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riefe. Die Papilla N. o. kann nun entweder direct durch Ueber-
greifen des Oedems afficiert werden, oder das Oedem der lamina
cribrosa bewirkt, die Gefässe einschnürend, zuerst eine venöse
Stauung, die secundär wieder zum Oedem führt. Quincke hat
ebenfalls den physiologischen Zusammenhang zwischen den Lytnph-
räumen des Schädels und dem subvaginalen Raum erwiesen, in
dem er Zinnober in erstere spritzte und es später in letzterem
wiederfand. Die Stauungspapille pflegt sich allmählich unter
grauer Verfärbung abzuflachen und in Atrophie überzugehen. Dass
in unserer Ambulanz die Papillitis eine nur geringe Rolle spielt,
liegt daran, dass die Patienten nicht lange genug in Beobachtung
bleiben; auch kommt der letale Ausgang häufig der Atrophie zuvor.
Im Gegensatz hierzu kann es zur Entzündung des Nerven
auch durch directe Fortleitung kommen, indem der entzündliche
Process von den Hirnhäuten längs der Opticusscheide weiter kriecht,
Wir haben hierher unsre 29 Fälle von Meningitis zu rechnen.
Aber wie andere periphere Nerven wird auch zuweilen der
Sehnerv von entzündlichen Processen befallen, die nicht mit Hirn
leiden in Verbindung stehend, vielleicht denselben Ursachen ihre
Entstehung verdanken, wie sie auch für die peripherische Lähmung
der übrigen Nerven bekannt sind. Hier kommen ätiologisch alle
diejenigen Momente in Betracht, die in unserer Statistik zu
sammengestellt sind und die wir bei der retrobulbären Neuritis
wieder erwähnen.
Die übrigen Entzündungen des Sehnerven, die nicht das
intraoculare Ende erreichen und so dem Augenspiegel unzugäng
lich sind, sind uns darum auch ihrem Wesen nach weniger be
kannt. Graefe hat sie unter dem Namen „retrobulbäre Neu
ritis“ zusammengefasst. Wenn auch durch einen Sectionsbericht
Samelsohn’s mehr Licht in die pathologische Anatomie dieser
Krankheit geworfen ist, so sagt doch Samelsohn selbst, dass
wir keineswegs sicher sind, ob wir es mit einem primär entzünd
lichen und nicht etwa mit einem descendierenden, partiell atro
phischen Processe zu thun haben. Diese machte unter 154 in
den Jahren 1878 und 1879 von Samelsohn behandelten Er
krankungen des Opticus 13% aus. Bei uns ist sie nur mit 27
Fällen vertreten, eine Differenz, die nicht Wunder nimmt, da