Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 2)

Erneuerung der Antrage Sei dee prsutzischen 
ŞrundusrMêķgensstener und Hanszinsstsner 
re Steuererleichterungen bei der preußischen 
rundvermögensteuer und Hauszinssteuer werden 
egelmäßig nur auf Antrag gewährt,' die Vewilli- 
gung der Ermäßigungen wird im allgemeinen je- 
rrls bis zum Schluß des Rechnungsjahres aus- 
üesprochen. Somit laufen die für das Rechnungs 
lahr 1936-36 bewilligten Steuererleichterungen be>i 
er preußischen Grundvermögensteuer und Haus- 
àssteuer am 31. März 1936 ab, so daß — wenn die 
orausietzungen gegeben sind — die Ermäßigungen 
^rtieut beantragt werden müssen. Hinsichtlich der 
Ņist für die Anträge auf Steuererleichterungen 
ei öer preußischen Grundvermögensteuer und 
Hauszinssteuer ist zu beachten, daß diesen Anträ- 
öen im allgemeinen mit Wirkung vom 1. des Mo 
nats an stattgegeben wird, in dem der Antrag ge- 
> ellt ist (Runderlatz des preußischen Finanzmini- 
Iters vom III. März 1928,- KV. 2 1200). Demnach 
^urpfiehlt es sich also, die Anträge für das Rech 
nungsjahr 1936-37 noch im Laufe des April 1938 zu 
> eilen. Wenn diese Anträge erst nach dem 80. April 
1936 eingereicht werden, so geht u. U. die Steuer 
erleichterung für die Zeit vom 1. April bis zum 1. 
desjenigen Monats, in dem der Antrag gestellt 
Mrü, verloren. Steuererleichterungen bei der preu 
ßischen Grundvermögensteuer und Hauszinssteuer 
werden sowohl Eigentümern als auch Mietern ge 
währt. Allgemein ist vorgesehen (8 14 GrVStG. 
und 8 9 HStVO.j, daß eine Steuererleichterung in 
all denjenigen Fällen bewilligt werden kann, in 
enen die Erhebung der Steuer unbillig ist. Aus 
ieser allgemeinen Rahmenvorschrift heben sich je 
doch bestimmte Tatbestände heraus, die häufig zu 
kiner Steuererleichterung führen. Hier ist vor allem 
Ertragsminderung zu erwähnen, bei der eine 
Steuererleichterung zugunsten des Eigentümers 
stattfindet. Eine Ertragsminderung liegt einerseits 
öann vor, wenn Räume ohne Verschulden des 
Eigentümers leerstehen, wobei es nicht darauf an 
kommt, ob die Räume bisher vermietet oder vom 
Eigentümer selbst genutzt waren. Eine Ertrags 
winderung ist andererseits im Falle der sog. Bil 
lgervermietung gegeben, d. h. dann, wenn eine 
-istiete vereinbart ist, die niedriger als die gesetzliche 
Miete ist. Zum Tatbestand der Ertragsminderung 
Lehvrt schließlich auch der Mietausfall, der dann 
vorliegt, wenn die Eintreibung der vereinbarten 
Miete trotz Zwangsmaßnahmen nicht möglich ist. 
Praktisch wichtig sind ferner die Steuererleichterun 
gen wegen Betriebseinschränkung, die beim Vorlie 
gen bestimmter Voraussetzungen sowohl zugunsten 
^es Eigentümers als auch zugunsten des Mieters 
gewährt werden können. Nachdem ein großer Teil 
von Großwohnungen aufgeteilt ist, hat auch die 
Steuererleichterung wegen Wohnungstcilung er- 
ßvhte praktische Bedeutung: diese Steuerermäßi 
gung tpi r 5 5em Eigentümer gewährt. Schließlich sei 
darauf hingewiesen, daß im Falle der Hilfsbedürf 
tigkeit des Eigentiimers oder des Mieters Steuer 
erleichterungen gewährt werden können. 
