Full text: Die Chronik des Garnisonstädtchens

238 Die Chronik des Garnisvnstãdtchens 
seine weißen Kragen ja nicht zu zerknittern, vergaß 
allmählich alle guten Vorsätze und sah akkurat so 
aus wie die andern — und das war vielleicht der 
größte Triumph des Leutnants. 
Gib doch einmal acht, sagte Jochumsen zu Pastor 
Knudsen, alle Kinder und Hunde laufen dem Leut⸗ 
nant zu. Selbst der wütende Kettenhund heult vor 
Freude, wenn er ihn sieht, und die Dorfbengel unten 
am Teich grinsen vor Vergnügen, wenn er vorüber— 
geht. Hunde und Kinder — Geschöpfe, für die ich 
übrigens keine Sympathie hege — haben einen feinen 
Instinkt! 
Die Pastorin vertraute Möller an, daß der Leut⸗ 
nant ihrer Ansicht nach der aufopferndste Mensch 
sei, den sie kenne; Möller konnte aber ihre Auf⸗ 
fassung nicht ganz teilen und erklärte, es liege doch 
auf der Hand, daß der Leutnant nur mit den Knaben 
spiele, weil es ihm amüsant sei, und daß er sich unter 
ihnen als Gleichaltriger fühle — eine Äußerung, 
die beinahe die friedliebende Frau in Harnisch ge⸗ 
bracht hätte; jedenfalls betrachtete sie Möller wäh— 
rend der nächsten Stunden mit weit weniger freund— 
lichen Augen als bisher. 
Der Pastor war sehr eifrig mit seiner Roggen⸗ 
ernte beschäftigt, und als man mit dem Anmãähen 
des ersten Feldes begann, waren alle draußen. Der 
Leutnant nahm einem der Knechte die Sense aus 
der Hand und versuchte, sie zu gebrauchen, aber es 
ging nicht recht; er führte fie linkisch und konnte
	        
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