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Von HansThielmann.
v * er zurück, gänzlich durchnäßt, da er keinen
Schirm hatte. Auf die erstaunte Frage, wo er
denn gewesen sei, lautete lakonisch seine Ant
wort: „Verehrter Collega, Sie haben mich ein
geladen, über Nacht zu bleiben. Nun, ich habe
mein Nachthemd doch holen müssen." Crn
viertel Jahr darauf begleiteten alle Studenten
und Professoren Heidelbergs den geschätzten
Lehrer auf seinem letzten Weg.
(Schluß folgt.)
Dre großen Säle, durch deren Fenster unge-
ndert das Licht fluten kann, in dem hellen
strich der Wände, in der bequemen und
Şersichtlich angeordneten neuzeitlichen Be-
zŞuug, hinterlassen einen freundlichen Ein
ige technischen Vorbedingungen, die akkusti-
et,« Verhältnisse in den Vorführungssälen
sprechen den modernsten Erfahrungen. Es
dies alles für Heidelbergs Universität eine
Mangsnotwenöigkeit, wenn man bedenkt, daß
j-b^rcht nur deutsche Jugend, sondern auch
e ^irgend der Welt studiert, daß hier gleich
nrgsberg im Osten eine Reichsuniversität
er westlichen Grenzmark steht, die neben der
nnen Universität die Handelshochschule (vor
.'Mhren noch in Mannheim), die Dolmetscher-
Wchschule und andere nicht zu jeder Universi-
gehörige Institute (z. B. Zeitungswissen-
Mstliches Institut) birgt, daß zudem Kapa-
' älen auf allen Gebieten hatte und hat. Na-
en besagen nur dem mit den einzelnen Fach-
mieten Vertrauten etwas, erwähnt aber sei,
Heidelbergs Lehrstühle mit den größten
,Mstilern, Germanisten, Anglisten und Medi-
besetzt waren, daß vor 3 Semestern hier
.Ģ der größte Philosoph, vor wenigen Jah-
[ efl , oŗ. diobelpreisträger der Vorkriegszeit
ehrte, daß heute noch der bekannteste Medizi-
ņach dem dre Klrnik in Heidelberg benannt
r, dort lebt, daß auch jetzt noch die Deutsch-
S inn Ļehrstuhl des z. Zt. noch
hp^'ten Llteraturhrstorikers scharen. Heidel-
besitzt nach wie vor in seinen Gelehrten
s^./sUstzeug, die erste Schmiede deutschen
^erstes zu sein.
îiis nè t eine Studenten —! Ueberholte Formen
j ^ ô^ŗochen. Man neigt heute leicht dazu,
rch öre dringend notwendigen Maßnahmen,
+ nationalsozialistische Staat ergreifen
li>i nranchen guten Kern vergangener Zeit
a„^ņhaft abzuurteilen. Die Zeit zwar, wo die
nnanfechtbare Klasse, aufgebaut auf
rj nl ~ ņnb gutgespickte Börsen, durch die Gassen
dl-,?^şioļâmrten, ist vorbei,' die farbentragen-
ech ^ŗporatronen aber, die sich dem Geist
isiiv « 0 eUC cv ^^ìl dienstwillig beugten, haben
Form innerhalb der Kameradschaf-
ix lies Sî.S.D.St.B. gefunden. Sie bilden heu-
die Stoßtrupps, — und ihnen ist es unbe
rnmen, genau wie einst, Mut und männliche
ŗte vor der scharfen Klinge zu erproben. Es
Mröe sogar gewünscht, daß die Mensur als
rzrehungstüchtiger Faktor aufrechtzuerhalten
— und so erklingen heute wie einst droben
dem ältesten Mensurboden Deutschlands,
M „Hirschgasse", die scharfen Kommandos der
Sekundanten: „Zur Mensur fertig. Los!"
Heidelberger Skizzenbuch — Erlebtes und
* Erschautes,
deutsche Jugend revoltiert.
Es sind jetzt schon 6 Jahre her. In Baden
andeten dre roten Wellen des Marxismus
?z,^?^ņmunismus. In den Korporations-
şg >ş ", ôer Burschenschaften und anderer
i rbeutragender Verbände gärte die Revolte.
