Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

129. Jahrgang. 
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Ärhleswrg-HollîàîschL 
129. Jahrgang. 
ReerêĢdMgLL Smeblntt 
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Nr. 150 
ZMSW. den 36. Zum 
1936 
Nation auf die Gestaltung feines Lebens nach 
dem eigenen Gesetz. Und lvir selbst missen, daß 
die Zukunft zeigen wird, wie unbegründet dis 
Befürchtungen um das Schicksal der freie» 
Forschung in Deutschland sind. Und doch scheint 
jetzt die Stunde gekommen, einmal offen vor 
den Freunden des deutschen Geistes über den 
Sinn dieser Vorgänge zu sprechen. Damit es 
klar werde, daß auch diese Vorgänge aus der 
tragenden Idee der nationalsozialistischen Be 
wegung verstanden werden müssen, daß damit 
aber noch nicht die Antwort auf die Frage ge 
geben ist: Wie steht der Nationalsozialismus 
zur Wissenschaft? 
Die nationalsozialistische Bewegung hat sich 
vor der Geschichte die Aufgabe gestellt, dem in 
sich zerklüfteten und an seiner Zukunft ver 
zweifelnden deutschen Volk den Glauben an 
seine Substanz wiederzugeben und eine neue 
Einheit der Nation aus den lebendigen Kräf 
ten des Volkes zu gestalten. 
Der Nationalsozialismus hat den unbelehr 
baren Feind des deutschen Wiederaufstiegs den 
marxistischen Leugner des nationalen Prin 
zips von allen verantwortlichen Stellen des 
öffentlichen Lebens entfernt und ihm so die 
Möglichkeit genommen, seine politischen Ideen 
zu verwirklichen,- wenn er dabei vor den Toren 
der Universität nicht Halt machen konnte, so 
nur darum, weil auch hier Vertreter jenes 
Regimes saßen, was wir soeben gestürzt hat 
ten. Wir haben sie entfernt als Parteigänger 
einer politischen Lehre, die den Umsturz aller 
Ordnungen auf ihre Fahne geschrieben hatte. 
Wir mußten hier umso entschlossener zugrei 
fen, als ihnen die herrschende Ideologie einer 
freien und voraussetznngslosen Wissenschaft 
ein willkommenes Ziel für die Durchführung 
ihrer Pläne zu sein schien. Der Nationalsozia 
lismus hat erkannt, daß Wissenschaft ohne 
Voraussetzungen und ohne wertmäßige Grund 
lagen überhaupt nicht möglich ist. Alle großen 
wissenschaftlichen Systeme der Vergangenheit 
waren, getragen vom Glauben an den Sinn der 
Welt und die Bestimmung des Menschen zu 
ihr. 
Gegen die Lehre vom abstrakten, theoretischen 
Subjekt, gegen die Zerreißung des wirklichen 
Lebens bot der Nationalsozialismus seine Ein 
sicht, daß der Mensch auch als erkennendes 
Das geplante Attentat auf Europa 
Festakt in der Heidelberger Stadthalle 
Machtvolle DeutMg deutscher Wiffeuschast 
Reichsminister Dr. Rust spricht über „Nationalsozialismus und Wissenschaft" 
Die Glückwünsche der ausländischen Delegierten 
DNB. Heidelberg, 29. Juni. Die Feiern zum 
850jährigen Bestehen der Universität Heidel 
berg nahmen am Montag vormittag ihren 
Fortgang. Der erste von der Universität ge 
tragene Festakt vereinigte die in- und aus 
ländischen Teilnehmer in der feierlich ausge 
stalteten Stadthalle. In langem Zuge schritten 
die vielen Rektoren und Dozenten der deut 
schen Universitäten zusammen mit den Vertre 
tern der ausländischen Universitäten und Hoch 
schulen vom neuen Universitätsgebäude durch 
ein dichtes Spalier der Heidelberger Bevölke 
rung, durch die alten Straßen der Stadt Hei 
delberg bis zur Stadthalle. Dort grüßten zahl 
reiche Ehrengäste, an ihrer Spitze die Reichs 
minister Dr. Rust, Dr. Frank, Seldte, 
Staatssekretär Dr. M e i ß n e r, Reichsleiterin 
Frau Scholtz-Klink, Auslandspressechef 
der NSDAP. Hanfstaengl und der badi 
sche Ministerpräsident Koehler mit den ba 
dischen Staatsministern Prof. Dr. Schmitt- 
henner, Pflaum er und Dr. Wacker, 
den feierlichen Einzug der Abordnungen in- 
und ausländischer Universitäten, Hochschulen 
und Akademien. 
