiesprache 
halten mit den vielen kleinen Dingen, die sie 
aus Heimat und Jugendzeit in die Stadt ge 
bracht hat. 
Darüber schläft sie ein. So findet sie Rudolf, 
als er spät heimkommt, schlafend, das goldene 
Kreuzlein des Jägers in den Fingern ... 
Ein verhängnisvoller Schuß. 
Der Tag der großen Treibjagd ist da. 
Im Hof vor dem Postbräu sammeln sich die 
Jäger und Treiber. Man mutz nur noch auf 
Rudolf und Monika warten. Da hört man auch 
schon in der Ferne das Surren des schweren 
Motors. Wenige Minuten später hält der Wa 
gen vor den Jägern. 
Rudolf eilt sofort auf seinen Vater zu. 
„Guten Morgen, Papa! Du siehst glänzend 
aus. Natürlich, die Jagd, die gesunde Luft —. 
Ah, der Zaggler! Guten Morgen, mein lie 
ber Zaggler." 
Rudolf geht mit ausgestreckter Hand auf 
Toni zu. „Wie geht's, wie steht's?" 
„Ganz gut", antwortet Toni kurz und öff 
net den Hemdkragen, als wäre er ihm zu eng. 
Sein Blick schweift hinüber zu Monika, die so 
eben den alten Kerber begrüßt. Auch die an 
deren Herren, die am Abend vorher schon ge 
kommen waren, schütteln der jungen Frau die 
Hand. 
Die Stimme Wilhelm Kerbers gebietet 
Ruhe: 
„Also, meine Herren, Sie werden von Horn 
berger und Weindl beim Grenzgraben erwar 
tet und an die Plätze geführt. Du, Rudolf, 
gehst mit Monika auf den Rückwechsel vom 
schwarzen Joch. Ich nehm den Hauptwechsel 
ein und du, Toni, gehst auf den Wechsel unter 
der Heindlschlucht. Punkt zehn Uhr gehen die 
Treiber an. Hauptsache, daß wir die Stände 
noch erreichen, bevor die ärgste Hitze kommt. 
Weidmannsheil!" 
Die Kolonne seht sich in Bewegung. Keiner 
bemerkt das bärtige Gesicht des Steinmüller 
Bartl, der aus der Dachluke des Stadels den 
Davoneilenden nachschaut. 
„Also in die Heindlschlucht muß der Toni", 
murmelt er vor sich hin. Er wartet noch eine 
Weile, verläßt dann durch ein Hintertürchen, 
durch das er sich nachts eingeschlichcn hat, den 
Stadel des Postbräu und verschwindet mit 
langen Schritten im Wald. 
Die Schar der Treiber verteilt sich schon beim 
ersten Latschenfeld nach verschiedenen Richtun 
gen. Am Grenzgraben warten Hornberger 
und Weindl und nehmen ihre Schützen in 
Ernpfüug. Toni ist immer ein Stück voraus. 
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imposanten Tor... Die erste Bergreihe (der 
Heiligenberg ist dessen höchste Spitze) und die 
dieser gerade gegenüberliegende zweite, deren 
Gipfel der Kaiserstuhl ist, welcher, den 80 Fuß 
hohen Turm ungerechnet, 1730 Fuß über die 
Meeresfläche hinausragt. Ich habe ihn drei 
mal bestiegen, einmal in einer unvergeßlichen 
Nacht, um den Sonnenaufgang zu sehen,' man 
hat oben vom Turm aus eine unermeßliche 
Aussicht ins Rheintnl hinunter ... Die pracht 
vollen Ruinen des Heidelberger Schlosses, 
welches, mit unendlicher Kühnheit, eine ge 
waltige Masse, an den Berg hinaufgebaut, 
stolz und majestätisch-ernsthaft auf die Stadt 
herabschaut,' man muß, wenn man es in seiner 
ganzen Bedeutung erfassen will, es des abends 
im Mondschein vom Karlsplatz aus sehen,' da 
hängt es, geheimnisvoll, wie ein Gespenst des 
Mittelalters, aber überwuchert von üppigster 
Vegetation der frischesten Gegenwart — ein 
Geist, der sich mit Laub und Blumen schmückt 
— herunter,' in den Bäumen, die auf den 
Türmen und Mauern aufgeschossen sind, 
säuselt der Nachtwind, und darüber, gleich 
einer goldenen Krone, funkelt der Stcrnen- 
kranz. 
Monika hat sich zu den übrigen Herren der 
Jagdgesellschaft gesellt, und Rudolf geht mit 
seinem Vater. Der alte Herr meint ermun 
ternd: „Nun hoffe ich, daß du auch als Jäger 
heute deinen Mann stellst." 
„Da habe ich allerdings Bedenken, Papa." 
„Ich habe dir auf alle Fülle den besten Wech 
sel überlassen." 
„Allerdings. Aber was mich betrifft, so 
bringe ich für die ganze Jägerei wenig Ver 
ständnis und noch weniger Kenntnisse mit. 
Dadurch kommt auch Monika um alle Jagd- 
freuden." 
„Meiner Seel, hast recht, Junge. Ich werde 
Monika zu mir nehmen." 
„Da kommt sie erst recht nicht zum Schuß,' 
denn was dir vor die Büchse gerät, das schießt 
du selber." 
Wilhelm Kerber lacht. 
„Nun sag selber, wo sollen wir denn hin 
mit deiner Monika?" 
„Ich müßte schon einen Vorschlag, Papa", 
lächelt Rudolf. 
„Na, raus damit!" 
„Monika soll mit dem Zaggler auf den 
Rückwechsel zum Schwarzen Joch gehen und ich 
nehme dafür Zagglers Platz in der Heindl 
schlucht ein. Zaggler könnte ihr genaue An 
weisung geben, wie sie zu schießen hat, und so 
weiter. Ich verstehe nichts davon, und wahr 
scheinlich kämen wir am Abend beide mit 
leeren Händen in die Jagdhütte. Dadurch 
wäre Monika die Freude und der Tag verdor 
ben. Und du wolltest ihr doch eine Freude 
machen." 
„Ganz richtig. Gut, daß du mich daran er 
innerst. Toni!" 
Der Jäger bleibt stehen und wartet. 
„Wir machen es nun doch anders", sagt 
Kerber. „Du gehst mit meiner Schwiegertochter 
zum Schwarzen Joch und Rudolf dafür in die 
Heindlschlucht." 
Toni zuckt bei diesen Worten zusammen. 
„Warum die Aenderung?" fragt er kurz. 
„Der Rudolf da versteht nichts von der 
Jagd", antwortet Kerber, auf seinen Sohn 
deutend. „Und ich will haben, daß Monika 
auch zum Schuß kommt. Deswegen hab ich sie 
mit heraufgenommen. Deine Führung ist mit 
dafür die beste Gewähr." 
Unterdessen ist auch Monika herangekom 
men. Als sie von der Umstellung hört, wirft 
sie einen raschen Blick in das Gesicht ihres 
Mannes. Der schaut wie zufällig den Hang 
hinauf, als nähme er von allem keine Notiz- 
Sie ahnt sofort, das ist eine Falle. Ein fester 
Trotz erwacht in ihr. 
„Ich geh auch mit dem Toni", sagt sie und 
schlägt die Richtung nach dem Schwarzen Joch 
ein. (Fortsetzung folgt.s 
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