Full text: Newspaper volume (1917, Bd. 2)

. : 
Freìtsg. m mimW 
m- 
ZoLgâe RàgsteAnehms? 
srhLslten öas Eişeâe Nrsttzr 
DizŞchtmeister Jens Joh'annşen, aus Els 
dorf. 
rlntevoffizier d. R. Max Sawßmad, Sohn des 
Kätners Claus Langmack, Jevenstedt. 
Unteroffizier Her'm. Drees sen, Lei einer Feld- 
däckereikoloime, Meiereiverwalter in Hain-dorf 
Gefreiter Hans Holtorf, Sohn des Hufners 
Hans Holtorf in Hamdorf. 
Landsturmmann Jürgen Thöming, Sohn 
des Hufners Hans Thöming in Hcnndorf. 
Musketier Joh. Ohm, Stiefsohn des Schmiede- 
meisters H. Hamm, Elsdorf. 
Musketier CarlJinck, in einer Minenwerfer- 
kompagme, Sohn des Kaufmannes H. Fink, 
Dorgftedt. 
Musketier H. W. H o n n en s, Sohn des Gastwirts 
H. F^ Hannens in Seeth, derselbe wurde be 
reits im Juli 1616 in .den Kämpfen vor V., 
für .bewiesene Tapferkeit, mit deni „Sturmad- 
ler" ausgezeichnet. 
Landmann Carsten Timm sen. in Seeth. 
Fahrer H. Vabbe, 3. M.-G.-K., Garde-Regt. zu 
Fuß, Sohn des Kätners Heinrich Babbe i n 
Bargstedt. 
Gefreiter Fr. K'ommervh, bei einer Armer- 
KraftwŞņkolonne, Schmiedemeister in Els 
dorf. 
Ersatz-Reservist Halis Lüthje, Sohn der 'WW. 
LütKe, Erotz-Dollstedt. 
Gefreiter Johannes Deising bei einem 
Infanterie-Regiment, Sohn des Arbeiter Det 
lef Deising, Hohenwestedt, welcher 6 Söhne im 
Felde hat, 3 davon sind mit dem Eisernen 
Kreuz ausgezeichneü 
Füsilier Walter Saggau, Füselier-Regt. 86, 
Zweiter Sohn des Lehrers Johs. Saggau in 
Scholderup in Angeln. 
Armierungssoldat Johannes Hör st in a n n , 
in einem Armierungs-Bataillon, früher im 
Infanterie-Regiment 85, Sohn des Land- 
mannes H. Horstmanļn, Brammer. 
Meierist Hans Stieper, Bargstedt. 
Johann R o h w e r, Landmann, Bargstedt. 
Gefreiter Joh. Kühl. Res.-Jnst.-Regt. 261. 9. 
Komp., Sohn des Arbeiters Chr. Kühl, Radel 
wohnhaft F-ockbeker-Chaussee 22. 
Schütze Ernst Tranks e n, Soh,r der Witwe L. 
Traulsen, hier. 
Musketier H i n r i ch P o f e n e r, Sohir des Arbei 
ters I. Po-ener, Fockbek. 
GîimrcîMîgorr an Vrest-Litows^. 
Don E. R e n tz. 
Heute richten sich wieder alle Augen der Welt 
auf die östliche Zentralfestung Westrußlands Brest- 
Litowsk, die Stadt, in der jetzt die Friedensver 
handlungen im Gange sind. Mit welchen Gefüh 
len mögen die russischen Unterhändler dieses ein 
stige Bollwerk des europäischen Zarenreiches wie 
der betreten haben, das ihre geschlagenen Truppen 
vor nun fast 2% Jahren in wilder Panik den 
Siegern überlassen mutzten! Wie eine sinnbild 
liche Handlung des Weltgeschehens erscheint es, 
daß gerade hier die den Frieden mit Rußland ein- 
leiteàn Waffenstillstandsverhandlungen abge 
schlossen wurden. Denn Brrst-Litowsk war der 
strategische Mittelpunkt der gesamten westruWchen 
Operationsbasis gegen die Mittelmächte gewesen. 
