110 Das häßliche junge Entlein.
Entlein! Es wendete den Kopf, um ihn unter den Flügel zu
tecken, aber in demselben Augenblicke stand ein fürchterlich großer
Hund dicht bei dem Entlein; die Zunge hing ihm lang aus dem
Halse heraus, und die Augen leuchteten greulich häßlich; er streckte
seinen Rachen dem Entlein gerade entgegen, zeigte ihm die scharfen
Zähne und — — Platsch! platsch! ging er wieder, ohne es zu
backen.
„O, Goͤtt sei Dank!“ seufzte das Entlein; „ich bin so häßlich,
daß mich selbst der Hund nicht beißen mag!“
Und so lag es ganz stille, während die Schrote durch das Schilf
sausten, und Schuß auf Schuß knallte.
Erst spät am Tage wurde es stille; aber das arme Junge wagte
noch nicht, sich zu erheben; es wartete noch mehrere Stunden, bevor
es sich umsah, und dann eilte es fort aus dem Moore, so schnell es
konnte. Es lief über Feld und Wiese; da tobte ein solcher Sturm,
daß es ihm schwer wurde, von der Stelle zu kommen.
Gegen Abend erreichte es eine arme kleine Bauerhütte; die war
so baufällig, daß sie selbst nicht wußte, nach welcher Seite sie fal—
len sollte; und darum blieb sie stehen. Der Sturm umsauste das
Entlein so, daß es sich niedersetzen mußte, um sich dagegen zu stem—
men; und es wurde schlimmer und schlimmer. Da bemerkte es, daß
die Thür aus der einen Angel gegangen war und so schief hing,
daß es durch die Spalte in die Stube hineinschlüpfen konnte, und
das that es.
Hier wohnte eine Frau mit ihrem Kater und ihrer Henne. Und
der Kater, welchen sie Söhnchen nannte, konnte einen Buckel
machen und schnurren; er sprühte sogar Funken, aber dann mußte
man ihn gegen die Haare streicheln. Die Henne hatte ganz kleine
niedrige Beine, und deshalb wurde sie Küchelchen-Kurzbein ge—
nannt; sie legte gut Eier, und die Frau liebte sie wie ihr eigenes
Kind.