Full text: Die Chronik des Garnisonstädtchens

426 Die Chronik des Gaxnisonstädtchens 
nicht schrecklich, schon in so jungen Jahren seine 
Interessen einzubüßen? 
Der Leutnant lächelte, und Jochumsen war eben 
im Begriff, die Moral zu verteidigen und eine scharfe 
Antwort zu geben, als ein lautes Blasen vom Kirch— 
turm oben erklang. Eine Laterne wurde heraus— 
gehängt, und wenig Sekunden später ertönte gelles 
Pfeifen von zwei verschiednen Seiten. 
Wo ist das Feuer, Maalöv? fragte Jochumsen 
den herzueilenden Nachtwächter. 
Ich weiß es nicht bestimmt, Herr Oberlehrer, 
aber ich glaube, es ist in der Geheimgangstraße. 
In fünf Minuten war die ganze Stadt auf den 
Beinen. Die Wächter pfiffen, die Trompeter bliesen, 
die Dragoner kamen in Kitteln gelaufen, die Bürger— 
schaft stellte sich in Uniform ein, und der Brand— 
major kommandierte die Spritzen heraus. Und dann 
kam eine rotangestrichne Wassertonne nach der andern 
herbeigefahren, von sich aufbäumenden Pferden ge— 
zogen. Die Straßenjungen schossen aus dem Pflaster 
auf, es kamen Leute an die Fenster — zum größten 
Teil in tiefem Negligee —, und überall hörte man 
die Frage: Wo ist das Feuer? Bald wußte man 
auch, daß es bei Weinhändler Eskildsen brenne, und 
das Vierblatt lenkte seine Schritte natürlich dorthin. 
Im Hintergebäude, wo das Lager war, war das 
Feuer ausgebrochen, aber dank den vereinten An— 
strengungen des Brandkorps, der Dragoner und der 
Bürgerschaft wurde man seiner bald Herr, und es
	        
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