Full text: Die Chronik des Garnisonstädtchens

158 Die Chronik des Garnisonstädtchens 
Freilich! Sie war großartig! Die ganze Männer— 
welt lag ihr zu Füßen, wohin sie kam, und jetzt — 
jetzt tollt sie Priesterkragen und häkelt Spitzen, ist 
bange vor Männern und nicht ganz richtig im Kopf; 
sic transit soli Deo gloria! — Aber wissen Sie, 
was ich hätte sein können? Ihr Mann hätte ich 
werden können! 
Ja, wenn sie gewollt hätte! 
Nein, wenn ich gewollt hätte, Herr Oberlehrer! 
Aber ich verkaufe mich nicht! — Ach, ich könnte 
Ihnen etwas erzählen, ein großes Geheimnis! 
Ein Geheimnis! rief Jochumsen und sah den 
Alten an wie eine Katze, die nach einem Vogel 
schleicht. Ein Geheimnis! Heraus damit! 
Ja, ich könnte erzählen, Herr Oberlehrer, aber 
wissen Sie, was ich tue? Ich halte meinen Mund, 
ich sage nichts! 
Da haben Sie eine Mark, Bertram! Machen 
Sie sich einen vergnügten Abend. 
Vielen Dank, Herr Oberlehrer! Wissen Sie, 
was ich jetzt tueꝰ Jetzt befolge ich Ihren guten 
Rat und mache mir einen vergnügten Abend — und 
halte doch meinen Mund! Adieu, Herr Oberlehrer! 
Grüßen Sie, bitte, Jungfer Ginge von ihrem alten 
Kunstgenossen! 
Damit humpelte Bertram von dannen, und 
Jochumsen blieb erbittert zurück, nicht so sehr wegen 
des Verlustes der Mark, als weil ihm das Geheim⸗ 
nis entgangen war, das also jetzt seiner Sammlung
	        
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