Karlsruhe spürten die roten Hetzhunde
em geheimen treiben nach. Auf den ^ör-
şŗ''."^drucktensich schmächtige Jünglinge und
ulst ^udengestchter, auf einem Lehrstrrhl
ÔCr ì^"^"gsten Dozenten, der in
^ Vorlesung den deutschen Soldaten des
Weltkrieges höhnte, ihm den Namen „drecki-
Sev Frontschwem" gab. Da brach die Revolte
Bor dem Disziplinargericht standen auşrechr
-Wei junge Burschenschafter im gold-schrvarz-
M-golüenen Frankenband. Urteil: Religation.
verächtlich zuckten die Mundwinkel der bet
en Studenten. Zwei Jahre später. Das Ber
ber Ministerium hebt die Religation auf.
sin Jahr danach. Eine tausendköpfige Pro-
îestoersammlung gegen Gumbel — so hieß der
Zehrer deutscher Jungakademiker. Gumbel
Zeht bei Nacht und Nebel Heidelberg. Zwei
Studenten absolvieren ihr Studium — und
8%n als Schriftleiter zum Völkischen Beob
achter.
^itt Original.
Abendliche Diskussion im Professorenhaus
Philosophenweg. Junge Studenten aus
»en Fakultäten sind zugegen — unter ihnen
er allseits sehr geschätzte Geheimrat. Ueber
Idelbergs dunkle Dächer dräuen nächtliche
Gewitterwolken. Man will sich gerade verab-
chieden, als die Naturelemente ihren Höllen-
'»nz in diesem Talkessel beginnen. Der Ge-
^imrat wird aufgefordert von der Frau des
Gastgebers, über Nacht zu bleiben. Er sagt zu.
5er Gastgeber lädt die anderen noch zu einer
Besichtigung seiner schönen Handschristen-
^brmlung ein. Der Geheimrat verläßt unbe-
"lerkt das Haus, 3cach einer Stuà kommt
Eine lustige Geschichle
von einem großen Herrn,
Von Sophie Droste -Hülshoff.
Zum General befördert
Ein berühmter Schauspieler sollte einst in
einem neuen Stück die Hauptrolle spielen. Und
zwar einen jungen, feschen Leutnant mit
Schulden, Liebesaffären und der Fähigkeit,
Mädchenherzen in ungeheurer Zahl zu er
obern. Der große Schauspieler stand damals
zwar immer noch im sogenannten besten 3Nan-
nesalter — das gerade für Mimen bekanntlich
oft sehr lange zu währen pflegt — hatte aber
im Laufe der Jahre immerhin schon ein
kleines Bäuchlein angesetzt und auch sonst —.
Kurz und gut, in der Theaterdirektion bezwei
felte man sehr, daß der große Mime in der
Leutnantsuniform gute Figur machen und
überhaupt trotz aller Kunst diese Rolle glaub
würdig verkörpern würde. Eine andere als
die Hauptrolle durfte man jedoch nicht anzu
bieten wagen. Deshalb setzte man sich mit
dem Autor des Stückes in Verbindung und
bewog ihn, sein Werk ein wenig umzuarbeiten
und aus dem Helden einen Hauptmann zu
machen. Nach der ersten Probe saßen jedoch
Theaterleiter, Dramaturg und Autor kopf
schüttelnd beisammen: „Es geht nicht!" hieß
es, und der Autor erklärte sich bereit, den
Helden seines Stückes schleunigst zum Major
zu befördern. Doch nach der nächsten Probe
stellte sichs heraus, daß auch diese Charge für
den Mann in den besten Jahren noch allzu
jugendlich war. Wieder große Beratung. Man
schlug dem Autor vor, aus dem Major einen
Obersten zu machen. Doch der geplagte Ver
fasser wehrte sich wütend:
„Fällt mir gar nicht ein! Womöglich reicht
dann der Oberst auch nicht und ich könnt' noch
mal von vorne anfangen! Nein, wenn ich das
Stück wirklich noch einmal umarbeite, dann be
fördere ich den Helden schon gleich zum Ge
neral! Höher gehts dann nicht mehr . . ."
So geschah es auch. Der berühmte Schau
spieler spielte einen flotten, jugendfrischen
General und nach der Premiere waren alle
zufrieden: der Theaterdirektor, der Autor und
nicht zuletzt der große Mime, den man überall
wegen der glänzenden Darstellung der Ge
neralsrolle gewaltig feierte.
Billige Schuhe
Humoreske von Hans Seiffert.
