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Freìtsg. m mimW
m-
ZoLgâe RàgsteAnehms?
srhLslten öas Eişeâe Nrsttzr
DizŞchtmeister Jens Joh'annşen, aus Els
dorf.
rlntevoffizier d. R. Max Sawßmad, Sohn des
Kätners Claus Langmack, Jevenstedt.
Unteroffizier Her'm. Drees sen, Lei einer Feld-
däckereikoloime, Meiereiverwalter in Hain-dorf
Gefreiter Hans Holtorf, Sohn des Hufners
Hans Holtorf in Hamdorf.
Landsturmmann Jürgen Thöming, Sohn
des Hufners Hans Thöming in Hcnndorf.
Musketier Joh. Ohm, Stiefsohn des Schmiede-
meisters H. Hamm, Elsdorf.
Musketier CarlJinck, in einer Minenwerfer-
kompagme, Sohn des Kaufmannes H. Fink,
Dorgftedt.
Musketier H. W. H o n n en s, Sohn des Gastwirts
H. F^ Hannens in Seeth, derselbe wurde be
reits im Juli 1616 in .den Kämpfen vor V.,
für .bewiesene Tapferkeit, mit deni „Sturmad-
ler" ausgezeichnet.
Landmann Carsten Timm sen. in Seeth.
Fahrer H. Vabbe, 3. M.-G.-K., Garde-Regt. zu
Fuß, Sohn des Kätners Heinrich Babbe i n
Bargstedt.
Gefreiter Fr. K'ommervh, bei einer Armer-
KraftwŞņkolonne, Schmiedemeister in Els
dorf.
Ersatz-Reservist Halis Lüthje, Sohn der 'WW.
LütKe, Erotz-Dollstedt.
Gefreiter Johannes Deising bei einem
Infanterie-Regiment, Sohn des Arbeiter Det
lef Deising, Hohenwestedt, welcher 6 Söhne im
Felde hat, 3 davon sind mit dem Eisernen
Kreuz ausgezeichneü
Füsilier Walter Saggau, Füselier-Regt. 86,
Zweiter Sohn des Lehrers Johs. Saggau in
Scholderup in Angeln.
Armierungssoldat Johannes Hör st in a n n ,
in einem Armierungs-Bataillon, früher im
Infanterie-Regiment 85, Sohn des Land-
mannes H. Horstmanļn, Brammer.
Meierist Hans Stieper, Bargstedt.
Johann R o h w e r, Landmann, Bargstedt.
Gefreiter Joh. Kühl. Res.-Jnst.-Regt. 261. 9.
Komp., Sohn des Arbeiters Chr. Kühl, Radel
wohnhaft F-ockbeker-Chaussee 22.
Schütze Ernst Tranks e n, Soh,r der Witwe L.
Traulsen, hier.
Musketier H i n r i ch P o f e n e r, Sohir des Arbei
ters I. Po-ener, Fockbek.
GîimrcîMîgorr an Vrest-Litows^.
Don E. R e n tz.
Heute richten sich wieder alle Augen der Welt
auf die östliche Zentralfestung Westrußlands Brest-
Litowsk, die Stadt, in der jetzt die Friedensver
handlungen im Gange sind. Mit welchen Gefüh
len mögen die russischen Unterhändler dieses ein
stige Bollwerk des europäischen Zarenreiches wie
der betreten haben, das ihre geschlagenen Truppen
vor nun fast 2% Jahren in wilder Panik den
Siegern überlassen mutzten! Wie eine sinnbild
liche Handlung des Weltgeschehens erscheint es,
daß gerade hier die den Frieden mit Rußland ein-
leiteàn Waffenstillstandsverhandlungen abge
schlossen wurden. Denn Brrst-Litowsk war der
strategische Mittelpunkt der gesamten westruWchen
Operationsbasis gegen die Mittelmächte gewesen.
