DLnenLnrn in Eiderstedt
Der von der Schleswig-Holsteinischen
Universitätsgesellschaft im Verlag Heimat
und Erbe, Kiel, in der Schriftenreihe zur
Volkstumsarbeit herausgegebenen Schrift
„Dänentum in Eiderstedt?" entnehmen
wir die nachfolgenden Ausführungen.*)
Es hat weithin in deutschen Kreisen größ
tes Erstaunen hervorgerufen, als die Absicht
des dänischen Grenzvercins bekannt wurde, in
Tönning an der Eider, der Kreisstadt des
Kreises Eiderstedt, eine dänische Minderhciten-
schulc zu errichten. Denn solange die Halbinsel
Eiderstedt besteht — ihre Geschichte können wir
immerhin an die tausend Jahre zurück ver
folgen —, ist die Volkssprache in den ehe
maligen Dreilanden Eiderstedt, Everschop und
Utholm niemals dänisch gewesen, und niemals
im Laufe der Geschichte haben in Eiderstedt
dänische Schulen bestanden, auch nicht in den
Zeiten, als diese Landschaft zusammen mit den
übrigen Teilen des Herzogtums Schleswig
unter der Herrschaft des dänischen Königs
stand, ja selbst nicht in dem Jahrzehnt nach
dem unglücklichen Ausgang der schleswig-hol
steinischen Erhebung, zwischen 1881 und 1864,
als der eiderdänische Minister fiir Schleswig,
Tillisch, die von dem Leiter des schleswigschen
Kirchen- und Schulwesens Regenburg emp
fohlenen dänischen Sprachverordnungen in
Kraft setzte. Von ihnen wurde nur Nord- und
Mittelschleswig betroffen, während in Eider
stedt wie in dem übrigen Nordfriesland und
dem reindeutschen Südschleswig das Deutsche
als Kirchen- und Schulsprache keine Einschrän
kung erfuhr, eben weil hier alle Voraus
setzungen für einen dänischen Unterricht und
dänischen Gottesdienst fehlten, weil diese Ge
biete rein deutsch waren.
Eiderstedt ist alter friesischer Volksboden.
Friesen haben hier, soweit wir die Geschichte
dieser Landschaft zurückverfolgen können, ge
siedelt und in zähem Ringen mit dem Meer
die Eiderstedter Marsch gegen Uebcrflutungen
gesichert und den Boden in Kultur genommen.
Ihr Werk sind die Warften, auf denen sie ihre
Wohnstätten errichteten, die Deiche, mit denen
sie ihre Heimat gegen die zerstörende Gewalt
des Meeres schützten, die Entwässerungsanla
gen, Gräben, Sielzüge und Schleusen, durch
die der Anbau des Bodens und die Entwick
lung der Marschwirtschaft ermöglicht wurden.
*1 Die Schrift ist durch den Buchhandel und vom Ver
lag „Heimat und Erbe", Kiel, Dänische Straße 43, zu
beziehen. Preis 0,20 RM.
Wenn auch die friesische Sprache in dieser Ge
gend Nordfrieslands seit langem für immer
verstummt ist und wir friesische Sprachdenk
mäler aus Eiderstedt nicht besitzen, so wissen
wir doch aus zeitgenössischen Zeugnissen, daß
um 1600 ilud weit darüber hinaus das Friesi
sche nebcu dem Plattdeutschen die Volkssprache
in der Landschaft war. So berichtet Heinrich
Ranzau am Eude des 16. Jahrhunderts: „Die
Bewohner dieser Halbinsel sprechen mit den
Fremden deutsch, unter sich aber eine eigen
tümliche lind ursprüngliche, den Fremden aber
unverständlche Sprache." Und Jacob Sax, ein
Landeskind, erzählt in seiner 1610 im Druck
erschienenen Beschreibung Eiderstedts: „Die
Bewohner verwenden außer dem Niederdeut
schen eine eigentümliche und ursprüngliche
Sprache, die ihnen mit den übrigen Ost- und
Westfriesen gemeinsam ist,- daraus geht deut
lich hervor, daß sie vou ihnen abstammen, wie
dies außer der gemeinsamen Sprache die
Aehnlichkeit der Sitten, Kleidung und Ge
bäude, ferner die Eigennamen beiderlei Ge
schlechts hinreichend bezeugen.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts stritt be
reits das Plattdeutsche mit dem Friesischen
um die Herrschaft als Volkssprache. Schon im
Mittelalter hatte das Plattdeutsche in eider
stedt weite Verbreitung gefunden. Es war die
Sprache des amtlichen Verkehrs, der Urkun
den. In ihr war auch das 1428 ausgezeichnete
Landesrecht, „die Krone der rechten Wahrheit",
abgefaßt. Vor dem Plattdeutschen hat schließ
lich das Friesische als Volkssprache weichen
müssen. Schon Dankwerth berichtet in seiner
bekannten Landesbeschrcibung 1652, daß vor
wiegend die plattdeutsche Sprache gebraucht
werde, vor allem in der östlichen Hälfte der
Landschaft. Doch wurde der Untergang des
Friesischen erst in der zweiten Hälfte des
18. Jahrhunderts besiegelt. Vis dahin hat es
sich sogar als Schulsprache behauptet. Erst
durch die Bemühungen des Generalsuperin-
tendcnten Struensee, im Interesse des Kate
chismusunterrichts das Hochdeutsche zur Un
terrichtssprache zu machen, ist das Friesische
aus den Schulen verdrängt worden. Seitdem
ist es auch als Volkssprache langsam zu
grunde gegangen. Seit der Wende des 18. und
18. Jahrhunderts kann die friesische Sprache
mit Ausnahme einzelner friesischer Wörter,
die in die plattdeutsche Eiderstedter Mundart
übergegangen sind, als ausgestorben gelten.
