Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Dienstag, Den 30. Juni 1936 
Jahrgang 129. > Nr. 150 
Sportbeilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt) 
DerKampfumdasBlaueBand 
Das Derby der Stuten — die neue Rekordzeit 
im Deutschen Derby. 
Bei herrlichstem Sommerwetter wurde am Sonutag- 
uachmittag in Hamburg-Horn zum 88. Male das Deutsche 
Derby gelaufen, mit dem die Hamburger Derbywoche 
ihren Höhepunkt und festlichen Ausklang fand. Schon seit 
Tagen lag eine Derbystimmung über Hamburg, ein Fie 
ber für die edlen Pferde, die zum züchterisch bedeutend 
sten Rennen antreten. Selten hat die Entscheidung des 
Deutschen Derbys so viele Menschen i» Bewegung ge 
bracht. Unter den vielen Ehrengästen befanden sich auch 
der preußische Minsterpräsidcnt, Generaloberst Goring, 
und seine Frau, der Oberbefehlshaber der Wehrmacht, 
Generalfcldmarschall v. Blomberg, und Generaloberst 
». Fritsch, ferner die Spitzen der Partei und ihrer Glie 
derungen sowie die diplomatischen Bertrcter und ihrer 
Gliederungen. 
Es ist seltsam,' jedesmal, wenn man zum Deutschen 
Derby geht, ist das Bild des vergangenen Jahres noch in 
Erinnerung — und doch eröffnet sich einem nun wieder 
ein ganz anderes Bild, erregender und einmalig. Die 
Erregung des Hauptrcnnens war diesmal besonders 
stark, gab es doch keinen eigentlichen Favoriten. Um so 
mehr erstaunte das Ergebnis und die neue Rekordzeit. 
Ein falscher Start 
im Derby ließ die Erregung noch um etliche Grade stei 
gen. Lange sah das klassisch- Rennen nach einem Sieg 
àcs Weiubergschen Periaudcr aus, der Favoritenchrcn 
genoß. In der Geraden wurde aber Nereide vorgewor 
fen, die leicht über Periander hinwegzog und mit vier 
Längen überlegen gewann. Der Sieg der Stute des 
Gestüts Erlcnhof, die in ihrer Nennlaufbahn ungeschla 
gen ist, wurde mit großem Jubel aufgenommen, der sei 
nen Höhepunkt erreichte, als Ministerpräsident General 
oberst Göring dem siegreichen Jockey Grabsch gratulierte 
und die Stute mit dem Blauen Bande schmückte. Nereide, 
die ungeschlagene Stute des Gestüts Erlenhof, gewann in 
der neuen Rekordzeit von 2:28,8. Eine große Ueber- 
raschung bedeutete der zweite Platz der Weiubergschen 
Stute Alexandra, der man diese Leistung nicht zutrauen 
konnte. 
Im Triumph holte man nach dem Rennen Pferd und 
Jockey zur Waage. Dem Sieger, der nun zum dritten 
Male das Deutsche Derby gewann, streckten sich zahlreiche 
Hände entgegen. Das Lob, das ihm galt, war berech 
tigt, da er zur rechten Zeit Nereide in die Entscheidung 
werfen konnte und den Speed der Stute so einsetzte, daß 
ihr keiner der Gegner gewachsen war. 
Tummeln im Freien 
für junge Mädchen und Frauen 
Die Kurse des Sportamtes der NS.-Gemeinschaft 
„Kraft durch Freude"", Gymnastik und Spiel, Schwim 
men und Leichtathletik finden während der warmen 
Jahreszeit in Licht, Luft, Sonne statt. Jede Frau und 
jedes Mädchen arischer Abstammung kann teilnehme». 
Sie löst sich bei der Sportlehrerin eine Jahressportkarte 
für 0,30 RM. und bezahlt die bei den Kursen angegebe 
nen Gebühren. Die Kurse des Sportamtes sind für^jcdcr- 
mann offen: Junge und Aelterc, Schwache und Starke, 
Anfänger und Fortgeschrittene. 
a) Fröhliche Gymnastik und Spiele für Frauen und 
Mädchen. Dauer: die Kurse laufen dauernd, wöchent 
lich einmal ca. I'/« Stunden. Gebühr: Mitglieder 
der Deutschen Arbeitsfront oder NS.-Frauenschaft 
zahlen 0,20 RM. für den Nachmittag oder Abend, sonst 
0,40 RM. 