Die Hauptadcrn -des russischen Riesenreiches von 
Petersburg, Moskau und Südrußland her ver 
einigten sich hier, um von dort aus neu verteilt 
den einzelnen Abschnitten der gewaltigen Front 
gegen Mitteleuropa zuzueilen. So war die 
Festung BresbLitowÄ das eigentlich Herz der 
drohend gegen Europa in Westrutzlaird zusammen 
geballten russischen Militärmacht, zugleich durch 
seine zentrale Lage und militärische Stärke aber 
auch im Verein mit dem weiter westwärts ver 
teilten Festungssystem die Zwingburg des Mos- 
kowitertums über die beherrschten westlichen 
Fremdvölker. Sein Fall bedeutete sowohl den 
militärischen Zusammenbruch des Zarenhecres, das 
des Herzstückes seiner ersten aggressiven Aufstel 
lung gegen Mitteleuropa beraubt, erst tief in den 
Sümpfen und Wäldern des großrussischen Hcimats- 
gebietes wieder eine Verteidigungsstellung finden 
konnte. Er war aber ebenso sehr das sichtbare 
Anzeichen von dem Ende der russischen Gewalt 
herrschaft in Osteuropa überhaupt. 
Dieser historische Rückzug des Moskowiter- 
tums von dem in einem jahrhundertlangen Kam- 
pie gewaltsam eroberten europäischen Boden hat' 
unter Erscheinungen stattgefunden, wie sie jedem 
Teilnehmer unvergeßlich bleiben werden. Längs 
der Bahnlinien hatten sich von Westen, Norden 
und Süden her die Heersäulen der verbündeten 
Armeen zu einem konzentrischen Halbkreis um die 
Festung zusammengeschoben. In kurzen erbitter 
ten Kämpfen wurden die ausgedehnten Feldstel 
lungen genommen und noch am Abend des 25. 
August die westlichen Außenwerke angegriffen. 
Die Dunkelheit gebot dem Kampfe ein vorläufiges 
Halt, aber kaum war das Geschütz- und Gewehr 
feuer verstummt, da begann von der entfernten 
Stadt her ein donnerähnliches Getöse anzuheben. 
Unter gewaltigen Donnerschlägen, die den Erd 
boden weithin erzittern machten, schlugen loderà 
Feuersäulen aus der Richtung der Stadt gegen 
den dunklen Nachthimmel empor. Nun lief auch 
züngelnd ein greller breiter Feuerstreifen um das 
gesamte Stadtbild, dieses immer mehr zu einem 
einzigen Feuermeer verwandelnd. Ganz Breft- 
Litowsk mit seinen Häuserbauten für ein halbes 
hunderttausend Seelen stand in hellen Flammen! 
Die Glut dieses Riesin-brandes war so groß, daß 
von ihrem brandroten Schein der ganze östliche 
Himmel taghell erleuchtet stand. Roch einmal ho 
ben sich die Umrisse der dem Untergang geweihten 
Stadt düster und dunkel gegen den hellen Hinter 
grund ab. Aber über ihnen schwebte bereits vom 
Feuerschein halbbeleuchtet als Sinnbild des deut 
schen Sieges ein deutscher Zeppelin, der mit seinen 
Bombenabwürfen die Flucht zur Panik steigerte. 
Mit einem Riesenfeuermal, wie es nur selten die 
Geschichte sah, und an dessen Schein der Himmel 
des Ostens noch die ganze Nacht hindurch blutigrot 
erstrahlte, verließ der geschlagene Moskowiter sei 
nen letzten und stärksten Stützpunkt auf europäi 
schem Boden. 
Als am nächsten Morgen mit klingendem 
Spiel die deutschen Kolonnen einrückten, fanden 
sie die Stadt in einen einzigen wüsten Trümmer 
haufen verwandelt. Nur von der auf einer Insel 
des Bugs gelegenen Zitadelle war der Hauptteil 
der Baulichkeiten stehen geblieben. Hier hatte die 
militärische Besatzung noch bis zur letzten Stunde 
geweilt, mährend die Stadt selbst schon Wochen 
vorher durch Kosaken entvölkert und zum vollstän- 
j digen Untergang systematisch vorbereitet worden 
* war. Die Flucht der Trümmer des Zarenheeres 
aus Brest-Litowsk wuchs sich in dem unwegsamen 
Sumpfgebiet zur furchtbarsten Katastrophe für das 
russische Volk aus und hat das Ende aller groß 
russischen Eroberungspläne gegen Europa sichtbar 
besiegelt. Unter den gleichen bedeutsamen ge- ' 
schichtlichen Zeichen stehen heute auch die Verhand 
lungen, welche dort gepflogen werden. Und so hat 
die Wahl dieser Stadt zum Verhandlungsort eine 
ewig denkwürdige Bedeutung! 