Nach der Ouvertüre aus der Suite Nr. 3 
von Johann Sebastian Bach, dirigiert vom Ge 
wandhaus-Kapellmeister Professor Hermann 
Abendroth-Leipzig, begrüßte der Rektor 
der Heidelberger Universität, Dr. Groh, die 
festliche Versammlung und gab bekannt, daß 
die Reichsregierung zum heutigen Jubiläum 
der Universität 300 000 JIM als Anteil zum 
Neubau einer Frauenklinik übergeben hat. 
Den ausländischen Jubiläumsteilnehmern 
dankte der Rektor dafür, daß sie sich nicht ab 
halten ließen, zur Feier zu kommen. Das sei 
für uns höchste Ehrung und stärkster Beweis 
dafür, daß wir auf dem richtigen Wege sind, 
den Namen Heidelberg in der Welt heute wie 
früher und fernerhin zu vertreten. (Lebhafter 
Beifall.) Der Redner richtete herzliche Be 
grüßungsworte an alle Gönner und Förderer 
der Universität und gab dann einen geschicht 
lichen Rückblick auf Niedergang und Höhepunkt 
der vergangenen Jahrhunderte. 
Dann hielt Reichsminister Rust seine be 
deutsame, mit großem Beifall aufgenommene 
Rede über „Nationalsozialismus und Wissen 
schaft". Er führt u. a. aus: 
„Dem Außenstehenden weithin verborgen, 
vollzieht sich seit dem Jahre der Wende an den 
Hohen Schulen Deutschlands ein Ausbau der 
einzelnen Wissenschaften aus den befruchten 
den Antrieben der neuen Weltanschauung und 
der völkischen Wirklichkeit, die mit einem 
Schlage den Zustand des Auseinanderfalls der 
Wissenschaft in eine Unzahl vereinzelter be 
ziehungsloser Fächer beseitigte und ihr wieder 
eine lebendige, innerlich verpflichtende Mitte 
gab. Diese Bemühungen der Wissenschaft je 
doch, sie vom Strom der neuen Bewegung be 
fruchten zu lassen und ihre Fragen aus der 
neuen Sicht zu stellen und zu lösen, erregten 
die Aufmerksamkeit des Betrachters zunächst 
weniger, als vielmehr gewisse politische Maß 
nahmen des Staates, die im Vollzüge der 
nationalsozialistischen Revolution auch an den 
Hochschulen notwendig wurden. 
Nicht nur aus dem Munde des politischen 
Gegners, sondern auch aus dem des ehrlichen 
Freundes deutscher Kultur vernehmen wir die 
Besorgnis, daß der Nationalsozialismus die 
Wissenschaft zur Magd der politischen Gewalt 
erniedrige, daß er sie ihrer Freiheit und Un 
abhängigkeit beraube, die sie sich in den geisti 
gen Kämpfen der Vergangenheit schwer genug 
errungen habe. Deutschland, das so viele kühne 
Bahnbrecher der Wissenschaft hervorgebracht 
habe, laufe Gefahr, seinen Namen als Hurt 
des freien Geistes zu verlieren. 
Der nationalsozialistische Staat braucht sich 
wegen keiner seiner Maßnahmen zu verteidi 
gen. Was er tat, tat er aus dem Urrecht der 
Glied einer natürlichen und geschich. lichen Ord 
nung bleibt und niemand eine Wirklichkeit zu 
erkennen vermag, zu der er nicht in einer hö 
heren Bindung steht. 
Der Mensch ist ein aktives Wesen, das in 
seiner Ganzheit, also auch in seinen einzelnen 
Tätigkeiten ursprünglich verbunden ist mit sei 
ner Welt und durch sie bestimmt. Die Bindung 
des Menschen an die Gemeinschaft des Blutes 
und der Geschichte ist nicht dem Menschen Zu 
lässiges, etwa ivovon er sich befreien soll, son 
dern es ist unser Schicksal, zu dem wir uns 
demütig und stolz zugleich bekennen. Alle un 
sere Leistungen tragen den Stempel dieser 
Bindungen. Das Erkennen selbst wird wohl 
erst durch sie und durch die Leidenschaft der 
Anteilnahme an den Gegenständen der Er 
kenntnis möglich. 
