Full text : Die Chronik des Garnisonstädtchens

40 J Die Chronik des Garnisonstädkchens

nein! Von Schweden sei uns niemals etwas Gutes
gekommen, zuletzt habe es uns noch Norwegen weg⸗
genommen. Da sei doch eigentlich kein Grund zu
großer Liebe von unsrer Seite vorhanden!
Hierzu bemerkte Jochumsen, dieser bornierte
Standpunkt sei eine natürliche Folge von des Pastors
völligem Mangel an höherer politischer Einsicht;
er, Jochumsen, sei gewiß nicht nationalliberal, aber
Skandinavier, das sei er. Und als Möller sich er—
laubte, seine Verwundrung über diese milde ge⸗
sprochen merkwürdige Inkonsequenz auszusprechen,
erklärte Jochumsen mit unerschütterlichem Ernst aber
zur großen Freude des Pastors, daß keiner von den
Anwesenden einen Begriff von der „Konsequenz der
Inkonsequenz“ zu haben scheine, aber den habe er,
und dieser Ausdruck blieb dann lange Zeit ein be—
liebter Ausdruck im Pfarrhofe.
Nach dem Abendbrot blieb Pastor Knudsen im
Wohnzimmer — er hatte ja keine Predigt für den
folgenden Tag auszuarbeiten — und während sich
der Rektor mit seiner Schwester unterhielt, knüpfte
er ein theologisches Gespräch mit Möller an. Sie
waren ganz verschiedner Ansicht, aber es ging alles
sehr friedlich zu, und als der Pastor schließlich sagte:
Ja, das ist ja alles ganz gut, Adjunkt Möller, aber
was ist denn eigentlich Ihre eigne, persönliche An⸗
sicht darüber? da lachte Jochumsen hohl wie ein
Nachtrabe und sagte halblaut vor sich hin: Die hat
er nicht, wenn er nicht irgendwo gehört oder gelesen
            
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