Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Der Tag in Wort im- Vilö 
Die Rettung des Hauers Schmidt 
Eine Tat bergmännischer Kameradschaft 
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DNB. Herņe (Westfalen), 29. Juni. Der seit 
vorigen Montag verschüttete Hauer Schmidt 
wurde am Montag um 17.10 Uhr wohlbehalten 
geborgen. Er wurde zur Beobachtung seines 
Gesundheitszustandes in das Krankenhaus 
^Bergmannsheil" in Bochum gebracht. Unter 
-Lage wurde Schmidt von der Bergbehörde, 
der Betriebsführung und den Kameraden herz 
lich beglückwünscht und über Tage von Frau 
und Mutter beglückt empfangen. Vor der Zeche 
hatte sich eine große Menschenmenge angesam 
melt, die den Geretteten herzlich begrüßte. 
-Lie Bergung gelang durch Wiederaufwälti- 
gung der auf 20 Meter Länge verschütteten 
«-trecke unter großen Schwierigkeiten, weil die 
Kohlenmassen ständig nachzurutschen drohten. 
Es mußte daher unter großer Vorsicht mit Ge- 
trlebezrmmerung vorgegangen werden, die 
nach siebentägiger aufopfernder Arbeit der 
Etungsmannschaften endlich zum Erfolge 
rutns Ķņu Tage und acht Nächte, genau 178 
Stunden, ist Hauer Schmidt bis zu seiner Ret 
tung — fast 800 Meter tief — unten im Schacht 
von der Welt abgeschnitten gewesen. Das Zu- 
bruchgehen einer Strecke versperrte ihm, der 
allem rn einem Querschlag auf der siebenten 
Sohle der Zeche Shamrock I/Il arbeitete, den 
ôcr Ģrube. Seit Dienstag bestand 
Verstandlgung mit dem Eingeschlossenen. Ein 
Rohr wurde durch das Gestein getrieben, das 
ihm Nahrung und Luft zuführte. Schwierig 
und muhevoll war das Rettungswerk, er- 
ĶZ öurch die starke Hitze an dieser 
Stelle des Schachtes. Mit größter Vorsicht muß- 
ten öm Rettungsmannschaften zu Werke gehen. 
Gesteinsmassen mußten weggeräumt, Gruben- 
baue abgestutzt werden, sollte nicht nachrollen- 
des Gestein das Leben des Verschütteten und 
seiner Retter in Gefahr bringen. 
In vier Schichten unter Leitung der Be- 
trlebsführung und der Bergbehörde arbeiteten 
me Retter. Von zwei Seiten war man zuletzt 
bemüht, zu dem Eingeschlossenen vorzudringen. 
Außerdem waren seit Freitag Ingenieure 
dabei, von unten her ein Loch zu bohren, durch 
das man schließlich mit einem weiten Rohr den 
Verschütteten zu bergen hoffte. 
Derweilen ließ es sich der Hauer Schmidt so 
wohl gehen, wie dies in dieser Lage möglich 
war. n guter Laune unterhielt er sich mit den 
Rettungsmannschaften. Der Raum, in dem er 
über eine Woche zwangsweise aushalten muß 
te, umsaßt rund 10 Quadratmeter. Brot, Wurst 
Fleisch, Käse und Tomaten, Milch und Tee mit 
Rum wurden ihm laufend in seinen Karzer 
geschickt. Auch seine Lieblingsspeise, Speck- 
pfannkuchen, konnte er sich zu Gemüte führen. 
Mehrere Grubenlampen versorgten ihn mit 
Licht. Für das geistige Wohl war ebenfalls ge- 
sorgt: dem Fußballfreund und Brieftauben- 
lrebhaber wurden die entsprechenden Zeitungen 
geliefert, damit er auf dem Laufenden blieb. 
