Full text : Die Chronik des Garnisonstädtchens

160 Die Chronik des Garnilonstädtchens

mit einem Manne sprechen und etwas aufgemuntert
werden, und ich bin ja der Nächste dazu.
Wo er den Rektor finden würde, wußte er
natürlich, und ohne mit unnötigen Fragen Zeit zu
verlieren, ging er gleich über den Hof, öffnete die
kleine Pforte und trat in den Garten.
Von außen konnte man sich gar nicht vorstellen,
wie schön der kleine Fleck war, und welche Blüten⸗
pracht sich hier im Laufe des Sommers entfaltete,
denn um unbefugte Blicke zu hemmen und die
lärmende, unangenehme Welt so weit wie möglich
auszuschließen, hatte der Rektor nach allen Seiten
hin einen Bretterzaun ziehn lassen. Auf langen,
gleichmäßigen Beeten, die von Buchsbaum eingefaßt
waren, wurde hier eine Unmenge von Blumen ge⸗
zogen: Ranunkeln, Anemonen und Aurikeln waren
sehr beliebt, das größte Gewicht aber wurde doch
auf Rosen gelegt, von denen es hier wohl an fünfzig
verschiedne, meistens aber ältere, wohlbekannte Sorten
gab, denn es kostete den Rektor allemal eine gewisse
Überwindung, etwas neues auszuprobieren, auf dem
Gebiet der Gartenkultur ebenso wie auf allen andern
Behieten.

In der einen Ecke stand eine Laube, über der
die großen Blätter des Pfeifenkrauts ein dichtes
Dach bildeten, das die Sonne abhielt und gegen
manchen Regenschauer Schutz bot. Hier saß Lise mit
ihrer Näherei. Der Rektor selbst ging im langen
Schlafrock mit seiner Pfeife zwischen den Beéten
            
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