Full text : Newspaper volume (1913, Bd. 3)

IrrLà.

Den  sozialen  Ideologen  ins  Stammbuch
schreibt  die  sozialdemokratische  Fränkische  Volkstribüne ­
  folgende  angenehme  Sätze:  „Selbst
wenn  der  deutsche  Liberalismus  nicht  so  auf
den  Hund  gekommen  wäre,  wie  es  in  Wirklichkeit ­
  der  Fall  ist,  selbst  wenn  er  das  Beste
darstellen  würde,  was  auf  dem  Baum  der
Bourgeoisie  wachsen  kann,  von  einem  dauernden ­
  Zusammenarbeiten  der  Vertretung  der  Arbeiterklasse ­
  und  des  Kapitals  könnte  schon  darum ­
  keine  Rede  sein,  weil  die  Interessen  des
Proletariats  und  der  Bourgeoisie  sich  nicht  aussöhnen ­
  lassen.  .  .  Ein  Jahr  der  Existenz  des
neuen  Reichstages  hat  praktisch  die  Unrichtigkeit ­
  der  Hoffnungen  auf  den  Liberalismus  bewiesen. ­
  Wer  jetzt  noch  die  Illusion  vom  gemeinsamen ­
  Kampfe  der  Arbeiterschaft  und  des
Kapitals  gegen  die  Junker  verkünden  wird,  für
den  wird  das  fremde  Wort  Ideologe
oder  Phantast  mit  d  e  m  gut  beut*
scheu  Worte  Hornochse  zu  übersetzen ­
  sein."
—  Austritte  aus  der  Landeskirche.  Im  vergangenen ­
  Jahre  sind  annähernd  9000  Personen
in  Berlin  und  in  der  Provinz  Brandenburg  aus
der  evangelischen  Landeskirche  ausgetreten.  Von
diesen  Austritten  entfallen  nur  76  auf  den  Regierungsbezirk ­
  Frankfurt  a.  O.,  dagegen  rund  3400
auf  den  Regierungsbezirk  Potsdam  und  rund  5400
auf  den  Stadtkreis  Berlin.  Zur  Landeskirche
traten  über  159  Juden,  974  Katholiken  und  206
Angehörige  anderer  Religionsgemeinschaften.
Berlin,  9.  Aug.  Mutter  und  Sohn  aus  dem
Zuge  gestürzt.  Zwischen  Meppen  und  Butschow
öffnete  der  siebenjährige  Knabe  einer  aus  Rheinland ­
  kommenden  Familie  die  Tür  eines  Abteils  4.
Klasse,  stürzte  heraus  und  die  Mutter  sprang  in  der
Aufregung  hinterher.  Ein  Mitreisender  zog  die
Notbremse,  wodurch  der  Zug  hielt.  Der  Junge
hatte  einen  Schädelbruch  erlitten  und  der  Mutter
waren  die  Beine  gebrochen.
Königsberg,  9.  Aug.  Verhaftung  einer  Engelmacherin. ­
  Auf  Veranlassung  der  Staatsanwaltschaft ­
  wurde  bei  einer  Hebamme,  die  einer  privaten
Entbindungsanstalt  vorsteht,  wegen  Verdachtes
der  Engelmacherei  eine  Haussuchung  vorgenommen. ­
  Da  diese  den  Verdacht  bestärkte,  hat  der
Staatsanwalt  die  Ausgrabung  der  zuletzt  in  der
Pflege  der  Frau  gestorbenen  vier  Kinder  angeordnet. ­
  In  den  letzten  drei  Monaten  sollen  in  der  genannten ­