Seitdem herrscht als alleinige Volkssprache das
Niederdeutsche bis auf den heutigen Tag.
Toni ģnggler /
Urheberrechtsschutz durch Verlagsanstalt Manz,
München.
45)' Nachdruck verboten.
Toni folgt ihr in kurzem Abstand, während
Kerber seinem Sohn die Richtung nach der
Heindlschlucht zeigt.
„Kannst gar nicht fehlen", erklärt er ihm.
„Gehst schnurgerade auf die alte Zirbe da dro
ben zu. Ein paar hundert Schritte davon
entfernt ist der Ansitz. Brenn mir ja keine
Geiß zusammen. Das wirst du doch unter
scheiden können, was ein Mandl und ein
Weibl ist. Also los und Weidmannsheil!"
„Weidmannsdank, Papa!"
Rudolf schaut seinem Vater eine Weile
nach, dann nimmt er die angegebene Richtung.
Hinter einem Steinbuckel bleibt er stehen,
nimmt das Fernglas aus dem Futteral und
richtet es auf das Schwarze Joch.
Er sieht den Zaggler Toni und seine Frau
soeben in einer Mulde verschwinden.
Ein boshaftes Lächeln huscht über seine
Büge. Im ersten Moment denkt er daran,
den beiden nachzuschleichen und sie zu belau
schen. Gleich darauf verwirft er den Gedan
ken wieder, zündet sich eine Zigarette an und
schlendert gemütlich der Zirbe zu. Nach dem
Ansitz brancht er nicht lange zu suchen. Das
Plätzchen ist ihm gerade recht. Ein paar Fich
tenäste schützen ihn gegen den Brand der
Sonne.
Rudolf macht cö sich sehr behaglich, spannt
die Hähne der Büchse, legt das Gewehr neben
sich und denkt sich: „Kommt was, ist es recht,
kommt nichts, ist es auch einerlei."
Die Arme um die aufgezogenen Knie ver
schlungen, sitzt er ganz still, blickt zu den Wol
ken auf und malt sich in Gedanken die Ver
legenheit des Toni aus, wenn er zum ersten
Mal mit der Monika zusammen ist, die jetzt
sozusagen seine Brotgeberin geworden ist.
Vorerst muß er wohl solange hier bleiben,
b:s die Treibjagden beendet sind. Und da will
er dafür sorgen, daß Monika mit dem Jäger
oft beisammen ist. Er ist sich eigentlich nicht
ganz klar, warum er das will. Er empfindet
einfach eine gewisse Freude daran, sie - zu
quälen.
Währenddessen steigen Toni und Monika
zum Schwarzen Joch auf. Kein Wort ist noch
gewechselt worden zwischen den beiden.
Den Hut in den Nacken geschoben, eine tiefe
FaUe zwischen den Brauen, geht Toni mit
langsamen Schritten voraus. Auf einmal
Hochlandsromtt« vor» Hans Ernst
bleibt er stehen und wendet fein Gesicht Mo
nika zu:
„Weiß er etwas?" fragt er kurz.
„Was meinst du, das er wissen soll?"
Ihre Stimme klingt ganz matt.
„Ich mein', ob er weiß, was zwischen mir
und drr einmal war." Drohend fragt er es.
Monika überlegt einen Moment.
Jllein", lügt sie dann. „Er weiß von nichts."