Die Ģînzslhandelsumfätze im Februar 
lagen um 13 vH höher als im Februar 1935. Zu 
einem wesentlichen Teil dürfte die Erhöhung des 
Werts der im Februar erzielten Umsätze auf eine 
gleichzeitige Vermehrung der umgesetzten Mengen 
zurückzuführen sein. Die Reichsmeßzahl für die Ko 
sten der Lebenshaltung ohne Wohnung ist vom 
Februar 1938 zum Verichtsmonat um 1,7 vH gestie 
gen, so daß — selbst unter Berücksichtigung der 
Tatsache, daß in wichtigen, nicht in der Mehrzahl 
berücksichtigten Waren insbesondere des Lebens- 
mitteleinzelhanöels stärkere Preiserhöhungen ein 
getreten sein mögen — mit einer über die Preis 
steigerungen hinausgehenden Vermehrung der 
Warenmengen, wohl auch mit einer Steigerung des 
Qualitätsniveaus zu rechnen ist. 
Auffallend ist vor allen Dingen die Verstärkung 
der Umsatzzunahmen gegenüber den entsprechenden 
Monaten 1935 von 9 vH im Januar auf 13 vH im 
Februar. Eine wesentliche Ursache für diese Ent 
wicklung liegt in der höheren Zahl der auf den 
Februar dieses Jahres entfallenden Verbrauchs 
tage. Für andere Güter wie Bekleidung und für 
Luxuöbcdarf kann es ferner eine Rolle gespielt 
haben, daß sowohl der Sonnabend nach den Ge 
haltszahlungen für den Januar als auch der nach 
Arrgler und HIhesflsÄmsh 
Einen interessanten Vergleich hat der praktische 
Tierarzt Kynast in Blankenhain (Thüringen) durch 
geführt. Er vergleicht in dem Dorf R. seiner Praxis 
17 Wirtschaften mit Höhenfleckvieh mit 17 Wirtschaf 
ten mit Angler. Das Ergebnis ist folgendes Bild: 
Jahres 
durchschnittsleistung 
Höhen 
fleckvieh 
Angler 
Milch 
Fett 
Fettgehalt 
I 979 Liter 
73,20 kg 
3,69 */„ 
2 605 Liter 
91,74 kg 
3,59 »/„ 
Ertrag je ha 
Höhen 
fleckvieh 
Angler 
Milch 
. Fett 
857 Liter 
31,69 kg 
1 304 Liter 
45,87 kg 
Tierarzt Kynast führt dazu wörtlich aus: „Würde 
man nach diesen Feststellungen alle Wirtschaften des 
Dorfes umstellen auf Angler, so könnten an Stelle 
der 167 Kühe jetzt 186 Angler gehalten werden. 
Diese Kühe würden bei derselben Durchschnitts 
leistung 186 mal 91,74 Kg. Butterfett liefern. Es 
könnten in demselben Dorf anstatt 18 021,68 Kg. Fett 
jetzt 17 063,64 Kg. Fett, also auf demselben Flüchen- 
raume von 237,21 Hektar 4041,96 Kg. Fett mehr als 
bisher geliefert werden. Der Marktwert der Butter 
ist zur Zeit.1,60 täJl je K Kg. Dieses eine kleine 
Dorf könnte im Jahre für 12 934 JUl mehr Fett 
erzeugen als bisher." 
Und an anderer Stelle wird bemerkt: „Ich habe 
den Ausspruch des Herrn Reichsbauernführers 
Darre auf der ersten Reichsnährstandsausstellung 
in Erfurt, den er bei der Besichtigung des Angler 
Rindes tat: „Das ist das Vieh, welches wir gebrau 
chen, bei niedrigen Futteransprüchen bringt es hohe 
Leistungen", vollauf bestätigt gefunden. Es ist das 
Vieh der kleinbäuerlichen Wirtschaften, die sich nur 
aus eigener Erzeugung erhalten und Leistungen er 
zielen wollen." DVC. 
Lîerşşsņcheņ am 1. April 
Nach den Berichten der beamteten Tierärzte vom 
1. April 1936, zusammengestellt im Rcichsgesund- 
hcitsamt, herrschte die Schweinepest in 30 Kreisen, 
88 Gemeinden und 40 Gehöften gegenüber 81 Krei 
sen, 41 Gemeinden und 46 Gehöften am 16. März. 