  Anstalt  gegen  fünfzehn  Kinder  gestorben
sein.
Frankfurt  a.  M»  9.  Aug.  Frankfurt  kauft  Radium ­
  zur  Krebsbehandlung.  Hier  hat  sich  eine
Kommission  von  Aerzten  des  städtischen  Krankenhauses ­
  gebildet,  die  in  Verbindung  mit  der
städtischen  Deputation  und  der  Gemeinnützigen
Verwaltungsgesellschaft  (Gründung  des  Instituts ­
  „Gemeinwohl")  den  Ankauf  von  Radium
zur  Krebsbehandlung  in  die  Wege  geleitet  hat.
Nach  der  „Frkf.  Ztg."  haben  Frankfurter  Bürger ­
  180  000  Mk.  zum  Ankauf  von  Radium  zur
Verfügung  gestellt.  In  London  ist  ein  Abschluß
auf  sofortige  Lieferung  von  200  Milligramm
Radiumbromid  zu  sehr  günstigen  Bedingungen
erfolgt.  Weitere  400  Milligramm  sind  von  der
nächsten  Produktion  des  Londoner  Werkes  fest
angekauft  worden.  Damit  hat  Frankfurt  einen
Vorsprung  vor  anderen  Städten  errungen,  weil
die  Produktion  aller  andern  Werke  bereits  auf
Jahre  hinaus  vergeben  ist.
Eisleben,  9.  Aug.  Bei  einem  Brande  erstickt.
Bei  einem  Brande  im  Hause  Freistr.  15  erstickte  der
24  Jahre  alte  Schlosser  Mollwitz  beim  Versuche,
seine  Habseligkeiten  zu  retten,  und  verbrannte.
Mehrere  Kinder,  die  in  Lebensgefahr  schwebten,
konnten  gerettet  werden.
Maulburg,  9.  Aug.  Vatermord.  Der  verheiratete ­
  Malermeister  Vetter  geriet  gestern  abend
mit  seinem  80jährigen  Vater  in  Streit,  weil  dieser
nicht  für  eine  von  ihm  aufzunehmende  Hypothek
von  1500  Ji  bürgen  wollte.  Im  Verlaufe  des
Streits  versetzte  Vetter  seinem  Vater  sieben  Stiche
in  den  Kops,  sodaß  dieser  bald  darauf  starb.  Der
Mörder,  der  neun  Kinderihat,  wurde  verhaftet.
München,  8.  Aug.  Der  Magistrat  hat  zur  Beschaffung ­
  von  Mesothorium,  dem  neuentdeckten
Heilmittel  gegen  Krebs,  200  000  Ji  bewilligt.
Weißenburg  i.  E.,  6.  Aug.  Erst  5  Zahre  Zuchthaus, ­
  dann  freigesprochen.  Erfolgreiche  Berufung
legte  ein  Soldat  des  hier  garnisonierenden  Infanterieregiments ­
  beim  Oberkriegsgericht  ein.  Er
war  von  der  1.  Instanz  zu  einer  Zuchthausstrafe
von  5  Jahren  und  Ausstoßung  aus  dem  Heere  verurteilt ­
  worden,  weil  er  einen  Veteranen,  der  die
Schlachtfelder  besuchte,  überfallen  haben  sollte.
Das  Oberkriegsgericht  konnte  sich  von  der  Schuld
des  Angeklagten,  der  unter  lautem  Schluchzen  seine
Unschuld  beteuerte,  nicht  überzeugen  und  sprach  ihn
frei.
Schlau,  schlauer,  am  schlausten.  Der  seltene
Fall,  daß  sich  der  Bestohlene  schlauer  erwiesen
hat  als  der  Dieb,  ereignete  sich  dieser  Tage  im