Die Hauptadcrn -des russischen Riesenreiches von
Petersburg, Moskau und Südrußland her ver
einigten sich hier, um von dort aus neu verteilt
den einzelnen Abschnitten der gewaltigen Front
gegen Mitteleuropa zuzueilen. So war die
Festung BresbLitowÄ das eigentlich Herz der
drohend gegen Europa in Westrutzlaird zusammen
geballten russischen Militärmacht, zugleich durch
seine zentrale Lage und militärische Stärke aber
auch im Verein mit dem weiter westwärts ver
teilten Festungssystem die Zwingburg des Mos-
kowitertums über die beherrschten westlichen
Fremdvölker. Sein Fall bedeutete sowohl den
militärischen Zusammenbruch des Zarenhecres, das
des Herzstückes seiner ersten aggressiven Aufstel
lung gegen Mitteleuropa beraubt, erst tief in den
Sümpfen und Wäldern des großrussischen Hcimats-
gebietes wieder eine Verteidigungsstellung finden
konnte. Er war aber ebenso sehr das sichtbare
Anzeichen von dem Ende der russischen Gewalt
herrschaft in Osteuropa überhaupt.
Dieser historische Rückzug des Moskowiter-
tums von dem in einem jahrhundertlangen Kam-
pie gewaltsam eroberten europäischen Boden hat'
unter Erscheinungen stattgefunden, wie sie jedem
Teilnehmer unvergeßlich bleiben werden. Längs
der Bahnlinien hatten sich von Westen, Norden
und Süden her die Heersäulen der verbündeten
Armeen zu einem konzentrischen Halbkreis um die
Festung zusammengeschoben. In kurzen erbitter
ten Kämpfen wurden die ausgedehnten Feldstel
lungen genommen und noch am Abend des 25.
August die westlichen Außenwerke angegriffen.
Die Dunkelheit gebot dem Kampfe ein vorläufiges
Halt, aber kaum war das Geschütz- und Gewehr
feuer verstummt, da begann von der entfernten
Stadt her ein donnerähnliches Getöse anzuheben.
Unter gewaltigen Donnerschlägen, die den Erd
boden weithin erzittern machten, schlugen loderà
Feuersäulen aus der Richtung der Stadt gegen
den dunklen Nachthimmel empor. Nun lief auch
züngelnd ein greller breiter Feuerstreifen um das
gesamte Stadtbild, dieses immer mehr zu einem
einzigen Feuermeer verwandelnd. Ganz Breft-
Litowsk mit seinen Häuserbauten für ein halbes
hunderttausend Seelen stand in hellen Flammen!
Die Glut dieses Riesin-brandes war so groß, daß
von ihrem brandroten Schein der ganze östliche
Himmel taghell erleuchtet stand. Roch einmal ho
ben sich die Umrisse der dem Untergang geweihten
Stadt düster und dunkel gegen den hellen Hinter
grund ab. Aber über ihnen schwebte bereits vom
Feuerschein halbbeleuchtet als Sinnbild des deut
schen Sieges ein deutscher Zeppelin, der mit seinen
Bombenabwürfen die Flucht zur Panik steigerte.
Mit einem Riesenfeuermal, wie es nur selten die
Geschichte sah, und an dessen Schein der Himmel
des Ostens noch die ganze Nacht hindurch blutigrot
erstrahlte, verließ der geschlagene Moskowiter sei
nen letzten und stärksten Stützpunkt auf europäi
schem Boden.
Als am nächsten Morgen mit klingendem
Spiel die deutschen Kolonnen einrückten, fanden
sie die Stadt in einen einzigen wüsten Trümmer
haufen verwandelt. Nur von der auf einer Insel
des Bugs gelegenen Zitadelle war der Hauptteil
der Baulichkeiten stehen geblieben. Hier hatte die
militärische Besatzung noch bis zur letzten Stunde
geweilt, mährend die Stadt selbst schon Wochen
vorher durch Kosaken entvölkert und zum vollstän-
j digen Untergang systematisch vorbereitet worden
* war. Die Flucht der Trümmer des Zarenheeres
aus Brest-Litowsk wuchs sich in dem unwegsamen
Sumpfgebiet zur furchtbarsten Katastrophe für das
russische Volk aus und hat das Ende aller groß
russischen Eroberungspläne gegen Europa sichtbar
besiegelt. Unter den gleichen bedeutsamen ge- '
schichtlichen Zeichen stehen heute auch die Verhand
lungen, welche dort gepflogen werden. Und so hat
die Wahl dieser Stadt zum Verhandlungsort eine
ewig denkwürdige Bedeutung!
