Full text: Die Chronik des Garnisonstädtchens

Zweiundzwanzigstes Rapitel 313 
durch seinen Rittmeister gefragt, ob er nicht Lust 
habe, nach vorausgegangnem notwendigen Unterricht 
in die feste Tarockpartie des Kammerherrn einzu⸗ 
treten. Dazu hatte Leutnant Paulsen selbstverständlich 
die größte Lust — wozu hatte er keine Lust! —, 
und dann wurde er aufgefordert, sich eines Nach— 
mittags um fünf Uhr beim Kammerherrn einzufinden, 
im von ihm selbst in die ersten Mysterien des 
Tarockspiels eingeweiht zu werden. 
Schon eine halbe Stunde vor der festgesetzten 
Zeit war der Kammerherr bereit, seinen Gast zu 
empfangen, und schritt erwartend in seinem Wohn⸗ 
zimmer auf und nieder. Dicke seidne Gardinen 
hingen vor den Fenstern, ein weicher Smyrnateppich 
bedeckte den ganzen Fußboden, und die Einrichtung 
war so ziemlich im Stil durchgeführt — style 
de la rögence. Weiß und gelb herrschte bei den 
Möbeln vor, vergoldet war das Gitter, das den 
Ofen verbarg, vergoldet war der Käfig des weißen 
Kakadu; ein Kristallkronleuchter hing von der Decke 
herab, und die entsprechenden Kandelaber standen 
auf Konsolen vor den Spiegeln. Auf einer Etagere 
befand sich eine ganze Sammlung von emaillierten 
Dosen und Riechbüchsen in verschiednen Formen, 
auf einer andern ein Frühstücksservice in Grün und 
Violett aus altem sachsischen Porzellan, und nur eine 
Sammlung silberbeschlagner Meerschaumpfeifen zeugte 
davon, daß es ein Herrenzimmer sei, und nicht das 
Boudoir einer Dame.
	        
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