Full text: Die Chronik des Garnisonstädtchens

Achtundzwanzigstes Kapilel 
Er im September marschierte das Regiment zur 
Besichtigung nach Schleswig. Es wurde so 
wunderlich leer in der Stadt, und alle empfanden 
das, selbst Jochumsen, obwohl er offiziell erklärte, 
daß es ihm eine große Befriedigung sei, auf der 
Straße gehn zu können, ohne jeden Augenblick auf 
eine hellblaue Uniform zu stoßen. 
Der Einzige, der unbedingt erleichtert auf⸗ 
atmete, war Möller, aber er wollte es sich nicht 
recht eingestehn. Ebensowenig wie er sich erinnerte 
— oder wie er sich doch erinnern wollte — daß 
ihn ursprünglich der Leutnant auf Lise aufmerksam 
gemacht hatte, ebensowenig wollte er sich jetzt ein⸗ 
gestehn, daß dieser selbe Leutnant ihm ein gefähr⸗ 
licher Nebenbuhler sein könnte; wer konnte ihm denn 
—V nicht ganz 
ruhig. Aus dem Leutnant selbst konnte er nicht 
klug werden — seine Zurückhaltung war und blieb 
ihm unerklärlich; aber er war doch im Grunde ge⸗ 
neigt, ihn für ziemlich unschädlich zu halten. Da⸗
	        
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