1936. — Au Milzbrand waren verseucht 45 Kreise, 
84 Gemeinden, 66 Gehöfte gegenüber 34 Kreisen, 42 
Gemeinden und 44 Gehöfte Mitte März 1986. An 
der Spitze der Regierungsbezirke stand mit acht 
Seuchenfällen Schleswig, mit je fünf Seuchenfüllen 
Hannover, Stade und Münster. 
Nach dem Tierseuchenstand am 1. April 1936, zu 
sammengestellt im Neichsgesundheitsamt nach Berich 
ten der beamteten Tierärzte, waren an Maul- und 
Klauenseuche verseucht gemeldet 10 Kreise, 23 Ge 
meinden und 29 Gehöfte gegenüber 17 Kreisen, 44 
Gemeinden und 62 Gehöften am 16. März 1936. 
Neuverseucht waren gemeldet Anfang April 14 Ge 
meinden, 20 Gehöfte, Mitte März 1936 dagegen 19 
Gemeinden, 30 Gehöfte. Dre Zahl der verseuchten 
Gehöfte betrug im Regierungsbezirk Stettin 2, in 
Schleswig 17, in Schwaben 1, im Jagstkreis 4, in 
Mecklenburg 4, im Landesteil Lübeck (Oldenburg) 1 
und im Freistaat Lübeck 2. 
Regierungsbezirk Schleswig: Maul- und Klauen 
seuche: 4 Kreise (Pinneberg, Scgeberg, Steinburg, 
Stormarn), 16 Gemeinden, 17 Gehöfte, davon neu 
10 Gemeinden, 12 Gehöfte: Milzbrand: 5 Kreise 
(Flensburg, Pinneberg, Rendsburg, Steinburg, 
Süderdithmarschen), 7 Gemeinden, 8 Gehöfte, davon 
neu 7 Gemeinden, 8 Gehöfte. 
Ultimo Februar in den Verichtsmonat fielen. Eine 
weitere Ursache ist in den veränderten Bedingun 
gen für den Winterschlußverkauf zu suchen, dessen 
Beschränkung durch Kürzung der Liste nicht zu die 
ser Sonderveranstaltung zugelassenen Waren ins 
besondere im Textileinzelhandel vermindert wur 
den. Der tatsächliche konjunkturelle Umsatzgewinn 
läßt sich nur durch eine Zusammenfassung der 
Februarergebnisse einigermaßen genau feststellen. 
Sie waren im genannten Einzelhandel in diesen 
beiden Monaten des Jahres 1936 um knapp 30 vH 
günstiger als im Januar und Februar 1986 zusam 
men bei einer gleichzeitigen Erhöhung der Index 
ziffern der Lebenshaltungskosten ohne Wohnung 
um 7,7 vH. Endgültige Aussagen über den konjunk 
turellen Umsatzverlauf in dieser dreijährigen Zeit 
spanne ivird aber erst ein zusammenfassender Ver 
gleich der Umsätze des 1. Vierteljahres beider Jahre 
ermöglichen. 
Einfuhr dänischer Pferde 
Aus Kopenhagen wird gemeldet, daß die dort ge 
führten Verhandlungen des Ausschusses für die 
Ausfuhr von Pferden nach Deutschland mit den 
deutschen Händlern zu einem Abkommen geführt 
haben, wonach zunächst 2000 erstklassige Pferde an 
gekauft werden sollen, und zwar sofort nach Ostern. 
Es werden an verschiedenen Orten des Landes 
Märkte abgehalten, auf denen die Tiere durch 
den dänischen Ausschuß verkauft werden sollen. In 
Noröschleswig finden diese Märkte am Dienstag, 
dem 14. April, in Haderlebcn, Apenradc, Sonder 
burg und Tonüern statt. 