Kleidung: Bade- oder Gymnastikanzug, Turnschuhe. 
1. jeden Mittwochnachmittag von 15,80—17 Uhr im 
„Krug zum grünen Krauz", Schleswiger Straße. 
2. jeden Mittwochabend von 20—21,30 Uhr in den 
Aufbauschule, Ritterstraßc. 
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Malerische«) Neichssportfeld. 
Eine der neuesten Aufnahmen vom Schauplatz der bevorstehenden Olympischen 
Spiele: der hochaufstrebenöe Glcckenturm. (Schirner, K.) 
v Vh,, 
Fröhliche Spiele 
6) Schwimmkursc für Frauen und Mädchen. Dauer: 
8 mal 1 Stunde 80 Min., Imal wöchentlich. Gebühr: 
Mitglieder der DAF. oder Frauenschaft zablcn für 
den ganzen Kursus 1,80 RM., sonst 8,00 RM. 
Kleidung: Badeanzug. 
3. für Anfänger: jeden Freitagvormittag von 8 Uhr 
bis 10,30 Uhr in der Rendsburger Badeanstalt. 
1. Uebungsstunde findet am Freitag, dem 3. Juli, 
statt. 
4. für Fortgeschrittene: jeden Donnerstagabend von 
19—20„20 Uhr in der Rendsburger Badeanstalt. 
1. Uebungsstunde findet am Donnerstag, dem 
9. Juli, statt. 
cj Leichtathletik. — Rcichssportabzeichcn. Borbereitungs- 
kursus für Frauen und Mädchen. Dauer: 6 mal 
1 Stunde 80 Min. Imal wöchentlich. Gebühr: Mit 
glieder der DAF. oder Fraucnschaft zahlen für den 
ganzen Kursus 1,80 RM., sonst 3,00 RM. 
Kleidung: leichte Turnschuhe, Gymuastikanzug oder 
Sporthose und Sporthemd. 
5. jede» Dienstagabend von 19,30—21 Uhr auf dem 
RBB.-Platz, Nobiskrügcr Allee. 
1. Ucbuugsstundc findet am Dienstag, dem 7. Juli, 
statt. 
Am Donnerstag, dem 2. Juli, abends 20 Uhr, findet 
eine Vorbesprechung für die neuen Kurse im Adolf- 
Hitler-Haus, Bahnhofstraße, statt, zu der alle interessier 
ten Frauen und Mädchen hiermit eingeladen werden. 
Anmeldungen werde» dort entgegengenommen. 
Reiterfest in Osdorf 
Unter guter Beteiligung der SA.-Reiterei fand heute 
bei herrlichstem Wetter das traditionelle Reiterfcst in 
Osdorf statt, veranstaltet vom Reitcrverein „Alte Kame 
raden im Sattel" für Osdorf und Umgegend. Woran der 
MZ. der Reiterstandarte 114 Kiel zog der stattliche Rei 
terzug durch das Dorf zum Festplatz, am Ehrenmal der 
Toten des Weltkrieges gedenkend. Bei dem herrlichsten 
Wetter entwickelte sich lebhaftes Treiben, und recht viele 
Zuschauer folgte» gespannt den Kämpfen um die vielen 
wertvollen Preise, an denen sich auch Kieler Reiter mit 
ihren Pferden beteiligten. Der Führer der Reitcrstan- 
darte 114, Obersturmbannführer Bartels, nahm eine 
Besichtigung der Reitergruppe vor, welche der Sturm 
zum Lanbesturnier nach Segebcrg entsenden wird. 
Die Siegcrliste: 
Riugreiten: 1. Chr. Sellhorn, Stubbendorf. 
Gewandtheitsreiten 1 jLanzenreiten): 1. Max Gravert, 
Lindau. 
Trabreitc«: 1. Claus Sellhorn, Stubbendorf. 
