Volltext : Die Chronik des Garnisonstädtchens

Zwölfkes Rapitkel

ig⸗

kaffees benutzt, seinen Lieblingsvortrag zu halten,
daß nämlich die Benennung „Frühling“ eins der
Wörter sei, die man kritik— und gedankenlos aus
dem Süden in die nordischen Sprachen aufgenommen
habe, ohne sich klar zu machen, daß die dem Worte
entsprechende Realität hierzulande niemals vorkäme,
wie man auch nicht von „Maikirschen“ reden könne.
Der Pfarrer lachte und traktierte die beiden Zimmer⸗
katzen mit Kaffee und Sahne in einer Untertasse, die
Pastorin aber war kreuzunglücklich und begann sich
sofort des Wetters wegen zu entschuldigen — das
gehörte ja zu ihrem Ressort als Wirtin.
Jetzt wurde zur Kirche geläutet; der Pfarrer
zog sein Ornat an, und bald wanderten alle Be—
wohner des Pfarrhauses durch die kleine Pforte
zwischen den Gräbern hindurch über den Kirchhof,
wo fast die ganze Gemeinde versammelt war und
ihren Seelsorger sowie dessen Familie und Gäste
freundlich begrüßte. Jochumsen war auch mitge⸗
gangen. Er war sonst nicht gerade kirchlich gesinnt,
und der Pfarrer sagte oft zu ihm: Du hast deinen
Stuhl im Wohnzimmer, nicht im Gotteshause! Aber
an allen hohen Festtagen hörte er doch regelmaßig
seinen Wirt predigen — das ist man der Gast
freundschaft schuldig, meinte er.
Der Gottesdienst verlief, wie er zu verlaufen
pflegte. Pastor Knudsen war kein großer Kanzel⸗
redner, aber er sprach einfach und herzlich, und dann
hatte er den großen Vorzug, daß die Gemeinde ihn
            
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