138 Die Chronik des Gaxnisonstädkchens
jetzt seit zehn Jahren kannte und wußte, daß ihr
Pfarrer außerhalb der Kirche ebenso war wie auf
der Kanzel.
Nun, wie fanden Sie es denn? fragte Jochumsen
Möller, als sie die Kirche verließen; er war darauf
vorbereitet, allerlei kritische Bemerkungen zu machen,
falls Möller sich, wie er vermutete, lobend äußern
sollte. Statt dessen erwiderte Möller:
Ich kann mir ja keine bestimmte Ansicht bilden,
nachdem ich hier einmal in der Kirche gewesen bin,
aber nach dem Gesang zu urteilen, scheint allerdings
nicht viel Leben in der Gemeinde zu sein!
Leben! Unsinn! brauste Jochumsen auf. Ver—
langen Sie vielleicht, daß die Gemeinde mit dem
Pastor an der Spitze Bock auf dem Kirchhof springen
sollte! Ich bin im allgemeinen kein großer Freund
der Geistlichkeit, obgleich ich selber mein theolo—
gisches Examen mit Auszeichnung bestanden habe,
aber das weiß ich, in ganz Dänemark gibt es keinen
Pfarrer, der seine Stellung besser ausfüllte als mein
Freund Knudsen! Seine Fehler hat er natürlich
auch — ich bin nicht blind für die Schwächen meines
Freundes; er hat zum Beispiel keine Spur von
politischer Überzeugung, aber als Pfarrer ist er über
alles Lob erhaben! — Kein Leben in der Gemeinde!
Unsinn! Es ist ganz im Gegenteil eine sehr leb—
hafte Gemeinde!
Möller gab sofort alle weitere Diskussion auf,
und der Rest des Tages verlief friedlich Man aß