Gewandtheitsreiteu II: 1. Steingrüber, Lindau. 
Einspäunertrabsahre«: 1. Claus Sellhorn, Stubbendorf. 
Galopprennen: 1. Max Gravert, Lindau. 
Eignungsprüsung für Wagenpferde jEinspännerj: 1. Fritz 
Baasch, Ncuwittcnbek. 
Wrttlausen sür Knaben (10 bis 15 Jahre alt): 1. Max 
Gravert, Lindau. 
da. (Knaben unter 19 Jahren): Hans Ohms, Osdorf. 
Jagdspringen: 1. Max Gravert, Lindan. 
Eignnngsprüsnng für Wagenpferde fZweispänner): 
1. Fritz Meggers, Osdorf. 
Patronille»springen: 1. Preis 3. Patr. 2/114 Gettorf. 
Galopprennen sür Knaben: 1. Wilhelm Wehrendt, Os 
dorf. 
Abteilnngsreite» für Knaben: 1. Grothkopp, Ncuwit- 
tenbek. 
Kampf ums Tor 
Olympiakandidaten 
In der Nordmark. 
Im Hamburger Hammerpark erzielte als beste Leistung 
im 100-Meter-Lauf Egon Schein vor Rohrsen die Zeit 
von 10,0, im 200-Meter-Laus benötigte er 21,6 Sekunden. 
Frl. Wcstphal gewann im 80-Meter-Hürben-Lauf in 12,2 
Sek. Hans Heinrich Sievert zeigte sein Können nur im 
Kugelstoßen und Diskuswerfen. Am Sonnabend holte er 
sich den Meistertitel im Kugelstoßen mit 14,88 Meter, am 
Sonntag im Diskuswerfen mit 45,38 Meter. 
Altmeister Hirschfcld. 
Bei den Hauptkämpfen der ostprcußischen Meisterschaf 
ten in Danzig gewann der Altmeister im Kugelstoßen 
mit 14,36 Meter. 
I» Baden-Baden. 
Dort lief Stadler (Frciburgj die 1500 Meter in der 
sehr guten Zeit von 3:58,8, Neckermann iMannheiucf dce 
200 Meter in 21,6 und kam über 100 Meter in 10,6 ein. 
I» Nordhessen. 
Bei den Meisterschaften in Kassel wurden beachtliche 
Leistungen gezeitigt. So lief Seibert über 800 Meter die 
gute Zeit von 1:54,9. 
64,39 Meter Speerwurs in Beuthcn. 
In der Hiubenburgbahtt wurden die letzten Wettbe 
werbe der schlesischen Meisterschaften durchgeführt. Ais 
neuer bemerkenswerter Speerwerfer lernte man den 
Breslauer Hcinßcn kennen, der 64,39 Meter warf. 
Gau Siļdwest. 
I» Darmstadt konnte Welscher die 110 Meter Hürden 
in der guten Zeit von 14,8 gewinnen. 
Ein bekannter Sprinter siegt. 
Bei den in Stuttgart begonnenen württembergischen 
Gaume'isterschaften siegte Borchmcycr über 100 Meter i» 
10,5 Sek. 
Handball in Rendsburg. 
Der Rendsburger Männerturnverein hatte Jugend 
mannschaften des Ellerbckcr Turnvereins zu Gast. 
RMTB. 1. Knaben — Ellerbeker TB. 1. Knaben 1:10 
RMTB. Schüler — Ellcrbcker TB. Schüler 12:6 (6:2) 
RMTB. 1. Jugd. — Ellcrbcker TB. 1. Jugd. 17:7 (8:5) 
Die Spiele litten unter der Hitze. Obwohl die Eller 
beker Turner bei allen drei Mannschaften körperlich meist 
stark überlegen waren, konnten mit Ausnahme der Kna 
ben die Rendsburger leicht gewinnen. 
Ralph Flanagan schwamm Weltrekord. 