>;a, sogar eine telephonische Verbindung zwi 
schen dem Eingeschlossenen und der Außenwelt 
wurde hergestellt. Unterhaltungen mit seiner 
Frau und der Betriebsführung gaben ihm 
neuen Lebensmut und die Kraft zum Aus 
harren. Unterdessen ging das Rettungswerk 
unermüdlich und mit Bedacht weiter, bis es 
nun endlich gelungen ist. Eine Tat bergmänni 
scher Kameradschaft ist vollbracht. 
der am 25. August des vorigen Jahres die 
zwölfjährige Erna Vogel aus Berlin-Marien- 
felöe mißbraucht und dann ermordet hatte, 
wegen Mordes zum Tode und dauernden Ver 
lust der bürgerlichen Ehrenrechte. Wegen des 
Notzuchtverbrechens erkannte das Gericht auf 
eine Zuchthausstrafe von fünf Jahren. Das 
Verschwinden der kleinen Erna Vogel hatte 
seinerzeit in der Berliner Bevölkerung große 
Anteilnahme hervorgerufen, die sich noch stei 
gerte, als man die Leiche des Mädchens nach 
einiger Zeit auf einem unbebauten Grundstück, 
im Gebüsch versteckt, vorfand. Der Verdacht 
richtete sich schon bald auf Albert Rüdiger, der 
mit den Eltern Vogel eng befreundet war, und 
der nach dem Verschwinden des Kindes noch 
die Dreistigkeit hatte, selbst bei der Polizei die 
Vcrmißtenanzeige aufzugeben sowie weiterhin 
mit den Eltern freundschaftlich zu verkehren. 
Nach hartnäckigem Leugnen gestand Rüdiger, 
daß er die kleine Vogel in Abwesenheit seiner 
Frau und seines Kindes in seine Wohnung ge 
lockt und dort mißbraucht hat. Später hat er 
das Mädchen mit planmäßiger Ueberlegung 
ermordet, um die Mitwisserin seines Verbre 
chens zu beseitigen. 
Ein Gjflmordprozeß. 
DNB. Mainz, 29. Juni. Zwei Giftmorde und 
drei Mordversuche wurden der Frieda Vogler 
aus Mainz-Kostheim zur Last gelegt, gegen 
die heute nach umfangreichen Ermittlungen die 
Verhandlungen vor dem Mainzer Schwurge 
richt begann. Sie ist angeklagt, ihren Ehe 
mann, den Gastwirt Georg Vogler, und einen 
Friseur durch Gift ermordet und versucht zu 
haben, ihren Stiefsohn Georg Valentin Vog 
ler, einen Installateur und eine Ehefrau auf 
dieselbe Art zu beseitigen. Die genannten 
Personen erkrankten in den Jahren 1930 bis 
1931 unter fast gleichen Krankheitserscheinun 
gen, wie heftige Schmerzen im Leib, Lähmun 
gen der Beine, völliger Haarausfall, Nachlassen 
der Sehkraft bis zur beinahe gänzlichen Er 
blindung. Im Laufe der Ermittlungen wur 
den die Leichen des Gastwirts Vogler und des 
Friseurs ausgegraben. Die chemische Unter 
suchung der Leichenteile ergab das Vorhanden 
sein von Gift. Von den 100 Zeugen sind vier 
zehn Arzte. Es muß mit einer Verhandlungs 
dauer von 14 Tagen gerechnet werden.. 
Todesurteil 
gegen Mödchenmörder 
DNB. Berlin, 29. Juni. Das Berliner 
Schwurgericht verurteilte am Montagabend 
nach dreitägiger Verhandlung den 21 Jahre 
alten Albert Rüdiger aus Berlin-Mariendorf, 
Gefallenen-Ehrung in Heidelberg 
Im Rahmen der Heidelberger Jubiläumsfeier fand auf dem Ehrenfriedhof in Hei 
delberg eine eindrucksvolle Gedenkfeier statt. Rektor Professor Groh und der Stu- 
öentenführer Kreuzer legen am Gefallenendenkmal einen Kranz nieder. 
(Scherl Bilderdienst, K.) 
Wolêênbruch i« AAgä« / Sin Todesopfer 
DNB. Jmmenstadt, 30. Juni. (Eig. Funkm.j 
Am Montag nach 19 Uhr ging ein schweres 
Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen über 
der Gegend von Thalkirchdorf nieder. Unge 
heure Regenmassen überschütteten die Gegend 
und setzten bald alle Straßen unter Wasser. 
Besonders schwer wurde die Ortschaft Wiede 
mannsdorf betroffen. Die Staatsstraße mußte 
gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden. 
Auch der Bahndamm wurde überschwemmt. 
Die Verheerungen waren derart, daß die 
Bahnstrecke Lindau—Kempten gesperrt wer 
den mußte. Die Züge erlitten Verspätungen 
bis zu anderthalb Stunden. 