Freilich einen anderen Anblick wie beim Ver
lassen bietet sie jetzt den dorthin zurück-ekehrten
russischen Friedensunterhändlern. Die einst durch
russische Mißwirtschaft gröblich vernachlässigten
Befeftigungswerke hat deutsche Gründlichkeit und
Fleiß zu erstklassiger Stärke ausgebaut und so ei
nen schier uneinnehmbaren Stützpunkt der deut
schen Front gen Osten daraus geschaffen. Aus dem
Riesentrümmerfelde wußte eine zweijährige deut
sche Verwaltung ein zwar mehr behelfsmäßiges,
aber doch ansehnliches Stadtbild wieder zu er
wecken, der jedenfalls sichtbarer als die frühere
Zarenstadt mit ihrem übertünchten Asiatentum den
Stempel europäischer Kultur, Ordnung und Rein
lichkeit trägt. Derlei sinnfällige Eindrücke, wie sie
sich dem Beschauer dieser denkwürdigen Stätte of
fen darbieten, werden wohl auch kaum den dort
weilenden russischen Abgesandten verborgen blei
ben und mögen ihr Teil dazu beitragen, ihnen die
Anerkennung der auf wahre Kultur gegründeten
deutschen Sieger zu erleichtern.
Ltaotssekretär v. rvalöows
NsrtâiMîng.
Der' ErnähruNMibeiMt des Kriagsernährimigs-
amts beschäftigte sich in seiner Sitzung vom 21. d. M.
mit allgemeinen ft-ragen der BeWmpsung der Eüter-
verschiebungen im Schleichhandelswege, sowie insbe
sondere mit der bekanntem Denkschrift des Magistrats
zu Neukölln.
Der Staatssekretär des Kri-cgsernähru-ngsmntts
nahm hierbei Gelegonheit, die Angriffe richtigzu-st-ell-sn,
welche im Anschluß an die genannte Denkschrift -gegen
ihn als den derzeitigen Leiter des Kriegsernährungs-
am-tes erhoben worden sind. Er führte aus, daß es
unrichtig fei, von einem Zusammenbruch des Systems
Waldau» zu sprechen und ihm zu unterstellen, daß er
die in der Denkschrift «örterten Zustände verschuldet
oder geduldet habe. Das in der Presse angegriffene
System sei das der Festsetzung von Höchstpreisen und
der Zwangsbewirtschaftllng der wichtigsten Nachrungs-
tniKM. Dieses System halbe ans 3K Kriegsjahve hin
durch gestützt und in unfern Lebensmittelversorgung
gesichert und müsse, so lange unsere Absperrung vom
Weltmarkt fortdauert, beibehalten werden. Auch im
neutralen und feindlichen Auslande habe niemand ein
anderes Mittel gefunden, um mit geringen Mengen
an Nahrungsmitteln eine ntöglichst gleichmäßige Ver
teilung durchzufiihren.
Auch der Schleichhandel fei nicht erst in dm Zeitm
seiner Amtsführung entstanden oder in die Erschei
nung getreten. Es müsse allerdings zugegeben wer
den, daß er im vierten Kriegssihr-e einen Umfang an
genommen habe, der die allgemeine Versorgung mit
Lebensmitteln $u gefährden drohe. Es sei daher von
Beginn seines Amtsantritts an seifn ernsthaftes Be
streben gewesen, diesem Uebel nach Möglichüeit zu
steuern. Dieses Bestreben habe zu einer Reihe von
Maßnahmen geführt, die teils schon erfolgt, teils schon
seit längerer Zeit in Vorbereitung seien.