Wir glauben, daß wir dieser Erkenntnis auf 
den Grund gegangen sind und damit eine Idee 
gewonnen haben, die erst wieder eine Einheit 
der Wissenschaft ermöglicht. Die einfachen Le 
bensformen, die unsere Jugend sich heute selbst 
gestaltet, sind nicht erwachsen aus Nachahmun 
gen eines vorher verstandsmäßig erfaßten 
griechischen Vorbildes, sondern umgekehrt: der 
geheimnisvolle Strom artverwandten Blutes 
durch Jahrhunderte verschüttet, bricht plötzlich 
wieder auf und mit einem Mal erkennen wir 
die verwandten Züge im Antlitz des griechi 
schen Menschen, die mit den Begriffen der ed 
len Einfast und stillen Größe, mit dcn"^ sich 
das Griech'enbild eines ganzen Jahrhunderts 
begnügte, keineswegs erschöpft sind. Wir emp- 
Von Prof. Dr. Franz Jehlicka, Budapest-Genf, Präsident des slowakischen Rates 
Flugplätzen teil. Auf dem Gebiet, das westlich und Kuriere in Mitteleuropa aus der Prager 
der Straße Ungvar-Minaj liegt, befinden sich Sowjetgesandschaft. 
Kohänstosill^ger^von^Ungva^sowie"auch che Attentat auf Europa kaun nur 
Flughalle. Am Ufer des Flüßchens Uh, 2 Klm ^ urc ^ ö Zustandekommen ente» polnrich 
31m 16. Mai 1935 wurde in Prag „im Inter 
esse des Friedens" der Militärpakt mit Mos 
kau abgeschlossen. Wie wichtig für die Smvjets 
die Verlegung ihrer Flugzeugstützpunkte nach 
Mitteleuropa ist, geht aus der nachstehenden 
Aeußerung eines Sowjetfliegers und Mit 
glieds der Kommunistischen Partei d. UdSSR, 
hervor („Gringoire", 15. Dezbr. 1936, S. 13): 
„Unsere viermotorigen Bomber TB 3 flie 
gen durchschnittlich mit 200 Stundenkilometern 
und erreichen eine Steighöhe von 6000—7000 
Meter. Sie tragen 12 Maschinengewehre und 
Betriebsstoff für 2000 Klm. 
Von Minsk nach Berlin sind es 950 Klm. 
Der TB 3 kann demnach diesen Weg mit einer 
Tonne Sprengstoss zurücklegen, vorausgesetzt, 
daß Deutsche und Polen uns Minsk als Ope 
rationsbasis belassen. Die Schaffung von 
Flugstützpunkten vor und hinter Prag wäre 
für uns ideal. Von da aus könnten wir die 
Flugzeit auf die Hälfte verringern und müß 
ten nur halb so viel Betriebsstoff mitführen, 
wodurch es uns möglich wäre, 3 Tonnen 
Sprengstoff mehr mitzunehmen." 
Wenn cs den Bolschewisten bei der Freund 
schaft mit Prag allein um die Steigerung der 
Wirksamkeit ihrer Bombenflugzeuge geht, die 
ganz Europa in Brand stecken sollen, so sind 
die Tschechen an diesem Bündnis aus nicht 
minder verwerflichen Gründen interessiert. 
Der hohe Staatsfunktionär Ripka sagte anläß 
lich des Besuches einer Abordnung von Sow 
jetjournalisten zu diesen: 
„Wir können Sie versichern, daß die Tsche 
choslowakei von antibolschewistischen Mächten 
umgeben, von nun an zum Einfallstor der 
Sowjets nach West- und Mitteleuropa wer 
den wird. Es lebe die Rote Armee!" 
Benesch erklärte den Sowjetdelegierten bei 
der Unterzeichnung des Militärpaktes, sie 
möchten sich, so oft sie in die Tschechoslowakei 
kämen, wie zu Hause fühlen. Von dieser Auf 
forderung scheinen die Sowjets tüchtigen Ge 
brauch zu machen (wie die ständigen gegensei 
tigen militärischen Besuche und Abkomman 
dierungen beweisen. D. Red.). 
In der letzten Zeit entwickeln die militäri 
schen und zivilen Abordnungen der Sowjet 
union besonders in der Slowakei eine bemer 
kenswerte Tätigkeit. Militärbeauftragte neh 
men an der Errichtung und dem Aufbau von 
westlich von Ungvar, befindet sich das Spreng- 
stosslager. Bei diesem Flugplatz, dem größten, 
den die Tschechoslowakei der Roten Armee zur 
Verfügung stellt, baut man eine unterirdische 
Flugzeughalle für 60 Flugzeuge. Sowjetrussi 
sche Truppen liegen bereits auf dem Gebiet 
der Tschechoslowakei in Garnison. In Böhmen 
und in der Slowakei sieht man zahlreiche erst 
kürzlich errichtete Baracken, in denen das 
Sowjetmilitär untergebracht ist und vor denen 
es selbst die Wachen stellt. 