Leider forderte das Unwetter auch ein To 
desopfer. In Wiedemannsdorf wurde der 
Landwirt Bader von den Wassermassen fort 
gerissen, gegen eine Mauer geschwemmt und 
so schwer verletzt, daß er bald danach starb. 
Zentnerschwere Steine und Kies wurden ans 
Weiden und Gehöfte geschwemmt und Möbel 
und landwirtschaftliche Geräte von den Flu 
ten mitgeführt. Die Feuerwehr war bis in die 
Nacht mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt. 
Elf slrohgàckļe Häuser emgeäscherļ. 
Am Montagnachmittag gegen 18 Uhr brach 
in Geestemünde-Wulsdorf ein Großfeuer aus, 
dem fünf strohgedeckte Wohnhäuser und sechs 
strohgedeckte Scheunen zum Opfer fielen. Den 
sofort an den Brandherd geeilten Feuerwehren 
von Bremerhaven und Wesermünöe gelang es, 
die gefährdeten Nachbarhäuser und die Kirche 
vor einem Ucbergreifen der Flammen zu 
schützen. Das Feuer hatte sich infolge des star 
ken Windes mit außerordentlicher Schnelligkeit 
auf die elf Gebäude ausgebreitet, die nicht 
mehr zu retten waren und bis auf die Grund 
mauern abbrannten. Die Feuersbrunst wütete 
bis in die späten Abendstunden. Die Ursache 
des Großfeuers konnte bisher noch nicht er 
mittelt werden. 
Unwetter über Holland. 
Vier smsische Bauernhöfe eingeäschert. 
DNB. Amsterdam, 30. Juni. (Eig. Funkm.) 
Eine Reihe schwerer Gewitter ist am Montag 
über den Niederlanden niedergegangen. Vieler 
orts ivuröe verheerender Schaden angerichtet. 
Unwettermeldungen, die aus allen Teilen des 
Landes einlaufen, besagen, daß 6 Personen 
vom Blitz erschlagen worden sind. 
Besonders schwer wurde Friesland von den 
Gewitterschäden betroffen. Vier große Bauern- 
gchöfte gerieten durch Blitzschlag in Brand 
und wurden eingeäschert. Groß ist airch der 
Schaden unter dem Vieh, da viele Rinder, die 
sich während des Unwetters ans der Weide be 
fanden, vom Blitz erschlagen wurden. Der Ge- 
samtschaöen dürfte erheblich sein. 
Max Schmeling beim Führer 
Der Führer im Gespräch mit dem Meisterboxer und seiner Gattin. 
(Heinrich Hoffmann, K.) 
DD. Moskau, 29. Juni. Die bekannteste 
Fallschirmspringerin der Sowjetunion, Ba- 
buschkina, ist schweren Verletzungen, die sie bei 
einem Fallschirmabsprung vom Flugzeug 
während einer Volksbelustigung in Gorki's 
(Nischni-Nowgorod) erlitten hatte, erlegen. Da 
sich in Rußland die Todessprünge mit Fall 
schirmen in letzter Zeit häufen, richtet die 
„Prawda" Vorwürfe gegen die Leitung der 
Ossoawiachim, die, wie das Blatt sagt, mit dem 
Leben der Fallschirmspringer ohne Not leicht 
fertig umgehe. 
Auch die WA. bauen ein Mesenichiss. 
DNB. Washington, 29. Juni. Handelsmini 
ster Roper hat bekanntgegeben, daß er die 
Entscheidung bezüglich Gewährung einer An 
leihe an die United States Line Company für 
den Bau eines großen Pasiagierdampfers, 
der den aus dem Dienst zurückgezogenen 
Dampfer „Leviathan (früher „Vaterland") er 
setzen soll, bis Ende September aufgeschoben 
hätte. Die Dampferlinie, die den „Leviathan" 
auf Grund eines Abkommens mit der Regie 
rung betrieb, hatte sich seinerzeit bereiterklärt, 
ein neues Schiff zu bauen, falls ihr die Er 
laubnis gewährt werde, den „Leviathan" abzu 
takeln. Bisher hatte aber nur eine Schiffs 
werft ein Angebot für den Schiffsneubau ein 
gereicht. Der Handelsminister erklärte, daß 
nunmehr weitere Schiffsbauer bereit seien, 
gleichfalls Angebote zu unterbreiten, da meh 
rere Gründe für die vordem bestehende Un 
sicherheit bezüglich der Schisfsbaukosten nicht 
mehr bestehen. Der Dampferlinie wurde ge 
stattet, bis zum 30. September dem Hanüels- 
amt einen ergänzenden Schiffsbaukontrakt zu 
unterbreiten. 