Er erwähne als solche eine von ihm als Preutzi-
fcher Staatskommistar erlassene Anweisung an die Re
gierungspräsidenten, die örtlichen Polizeistellen -anzu
haften, mit allen Mitteln gegen bekannt gewordene
Verfehlungen, von welcher Stelle sie auch ausgehen
möchten, einzuschreiten und die Staatsanwaltschaften
in ihren Ersuchen, Ermittelungen vorzunehmen, mit
allem zu Gebote sichenden Kräften zu unterstützen
Seit Oktober sei erne Duàwiatsoerordnung in Vor
bereitung, welche dm gewerbsmäßigen Schleichwucher,
der auch von dev allgememm öffentlichm Meinung
als verächtlich und vaterlandsverräterisch betrachtet
werde, unter besonders schwere Strafbestimmungen
stellt. Die Unregelmäßigkeiten in Hinsicht auf die
Ausstellurrg von Saatkarten würdm durch neue Kon-
trollimaßregeln verhindert werden. Die in nicht un
erheblichem Umfange vorgekommene Verschiebung von
Schlachtvieh auf dem Wege des Nutz- und Zuchtvieh-
handels werde im Einverstäirdnis mit dem Preußi
schen Eisenbahnminister durch strengste behördliche
Usberwachung unmöglich gemacht werdm. Auch der
der allgemeinen Verhinderung unzulässiger Verfrach-
tuug von Nahrungsmitteln erwarte er die tatkräftige
Mithilfe des Preußischen EisenbahnminPers und der
Landeszsntralbehördan der anderen Bundesstaaten.
Die preußischen kommunalen Aufsichtsbehörden seien
angewiesen, etwa bekannt werdende Verfehlungen von
Kommunalverbänden mit aller Schärfe zu verfolgen.
Er verspreche sich von diesen Maßnahnrm eine wesent-
liche Eindämmung und eine Beseitigung der schlimm -
sten Auswüchse des Schleichhandels und der Schleich
Versorgung,
ÜGtttn -durch die allgemeine Bekämpfung des
Schleichhandels gewisse Bolkskreife zeitweilig auf
SonderbÄiöferungen, «nt welche tie sich gewöhnt hät
ten, würdm verzichtm müssen, so erwarte er von deren
vaterländischer Gesinnung, daß sie das ertragen wür
dm. Es sei zu hoffen, daß gerade infolge der Ein
dämmung des Schleichhandels und der zunehmenden
schärferen Erfassung der Vorräte auf dem Lande spä
terhin ein Ausgleich werde gegebm werdm können.
Die Erfassung der Vorräte sei tatsächlich in keinem
Wirtschaftsjahr so scharf gehaNdhab-t worden wie im
laufeiNden. Er erinnere nur an die Verschärfung der
Verordnung über Speisefette und die jetzt in der
Duvchfirhrmrg begriffene Aktion zur Erfassung aller
Eetreidevorrüte, gegebenenfalls durch Zwangsaus
drusch und zwangsweise Fortnähme.
Es fei seit Amtsbeginn fein Bestreben gewesen
und werde auch künftighin sein Bestreben sein, den
Interessen der Verbraucher, insbesondere in den Groß
städten und großm Jndustriezmtren in größtmöglich
stem Maße Rechnung zu tragen. Au-ch in dieser Hin
sicht könne von einer Aendevu.ng des Systems nicht die
Rede fein.
Nach längerer Aussprache erklärte sich ^ der Er-
nährungobeirat mit dm -grundsätzkichm AusMhrung-en
des Staatssekretärs sowie tnit den von ihm getroffe-
nm und beabsichtiigtm Ma-hnahmen gegm den Schleich
wucher und d-en Schleichhaitdel einverstandm. Der
Ernährungsbeirat stellte ferner fest, daß er mit delm
Staatssekretär und dm Vorstandsmitgliedern des
Kriegsernährungsamts
darin einig fei, daß die Aufhebung der öffentlich-
rechtlichen Bewirtschaftung des Ernährungswesms
währmd der noch bevorstehenden Dauer des Ltrieges
ausgeschlossen ist.
Bezüglich der Neuköllner Denkschrift sthrtc der
Staatssàetär weiterhin aus, diese könne nur richtig
verstanden und -gewertet weàm, wenn matt die Zu
sammenhänge in Betracht ziehe, unter dmen sie zu
stande gekommen sei. Der Magistrat Neutölln stehe
unter dem Eindrücke eines seit längerer Zeit schweben
den Verfahrens wegen llebertretung der Saatgutver-
ordnung seitens der Gemeinde. Der Gedanke sei jetzt
nicht von der Haeid zu weisen, daß die Denkschrift die
Absicht verfolgt, 'durch Hinweis auf die Verfehlungen
anderer die eigenen Verfehlungen zu entschuldigen.