D-Zug  Magdeburg—Berlin.  Von  dem  klugen
Manne,  der  so  erfolgreich  vorgebaut  hat,  geht
der  Berliner  Morgenpost  folgende  amüsante
Schilderung  zu:  „Kurz  nachdem  die  Reisenden
in  Magdeburg  den  Zug  bestiegen  hatten,  entstand ­
  in  einein  der  Durchgangswagen  ein  sehr
großes  Gedränge.  Während  einige  Herren  erregt ­
  behaupteten,  ihre  durch  Platzkarten  vorher
reservierten  Plätze  seien  fälschlicherweise  anderweitig ­
  belegt  worden,  und  ebenso  erregt  dagegen ­
  protestierten,  fing  plötzlich  ein  kleines  Mädchen ­
  laut  zu  weinen  an,  da  sich  seine  Haare  in
die  Westenknöpfe  eines  neben  ihm  stehenden
Herrn  verwickelt  hatten.  Die  Enge  wurde  dadurch ­
  noch  drangvoller  und  fürchterlicher,  und
es  dauerte  geraume  Zeit,  ehe  man  das  Kind
wieder  befreit  hatte.  Als  sich  die  Aufregung  einigermaßen ­
  gelegt  hatte,  waren  nicht  nur  die
beiden  Herren  verschwunden,  die  noch  eben  so
eifrig  protestiert  hatten,  sondern  auch  —  mein
Portemonnaie.  Sie  hatten  offenbar  den
„haarigen  Zwischenfall"  dazu  benutzt,  möglichst
unauffällig  zü  verschwinden.  —  Im  übrigen
müssen  die  Herren  Spitzbuben,  so  meint  der
Einsender  weiter,  „blutige  Stümper"  in  ihrem
Metier  gewesen  sein,  denn  sie  hätten  doch  erkennen ­
  müssen,  daß  ich  von  der  Reise  zurückkomme ­
  und  daß  einem  daher  das  vorhandene
Barvermögen  bereits  vorher  abgenommen  worden ­
  ist.  Zudem  pflege  ich  mein  Geld  nicht  im
Portemonnaie,  sondern  an  einer  anderen,  weniger ­
  leicht  zugänglichen  Stelle  zu  tragen,  so
daß  die  Diebe  nur  einige  Briefmarken  und  einige ­
  wertlose  Andenken  erbeutet  haben.  Ich
hätte  sehr  gern  die  Gesichter  sehen  mögen,  die
die  Herren  gemacht  haben,  als  sie  erkannten,
daß  sich  die  so  mühsam  von  ihnen  in  Szene  gesetzte ­
  „Aufregung"  wirklich  nicht
gelohnt  hat."
Düsseldorf,  8.  Aug.  Folgen  der  Eifersucht.
Auf  dem  Kinderspielplätze  im  städtischen  Floragarten ­
  gab  der  Italiener  Giolitti  Ricardo  auf
seine  Geliebte,  die  24  Jahre  alte  Luise  Ulrich,
einen  Revolverschutz  ab.  Das  Mädchen  war  auf  der
Stelle  tot.  Der  Mörder  richtete  dann  die  Waffe
gegen  sich  selbst  und  wurde  schwer  verletzt  in  das
Krankenhaus  transportiert.  Der  Grund  zur  Tat
scheint  Eifersucht  zu  sein.
Lübeck,  9.  Aug.  Fünf  Brandstiftungen  in  einer
Nacht.  In  große  Aufregung  wurde  letzte  Nacht  die
Lübecker  Bevölkerung  versetzt.  In  kurzen  Zwischenräumen ­
  brannte  es  nicht  weniger  als  fünf
Mal.  Zuerst  kam  das  Feuer  in  den  Gebäuden