^er Jäger lacht gepreßt vor sich hin und
geht wieder weiter. Monika still hinter ihm
her. Ihr ist zum Weinen, und auf einmal
kommt ihr der Entschluß, umzukehren.
Im selben Augenblick wendet sich Toni wie
der um.
„Dort drüben sind wir einmal Ski gefahr'n
weißt du 's noch?" ;
„Weihnachten war 's, wie du mir das
Kreuzt geschenkt hast", antwortet Monika und
blickt ihn voll an.
„Du hast nix vergessen, scheint mir."
„Nein, gar nichts."
Und dann reden sic wieder nichts mehr, bis
sie an ihren Stand kommen. Dort breitet Toni
seine Joppe auf den Boden, daß sich Monika
daraufsctzcn soll. Er selber kauert sich neben
ihr an einen Stein.
„Gib dein Gewehr her, dann lad ich dir."
Als sie ihm das Gewehr hinreicht, berühren
sich flüchtig ihre Hände. Wie ein Schlag geht
es durch alle beide, und sie mögen wohl alle
beide dasselbe denken: Es ist nicht gut, daß
wir so allein sind in der großen, steinernen
Einsamkeit.
Sein Gesicht ist üunkelrot gefärbt, als er sich
über den Lauf der Büchse beugt uud die Ku
geln cinschiebt. Monika schaut ihm zu und sie
merkt, wie seine Hände leise zittern.
Er legt das Gewehr wieder neben sie und
zieht an dem seinen die beiden Hähne auf.
Und so sitzen sie ganz still und vermeiden
ängstlich, einander anzublicken.
Vor ihren Augen steigen riesenhaft die
kühlen, kahlen Wände auf. Kleine Steine rie
seln zuweilen wie Bäche die Spalten herab.
„Hast ihn gern?" fragt der Jäger plötzlich
rauh und hart in die Stille hinein.
Monika schreckt zusammen. Dann schüttelt
sie den Kopf und schaut einem Zitronenfalter
zu, der sich auf einem Almrosenbüschel vor
ihren Füßen wiegt.
Vom Hauptstand her hallt der erste Schuß
und das Janchzen und Lärmen der Treiber
unterbricht jäh die Stille.
„Also, net gern hast ihn", fährt der Jäger
unbarmherzig fort, als das Echo des Schusses
Dieser sprachliche Kampf, der sich im Laufe
der Jahrhunderte auf Eiderstedter Boden ab
gespielt hat, ist ausschließlich zwischen dem
Friesischen und Plattdeutschen ausgcfochten
worden. Das Dänische ist daran zu keinen
Zeiten irgendwie beteiligt gewesen. Dänisch
ist mit Ausnahme von dänischen Beamten in
Eiderstedt niemals gesprochen worden, Dänisch
ist nie Schul- und Kirchensprache, nie auch die
Sprache des amtlichen Schriftverkehrs der
Behörden gewesen. Wie angesichts dieser hi
storischen Tatsachen Rektor H. P. Hansen be
haupten kann: „Wo wir hier unten bauen, da
bauen wir für die alte, in schweren Zeiten ver
drängte Sprache des Landes", oder wie ein
ungenannter Verfasser der dänischen Grenz
zeitschrift „Granesevagten" im Juliheft des
vorigen Jahres von dem unmittelbar an der
Eiderstedter Grenze von Holländern gegrün
deten Friedrichstadt erklären kann: „Selbst
hier werden sie auch Landsleute treffen, welche
tastend die Sprache lernen, die einmal für
uns alle gemeinsam war" (d. h. für die Dä
nen und Friedrichstädter), das bleibt ihr allei
niges undurchdrinlichcs Geheimnis.
Ja, vielleicht aber haben vor den Frresen
Dünen in Eiderstedt gesessen? Sie könnten
demnach Prioritätsrechte geltend machen?
Oder haben sie vielleicht mit den Friesen ver
mischt in größerer Zahl neben ihnen hier ge
siedelt, so daß sie gleiches Heimatrecht wie die
Friesen in Eiderstedt hätten? Aber auch da
mit ist es nichts. Denn die Orts- und Flur
namen, diese uralten Urkunden der Sieö-
lungsgeschichte, die auch dann noch von der
Stammeszugehörigkeit der Bewohner zeugen,
wenn die ursprüngliche Sprache längst ver
stummt ist, sie tragen keinen dänischen Cha
rakter, sie sind in hren Endungen sowohl wie
in den Bestimmungswörtern friesisch. Auf die
Anführung einzelner Beispiele kann hier ver
zichtet werden. Man wäre genötigt, sie sämt
lich aufmarschieren zu lassen. Im übrigen mö
gen die Eiderstedter „Dänen" sich an Hand der
Kartenskizzen, die Bill), la Cour seiner Dar
stellung im ersten Bande von „Sonderjyllands
Historie" beigegeben hat, davon überzeugen,
oder sie können nachlesen, daß der mit den
Eiderstedter Verhältnissen aufs beste vertraute
ehemalige Tatinger Kantor L. L. Petersen, der
Vater des während der Abstimmungszeit zu
den Dänen übergewechselten bekannten Corne
lius Petersen, über diese Dinge im 4. Heft
„Mitteilungen des Nordfriesischcn Vereins
für Heimatkunde und Heimatliebe" ausge
führt hat. Wenn daher in Eiderstedt Dänen
unter den Friesen in ältester Zeit gesiedelt
haben, dann muß ihre Zahl so gering gewesen
verhallt ist. „Dös g'schieht dir grad recht."