Dia Denkschrift eitthalte eine Reihe von Unrichtig
keiten und unzufteffendcn Verallgemeinerungen. Ins
besondere lehnten matzgebeà Vertretungen anderer
Gwß-Berliner Kommunalverbände es in entschiedener
Weise ab, mit Nmkölln auf die gleiche Sàfe gestellt
zu werden. Die Denkschrift befinde sich bereits in dm
Händen der Staatsanwaltschaft, welche dm einzeln m
Die Hrei KchWefterm. Rädslf.
Roman von H. Courths-Mahler.
13) (Nachdruck verboten.)
Schon tvollte er -feiner Unruhe p-gerttd Worte
gehen. ' Aber Lilfellotzt hatte sich işitzwischsn voWÄr-
lrifg wieder i'll die GewM hekommen. Ihre gru-uen
ANg-en ftli'ckten wieder mit dem kühlen, metallischem
Schimmer zu ihm alls, den sie ruhig und underührt
scheinen ließ.
,Mir hcà lange nicht mitànàr geplau
dert, mein -gnädiges Fräulein", sagte Rottm-ann,
-sich durch di^eşşe Ruhe, wie schon oft, -täuschen»lassend.
„Es war nie Geleg-enhoit dazu, Herr Leutnant;
inran -ist in Gesellschaft -immer so sehr in Anspruch
genommen", erwiderte sie formell.
„Allerdings. In der ersten Zeit freilich, als
'ich hier war, habe ich Ihre liebenswürdige Gesell
schaft oft über Gebühr in Anspruch genommen, und
Sie nahmen sich meiner so gütig an," fuhr er fort,
int Bestreben, seinen Abfall harmlos zu erklären.
Sie errötete leicht und -ah an ihm vorbei. Aber
sie sagte kühl und ruhig:
, „Man muß sich immer erst in neue Verhältnis
se einleben. Jetzt sind Sie vertrauter geworden in
unserem Kreise und an Gesellschaft fehlt es Ihnen
nun nicht mehr. Hoffentlich gefällt es Ihnen nun
bes'fer hier, als -zu Anfang."
Damit giirg sie scheiär unbefangen auf sei
lte Erklärung ein.
Er verneigte sich.
„Ich habe mich völlig hier eingelebt und doch
— ich möchte Ihre freundliche Gesinnung nicht mis
sen. Sie haben mi-r eine so große Sympathie -ein
geflößt von Anfang an, daß ich- Sie immer zu mei
nen Freunden rechnen möchte."
Seine Stimme klang warm und bittend.
Ihr Herz zuckte in bitterer Pein und sie preß
te die Finger fest in ihre Handflächen. Es fiel ihr
schwer, ihre Ruhe zu bewahren, und es lag ein
dunkler Klang in ihrer Stimme, als sie erwiderte:
„Ich werde Sie gewiß nicht hindern, dos zu
tun."
Er blickte -sie erfreut an.
„Wirklich, wollen Sie mir Ihre Freundschaft
schenken?"
Groß blickte sie ihn an. Der kalte Schimmer
wich aus ihren Augen, sie blickten wärmer und gü
tiger.
„Sie köniren immer und unter allen Umstön-
Äeit auf meine Freundschaft rechnen," sagte sie fest
und warnt, und ihr war, als löse sich ein harter
Druck von ihrem Herzen.
Er faßte ihre Hand und drückte zart seine Lip
pen darauf.
„Ich- danke Ihnen, danke Ihnen von ganzem
; Herzen, und will mich bemühen, immer Ihrer
Freundschaft wert zu seim"
„Das wird keiner Mühe bedürfen," sagte sie
mil leisem Lächeln.
„Aber Liselotte Randolf şoll von heute an
mein bester Freund sein, denn ich kenne sie als ei
nen wertvollen, edlen Charakter," sagte er fest und
waNN. ' n--
Ihre Lippen zuckten, und das Herz tat ihr
wch, daß sie h-ätte laut aufschreien mögen vor
Qual — aber sie lächelte.
„Also gut Freund auf immerdar."
„Auf immerdar, mein teures, gnädiges Fräu
lein. Und nun ftll mein bester Freund Liselott
-als erster mein Vertrauter sein in einer für mich
wichtigen Angelegenheit. Ich rverde nicht mehr lan
ge hier sein."
