360 VDie Chronik des Garnisonstädtchens
dürfe. Das Päckchen enthielt eine Schachtel, und
in der Schachtel lag ein Bernsteinherz mit einem
silbernen Ring — das hatte er sich seit dem Schul⸗
ball zusammengespart.
Hab vielen Dank, Hans Peter, daß du an mich
gedacht hast, und daß du in der letzten Zeit so
fleißig gewesen bist, sagte Lise. Leb wohl, und
fröhliche Weihnachten! Und damit gab sie ihm
einen Kuß, wie sie es stets getan hatte, wenn er
nach Hause reiste, aber nie zuvor hatte Hans Peter
gewußt, was ein Kuß sei; er brannte ihm auf der
Wange und bis tief in die Seele hinein, und noch
am Abend konnte er deutlich fühlen, wie ihn Lises
Lippen berührt hatten.
Hans Peters elegische Stimmung hielt übrigens
nicht lange vor, und als 'er eine Stunde später
mit Jochumsen und dem Leutnant auf dem Schlitten
saß, weilten seine Gedanken mehr bei den bevor—
stehenden Freuden als bei dem hinter ihm liegenden
Kummer, und er überlegte, daß es doch wohl am
Ende ganz gut sei, daß Lise nicht mit war, denn
er liebte gerade den Leutnant so sehr, daß er vor
einigen Wochen auf der Mutter Frage, wen er am
liebsten zum Weihnachtsfest einladen wolle, ohne Be⸗
denken: Leutnant Paulsen! geantwortet hatte. Aber
jeder war sich doch selbst der Nächste, meinte er,
und aus Büchern wußte er, daß eine Uniform etwas