338 Die Chronik des Garnisonstädkchens
Nößelmaße aus Kupfer mit abgenutzter Verzinnung
standen. Jetzt füllte sich plötzlich der Torweg mit
Dampf, der unter dem Rinnsteinbrett hervorquoll; die
ganze Straße hinab wogten in der scharfen Frostluft
die weißen Wolken. Dienstmädchen mit zerzaustem
Haar, blaugefrornen Armen und klappernden Pan—
toffeln kamen wie mit einem Zauberschlag von allen
Seiten herbeigelaufen, um warmes Wasser zu holen
— jetzt war endlich etwas für den Rittmeister zu
sehen — und da klopfte es.
Herein! — Ach, Sie sind es, Leutnant Paulsen!
Nehmen Sie, bitte, Platz! — Nein, kommen Sie
erst mal hierher, Sie sollen eine schneidige Dirne
sehen — sie ist wirklich geradezu hübsch!
Wen meinen Herr Rittmeister?
Die da, mit dem braunen Rock. Sie hat förm⸗
lich Facon in den Beinen — das sieht man hier—
zulande nicht alle Tage!
Pfui Kuckuck! Sie hat ja Löcher in den
Strümpfen! — Sehen Sie doch nur. die Ferse
guckt heraus!
Ja, was schadet denn das! Deswegen kann sie
doch immer hübsch gewachsen sein!
Das kann sie allerdings, aber ich muß gestehn,
daß mir das Auge für etwas Verführerisches ab—
geht. wenn mich so eine rote Ferse angrinst.
Wo zum Teufel haben Sie eigentlich alle die
feinen Empfindungen her, Herr Leutnant?
Ja, es ist mir wirklich unmöglich, zu sagen, ob