Sie erschrak und sah erblassend zu ihm auf.
In ihren Augen erschien ein Ausdruck, der ihn
plötzlich wiäer einen Blick in ihr Inneres hätte
tun lassen können. Aber sie faßte sich schnell.
„Sie wollen sich versetzen lassen?" fragte sie
hastig:
„Rein, etwas anderes habe ich vor. Wer -da
von kann ich mit Ihnen heute noch nicht reden. Ich
denke, daß ich in den nächsten Tagen — vielleicht
schon morgen —- bei Ihren verehrten Eltern vor
sprechen werde — und — bann hoffe ich auch Ge
legenheit zu fiàn, Ihnen alles zu sagen."
Eine Ahnung dàmerte in ihr auf uni» er
füllte sie mit llnruhe. 'Wer sie dachte dabei nicht
-an sich, sondern nur an ihn, an sein Wohl und We
he.
„Was sie auch vorhabeit mögen — lch wünsche
Ihnen Glück dazu," sagte sie ernst und schwer.
Eine Weile sah er sie stuntm an, dann erwi
derte er gleichfalls sehr ernst:
„Ich danke Ihnen, daß- Sie so viel freund
lichen Anteil an mi-r nehmem"
Sie lächelte — aber dies Lächeln tat ihm felt-
fcrnt weh.
„Wir sind doch gute Frettirde," sagte sie ein
wenig unsicher.
And dann gingen sie wieder über den Rasenplatz
nach der Terrasse zurück, von nebensächlichen- Din
gen plaudernd. Dabei kamen sie an einem kleinen
Zelt -vorbei, in dem niemand saß als Sandra Ran
dolf und Robert Vallentinl Sie waren in so leb
hafter Unterhaltung, daß sie mcht auf ihre Umge
bung achteten. Sandras Gesicht zeigte ihr betören
des Lächeln und Robert Vallentins Augen hingen
weltvergessen an ihrenr schönen Antlitz.
Unwillkürlich blickte Liselott ntit bangen Au
gen in Rottmanns Gesicht und sie sah, daß er die
beiden bemerkt hatte. Sein Schritt stockte und ex
starrte mit brennen-den, sehnsüchtigen Augen zu
Sandra hinüber. Diese höh jetzt flüchtig die -Äugen
sFortsetzun» sollt.)
und lächelte ihm zu. Da hdb sich Rottmanns Brust
unter einem tiefen Seufzer.
Lifelotts Herz krampfte sich zusammen.
„Sie spielt mit Robert Vallenti-n, wie sie mit
Heinz Rottmann spielt — ich muß ihr sagen, wie
gefährlich es ist, diesem ktum Genesenden in schwere
Herzenskämpfe zu stürzen. So schlecht kann sie nicht
sein, daß -sie absichtlich Verderben heraufbeschwö
ren wird, über die Menschen, die ihrem Zauber
verfallen."
So dackite sie in angstvoller Unruhe. Und das
Herz war ihr schwer, als sei sie selbst dabei, eilt
-großes Unrecht zu tun. —
Inzwischen waren die Gäste vollzählig ver-
lammelt und nun begann die Regimentskapelle
mit einetn fröhlichen Marsch ihr Konzert. ^Danu
folgte die Ouvertüre aus „Die lustigen Weiber
von Windsor"
Die Gesichter belebten sich, und als danach ein
Potpurri aus „Die Fledermaus" erklang, war das
junge Volk, daß den größten Teil der Gesellschaft
ausmachte, wie elektrisiert.
Am liebsten hätte man gleich begonnen, zu
tanzen, aber darin war vorläufig nicht zu denken.
Reges und flottes Leben herrschte in dem sonst Io
still und einsam Legenden Park. Die Diener reich
ten Erfrischungen herum und man sah nur lachen
de und frohe Gesichter.
Ganz besonders strahlend sah Robert Vallen-
tin aus, der jetzt mit Sandra zu einer Gruppe jun
ger Leute herangetreten war. Sandra hatte das
Gespräch mit ihm abgebrochen, um nicht aufzufal
len. Robert ließ sie über kaum noch aus den Au
gen, und da sie sehr fröhlich schien, war er es auch.