Um die Wichtigkeit der Rolle zu erkennen, 
die Prag in der Bolschewisierung Europas zu 
kommt, muß berücksichtigt werden, daß die 
Tschechoslowakei nicht nur zum „Flugzeugmut 
terschiff" der Roten Armee wurde, sondern 
daß Prag gegenwärtig auch die Zentrale der 
kommunistischen Propaganda in Europa, der 
wichtigste Stützpunkt der Moskaner Komin 
tern ist. Erwähnt sei nur der bekannte Dieb 
stahl einer Liste der bolschewistischen Agenten 
ungarischen Blocks, der durch Teilnahme an 
derer Staaten erweitert werden kann, abge 
wehrt werden. Es wäre ein Schutzwall der 
europäischen Zivilisation gegen den Bolsche 
wismus für den Fall, daß dieser, sei es mit 
Militärgewalt, sei es durch unterirdische 
Wühlarbeit, die Macht in irgendeinem euro 
päischen Staat ergreifen wollte. Der Slowaki 
sche Rat hat den Völkerbund bereits in zwei 
Denkschriften auf die bolschewistische Gefahr 
aufmerksam gemacht und die gesamte Kultur 
welt dringend zur Abwehr aufgerufen. Sollte 
der Völkerbund nicht die Möglichkeit finden, 
dieser Gefahr einen ernsten Widerstand ent 
gegenzusetzen, so müßten die bedrohten Staa 
ten selbst die geeigneten Maßnahmen ergrei 
fen, um sich vor dem Untergang zu retten. 
Völker Europas, vereinigt euch gegen diese 
Gefahr! 
(Copyright by Niveluugen-Vcrlag in Ber 
lin und Leipzig.) 
Direkte Folgen der Hitzroelle 
scheinen die geradezu blödsinnigen Einfülle zu 
sein, die man in den Redaktionsstuben einiger 
französischer Sensationsblätter hinsichtlich an 
geblicher Pläne des Ncgus gehabt hat. Da 
wird ihm allen Ernstes angedichtet, er wolle 
sich nach der Genfer Tagung, wo er am mor 
gigen Mittwoch persönlich seine Sache vor dem 
Völkerbund zu vertreten gedenkt, nach Gore 
in Westabessinien reisen, um mit Hilfe der 
angeblichen dortigen Rumpfregierung einen 
letzten Widerstand bis zum Aeußersten zu 
organisieren. Ja er wolle sogar, versichern die 
französischen Hundtags-Reporter, vom Völker 
bund — ausgerechnet vom Völkerbund! — eine 
finanzielle Unterstützung größten Stils bei 
seinem letzten Kampf gegen Italien fordern. 
Wir haben sonst keinen Anlaß mehr, uns 
mit der Person des entthronten Kaisers von 
Abessinien noch zu beschäftigen. Aber wir glau 
ben, daß er denn doch zu intelligent und erst 
recht durch die niederschmetternden Erfahrun 
gen vor allem der letzten neun Monate zu ge-, 
witzigt ist, als daß er ernstlich irgendeinen 
dieser albernen Einfälle gehabt haben könnte. 
Selbstverständlich denkt der sogenannte Völ 
kerbund, der sein Mitglied derart im Stich 
ließ, nicht im Traum daran, in dieser für 
Genf völlig erledigten Angelegenheit auch nur 
noch einen Finger zu rühren, ja dem Negus 
auch nur die Rückkehr in seine Heimat zu ge 
statten. Dafür wird in erster Linie schon Eng 
land sorgen, das sich auf keinen Fall durch 
eine unzeitgemäße abessinische Privatromantik 
in so wichtigen Aufgaben wie der Einigung 
mit Sowjctrußland über die Dardanellenfrage 
oder gar der aufs lebhafteste betriebenen 
neuen Angliederung an Frankreich stören las 
sen wird. Im übrigen ist ein Widerstand mit 
irgendwelchen schlechtbewaffneten, ungeschul 
ten Kriegerhorden natürlich heute noch viel 
aussichtsloser als zu der Zeit, da der Negus 
noch über ein halbes Dutzend Heere verfügen 
zu können glaubte.
	        
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