Full text: Die Chronik des Garnisonstädtchens

Preiundzwanzigstes Rapitel 
307 
Wissen Herr Kammerherr das nicht? Ich glaubte, 
Sie führten ein genaues Register — 
Uber das, was ich hier liegen habe? Ja, darüber 
führe ich Buch. Aber von dem Wein mußte ich 
mich trennen — oder ich glaubte doch wenigstens, 
daß ich dazu genötigt sei; ich brauchte eine größere 
Summe auf einmal und realisierte deswegen unter 
anderm auch meinen damals nicht geringen Wein⸗ 
vorrat. — Ja, das war ein unersezzlicher Verlust! 
Doch geschehn ist geschehn, hin ist hin! Wir wollen 
uns nicht länger in die Vergangenheit versenken. — 
Wollen wir nun an den Sherry gehn? Erlauben 
Sie? 
Damit warf der Kammerherr dem Leutnant 
eine Schürze über den Kopf, band selber eine ähn⸗— 
liche um, und dann nahm das große Werk seinen 
Anfang. 
Es war ein Anblick, für den die halbe Stadt 
viel gegeben haben würde, wie der Kammerherr in 
der Schürze und mit dem Fez auf dem Kopf auf 
einem dreibeinigen Schusterschemel saß und Wein 
abzapfte. Mit einem Ernst, als seien es Granaten, 
die er füllte, untersuchte er sorgfältig jede einzelne 
Flasche, ehe er sie verwandte, hielt sie gegen das 
Licht, um sich zu überzeugen, daß sie vollständig 
rein sei, und reichte sie dann gefüllt dem Leutnant, 
der das Amt des Korkens versah. Dann wurden 
die Flaschen gelackt, und endlich schritt man an das 
Etikettieren.
	        
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