Full text : Die Chronik des Garnisonstädtchens

282 Die Chronik des Garnisonstädlchens

sonst nicht gerade mein Fehler. Verzeihen Sie, wenn
ich Sie gelangweilt habe! Ich verlasse mich natürlich
unbedingt auf Ihre Diskretion.
Jochumsen wiegte sich auf seinem Stuhle hin
und her, er wußte nicht recht, wie er die Sache
verfolgen sollte, endlich beschloß er, alle diploma—
tischen Finessen fahren zu lassen und direkt aufs
Ganze loszugehn:
Ich verstehe sehr wohl alles, was Sie da sagen,
Herr Major — nur eins ist mir unbegreiflich,
nämlich daß ein Vater es über das Herz bringen
kann, ganz ohne Nachricht von seinem Kinde zu
bleiben.

Ich will das nicht verteidigen, entgegnete der
Major, aber die Menschen sind ja verschieden.
Es gibt Naturen, die sich um jeden Preis von
unangenehmen Erinnerungen loskaufen wollen, und
der Vater von Klara Ginges Kind hat wohl ge—
meint, daß die Summe, die er zahlte, groß genug
sei. um ihm diese Freiheit zu erkaufen.
Wenn nun aber irgend jemand wüßte, wo das
Kind ist, wäre es dann nicht das Natürlichste, daß
er zum Vater ginge und es ihm mitteilte?
Nein, erwiderte der Major und legte seine Hand
auf Jochumsens Schultern. Und haben Sie, wie
es nach Ihren Äußerungen scheint, wirklich Kenntnis
von der Sache, so bitte ich Sie dringend, die letzten
Tage eines alten Mannes nicht zu stören, indem
Sie ihm die Vergangenheit wieder vor Augen
            
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