Full text: Die Chronik des Garnisonstädtchens

134 Die Chronik des Garnisonstädkchens 
aber darüber hinaus — nein! Denn auf alle 
kleinen Annehmlichkeiten des Lebens zu verzichten, 
das würde doch zu hart sein! Der Kammerherr 
hatte auch vollkommen Recht: man mußte seine 
Jugend, seine Freiheit genießen! Und der Oberst 
sagte ja auch immer, ein junger Offizier müsse un— 
gebunden, unabhängig von andern sein. Und jetzt, 
wo alle Menschen sagten, daß es nach Krieg aus— 
sähe — nein! 
Und der Leutnant faßte einen energischen Ent— 
schluß, und als er nach einer Weile ausging, ver— 
mied er die Schulstraße, obwohl er ziemlich sicher 
war, daß Lise am Fenster sitze. 
Vor dem Klub aber begegnete er dem Rektor; 
er war auf dem Wege nach dem Dampfer, um 
einen Professor aus Kopenhagen abzuholen, der 
Zensor beim Examen sein sollte. Man sieht Sie 
ja in letzter Zeit gar nicht mehr, Herr Leutnant, 
sagte der Rektor. Wollen Sie nicht heute abend 
zu uns kommen und eine Tasse Tee im Garten 
trinken? Das Wetter ist so schön, und ich denke, 
der Professor kommt auch. 
Und der Leutnant empfand es wie einen elek 
trischen Schlag und antwortete, ohne sich zu besinnen, 
daß er das sehr gern tun würde — das war, 
was Jochumsen die Konsequenz der Inkonsequenz 
nannte. Als der Rektor gegangen war, bereute 
der Leutnant, daß er Ja gesagt hätte, er überlegte, 
ob er nicht Verhinderung vorschützen könnte, aber
	        
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