Full text: Die Chronik des Garnisonstädtchens

330 Die Chronik des Garnisonstädkchens 
dann hinterher ihr Versehen damit motiviert, daß er 
„bei Tische so freundlich gegen sie gewesen sei.“ 
Und dann kam endlich der Ballabend. Die drei 
Kutschen des Städtchens waren in ununterbrochner 
Bewegung, und der Omnibus, der im Sommer in 
den Wald fuhr, war auch mit verwandt worden; aber 
die meisten gingen zu Fuße, ja einzelne von den 
kleinen Mädchen wurden von Hause direkt bis an 
den Klub getragen. Auf der großen Diele legte 
man ab; die Schals, Kopftücher, Galoschen und Pelz- 
stiefel verschvanden, und aus der Hülle entpuppten 
sich leichtbeschwingte Schmetterlinge, die mit klopfen⸗ 
dem Herzen in den Saal schwebten, wo das Komitee 
an der Tür stand und dienerte. 
Auf einer Erhöhung im Hintergrunde saß die 
Musik — die Regimentsmusik in Zivil —, und an 
den Seiten des Saales entlang nahmen die Mütter 
und Tanten Platz; die Balldamen standen unterhalb 
der Tribüne, die Schüler an dem entgegengesetzten 
Ende des Saals, und nur einzelne der ältesten 
wagten sich vorsichtig zu den Damen hinüber — sie 
glichen Parlamentären, die ins feindliche Lager ge— 
sandt wurden, um dies zur Übergabe unter ehren⸗ 
vollen Bedingungen zu bewegen. 
Der Rektor stand mitten im Saal und sah 
kreuzunglücklich aus, die Lehrer gingen umher und 
konversierten mit den Honoratioren unter den Eltern. 
Die Väter bildeten eine eigne Pariakaste, die sich 
in dumpfer Verzweiflung in die eine Ecke verschanzt
	        
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