Volltext : Die Chronik des Garnisonstädtchens

218 Die Chronik des Garnilonslädkchens
zucker auf das Bett seines ahnungslosen Kollegen
geschüttet hatte.

Der Leutnant hatte die Einladung erhalten, der
Leutnant hatte Urlaub bekommen, der Leutnant kam!
Am Tage vorher waren Mine und Friederike
sehr geschäftig in der Küche, sie backten Topfkuchen,
Kringel, Kakes und Zwieback, als ob Weihnachten
vor der Tür stünde, und als der große Tag anbrach,
sah man von früher Morgenstunde an die Pastors⸗
tüchter in hellen, gesteiften Kleidern, Spannung und
Neugier auf den runden Gesichtern. Jochumsen ging
alle Viertelstunden auf den Kirchhof, von wo aus
man eine weite Fernsicht hatte, der Pastor hatte sich
durch die dringenden Vorstellungen seiner Familie
erweichen lassen, den Schlafrock abzulegen, und nur
Möller spazierte mit ruhiger, fast überlegner Miene
umher und gab zu erkennen, daß er die ganze Auf—
regung für unter seiner Würde halte.
Endlich stieg im Osten eine Staubwolke auf,
man vernahm Hufschläge, und vor dem Gehöft des
Schulzen hielt ein Dragoneroffizier, von seinem
Burschen gefolgt, sein Pferd an und fragte nach
dem Wege.
Wenig Augenblicke darauf ritt der Leutnant
in den Pfarrhof ein, Enten und Hühner stoben
schnatternd zur Seite, der Kettenhund bellte sich noch
heiserer, als er schon war, und nachdem Jochumsen
            
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