* H * 
Zwölf Verletzte bei einem Kraftwagenunglück. 
DD. Wien, 29. Juni. Sonntag abend stürzte 
auf dem Seeberg in Steiermark infolge Ver 
sagens der Bremsen ein großer Ueberland- 
kraftwagen, der mit Mitgliedern des österrei 
chischen Gewerkschaftsbundes besetzt war, um. 
Zwölf Insassen wurden verletzt, davon zwei 
schwer. Die Paß-Straße konnte erst nach stun 
denlangen Bemühungen von Feuerwehren der 
in der Nähe befindlichen Ortschaften wieder 
benutzbar gemacht werden. 
* * * 
„Hindenburg" aus 4. Nordamerikasahrt. 
DNB. Köln, 30. Juni. (Ei. Funkmeldung). 
Heute morgen um 7.10 Uhr überflog „LZ. Hin- 
denburg", das um 3.38 Uhr in Frankfurt a. M. 
zu seiner 4. Nordamerikafahrt gestartet war, 
in schneller Fahrt Köln. 
Schreck auf dem MorgenrM. 
Ein aufregender Vorfall hat sich morgens 
an einem Bahnübergang bei Brandenburg 
(Havel) zugetragen. Der Pachter scS Ritter. 
giltes Rochvw befand sich auf einem Morgen 
ritt, als plötzlich kurz vor dem Bahnübergang 
sein Pferd scheute. Das Tier war nicht zn hal 
ten und setzte über die 'gerade geschlossene 
Schranke. Der Reiter hatte noch die Geistes 
gegenwart, vor der Schranke abzuspringen, 
und entrann so dem Tode. Denn im nächsten 
Augenblick brauste ein von Saarbrücken kom 
mender D.-Zug vorüber. Das noch auf den 
Geleisen stehende Pferd wurde von der Loko 
motive erfaßt und getötet. 
~ * ~ 
Blindgänger zerreißl 5 Menschen. 
DNB. Mailand, 29. Juni. Sieben Personen 
suchten auf den Höhen von Montevecchio bei 
Goerz nach Resten von Kriegsmaterial aus 
dem Weltkrieg. Fünf von ihnen fanden einen 
30,5 cm Blindgänger. Sie machten sich daran, 
ihn auseinanderzunehmen. Plötzlich explo 
dierte die Granate und riß alle fünf Personen 
in Stücke. Man fand von ihnen nur noch 
wenige Knochen und Kleiöerrcste in etwa 100 
Meter Entfernung. 
* 
Explosion in der Madrider Filiale 
der Reichsbahnzenlrale für Reiseverkehr 
DNB. Madrid, 30. Juni. (Eig. Funkmeld.). 
In der Nacht zum Dienstag ereignete sich in 
den unter der Straße gelegenen Lager- und 
Büroräumen der Madrider Filiale der Reichs 
bahnzentrale für den deutschen Reiseverkehr 
eine Explosion, durch die ein Teil der Innen 
einrichtung zerstört wurde. Die Ursache der 
Explosion ist bis jetzt nicht bekannt. Ein Bom 
benanschlag wird wegen der Unzugänglichkeit 
der Räume von außen nicht angenommen. Mit 
mehr Wahrscheinlichkeit schließt man auf Kurz 
schluß oder Selbstentzündung von Gruben 
gasen, die sich in einem vorhandenen Keller 
schacht angesammelt haben. 
* * * 
Rittmeister v. Bethmann-Hollweg 
schwer verunglückt. 
Auf der Chaussee zwischen Blumberg und 
Seeberg (Bezirk Potsdam), nicht weit vom 
Bahnhof Seeberg, verunglückte auf der Fahrt 
von Berlin der Rittmeister v. Bethmann-Holl 
weg aus Hohenfinow, der Sohn des ehemali 
gen Reichskanzlers, mit seinem Personenkraft 
wagen schwer, daß der Wagen in voller Fahrt 
einen Chausseebaum anfuhr und zertrümmert 
wurde. Mit einer schweren Schäöelverletzung 
wurde v. Bethmann-Hollweg in das Kranken 
haus Bernau gebracht.
	        
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