Full text: Die Chronik des Garnisonstädtchens

398 Die Chronik des Garnisonstädltchens 
Ich will zum Kammerherrn — er muß un— 
päßlich sein, denn er hat die Partie heute abend 
abgesagt. 
Ja, das weiß ich, sagte der Major. Grüßen 
Sie meinen alten Freund vielmals von mir, und 
Gott segne Sie, Kamerad! 
Damit ging der Leutnant; Bertram aber stand 
in der Ferne und sah ihnen allen dreien lange 
nach, dann machte er eine Bewegung mit der Hand 
und sagte: 
Sie kam doch mit militärischen Ehren in die 
Erde! 
Der Kammerherr, der ein wenig gekränkelt hatte 
und schlechter Laune gewesen war, nahm seine Tarock⸗ 
partie wieder auf. Es kann ja nicht nützen, daß 
man den Kopf hängen läßt, sagte er zu dem Leut— 
nant. Man muß die unangenehmen Eindrücke ab— 
schütteln und Augen und Ohren dem verschließen, 
was uns nicht gefällt — das ist meine Lebens— 
philosophiel Und diese Philosophie schien auch der 
Leutnant zu befolgen, denn er stand immer auf dem 
allerbesten Fuß mit dem Dasein, er hoffte nur, daß 
alles so bleiben möchte, wie es war, und schaute 
nach der andern Seite, wenn sich in seiner Nähe 
etwas Unangenehmes, Störendes zutrug. — 
Es war anfangs ein harter Stoß für Jochumsen 
zewesen, des alten Major Brusch Paternitätsver—⸗
	        
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