Full text : Die Chronik des Garnisonstädtchens

472 Die Chronik des Garnisonstädtchens

meister warf die Karten hin, und dann las man
wieder und wieder die lakonischen Worte, als könne
man mehr aus ihnen herauslesen, als sie sagten.
An jenem Abend sprach niemand laut im Klub,
nicht einmal Möller.
Gegen Mitternacht gingen der Rittmeister und
der Leutnant nach Hause. Auf dem Marktplatz be—
gegneten sie dem Nachtwächter, und der Rittmeister
gab ihm eine Mark; denn es wird wohl eine ganze
Zeit vergehn, bis wir uns wiedersehen, Maalbv!
fügte er zur Erklärung hinzu.
Glauben Sie denn, daß wir Krieg bekommen?
fragte der Leutnant.
Ja, natürlich. Was sollte sonst wohl daraus
werden? Die Sache muß ja endlich ein Ende haben.
Wenn nur der Oberst nicht an Podagra danieder⸗
läge, denn es fehlte gerade noch, daß der Major
das Regiment im Felde führen müßte!
Plötzlich stand der Rittmeister still und lauschte
einem weichen, singenden Pfeifen hoch oben in
der Luft.
Was ist denn das? fragte der Leutnant.
Hören Sie es denn nicht? Das sind die Schnepfen,
die ziehn. Sie gehn nach Süden — so wie wir!
Und nach einer Weile fügte der Rittmeister hinzu:
Wie heißt es doch in dem Liede:

Lehr mich, o kleiner Vogel du,
Zu fliegen froh, ohn Rast und Ruh
Nach unbekanntem Lande!
            
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