h» „Net hart sein zu mir, Toni!"
Ihre Stimme ist lind und warm, wie Som
merwind über einem Kornfeld.
„Du warst viel härter zu mir", antwortet
er. Dann macht er eine abwehrende Geste mit
der Hand. „Reden wir nix mehr! Es führt zu
nix."
Aber nun ist cs Monika, die weiterspricht.
Sie erzählt ihm, wie sie damals in der Sams
tagnacht das Zusammensein von Juta und
Toni unfreiwillig belauscht habe. Sie schildert
ihm alles so eindringlich, als sei cs gestern
erst gewesen. Betrogen habe sie sich gefühlt
und verraten. Und als sie den Glauben an ihn
wiedergefunden hätte, da sei es zu spät gewe
sen, denn im Brautkleid, wenn die Glocken
schon zum dritten Male läuten, könne man
ohne Schande nicht gut umkehren.
Das Gesicht des Jägers ist hart wie Granit,
als sie ihm das alles erzählt. Aus jedem Wort
hört er heraus, wie sie ihn immer noch liebt.
Und er liebt sie auch noch. Er hat noch nie
aufgehört, sie zu lieben. Und sie sitzen neben
einander, so nah, daß sie den Schlag ihrer Her
zen hören.
Nur eine Handbreit Moos und ein kleiner,
grauer Stein ist zwischen ihnen. Er könnte
leicht die Hand nach ihr strecken, könnte ihr
zärtlich und leise über das Haar streichen, wie
in früheren Tagen, im Buchenwäldchen. Aber
er darf nicht, denn die, welche da mit klopfen
dem Herzen neben ihm sitzt, ist nicht mehr die
Monika vom Buchenwäldchen, sondern die
Frau eines anderen, die Frau seines Brot
herrn.
Wie zur Mahnung fällt im selben Augen
blick von der Heindlschlucht herüber ein
Schuß.
„Der Herr Gemahl pulvert auch schon", will
Toni sagen. Aber er verschluckt es gerade noch
rechtzeitig und sagt:
„Sichst, Monika, damals in der Samstag
nacht, das war mein Abschied von Juta. Nie
mals war etwas zwischen uns, das du nicht
hättest wissen dürfen. Und auch von diesem
letzten Beisammensein hätt ich dir schon am
nächsten Tag erzählen wollen. Aber du hast
mich gar nicht recht zu Wort kommen lassen.
Und wie ich dann am Sonntag wieder ins
Dorf kommen bin, da hat man dich von der
Kanzel verlesen."
Die Treiber nähern sich dem Ende des Lat-
schenfeldes und Toni nimmt die Büchse auf.
„Wenn was kommt, dann halt gut hin",
raunt er Monika zu. „Im Notfall geb ich einen
Fangschuß."
Aber es kommt nichts, und die Treiber
schwenken wieder links ab und machen einen
Bogen zum Hauptstand hin. I
sein, daß unmöglich die Behauptung gewagt
werden kann, daß überall im Herzogtum
Schleswig, „wo deutsche Sprache und Gesin
nung gesiegt haben, Boden und Blut dänisch
sind." Denn diese angenommenen Dänen ha
ben es nicht vermocht, den Boden Eiderstedts
ihren Stempel aufzudrücken. Kein Orts- und
Flurname kündet von ihnen, und es wäre
mehr als sonderbar, daß ausgerechnet in den
heutigen Eiderstedter „Dänen" das Blut dieser
Vorfahren wieder zum Durchbruch gekommen
sein sollte.
Wer ist Mels Brrkh?
Niels Vukh, der Vorsteher der berühmten
Gymnastikhochschule in Ollerup (Fünen),
führt bekanntlich am Sonntag, dem 5. Juli im
Flensburger Stadion ca. 300 seiner Schüler
vor, darunter die Riege, mit welcher er sich an
den Olympischen Spielen beteiligt.