Jim und Jack saßen auf einer Bank im Zen-
tral-Park und lasen in einer alten Zeitung,
die jemand dort liegen gelassen hatte. Schlechte
Zeiten waren jetzt für zwei so ehrliche, brave
Burschen wie Jim und Jack! Plötzlich stieß
Jim seinen Kumpan in die Seite:
„Du alter Junge, hör mal zu! Hier lese ich
eben im „Herald" eine feine Sache. Da ist einer
in ein Schuhgeschäft gegangen und hat Schuhe
kaufen wollen. Sie haben ihn in einen Sessel
gesetzt, haben Schuhe geschleppt gebracht, und er
hat anprobiert. Wie ein Paar ihm recht gefal-
Vom Apotheker zum Sauger
Ein Gespräch mit Benjamins Gigli
^ Wir treffen Benjamins Gigli in seinem
Hotel, als er eben ein Telegramm von seiner
Frau erhält. Mit einem glücklichen Lächeln
reicht er es uns, es ist ein Glückwunsch zu sei
nem Auftreten. Vor jedem Auftreten erhält er
ein solches Telegramm, ganz gleich, ob er in
Madrid oder Berlin oder Düsseldorf singt.
Stets steht darin: Gottes Segen. Und jedes
mal liegt nach Beendigung des Konzerts ein
Ferngespräch mit Voranmeldung vor: Rom,
seine Frau, ist am Apparat und läßt sich von
ihrem Mann seine Eindrücke schildern. An
lernen Kindern, er hat eine Tochter und einen
er nrit rührender Zärtlichkeit und
atzt sich steig über ihr Befinden irformieren.
„Karriere, Geld, Ruhm, das ist alles nichts",
sagte er emmal. „Das einzige, an dem ich im
Leben Freude habe, sind meine Kinder."
Das ist Benjamino Gigli als Mensch. Man
versteht, daß er so viel Sympathie besitzt.
Ueber den K ü n st l e r Worte zu verlieren,
hieße Eulen nach Athen tragen, alle Opernbüh-
nen der Welt stehen ihm offen, unzählbar siiid
seine großen Rollen.
Beniamino 61x11
, . l J,T , i, wleder DeutS chland. Auch lür die Spielzeit
1936/37 ist der berühmte italienische Tenor für den
deutschen Film verpflichtet, und zwar von der
Bavaria
„Bei Ihrem angeborenen Talent ist es
Ihnen sicher leicht geworden, sich durchzusetzen,
Herr Gigli", fragen wir ihn. — „Sie irren.
Gerade das Gegenteil ist der Fall. Ich habe
durchaus nicht spielend meinen Weg gemach^
wie vielleicht viele denken,' ich entstamme auch
nicht etwa einer musikalischen Familie. 3Nein
Vater war ein armer Schuhmacher in Reca
ll ati und . . ."
Der Ort gibt den ersten Anlaß zur Unter
brechung. Soweit geht schließlich doch nicht das
geographische Wissen, daß man jedes unbedeu
tende Ziest in Italien kennt. Aber Gigli be
lehrt einen, daß dieses Nest gar nicht so unbe
deutend ist.
„Necanati liegt in den Ausläufen des römi
schen Apennin, südlich Ancona, unweit der
Aöriaküste. Hier starb Papst Gregor XII. und
liegt in der Gruft des Domes San Flaviano
begraben,' hier wurde Giacomo Leopardi,
einer der größten neueren italienischen Dich
ter, geboren."
Und hier stand auch die Wiege eines der be
gnadetsten Sänger der Welt, so muß man die
Chronik ergänzen.
^„Wie führte Sie der Weg zur Mailänder
Scala, der ersten großen Etappe Ihrer Lauf
bahn?"
„Nach Absolvierung der Schule sollte ich
Apotheker werden und habe auch eine ganze
Zeitlang fleißig Pillen gedreht und Mixturen
gemischt, aber der Wunsch, Sänger zu werden,
war übermächtig in mir, und eines Tages
setzte ich mich auf die Bahn und fuhr nach
Rom, wo ich mich prüfen ließ und auch ange
nommen ivurde."
„Und wann standen Sie zum ersten Male
auf den Brettern, die für Sie die Welt be
deuten?"
„Am 15. Oktober 1914 sang ich als 24jähriger
in Rovigo, nahe Padua gelegen, in „La Gio-
conda" die Hauptrolle. Wohl hatte ich Erfolg,
aber außer der Stimme fehlte mir noch so
ziemlich alles, was erst die wahre Künstler-
schaft ausmacht: darstellerische Gewandtheit,
Verinnerlichung des Gesanges, geistige Durch
dringung der Rolle. Der Direktor der Mai
länder Scala, der jener Vorstellung bei
wohnte, schüttelte den Kopf: „Sie müssen noch
viel lernen, gehen Sie erst einmal in die Pro
vinz und verdienen Sie sich dort die Sporen!"