Zum Erfolg der Bekämpfung 
der Rindcrtuberkulosc in Dänemark 
Wie die dänische Beterinärbehörde bekannt gibt, 
hat der systematische Kampf gegen die Rindertuber- 
kulose, der bereits seit Jahren auf den südlichen 
Inseln des Landes geführt worden ist, den Erfolg 
gehabt, daß unter 3000 Rindern, die bei der letzten 
Impfung auf den Inseln Femö, Fejö und Askö mit 
Tuberkulin behandelt wurden, nur eine einzige 
Kuh reagierte. Die Bestände sind somit praktisch 
seuchcnfrei. ' 
Für 11 Millionen Kronen 
neue dänische Einfuhrbewilligungen aus England 
Eine dänische offizielle Mtiteilung besagt, daß die 
dänisch-englischen Verhandlungen über Valnta- 
atteste zu dem Ergebnis geführt haben, daß eine 
Verständigung über diese Frage erzielt worden ist. 
Tie englische Presse weiß mitzuteilen, daß man von 
dänischer Seite sich dazu verstanden hat, für die 
laufende viermonatige Periode bis zum 30. April 
Zusatz-Einfuhrbewilligungen für den Import aus 
England in Höhe von einer halben Million Pfund 
Sterling oder reichlich 11 Mill. Kr. auszugeben. 
Man meint, daß jetzt der Weg für die Einleitung 
von Verhandlungen über die Erneuerung des am 
20. Juni ablaufenden Handelsabkommens zwischen 
England und Dänemark offen sei. 
Ei« Sang van Treue und Liede 
Roman von Leontine 
Nachdruck verboten. 
Ueber Jötuns Field fliegt mit hartem Schrei 
Graugans nach Westen. Dahin, wo das 
Meer sich dehnt, das wilde, weite. 
^Jetzt liegt es schwer und bleiern da, nur die 
Morgennebel ziehen über die Klippen zum 
Ufer. Mit eisengrauen Armen umfängt das 
Nordmeer schmeichelnd den Turm der Wikings- 
^strg. Düster ragt dieser Wachtturm hinein in 
"e Klippen und die schäumende Brandung, 
ninjauchzt von schimmernden Möwen und heu 
lendem Nordsturm. 
Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Rauh- 
^if liegt am Strande und auf den stumpfen 
Ģcken des Turmes. 
Dben auf dem Altan geht die Wache auf und 
^ und reibt sich fröstelnd die Hände. Dann 
ņimmt sie den Eichenspeer wieder zur Hand 
^ņd sieht starr geradeaus auf das graue Meer. 
Nur der Schrei der Graugans und des Wild- 
lchwaus hallt durch die Morgenstille. Die Wache 
Ugt die Hände an den Mund und ruft laut 
şinein in den Nebel: „Seht ihr den König?" 
Von den Klippen her, wo auf steilem Vor- 
iprung die zweite Wache steht, hallt Antwort: 
"Vei Wodan und Walhall! Wir sehen keinen 
König!" 
Dann wieder Totenstille. Nur die Möwen 
'freien und die Wellen rauschen — rauschen. 
Da reißt der Nebel im Osten. 
Wie eine goldene Faust schiebt sich die Sonne 
Gewaltsam durch all das Grau. 
Nicht weit vom Wachtturm, wohl zehn 
^veerwürfe von der Burg, steht hart am 
strande zwischen den Klippen eine morsche 
Hütte. Ein Einbaum liegt kieloben auf den 
steinen. Fischnetze sind rings zum Trocknen 
Ausgespannt. 
.Als die Sonne aufgeht, tritt aus der Hütte 
^ìn Mann, das kurze Leinenhemd mit hänfener 
Schnur über den Lenden gehalten, ein Bären- 
iLll gegen die Kälte über den Schultern. Er 
^l'itt hart ans Meer, daß die Wellen seine Nack 
en Füße bespülen und schaut lange hinaus 
auf die bleifarbene Fläche, die mit weißen, 
letschenden Zähnen gegen ihn anspricht. Dann 
wirft er das Fell von der Schulter, setzt sich 
auf einen der Felsblöcke und beginnt die Netze 
àu flicken. 