Freilich einen anderen Anblick wie beim Ver 
lassen bietet sie jetzt den dorthin zurück-ekehrten 
russischen Friedensunterhändlern. Die einst durch 
russische Mißwirtschaft gröblich vernachlässigten 
Befeftigungswerke hat deutsche Gründlichkeit und 
Fleiß zu erstklassiger Stärke ausgebaut und so ei 
nen schier uneinnehmbaren Stützpunkt der deut 
schen Front gen Osten daraus geschaffen. Aus dem 
Riesentrümmerfelde wußte eine zweijährige deut 
sche Verwaltung ein zwar mehr behelfsmäßiges, 
aber doch ansehnliches Stadtbild wieder zu er 
wecken, der jedenfalls sichtbarer als die frühere 
Zarenstadt mit ihrem übertünchten Asiatentum den 
Stempel europäischer Kultur, Ordnung und Rein 
lichkeit trägt. Derlei sinnfällige Eindrücke, wie sie 
sich dem Beschauer dieser denkwürdigen Stätte of 
fen darbieten, werden wohl auch kaum den dort 
weilenden russischen Abgesandten verborgen blei 
ben und mögen ihr Teil dazu beitragen, ihnen die 
Anerkennung der auf wahre Kultur gegründeten 
deutschen Sieger zu erleichtern. 
Ltaotssekretär v. rvalöows 
NsrtâiMîng. 
Der' ErnähruNMibeiMt des Kriagsernährimigs- 
amts beschäftigte sich in seiner Sitzung vom 21. d. M. 
mit allgemeinen ft-ragen der BeWmpsung der Eüter- 
verschiebungen im Schleichhandelswege, sowie insbe 
sondere mit der bekanntem Denkschrift des Magistrats 
zu Neukölln. 
Der Staatssekretär des Kri-cgsernähru-ngsmntts 
nahm hierbei Gelegonheit, die Angriffe richtigzu-st-ell-sn, 
welche im Anschluß an die genannte Denkschrift -gegen 
ihn als den derzeitigen Leiter des Kriegsernährungs- 
am-tes erhoben worden sind. Er führte aus, daß es 
unrichtig fei, von einem Zusammenbruch des Systems 
Waldau» zu sprechen und ihm zu unterstellen, daß er 
die in der Denkschrift «örterten Zustände verschuldet 
oder geduldet habe. Das in der Presse angegriffene 
System sei das der Festsetzung von Höchstpreisen und 
der Zwangsbewirtschaftllng der wichtigsten Nachrungs- 
tniKM. Dieses System halbe ans 3K Kriegsjahve hin 
durch gestützt und in unfern Lebensmittelversorgung 
gesichert und müsse, so lange unsere Absperrung vom 
Weltmarkt fortdauert, beibehalten werden. Auch im 
neutralen und feindlichen Auslande habe niemand ein 
anderes Mittel gefunden, um mit geringen Mengen 
an Nahrungsmitteln eine ntöglichst gleichmäßige Ver 
teilung durchzufiihren. 
Auch der Schleichhandel fei nicht erst in dm Zeitm 
seiner Amtsführung entstanden oder in die Erschei 
nung getreten. Es müsse allerdings zugegeben wer 
den, daß er im vierten Kriegssihr-e einen Umfang an 
genommen habe, der die allgemeine Versorgung mit 
Lebensmitteln $u gefährden drohe. Es sei daher von 
Beginn seines Amtsantritts an seifn ernsthaftes Be 
streben gewesen, diesem Uebel nach Möglichüeit zu 
steuern. Dieses Bestreben habe zu einer Reihe von 
Maßnahmen geführt, die teils schon erfolgt, teils schon 
seit längerer Zeit in Vorbereitung seien. 
