104 Die Chronik des Garnisonstãdkchens
daß ihn das Zivil gar nicht kleidete: dann tritt das
Rüde noch deutlicher hervor, sagte die Frau Oberst
von ihm. Für eine weniger kräftige Natur als die
seine wären übrigens diese Jagdtouren ziemlich an—
strengend gewesen: oft ritt er am frühen Morgen
schon ein paar Meilen, wobei er Pluto nicht schonte,
ging dann auf Jagd, so lange es hell war, aß und
trank stark, spielte die Nacht durch Karten und ritt
dann gegen Morgen heim, um die Leute beim Stall⸗
dienst zu überraschen.
Zum Teufel auch! sagte er eines Vormittags
zu Leutnant Paulsen. Ich hatte dem Jägermeister
versprochen, am Montag nach Billeskob zu kommen
und seine Schnepfen zu schießen, und nun wird man
zum Obersten eingeladen! — Ja, Sie sollen ja wohl
auch hin! Ausgeschnittene Teeparade! — Und wenn
man dann wenigstens ein bißchen Vergnügen davon
hätte, daß sie ausgeschnitten ist, aber von den Töchtern
des Hauses gilt leider dasselbe, was der selige
Konsistorialrat daheim zu sagen pflegte, wenn er
das Unglück hatte, ein Rückenstück von der Pute zu
bekommen: Knochen und nichts als Knochen! Der
Teufel hole den ganzen Rout!
Der Sonnabend kam, und alle Honoratioren der
Stadt stellten sich beim Obersten ein, Militär wie
Zivil — es war, was der Oberst selber „gemischten
Dienst“ nannte. Die Möbel drinnen im Saal — den
Jochumsen „Ginnungagab,“ den Abgrund zwischen
Niflheim und Muspelheim, zu nennen pflegte, womif