der  Landwirtschaftlichen  Maschinenzentrale,  kur;
darauf  iin  Schuppen  3  der  Handelskamme  ,
dann  auf  dem  Lindenplatz,  sodann  auf
Waldhalbinsel  in  einem  Holzlager  und  zue^
in  einem  anderen  Holzlagerplatz  aus.  Zuŗ
kämpsung  des  Feuers  mußte  auch  eine  Konşş
nie  des  Regiments  Lübeck  eingreifen.  ^
Schaden  ist  noch  nicht  ermittelt,  jedoch  nst
oberflächlichen  Schätzungen  sehr  groß.  Dezer  ^
nmderweise  liegen  drei  dieser  Brandstellen
dem  Wege,  den  der  Kaiser  bei  seinem  morgigen ­
  Einzuge  in  Lübeck  vorbeikommen  "iu
Die  Polizei  befürchtet  deshalb  auch  für  ^
morgigen  Festtag  weitere  schlimme  U  e  r
r  a  s  ch  u  n  g  e  n  ,  wenn  es  nicht  gelingt,
Brandstifters  habhaft  zu  werden,  auf  dep^
Ergreifung  bereits  eine  Belohnung  ÜC
12  500  Mk.  ausgesetzt  war.  Die  Belohn«  '
dürfte  durch  diese  neuen  Brandstiftungen  "o
eine  Steigerung  erfahren.
Provinzielles.
Die  Stadt  Lütjenburg,  ursprünglich  eine
bische  Siedlung,  kann  in  diesem  Jahre  ihr  °  ■
jähriges  Bestehen  feiern.  Sie  ist,  so  1®,,  „
den  die  „Jtz.  Nachr.",  eine  der  ältesten  ck
Ostholsteins.  Darauf  deutet  schon  der  R  '
der  aus  dem  wendischen  liutscha  d.  h.  starb  ^
entstanden  ist  und  mit  der  landläufigen  '
nähme,  er  bedeute  die  lütje  Burg,  nmN
tun  hat.  Tie  Lage  der  Stadt  läßt  deutn®
kennen,  daß  sie  ehemals  befestigt  geşşàl.
Lütjenburg  wird  zuerst  im  Jahre  1113
Damals  herrschten  hie  Wenden  im  östlichen  ^
stein.  Sie  hatten  sich  im  Kampfe  zwischen
sch  en  und  Dänen  zu  Herren  des  ganzen
gemacht,  und  ihr  Herrscher  Heinrich  şş  Iy
vom  Dänenkönig  sein  mütterliches  Erbten-Dänemark
  herrschte  damals  König  Niels,  ^
ein  Gegner  des  Wendenfürsten  Heinrich  ķ'  ^jg
letzterer  mit  einem  starken  Heere  in
einfiel,  landete  König  Niels  mit  ansehn^er
Streitkräften  anscheinend  in  der
Bucht.  Heinrich  kehrte  aus  dem  Schleswigs
zurück  und  1113  kam  es  bei  Lütjenburg  3
Schlacht,  in  der  der  Dänenkönig  geschlagen  .
de,  da  sich  der  Statthalter  Eilif  von  Schieß.
auf  die  Seite  der  Wenden  stellte.  Durch
Ereignis  trat  Lütjenburg  zum  erstenmal  m
Geschichte  unseres  Landes.  Gleichzeitig  beg  _

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„Wir  werden  jetzt  bei  gutem  Wetter  täglich
eine  Stunde  rudern,  Elisa,  das  soll  dir  und  mir
gut  tun."
Elisa  nickte  ihm  lächelnd  zu.
„Das  wollen  wir  tun,  Ernst.  Und  wenn
es  erst  wärmer  wird,  nehmen  wir  Tante  Johanna ­
  mit  und  rudern  hinüber  nach  dem  Walde. ­
  Sieh  nur,  wie  nahe  die  bewaldeten  Ufer
zu  liegen  scheinen,  als  wäre  man  in  einer  Viertelstunde ­
  drüben."
„Und  doch  reicht  kaum  eine  Stunde  aus.
Ueber  das  Wasser  hinweg  .täuscht  man  sich  in
den  Entfernungen."
„Das  Wasser  trügt  —  in  allen  Stücken.
Wenn  man  den  See  so  friedlich  liegen  sieht,
glaubt  man  nicht,  daß  er  so  tückisch  sein  kann.
Ist  es  wahr,  was  Dörte  sagt,  Ernst,  daß  der
See  keine  Toten  wieder  heraus  gibt?"
„Es  heisst  so.  So  lange  ich  denken  kann,
sind  zwei  Menschen  in  diesem  See  ertrunken.  E.in
Mann,  der  mit  dem  Boot  umschlug,  und  ein
Mädchen,  das  freiwillig  den  Tod  in  dem  See
suchte.  Beider  Leichen  sind  nie  zutage  gefordert
worden,  trotz  aller  Bemühungen,  sie  zu  bergen."
Elisa  sah  träumerisch  in  das  leicht  bewegte
Wasser.
„Ach  —  es  mutz  sich  doch  echt  friedlich  da
unten  ruhen",  sagte  sie  leise,  in  Gedanken  versunken. ­

Ernst  faßte  ihren  Arm  und  zog  sie  vom  Steg
herüber  an  das  Ufer.
„Mit  solchen  Gedanken  spielt  man  nicht,  Elisa", ­
  sagte  er  ernst.
Sie  richtete  sich  auf  und  sah  in.  sein  besorgtes ­
  Gesicht.  Dann  schüttelte  sie  schnell  den
Kopf,  und  ihr  Auge  wurde  klar  pnd  hell.
„Nein,  Ernst,  das  soll  man  a.icht,  da  hast
du  recht.  Es  war  auch  nichts  anderes  als  eine
törichte  Betrachtung.  Sieh  nut,,  wie  sich  die