Er erwähne als solche eine von ihm als Preutzi- 
fcher Staatskommistar erlassene Anweisung an die Re 
gierungspräsidenten, die örtlichen Polizeistellen -anzu 
haften, mit allen Mitteln gegen bekannt gewordene 
Verfehlungen, von welcher Stelle sie auch ausgehen 
möchten, einzuschreiten und die Staatsanwaltschaften 
in ihren Ersuchen, Ermittelungen vorzunehmen, mit 
allem zu Gebote sichenden Kräften zu unterstützen 
Seit Oktober sei erne Duàwiatsoerordnung in Vor 
bereitung, welche dm gewerbsmäßigen Schleichwucher, 
der auch von dev allgememm öffentlichm Meinung 
als verächtlich und vaterlandsverräterisch betrachtet 
werde, unter besonders schwere Strafbestimmungen 
stellt. Die Unregelmäßigkeiten in Hinsicht auf die 
Ausstellurrg von Saatkarten würdm durch neue Kon- 
trollimaßregeln verhindert werden. Die in nicht un 
erheblichem Umfange vorgekommene Verschiebung von 
Schlachtvieh auf dem Wege des Nutz- und Zuchtvieh- 
handels werde im Einverstäirdnis mit dem Preußi 
schen Eisenbahnminister durch strengste behördliche 
Usberwachung unmöglich gemacht werdm. Auch der 
der allgemeinen Verhinderung unzulässiger Verfrach- 
tuug von Nahrungsmitteln erwarte er die tatkräftige 
Mithilfe des Preußischen EisenbahnminPers und der 
Landeszsntralbehördan der anderen Bundesstaaten. 
Die preußischen kommunalen Aufsichtsbehörden seien 
angewiesen, etwa bekannt werdende Verfehlungen von 
Kommunalverbänden mit aller Schärfe zu verfolgen. 
Er verspreche sich von diesen Maßnahnrm eine wesent- 
liche Eindämmung und eine Beseitigung der schlimm - 
sten Auswüchse des Schleichhandels und der Schleich 
Versorgung, 
ÜGtttn -durch die allgemeine Bekämpfung des 
Schleichhandels gewisse Bolkskreife zeitweilig auf 
SonderbÄiöferungen, «nt welche tie sich gewöhnt hät 
ten, würdm verzichtm müssen, so erwarte er von deren 
vaterländischer Gesinnung, daß sie das ertragen wür 
dm. Es sei zu hoffen, daß gerade infolge der Ein 
dämmung des Schleichhandels und der zunehmenden 
schärferen Erfassung der Vorräte auf dem Lande spä 
terhin ein Ausgleich werde gegebm werdm können. 
Die Erfassung der Vorräte sei tatsächlich in keinem 
Wirtschaftsjahr so scharf gehaNdhab-t worden wie im 
laufeiNden. Er erinnere nur an die Verschärfung der 
Verordnung über Speisefette und die jetzt in der 
Duvchfirhrmrg begriffene Aktion zur Erfassung aller 
Eetreidevorrüte, gegebenenfalls durch Zwangsaus 
drusch und zwangsweise Fortnähme. 
Es fei seit Amtsbeginn fein Bestreben gewesen 
und werde auch künftighin sein Bestreben sein, den 
Interessen der Verbraucher, insbesondere in den Groß 
städten und großm Jndustriezmtren in größtmöglich 
stem Maße Rechnung zu tragen. Au-ch in dieser Hin 
sicht könne von einer Aendevu.ng des Systems nicht die 
Rede fein. 
Nach längerer Aussprache erklärte sich ^ der Er- 
nährungobeirat mit dm -grundsätzkichm AusMhrung-en 
des Staatssekretärs sowie tnit den von ihm getroffe- 
nm und beabsichtiigtm Ma-hnahmen gegm den Schleich 
wucher und d-en Schleichhaitdel einverstandm. Der 
Ernährungsbeirat stellte ferner fest, daß er mit delm 
Staatssekretär und dm Vorstandsmitgliedern des 
Kriegsernährungsamts 
darin einig fei, daß die Aufhebung der öffentlich- 
rechtlichen Bewirtschaftung des Ernährungswesms 
währmd der noch bevorstehenden Dauer des Ltrieges 
ausgeschlossen ist. 
Bezüglich der Neuköllner Denkschrift sthrtc der 
Staatssàetär weiterhin aus, diese könne nur richtig 
verstanden und -gewertet weàm, wenn matt die Zu 
sammenhänge in Betracht ziehe, unter dmen sie zu 
stande gekommen sei. Der Magistrat Neutölln stehe 
unter dem Eindrücke eines seit längerer Zeit schweben 
den Verfahrens wegen llebertretung der Saatgutver- 
ordnung seitens der Gemeinde. Der Gedanke sei jetzt 
nicht von der Haeid zu weisen, daß die Denkschrift die 
Absicht verfolgt, 'durch Hinweis auf die Verfehlungen 
anderer die eigenen Verfehlungen zu entschuldigen. 