Am Schlußtage der über mehrere Tage verteilten 
Kämpfe um die Schwtmm-Meisterschaften der Bereinigten 
Staaten stellte Ralph Flanagan noch einen neuen Welt 
rekord im Kraulschwimmen über 880 Aards auf. Mit 
der großartigen Zeit von 10:07 verbesserte er seine» eige 
ne», im Vorjahre in Detroit erzielten Weltrekord um 
0,6 Sekunde». Er siegte über 100 Nieter in 38,3 Sek. 
Im Nahmen der sportlichen Wettkämpfe anläßlich der 
550-Jahrfcicr der Universität Heidelberg saud am Sonn 
tag auf dem neuen Universitäts-Sportplatz vor 2000 Be 
suchern der dritte Fußballändcrkampf zivischen einer 
deutsche» und ungarischen Studeutcuauswahlelf statt, 
der von Deutschland nach schönem Kampf mit 5:2 (1:1) 
gewonnen wurde. Rcichsmiuistcr Rust wohnte dem Spiel 
bei. 
Hindenburg-Aiinden deutscher Meister. 
Im vergangenen Jahre mußte sich Hinbeuburg-Minden 
mit dem uubankbaren zweiten Platz begnügen. Um so 
beglückender, daß der Verein dieses Jahr wieder im 
Endspiel starten konnte und nun verdient deutscher 
Meister wurde. Es schien erst so, als ob die Leipziger 
im Feldspiel überlegener seien, aber schon nach den ersten 
Minuten konnte der Mindcucr Roß I einsenden, und 
schon nach den ersten 10 Minuten stand das Spiel 3:0 
für Hindenburg. Erst dann fiel das erste Tor für die 
Leipziger, worauf aber der Vorsprung Minden an 
schließend wieder mit einem Tor eingeholt werde» 
konnte. Vor der Halbzeit erzielte dann Roß II das 
5. Tor. Nach der Halbzeit flaute das sehr schnelle Spiel 
nicht ab. Leipzig arbeitete jetzt schärfer und konnte den 
Vorsprung verkürzen, nicht aber mehr ausgleiche». Mit 
7:5 blieben die Westdeutschen Sieger und diesjähriger 
deutscher Meister. 
Großer Erfolg der Berliner in Griinau. 
Der Tag war fast zu heiß, als das Hauptrennen der 
„Großen Grünauer" gestartet wurde. Die erwartete 
Entscheidung fiel wieder durch den Berbandsachter 
Wiking, der durch seinen abermaligen klaren Sieg er 
wies, daß er z. Zt. der beste deutsche Verbandsachter ist. 
Eine große Ucberraschuug bedeutete die Niederlage der 
Europa-Meisterschaft im Adolf-Hitlcr-Vicrer der Würz 
burger. 
Der Sieg der Wirnderstute 
Die bisher ungeschlagene Stute „N e r e i d e" 
krönte unter Grabsch beim Deutschen Derby 
in Hamburg ihre Laufbahn durch einen Sieg 
über öie Besten der Dreijährigen. Seit 21 Jah 
ren ist mit ihr zum erstenmal wieder eine 
Stute eingekommen, überdies in der neuen 
Rekordzeit von 2:28,8. Mit weitem Borsprung 
Mt Mer »Nereide- durchs Ziel. ^Schirner, 
i.^-î ķàààîî. 
Ein „Neiusall" beim Wasserski 
Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" hat im Strandbad 
Müggelsee bei Berlin die erste Wasserski-Lehrstation eröffnet. Wie 
beim Skiläufen im Winter, so ergeben sich auch im Wasser beim 
Sturz ergötzliche Situationen. Bei der großen Hitze aber war ein 
solches kkemes uujreiwtlliges Bad nur willkommen. Mchirner, &4 
Glenn Morris übertrifft Sieverts Weltrekord. 
Mit großartige» Leistnnge» warteten die amerikani 
schen Zehnkämpfer bei den in der deutsche» Bierstadt 
Milwaukee veranstalteten Endausscheidnnge« für die 
Olympischen Spiele in Berlin ans. Der Sieger Glenn 
Morris konnte mit 7889 Punkten den am 8. August 1934 
i« Hamburg von unserem Hans Heinz Sievert ansgestcll- 
ten Weltrekord von 7824,59 Punkten nur 55,5 Punkte 
Sàdià.
	        
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