Bwreikes Kapitel
—1
denn entweder muß man aufstehn, und dann tut
man ja nichts weiter als seine verdammte Pflicht
und Schuldigkeit; oder man steht con amore auf,
und da ist denn doch noch weniger Grund vorhanden,
einen Menschen deswegen zu loben! Aber machen
Sie jetzt nur, daß Sie in die Kleider kommen, und
trinken Sie eine Tasse Tee, oder was Sie sonst um
diese Zeit des Tages zu genießen pflegen; dann will
ich Sie mit der Stadt bekannt machen und Sie zum
Direktor begleiten.
Während Adjunkt Möller schleunigst Toilette
machte, unterhielt sich der Oberlehrer unten vor der
Haustür mit dem Hausknecht und erhielt durch hart⸗
näckiges Fragen genaue Auskunft darüber, was für
Gäste im Hotel logierten, wer am vorhergehenden
Abend am längsten in der Gaststube gesessen hatte,
und wessen Koffer es war, der auf der Diele stand.
Dann kam Möller herunter, und während die
beiden pädagogischen Kollegen den Marktplatz hinunter
wanderten, sahen sie sich unwillkürlich prüfend an.
Bisher hatte Möller ja nichts weiter von dem
Oberlehrer gesehen als die Hornbrille und die Nase,
da aber diese in Verbindung mit dem dunkelbraunen
Knebelbart, der sich, wenn er sprach, auf und nieder
bewegte, gerade das Charalteristische in seiner
Physiognomie war, so entsprach der allererste Ein—
druck ganz dem spätern; und als der Adjunkt sich
fragte, woher er nur diese ganze magere Gestalt
mit den großkarrierten Beinkleidern und dem schein⸗