Dia Denkschrift eitthalte eine Reihe von Unrichtig 
keiten und unzufteffendcn Verallgemeinerungen. Ins 
besondere lehnten matzgebeà Vertretungen anderer 
Gwß-Berliner Kommunalverbände es in entschiedener 
Weise ab, mit Nmkölln auf die gleiche Sàfe gestellt 
zu werden. Die Denkschrift befinde sich bereits in dm 
Händen der Staatsanwaltschaft, welche dm einzeln m 
Die Hrei KchWefterm. Rädslf. 
Roman von H. Courths-Mahler. 
13) (Nachdruck verboten.) 
Schon tvollte er -feiner Unruhe p-gerttd Worte 
gehen. ' Aber Lilfellotzt hatte sich işitzwischsn voWÄr- 
lrifg wieder i'll die GewM hekommen. Ihre gru-uen 
ANg-en ftli'ckten wieder mit dem kühlen, metallischem 
Schimmer zu ihm alls, den sie ruhig und underührt 
scheinen ließ. 
,Mir hcà lange nicht mitànàr geplau 
dert, mein -gnädiges Fräulein", sagte Rottm-ann, 
-sich durch di^eşşe Ruhe, wie schon oft, -täuschen»lassend. 
„Es war nie Geleg-enhoit dazu, Herr Leutnant; 
inran -ist in Gesellschaft -immer so sehr in Anspruch 
genommen", erwiderte sie formell. 
„Allerdings. In der ersten Zeit freilich, als 
'ich hier war, habe ich Ihre liebenswürdige Gesell 
schaft oft über Gebühr in Anspruch genommen, und 
Sie nahmen sich meiner so gütig an," fuhr er fort, 
int Bestreben, seinen Abfall harmlos zu erklären. 
Sie errötete leicht und -ah an ihm vorbei. Aber 
sie sagte kühl und ruhig: 
, „Man muß sich immer erst in neue Verhältnis 
se einleben. Jetzt sind Sie vertrauter geworden in 
unserem Kreise und an Gesellschaft fehlt es Ihnen 
nun nicht mehr. Hoffentlich gefällt es Ihnen nun 
bes'fer hier, als -zu Anfang." 
Damit giirg sie scheiär unbefangen auf sei 
lte Erklärung ein. 
Er verneigte sich. 
„Ich habe mich völlig hier eingelebt und doch 
— ich möchte Ihre freundliche Gesinnung nicht mis 
sen. Sie haben mi-r eine so große Sympathie -ein 
geflößt von Anfang an, daß ich- Sie immer zu mei 
nen Freunden rechnen möchte." 
Seine Stimme klang warm und bittend. 
Ihr Herz zuckte in bitterer Pein und sie preß 
te die Finger fest in ihre Handflächen. Es fiel ihr 
schwer, ihre Ruhe zu bewahren, und es lag ein 
dunkler Klang in ihrer Stimme, als sie erwiderte: 
„Ich werde Sie gewiß nicht hindern, dos zu 
tun." 
Er blickte -sie erfreut an. 
„Wirklich, wollen Sie mir Ihre Freundschaft 
schenken?" 
Groß blickte sie ihn an. Der kalte Schimmer 
wich aus ihren Augen, sie blickten wärmer und gü 
tiger. 
„Sie köniren immer und unter allen Umstön- 
Äeit auf meine Freundschaft rechnen," sagte sie fest 
und warnt, und ihr war, als löse sich ein harter 
Druck von ihrem Herzen. 
Er faßte ihre Hand und drückte zart seine Lip 
pen darauf. 
„Ich- danke Ihnen, danke Ihnen von ganzem 
; Herzen, und will mich bemühen, immer Ihrer 
Freundschaft wert zu seim" 
„Das wird keiner Mühe bedürfen," sagte sie 
mil leisem Lächeln. 
„Aber Liselotte Randolf şoll von heute an 
mein bester Freund sein, denn ich kenne sie als ei 
nen wertvollen, edlen Charakter," sagte er fest und 
waNN. ' n-- 
Ihre Lippen zuckten, und das Herz tat ihr 
wch, daß sie h-ätte laut aufschreien mögen vor 
Qual — aber sie lächelte. 
„Also gut Freund auf immerdar." 
„Auf immerdar, mein teures, gnädiges Fräu 
lein. Und nun ftll mein bester Freund Liselott 
-als erster mein Vertrauter sein in einer für mich 
wichtigen Angelegenheit. Ich rverde nicht mehr lan 
ge hier sein." 