Er hatte durchaus recht, und so zog ich durch
viele Städte, sang im Konzertsaal und auf der
Bühne."
„Und dann folgte als Krönung Ihrer Arbeit
an sich selbst die berühmte Mailänder Scala?"
„Auch noch nicht. Erst mußte ich noch drei
Jahre als Soldat meinem Vatcrlande die
nen."
„Dann aber hatten Sie es geschafft, der
Scala folgten Buenos Aires, Madrid, Barce
lona, Newyork, Berlin. Und nun haben Sie
auch im Film großen Erfolg gehabt. Werden
Sie weitere Filme drehen?"
„Ich hatte Angebote aus fast allen Ländern,
aber ich filme wieder m Deutschland."
Das Kunstwerk des Monats.
Holzstatue eines Müncheners Meisters um
1520: Der Heilige Georg. Das Werk ist eine
modisch elegante Darstellung des Drachen
töters. (Weltbild, K.s
len hat, hat die Verkäuferin zu ihm gesagt, er
solle mal ein paar Schritte drin gehen, damit
er auch ganz sicher wisse, ob sie gut sitzen. Nun,
er ist aufgestanden, ist einmal im Laden auf
und ab gegangen, und wie er gerade an der
Tür vorbeispaziert, geht die mit einem Male
auf, ein Gentleman kommt herein, haut ihm
eine saftige Ohrfeige herunter und reißt aus,
was ihn die Beine tragen. Alles ist starr,' aber
unser Mann, nicht faul, saust ihm nach. Mit
den neuen Schuhen an den Füßen. Und die im
Schuhladen warten jetzt noch darauf, daß er
zurückkommt!"
„Wieso?" fragte Jack harmlos.
„Wieso? Aber Jack. Menschenskind, hast du
denn nicht gemerkt, daß das zwischen den bei
den eine abgekartete Sache war, um billig zu
neuen Schuhen zu kommen?"
Jetzt erst kapierte der gute Jack und war be
geistert.
„Ein Paar neue Schuhe könnte ich schon lan
ge gebrauchen. Wie wäre es, wenn wir diesen
Trick auch mal probieren würden?"
„Abgemacht!" sagte Jim, der gute Kamerad.
Und sie lasen genau noch einmal die ganze
Geschichte durch und entwarfen danach ihren
Feldzugsplan.
Zwei Stunden später betritt Jack das Schuh
geschäft von Hutchinson in der 143. Straße.
„Ich möchte braune Halbschuhe!" sagte er zu
der Verkäuferin, die ihm lächelnd entgegen-
chwebt.
„Nehmen Sie bitte Platz in diesem Sessel!"
lädt sie ihn ein und kommt bald mit einem
halben Dutzend Kartons zurück.
Jack probiert.
Und das Herz klopft ihm bis zum Hals.
„Dürfte ich mal ein paar Schritte hin und
her gehen, damit ich sehe, ob der Schuh auch
wirklich gut sitzt?" fragt er endlich, als er
etwas Passendes glaubt gefunden zu haben.
„Aber gewiß, mein Herr!" erwiderte die
Verkäuferin dienstfertig.
Jack erhebt sich.
Geht mit wankenden Knien zur Tür . . .
Draußen hat der treue Jim schon gewartet.
Jetzt reißt er die Tür auf, macht einen schnel-
len Schritt in den Laden und haut seinem
Freund Jack die nun programmäßig fällige
Ohrfeige herunter. Und wie ein Blitz ist er auf
und davon.
,,Ha!" schreit Jack und — täuschend echt in
deinem Zorn, denn die Wange brennt wie
Feuer — gibt sich einen mächtigen Ruck und
stürzt dem Attentäter nach.
Die im Schuhladen stehen verblüfft.
Alles hat großartig geklappt.
„Zehn Minuten danach treffen sich Verfol
ger und Verfolgter wie verabredet etliche
Straßen weiter, an der Ecke 135. und 8. Ave
nue.
„Hallo, old boy!" schreit Jack.
„Hallo, old boy!" schreit Jim und läßt seinen
Blick abwärts wandern. Und sein Blick wird
starr ...
Und dann sagt er aus tiefstem Herzen:
„Jack, du bist doch der größte Trottel in ganz
USA! Du hast ja bloß am linken Fuß einen
neuen Schuh an. Und am rechten hast du noch
deinen alten Stiebel,, 4"
129
$uv Unterhaltung
29. Jahrgang ' Nr. 149
Beilage der Schleswig-Holfteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt)
Montag, den 29. Juni 1936