Volltext : Die Chronik des Garnisonstädtchens

Zweiundzwanztgstes Rapitel 317

tut, ja, es war wirklich fünf Uhr! Sollte der
Leutnant sich in der Zeit geirrt haben? — Nein,
jetzt schellte es, und der Diener ging hinaus. um
zu öffnen.
Der Leutnant wurde gemeldet, trat ein und bat
um Verzeihung, daß er einige Minuten zu spät
komme, er sei aber bei Major Brusch gewesen, um
eine Kandare abzuliefern, und da der Major, der
gerade mit dem Striegeln seines Pferdes beschäftigt
war, erklärt hatte, daß er zufällig denselben Weg zu
machen habe wie der Leutnant, hatte dieser auf ihn
warten müssen und sich infolgedessen verspätet.
Der Kammerherr lächelte. — Ja, es ist eine
von den kleinen Eigentümlichkeiten des guten Majors,
sagte er, daß er stets denselben Weg gehn muß
wie der, dem er begegnet. Übrigens ist Major
Brusch einer meiner ältesten Bekannten — ich kann
wohl sagen: Freunde —, er hat mir, namentlich
in einer bestimmten Angelegenheit, große Dienste
geleistet. Wenn er es doch nur lassen wollte, selber
Stalldienst zu verrichten — es ist ihm ja dabei
ganz unmöglich, seine Hände zu soignieren! Und
dann schreit er immer so laut, als kommandierte er
mindestens zwei Schwadronen — das geniert mich
ein wenig, namentlich auf der Straße. Mais enfin —
das sind ja Bagatellen! — Bitte, ziehn Sie die
Handschuhe aus! — Nein, erlauben Sie mir, mein
junger Freund: Sie reißen sie von der Hand und
hallen sie dann zusammen, als hätten Sie ein Putz—
            
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