Sie erschrak und sah erblassend zu ihm auf. 
In ihren Augen erschien ein Ausdruck, der ihn 
plötzlich wiäer einen Blick in ihr Inneres hätte 
tun lassen können. Aber sie faßte sich schnell. 
„Sie wollen sich versetzen lassen?" fragte sie 
hastig: 
„Rein, etwas anderes habe ich vor. Wer -da 
von kann ich mit Ihnen heute noch nicht reden. Ich 
denke, daß ich in den nächsten Tagen — vielleicht 
schon morgen —- bei Ihren verehrten Eltern vor 
sprechen werde — und — bann hoffe ich auch Ge 
legenheit zu fiàn, Ihnen alles zu sagen." 
Eine Ahnung dàmerte in ihr auf uni» er 
füllte sie mit llnruhe. 'Wer sie dachte dabei nicht 
-an sich, sondern nur an ihn, an sein Wohl und We 
he. 
„Was sie auch vorhabeit mögen — lch wünsche 
Ihnen Glück dazu," sagte sie ernst und schwer. 
Eine Weile sah er sie stuntm an, dann erwi 
derte er gleichfalls sehr ernst: 
„Ich danke Ihnen, daß- Sie so viel freund 
lichen Anteil an mi-r nehmem" 
Sie lächelte — aber dies Lächeln tat ihm felt- 
fcrnt weh. 
„Wir sind doch gute Frettirde," sagte sie ein 
wenig unsicher. 
And dann gingen sie wieder über den Rasenplatz 
nach der Terrasse zurück, von nebensächlichen- Din 
gen plaudernd. Dabei kamen sie an einem kleinen 
Zelt -vorbei, in dem niemand saß als Sandra Ran 
dolf und Robert Vallentinl Sie waren in so leb 
hafter Unterhaltung, daß sie mcht auf ihre Umge 
bung achteten. Sandras Gesicht zeigte ihr betören 
des Lächeln und Robert Vallentins Augen hingen 
weltvergessen an ihrenr schönen Antlitz. 
Unwillkürlich blickte Liselott ntit bangen Au 
gen in Rottmanns Gesicht und sie sah, daß er die 
beiden bemerkt hatte. Sein Schritt stockte und ex 
starrte mit brennen-den, sehnsüchtigen Augen zu 
Sandra hinüber. Diese höh jetzt flüchtig die -Äugen 
sFortsetzun» sollt.) 
und lächelte ihm zu. Da hdb sich Rottmanns Brust 
unter einem tiefen Seufzer. 
Lifelotts Herz krampfte sich zusammen. 
„Sie spielt mit Robert Vallenti-n, wie sie mit 
Heinz Rottmann spielt — ich muß ihr sagen, wie 
gefährlich es ist, diesem ktum Genesenden in schwere 
Herzenskämpfe zu stürzen. So schlecht kann sie nicht 
sein, daß -sie absichtlich Verderben heraufbeschwö 
ren wird, über die Menschen, die ihrem Zauber 
verfallen." 
So dackite sie in angstvoller Unruhe. Und das 
Herz war ihr schwer, als sei sie selbst dabei, eilt 
-großes Unrecht zu tun. — 
Inzwischen waren die Gäste vollzählig ver- 
lammelt und nun begann die Regimentskapelle 
mit einetn fröhlichen Marsch ihr Konzert. ^Danu 
folgte die Ouvertüre aus „Die lustigen Weiber 
von Windsor" 
Die Gesichter belebten sich, und als danach ein 
Potpurri aus „Die Fledermaus" erklang, war das 
junge Volk, daß den größten Teil der Gesellschaft 
ausmachte, wie elektrisiert. 
Am liebsten hätte man gleich begonnen, zu 
tanzen, aber darin war vorläufig nicht zu denken. 
Reges und flottes Leben herrschte in dem sonst Io 
still und einsam Legenden Park. Die Diener reich 
ten Erfrischungen herum und man sah nur lachen 
de und frohe Gesichter. 
Ganz besonders strahlend sah Robert Vallen- 
tin aus, der jetzt mit Sandra zu einer Gruppe jun 
ger Leute herangetreten war. Sandra hatte das 
Gespräch mit ihm abgebrochen, um nicht aufzufal 
len. Robert ließ sie über kaum noch aus den Au 
gen, und da sie sehr fröhlich schien, war er es auch.
	        
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