Vukh, welcher jetzt im Alter von 56 Jahren
steht, war in den ersten Jahren nach seiner
Konfirmation Seemann, danach (1898—1907)
Landwirt. Daneben besuchte er verschiedene
Volkshochschulen und Landwirtschaftsschulen.
Hier beteiligte er sich mit besonderer Energie
an dem Tanzunterricht. 1908—09 absolvierte B.
das dänische Staatsinstitut für Gymnastik. Da
nach bildete er sich zum Lehrer aus. Seit 1914
ist er Vorsteher der Gymnastikhochschule in
Ollerup (Fünen), die er nach und nach zu
einer hochwertigen Musteranstalt für Sport
ausbaute.
B.'s Arbeit als Gymnastik-Pädagoge hat
zwei Seiten: Mit der Gymnastik des Schweden
Ling hat B. eine neue Arbeitsmethode geschaf
fen: die sogenannte primitive Gymnastik, durch
welche man besonders die Gelenke geschmeidig
zu machen sucht. Dies wird durch eine Reihe
von besonderen Uebungen erreicht.
B. hat sich als Instrukteur von hohem Rang
erwiesen. Er versteht es wie kein anderer Dä
ne, seine Schüler in die Arbeit einzuspannen.
Mittels dieser Eigenschaften hat B. es verstan
den, eine Menge Abteilungsführer von hohem
Werte heranzubilden. Bei vielen Gelegenhei
ten hat er seine Gymnastik im Auslande vor
geführt, z. B. bei den Olympischen Spielen in
Stockholm 1912, in Antwerpen 1920. in Paris
1924. Er unternahm auch Vorführungsreisen
nach Amerika, Island, Holland, England,
Finnland, Rußland, China, Japan, Kanada,
Weltausstellung in Brüssel, und seine mehr
maligen Vorführungen in Berlin fanden
höchste Anerkennung.
Es wird wieder still um die beiden.
„Ich hab dich angelogen vorhin", sagt Mo
nika zögernd.
„Warum angelogen?"
„Er weiß nämlich alles, wie es früher mit
uns zwei g'standen ist."
Tonis Gesicht färbt sich dunkclrot.
„Dann meint er es net ehrlich, daß er uns
zwei allein läßt."
„Sonst hat er keinen Grund, mich zu quä
len, jetzt sucht er halt einen. Ich hab seine Ab
sicht gleich erkannt, heut morgen."
Tont ballt die Fäuste.
„Das muß er mir büßen! Bei dem G'schäft
mach ich net mit."
„Ich bin doch so froh, daß ich wieder einmal
bei dir sein kann. Jetzt trag ich alles leichter,
weil ich weiß, daß du mir nimmer bös bist."
„Es ist aber net gut, Monika, wenn wir so
allein sind. Ich hab dich doch gern und du
mich auch. Uud jung sind wir halt, Monika,
so jung noch."
„Wir müssen stark sein, Tonele", mahnt sie.
„Was weißt du, Monika, wie mir zu Mut
ist. Ich mein grad, ich müßt dich in meine
Arme nehmen und müßt dich nimmer fort
lassen von mir."
„Es wär eine Sünd vor dem Herrn", sagt
sie noch eindringlicher.
„Warum führt er uns dann in Ver
suchung?"
Da beugt sie sich zu ihm hinüber und um
faßt seine Hand: „Wir wollen uns net mehr
sein, als wir uns sein dürfen, Toni. Magst?"
Toni lacht rauh vor sich hin. Die Wände
werfen den Ton zurück. Es hört sich wie Wei
nen an, was da aus den Wänden zurück
springt, und dazwischen poltert dumpf ein
Steinschlag.
„Daß aus Freundschaft Liebe wird, davon
hab i schon gehört. Aber daß aus Liebe
Freundschaft werden soll, das will mir net
eingehen. Jedenfalls —", er macht seine Hand
aus der ihren mit energischem Ruck los —,
„jedenfalls geh ich morgen nimmer mit dir
allein. Lieber meld ich mich krank."
Monika gibt keine Antwort mehr. Sic blickt
traurig vor sich hin auf die Almrauschbüsche,
die sich leicht im Wind bewegen.
Da nähern sich die Treiber vom zweiten
Trieb.
Toni reckt sich ein wenig und flüstert Mo
nika zu:
„Paß auf, ich glaub, jetzt kommt was."
Im selben Augenblick sieht man auch schon
den flüchtigen Rehbock zwischen den Latschen
auftauchen.
(Fortsetzung folgt.)