Sonnne  im  Wasser  spiegelt  —  wie  schön  —
und  da  drüben  der  knospende  Wald!  Wie  ein
grüner,  zarter  Schleier  liegt  es  schon  auf  den
Bäumen.  Ueber  eine  kleine  Weile  und  die.Wälder ­
  prangen  im  frischen  Grün.  Im  Garten  blühen ­
  schon  die  Krokus  und  Himmelsschlüssel,  und
die  Tulpen  und  Hyazinthen  lugen  auch  schon
hervor.  Wohl  uns,  daß.  wir  atmen  im  rosigen
Licht."
(Fortsetzung  folgt).

Dermisch-tes.

Englische  Hochzeitsmoden.  Hochzeiten  gibts
zwar  das  ganze  Jahr,  aber  die  bevorzugte  Saison
für  diese  wichtige  Zeremonie  ist  in  England  der
Sommer,  denn  er  bietet  manche  günstige  Gelegenheit ­
  für  einen  poetischen  und  vornehmen  Verlauf
des  Hochzeitsfestes.  Der  Ueberflutz  an  Blumen,  die
Möglichkeit,  die  Gesellschaft  im  Freien  zu  empfangen ­
  und  im  eigenen  Garten  ein  Hochzeitstänzchen
zu  arrangieren,  dann  das  schöne  Wetter,  das  für
die  Hochzeitsreise  und  Flitterwochen  als  besonders
paffend  erscheinen.  Die  Vorbereitungen  für  die
Hochzeit,  die  ja  schon  immer  viel  Kopfzerbrechen
und  Sorgen  verursachte,  sind  durch  die  neuesten
Hochzeitsmoden  nicht  geringer  und  leichter  geworden. ­
  Wenngleich  der  Stil,  in  dem  ein  solches  Fest
verläuft,  von  der  gesellschaftlichen  Stellung  und
den  Vermögensverhältnissen  der  Brautleute  abhängt, ­
  so  ist  doch  in  allen  Kreisen  die  Entfaltung
von  Luxus  größer  geworden.  Immer  zahlreicher
und  kostbarer  werden  die  Hochzeitsgeschenke,  der
Trousseau  der  Braut  wird  immer  reichhaltiger  und
eleganter;  der  äußere  Rahmen  entfaltet  sich  immer
prunkvoller.  Die  Braut  erscheint  zwar  noch  im
weißen  Kleide  mit  dem  Orangeblütenstrauß,  doch
wird  jetzt  diese  altgeheiligte  Sitte  öfters  durchbrochen. ­

  Damen,  die  in  einem  Gewand  von  Goldader ­
  Silberbrokat  zum  Altare  schreiten,  sind  garnicht ­
  selten;  die  Schleppe  ist  häufig  sogar  farbig
gehalten.  An  die  Stelle  der  Orangeblüten  treten
Lilien  und  besonders  kühne  und  temperamentvolle
Bräute  stecken  sich  wohl  auch  einen  großen  Strauß
roter  Rosen  an.  Die  Einladungen  werden  wenigstens ­
  drei  oder  vier  Wochen  vorher  von  den  Brauteltern ­
  versandt.  Auch  wer  die  Kosten  zu  tragen
hat,  ist  genau  geregelt.  So  fällt  dem  Bräutigam
die  schöne  Aufgabe  zu,  sämtliche  Buketts  für  die
Braut,  die  Brautmutter  und  die  Brautjungfern
zu  bezahlen,  und  er  hat  auch  die  Rechnung  bei  dem
Geistlichen  und  überhaupt  alle  Kosten  der  Trauung
zu  tragen.  Das  Hochzeitsfest  selbst  richten  natürlich ­
  die  Eltern  der  Braut  aus;  sie  sorgen  auch  für
die  Wagen,  die  die  Gäste  zur  Kirche  bringen,  während ­
  der  Bräutigan  das  Auto  bezahlen  muß,  daß
ihn  mit  seiner  jungen  Frau  nach  dem  Bahnhof
bringt.  Früher  galt  es  für  ungehörig,  wenn  eine
Dame,  die  zum  zweiten  Male  den.  Bund  fürs  Leben ­
  schließt,  von  Brautjungfern  gefolgt  wird.  Jetzt
aber  haben  auch  Witwen  ihr  feierliches  Vrautgeleite;
  ja  man  hat  sogar  aus  Amerika  die  Mode
übernommen,  an  die  Spitze  der  Brautjungfern  eine
„Ehrenmatrone"  zu  stellen.  Die  Zahl  der  Brautjungfern ­
  ist  sehr  verschieden;  doch  sind  vier  bis  sechs
das  übliche.  Bei  einigen  Hochzeitsfesten  der  letzten
Zeit  waren  es  zehn  und  zwölf  Brautjungfern.  Die
alte  Hochzeitssitte,  nach  der  man  dem  abreisenden
jungen  Paar  Konfetti  oder  Reiskörner  nachwirft,
um  dadurch  Glück  in  die  neue  Ehe  zu  bringen,  hört
mehr  und  mehr  auf.  Man  hält  solchen  „Aberglauben" ­
  für  unmodern  oder  sucht  ihn  wenigstens  zu
variieren,  indem  an  die  Stelle  des  prosaisckjen  Reis
Rosenknospen  treten.  Vesser  bewahrt  hat  sich  das
Nachwerfen  des  glückbringenden  Schuhs.

