Zziebenundzwanzigstes Rapikel 437
Lise mußte ihm alle Herrlichkeiten des Gartens
zeigen und alle Merkwürdigkeiten erklären: dort
stand der große Maulbeerbaum, von dem die Sage
erzählte, daß er schon zur Zeit der Nonnen da ge—
standen habe; die Rose hatte der Rektor selbst
okuliert, in der ersten Zeit, als er hierhergekommen
war, und in einem Jahre hatte der alte Spalier—
baum drüben am Bretterzaun eine reife Pfirfich ge—
tragen — das war ein großes Ereignis gewesen.
Und der Leutnant lauschte und lauschte — er
hätte ihr bis in die Unendlichkeit zuhören können.
Sie führte überhaupt die Unterhaltung, und je
mehr sie sprach, um so schweigsamer wurde er, denn
alles, was ihm einfiel, erschien ihm dumm und
nichtssagend, und wenn er einmal etwas sagte, so
—D
ihm geradezu unmöglich, so laut zu sprechen, daß
andre es hören konnten, und doch hätte alle Welt
—D
Sie mögen auch die hellroten Rosen am liebsten,
sagte er, als man endlich aufbrach. Das sind auch
meine Lieblingsblumen.
Wollen Sie diese haben? fragte sie, bereute es
aber und fügte wie zur Entschuldigung hinzu: Es
ist die letzte Louise Odier.
Und der Leutnant griff nach der Rose, und er⸗
griff auch einen Augenblick die Hand, die sie ihm
reichte, als wollte er sie festhalten, um sie nie wieder
frei zu geben — aber er ließ sie doch los, und