Full text : Die Chronik des Garnisonstädtchens

318 Die Chronik des Garnisonstädkchens
leder vor sich — das muß man niemals tun! —
So zieht man einen Handschuh aus! Ja, verzeihen
Sie, daß ich das sage! Aber so ein alter Kavalier,
wie ich, darf sich wohl ein offnes Wort gestatten! —
Bitte, nehmen Sie Platz!
Und dann begann der Unterricht. Nach der
ersten Lektion war der Leutnant nahe daran, zu
bereuen, daß er sich überhaupt auf Tarock eingelassen
habe, und in seinen Träumen tanzten fortan die
78 Karten den wildesten Kehraus, während Namen
wie Cavallo, Pagat, Escarte ihm um die Ohren
summten und ihn bald zur Verzweiflung brachten.
Als aber der Unterricht erst ein paarmal fortgesetzt
war, klärte es sich ihm allmählich auf, der Kammer—
herr lobte seine Anlagen, und zum Zeichen seiner
allerhöchsten Zufriedenheit stopfte er seinem Gast
eigenhändig eine Meerschaumpfeife — die große
mit dem geschnitzten Kopf, die „der Prinz von
Ahrenberg“ hieß, denn jede Pfeife war nach dem
genannt, der sie dem Kammerherrn geschenkt hatte,
oder in dessen Besitz sie früher gewesen war.
Allmählich schwand auch die Befangenheit, die
der Leutnant im Anfang doch ein wenig empfunden
hatte, und bald schwatzte und lachte er ganz wie
sonst mit dem Kammerherrn, der seinerseits auch
immer mitteilsamer wurde, und dem es großes Ver⸗
gnügen bereitete, einen so aufmerksamen Zuhörer zu
haben, wenn er von alten Zeiten erzählte. Das
Pretiosenmuseum des Kammerherrn wurde gezeigt
            
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