362 Die Chronik des Garnisonstädkchens
das gern bis nach den Ferien aufschieben können —
na, das ist ja seine Sache!
Die Pfarrerin wurde ganz ärgerlich und ver—
traute später Jochumsen unter vier Augen an, der
Rektor sei ihr leiblicher Bruder, und deswegen könne
sie sich nicht darein finden, daß so über ihn ge⸗
sprochen werde; aber für den Augenblick hatte sie
keine Zeit, ihrem Zorn Luft zu machen: die Gäste
waren hungrig, und das Abendbrot wartete.
Der Pfarrer hatte natürlich plötzlich wieder
etwas Wichtiges zu besorgen, aber es gelang doch
verhältnismäßig schnell, ihn zu dem „Weihnachts⸗
hasen“ hinein zu locken, den er selber, einer alten
Tradition gemäß, am Tage zuvor geschossen, obwohl
er ja sonst die Jagd so ziemlich an den Nagel ge⸗
hängt hatte. Seine Gattin hatte viel zu fragen —
so viel, daß er sie mehr als einmal daran erinnern
mußte, daß die Gäste doch Muße beim Essen haben
müßten, auch hatte fie fortwährend für die Gäste
zu sorgen: jeden Augenblick sprang sie auf und legte
bald diesem ein zartes Rückenstück, bald jenem einen
Löffel voll Bratkartoffeln vor, was ihren Mann
zu der Bemerkung veranlaßte, die Mutter sei jetzt
über die fünfzig hinaus, habe aber noch immer nicht
gelernt, daß man einen Stuhl zum Sitzen gebrauchen
könne.
Nach dem Hasenbraten kam die kalte Küche, die
Schlächtereiprodukte an die Reihe. Da waren Sülze
und Rippenspeer, Schweinsfüße und Leberwurst,