132 Die Chronik des Garnisonstädtchens
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Zeit wieder herausmüßt, hört ihr? Gute Nacht,
Kinder! Und damit ging sie und wußte ganz gut,
daß nicht sonderlich viel Aussicht vorhanden sei, daß
die mütterliche Ermahnung fruchten würde, denn
für Mine und Friederike war es natürlich eine Be—
gebenheit, ein Hauch aus einer andern Welt, wenn
die Cousine zu ihnen ins Pfarrhaus kam, und da
war immer so viel zu fragen, daß man notwendiger⸗
weise die Nacht mit zu Hilfe nehmen mußte.
Die beiden Pastorstöchter glichen sich wie zwei
Tropfen Wasser: beide waren untersetzt und rund—
lich, und beide hatten flachsblondes Haar und wasser⸗
blaue Augen, und was es Fremden noch mehr er⸗
schwerte, sie zu unterscheiden, war der Umstand, daß
ihr Gedankengang, ihre Interessen und ihre Art
und Weise, sich zu geben, ganz gleich waren. Mine
meinte immer dasselbe wie Friederike, und Friederike
hatte niemals eine andre Ansicht wie Mine, und
wenn Mine etwas sagte, so endete sie stets mit den
Worten: Nicht wahr, Friederike? wie auch Friederike
ihr Urteil stets einer höhern Instanz zu unterwerfen
pflegte, indem sie regelmäßig mit der Frage: Nicht
wahr, Mutter? schloß.
Sie waren tüchtig in der Wirtschaft, und für
alles, was in der Gegend passierte, hegten sie ein
lebhaftes Interesse und bekundeten eine so eingehende
Sachkenntnis, daß selbst Jochumsen es nicht unter
seiner Würde hielt, hin und wieder Erkundigungen
bei ihnen einzuziehen. Sie taten auch, was sie