Gemeinnütziges.  ^
—  Wäschebehandlung.  Herrenwäsche  Än-Glanz
  durch  richtiges  Stärken  und  gutes
Man  bereitet  eine  gute  Stärke  nach  -
Rezept:  Auf  6  Oberhemden  rechnet  man  chen
Blatt  Gelatine,  1  Eßlöffel  Borax,  1
weißes  Wachs  zu  5  I  und  y 4  Kgr.  StraP^^ssek
Von  dieser  wird  eine  Hand  voll  in  kaltew
klar  gequirlt  und  mit  y 2  Liter  kochendem  ģchs
übergössen,  worin  man  zuvor  Gelatine  und
sich  vollkommen  auflösen  ließ;  das  Ganze  nwaî
zum  Ziehen  an  eine  warme  Herdstelle.  Der  .gewird
  in  einer  kleinen  Kasserole  besonders
kocht.  Die  übrige  Stärke  löst  man  mit  -Vs.
kaltem  Wasser  auf,  brüht  sie  mit  y 2  Liter  Widern, ­
  setzt  sie  aufs  Feuer,  gibt,  sobald  şie  (W  ^e
dickt,  die  anderen  Bestandteile  hinzu  und  st«
Wäsche  möglichst  heiß.  —  Waschkleider  werve^^
Gelatine  gestärkt;  letztere  muß,  mit  kocy
Wasser  übergössen,  an  warmer  Stelle  !§  ^r&
stehen,  bis  sie  vollkommen  aufgelöst  ist,  paS
dann  dem  zum  Stärken  bestimmten  Wa>!  '  lslI i<
noch  heiß  sein  muß,  zugesetzt.  Eine  genaue  ßI .
tität  anzugeben,  ist  unmöglich,  doch  durste
wohl  genügen.  ..  .  „.,5  lOO
—•  Versengte  Wäsche.  Man  bereite  ^t,
Gramm  Chlorkalk,  den  jeder  Drogist  vorr  -
und  900  Gr.  heißes  Wasser  eine  Chloria  ^e-Nachdem
  diese  sich  geklärt  hat,  taucht  «.  nnppche"
selbe  einen  Wattebausch  oder  ein  klein  ^  der
und  bestreicht  -damit  sanft  die  verseng  zWsckst,
Wäsche.  —  Hat  man  versengte,  gestarir.  „ ö t
z.  B.  Oberkemden,  Kragen,  Manschetten.  n
der  Behandlung  der  Wäsche  ^  «"t  der  tätigt
lösung  die  Stärke  mittelst  herßem  Wasser
werden.  Sobald  die  versengte  Stelle  versch  ^tt
und  die  Wäsche  wieder  weiß  wird,  »W  guS,
kaltem  Wasser  gründlich  die  Chlorkalk
            
Waiting...

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