Sein Haar ist nicht so hell, wie das der Nord- 
wanuer sonst, aber sein Auge grau wie Stahl, 
wenn er aus dem Feuer kommt. 
v. WrnterfLld-Platen 
Da klirrt oben auf dem Wachtturm ein Rie 
gel. Auf die Plattform des Wachtturms tritt 
durch eine eichene Tür von der Burg her ein 
Jüngling. Die Wache hebt den Speer zum 
Gruß. Dabei geht es wie. Lächeln über ihr ver 
wittertes, eisengraues Gesicht. Der Jüngling 
schließt die Tür hinter sich und tritt an die 
Brüstung des Altans. Auf seine blonden Lok- 
ken, die bis zur Schulter fallen, wirft die 
Morgensonne ihre ersten Lichter, daß sie auf 
leuchten wie gesponnenes Gold. Das weiße, 
linnene Gewand des Jünglings ist mit Pur 
pur verbrämt, wie es die Seekönige tragen. 
Im Wehrgehänge zur Seite steckt ihm das 
Schwert. Seine Augen sind blau wie der 
Nordhimmel im Sommer zur Mittagszeit. 
Er setzt sich auf die Brüstung und späht in 
die Ferne. Dann wendet er sich zur Wache. 
„Nun, Eigel, noch immer nichts?" 
Die Wache schüttelt langsam das Haupt, aus 
dem die schwarzen Geierflügel vom Helm 
ragen. 
„Nein, Prinz. Der Nebel ist so dicht, man 
sieht nicht die Hand vor den Augen." 
Der Jüngling hebt sich auf den Fußspitzen 
und reckt den Schwertarm. 
„Der Nebel hält nicht lange, es kommt ein 
schöner Tag. War Jllfert hier?" 
Die Wache fuhr sich durch den grauen Bart. 
„Nein, Prinz. Sv früh ist keiner auf wie 
Ihr, Olaf von Nordland." 
Auf die Brüstung schwang sich Prinz Olaf 
und pfiff leise vor sich hin. 
Glaub's schon, Eigel. Jllferts Gemach liegt 
auch nicht nach der See. Es hat jemand so sehr 
geklagt die Nacht, da floh mein Schlaf. Sind 
noch Gefangene unten, Eigel?" 
Die Wache nickte. 
„Wohl, Prinz. Drei Männer von der heili 
gen Insel." 
Olaf hob den Kopf. 
„Wo?" 
„Im Schlangenturm. Die schrieen die Nacht, 
weil sie drei Tage ohne Brot und Wasser." 
Olaf sprang auf und griff dem Alten an die 
Brust. 
„Bei Thor und Freia! Hast du denn kein 
Herz im Leib? Gib mir die Schlüssel." 
Der Alte spuckte über die Brüstung. Dann 
lachte er. 
„Die hat Biörn Glutauge mitgenommen." 
Da stampfte Prinz Olaf zornig mit dem 
Fuß auf. 
„So breche ich die Tür und bringe ihnen 
Speise." 
Als er zurück wollte, bemerkte er unten vor 
der Hüttentür am Strand den Netze flicken 
den Mann. Er legte die Hände vor den Mund 
und rief laut hinunter: 
„Komm Helge! Deine starken Kräfte brauche 
ich grade. Hilf mir den Schlangenturm öffnen." 
Der auf dem Felsblock hob den Kopf 
Mit hallender Stimme rief er spottend: 
„Seit wann ist Helge Harthand Prinz Olafs 
Vasall?" 
Die Wache zog die Stirn in Falten. 
„Tut's nicht, Prinz! Biörn Glutauge schlägt 
Euch tot." 
Olaf lachte. 
„Das glaubst du ja selber nicht, Alter. Und 
wenn auch. Ich kann's nicht sehen in all mei 
nem Glück, daß einer leiden muß." 
Dann hob er lauschend den Kopf. 
„Aber hörst du nichts, Eigel? Ich glaube, der 
König kommt." 
Und mit schnellen Schritten verließ Olaf die 
Plattform und stieg hinab. 
Der alte Eigel lehnt sich schwer auf seinen 
Speer und sah aufmerksam in die Weite. Dann 
holte er tief Atem. 
„Wenn Olaf König wird in Nordland, dann 
gibt's keine Träne mehr und kein Leid. Wohin 
sein Fuß tritt, müssen Rosen blühen." 
