Full text : Die Chronik des Garnisonstädtchens

306 Die Chrvnik des Garnisonstädtchens

In dem Augenblick, als sich der Wagen des
Königs in Bewegung setzte, ritt der Leutnant, der
die ganze Zeit mit gezognem Säbel, steif wie ein
Postament gehalten hatte, schnell zwischen ihn und
die Equipage der Gräfin, gefolgt von seiner Abteilung
Dragoner, die sich so eng an ihren Führer anschlossen,
wie es nur möglich war. Aber der Kutscher der
Gräfin, der offenbar ebenfalls seine Instruktionen
erhalten hatte, fuhr schnell zu und lenkte die sich
bäumenden Pferde mitten in die Eskorte. Ein paar
von den Dragonerpferden scheuten und wollten nach
der Seite zu ausbrechen, es entstand einen Augen—
blick Verwirrung, dann aber halfen die Sporen und
der kräftige Schenkeldruck: der Leutnant und die
Eskorte ritten in geschlossener Ordnung hinter dem
Wagen Seiner Majestät.
Was nach der Ankunft in Lilienborg passierte,
ist nie so recht aufgeklärt worden; es hieß all—
gemein, der König habe, nachdem er höhern Orts
über den Sachverhalt Erkundigungen eingezogen,
dem Rittmeister Ravnhjelm einen tüchtigen Rüffel
zukommen lassen, und Barbier Ketelsen wußte sogar
am nächsten Tage zu berichten, Seine Majestät habe
den Rittmeister mit Festungshaft bedroht. Die Sache
mochte sich verhalten, wie sie wollte, jedenfalls war
es bei der Drohung geblieben, denn auch nach dem
Königsbesuch ging der lange Rittmeister genau so
frank und frei wie sonst in der Stadt umher, und
als sich der Major wieder zum Dienst gemeldet
            
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