184 Die Chronik des Garnisonstädtchens
8
Art revolutionären Volksauflauf betrachtete und es
eigentlich passender gefunden hätte, wenn die Dra—
goner bei solchen Gelegenheiten in die respektiven
Wachtstuben konsigniert worden wären — für vor⸗
kommende Fäalle. Der einzige Offizier, der sich
offiziell am Fest beteiligte, war denn auch Major
Duseberg — aber auch in Zivil — und seine Be⸗
teiligung geschah weniger aus politischen Gründen,
als in der Aussicht auf die reichliche und preiswerte
Festmahlzeit, die am Abend im Waldpavillon serviert
wurde. Mit Ausnahme des Militärs waren so
ziemlich alle Gesellschaftsklassen vertreten, und es war
ein stattlicher Festzug. An der Spitze, gleich hinter
der Musik, ging der kleine Bürgermeister in der
großen Uniform mit hohem, steifem Kragen, er sah
aus wie ein Protokoll in Quartformat, das in Folio
eingebunden war; und neben ihm stolzierten die beiden
ältesten Mitglieder der Kommunalverwaltung: Rechts⸗
anwalt Jespersen und Schuster Andersen; der Rechts⸗
anwalt wurde allgemein, weun er es nicht hörte,
der „Gerber“ genannt, da man annahm, daß er
seinen Mitmenschen die Haut ein wenig mehr über
die Ohren zog, als streng genommen nötig war,
und man sah ihn in der Regel in einem Einspänner
mit einer kleinen magern Kracke davor fahren, die
dem Volksglauben zufolge nur mit Kaufbriefen und
Pfandobligationen gefüttert wurde. Der Schuh⸗
macher hatte sich von dem grünen Schurzfell, den
Klapppantoffeln und der Pfeife trennen müfsen. aber