Plötzlich legte er die Hand über die Augen 
und rief dröhnend: 
„Hehoi! Wachen da unten! Der König 
kommt!" 
Dann stieß er in das mächtige Wisenthorn, 
das ihm von der Schulter hing. Andere Hörner 
antwortete von fernher durch den Nebel, ver 
einzelt — hier und dort. 
Noch lag es wie grauweiße Schleier über 
dem Meer. Daraus klang es dumpf wie Rau 
schen von schwerem Schiff. Und dann, als die 
Sonne ihre ersten Pfeilspitzen auch nach unten 
über die Klippen schickte und die Wellen, löste 
sich langsam und massig aus dem Nebel, aus 
rohem Holz, bunt bemalt, das hochbordige Dra 
chenschiff. In gleichem Takt schlugen die Rude 
rer die sonnigen Fluten. Am Mast geschart, 
standen um den König die bewaffneten Man 
nen. Die schlugen jauchzend an die Schilde und 
sandten der Heimat ihren Gruß: 
Treu dir, o Thule! Im Leben und Tod! 
Südland ist sonnig, Südland ist sengend, 
Sengte uns zehrende Sehnsucht ins Herz. 
Sehnsucht nach Niflheims nebligem Norden, 
Sehnsucht nach Thule, der treu wir zum Tod!" 
Hallend klang der Sang der Nordmäuner 
über das graue Wasser. Aus flogen die Möwen 
von den Klippen und umflatterten kreischend 
den Bug des Drachenschiffs. 
Biörns Glutauge trat als erster an den 
Strand. Schwarz war seine Rüstung, schwarz 
die Geierslügel auf dem Helm, schwarz das 
Bärenfell, das ihm von der Schulter hing. 
Ihm folgten singend seine Krieger, einer nach 
dem andern. Viele küßten den Heimatstrand 
beim Landen. 
Da hob Biörn Glutauge die Hand. Jäh ver 
stummte der Sang. Wie wenn Eisberge an 
einander splittern, klang Biörns Stimme 
durch die Stille. 
„Wo ist Prinz Olaf? Hat er den Sang mei 
ner Mannen nicht gehört?" 
Da stürmte schon Olaf aus der Burg und 
beugte ein Knie vor dem König. Der hob ihn 
auf und küßte ihn auf die Stirn. Sein finste 
res Antlitz ward hell. 
„Ei, bist du da, du Nordlandserbe? Ich 
wähnte fast, du lägst noch tief im Traum?" 
Olaf schüttelte seine Locken. 
„Nein, Vater, deine Gefangenen störten 
meinen Traum. Da habe ich ihnen eben Speise 
gebracht und Trank." 
Ueber Biörns Gesicht sprang der Zorn. 
„Wer hat dich das geheißen, Kind?" 
Olafs blaue Augen blitzten. 
„Niemand, Vater. Die Morgensuppe wollte 
mir nicht schmecken, da ich wußte, daß sie hun 
gerten." 
Biörn stampfte mit dem Fuß den Fels 
strand. 
„Sie sollen verhungern! Sie haben mein 
bestes Schiff an der heiligen Insel auf den 
Fels gelockt, daß es sank. Wo ist Sigrun?" 
Olaf dachte einen Augenblick nach. 
„Sie wird wohl deiner in der Halle warten 
mit ihren Frauen." 
Ohne Antwort ging Biörn an ihm vorüber, 
rechts durch das düstere Burgtor. Langsam 
folgten ihm die Mannen. 
Knarrend in seinen Riemen und Tauen lag 
das mächtige Eichenschiff vor Anker. Um sei 
nen Bug flogen die Möwen, schwimmend, 
sorglos. 
Olaf schwang sich hinüber, prüfte die Ruder, 
Ankerwerk und Taue. Dabei lag es wie Neid 
und Sehnsucht in seinen Augen, ein Seufzer 
hob seine Brust. Langsam, wie in tiefen Ge 
danken, ging er endlich zur Burg zurück. 
Immer noch saß der Mann unten auf dem 
Felsblock und flickte seine Netze. 
^Fortsetzung folgt.).
	        
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