Full text: Newspaper volume (1935, Bd. 1)

Schleswig-Holsteinischer Wirtschastsdienst 
Der große Befähigungsnachweis im Wortlaut 
des Gesetzes 
Wir veröffentlichen Sie Dritte Verordnung über 
Sen vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks 
in ihren wichtigsten Teilen im Wortlaut. 
Wortlaut der neuen Verordnung. 
Dritte Verordnung über den vorläufigen Aufbau 
des dentschen Handwerks 
vom 18. Januar 1938. 
l. Berechtigung zum selbständigen Betrieb 
eines Handwerks. 
(§ 1.) Der selbständige Betrieb eines Handwerks 
als stehendes Gewerbe ist nur den in der Hand 
werksrolle eingetragenen natürlichen und juristi 
schen Personen gestattet. 
l8 2.) Die Handwerkskammer hat ein Verzeichnis 
zu führen, in das alle natürlichen und juristischen 
Personen einzutragen sind, die in dem Bezirk der 
Handwerkskammer selbständig ein Handwerk als 
stehendes Gewerbe betreiben (Hanöwerksrolle). 
In die Handwerksrolle sind auch Sie mit einem 
Unternehmen des Handels, der Industrie, der 
Landwirtschaft verbundenen Handwerksbetriebe ein 
zutragen, in denen in Ser Regel Waren zum Absatz 
an Dritte auf Bestellung hergestellt oder handwerk 
liche Leistungen auf Bestellung Dritter bewirkt 
werden (handwerkliche Nebenbetriebe). 
Die Einsicht in die Handwerksrolle ist jedem ge 
stattet. 
Der Reichswirtschaftsminister erläßt Vorschriftten 
darüber, wie die Handwerksrolle einzurichten ist. 
(§ 3.) In die Handwerksrolle wird nur einge 
tragen, wer die Meisterprüfung für das von ihm 
betriebene oder für ein diesem verwandtes Hand 
werk bestanden hat oder Sie Befugnis zur Anlei 
tung von Lehrlingen in einem dieser Handwerke 
besitzt. Der Meisterprüfung stehen die gemäß § 133 
Abs. 10 der Gewerbeordnung für das Deutsche Reich 
anerkannten Prüfungen gleich. Der Deutsche Hand 
werks- und Gewerbekammertag bestimmt, welche 
Handwerke als verwandt im Sinne dieser Verord 
nung gelten. 
Die höhere Verwaltungsbehörde kann in beson 
deren Fällen nach Anhörung, der Handwerkskam 
mer Ausnahmen von der Vorschrift des Abs. 1 be 
willigen, insbesondere zugunsten von Personen, die 
in einem Betriebe der Industrie eine Ausbildung 
als Facharbeiter erhalten haben und fünf Jahre 
als solche tätig gewesen sind. Die Ausnahmebewil 
ligung kann auch befristet oder unter einer Bedin 
gung erteilt werden. Die oberste Landesbehörde 
bestimmt, welche Behörden als höhere Verwal 
tungsbehörden zu verstehen sind. 
(§ 4.) Wer den Voraussetzungen des 8 8 Abs. 1 
für das von ihm hauptsächlich betriebene Handwerk 
genügt, darf in seinem Betriebe auch Arbeiten in 
anderen Handwerken ausführen. 
(8 8.) Eine juristische Person darf in die Hand 
werksrolle nur eingetragen werden, wenn der Be 
triebsleiter, bei handwerklichen Nebenbetrieben im 
Sinne des 8 2 Abs. 2 der Leiter des Nebenbetriebes, 
den Erfordernissen des 8 3 Abs. 1 genügt. Die Be 
stimmung des 8 4 gilt entsprechend. 
Beim Ausscheiden der in Abs. 1 bezeichneten Per 
sonen ist Linnen vier Wochen ein anderer, den Er 
fordernissen des 8 3 Abs. 1 entsprechender Betriebs 
leiter zu bestellen. Die Handwerkskammer kann 
diese Frist verlängern. Nach fruchtlosem Ablauf 
der Frist ist die Eintragung in der Handwerksrolle 
zu löschen, die Bestimmung des 8 13 findet An 
wendung. 
(8 6.1 Nach dem Tode eines selbständigen Hand 
werkers darf die Witwe, auch wenn sie den Erfor 
dernissen des 8 3 Abs. 1 nicht entspricht, den Be 
trieb fortführen. 
Das gleiche gilt für minderjährige Erben wäh 
rend der Minderjährigkeit sowie für den Nachlaß 
verwalter, Nachlaßpfleger oder Testamentsvoll 
strecker während einer Nachlaßverwaltung, Nach 
laßpflegerschaft oder Testamentsvollstreckung. 
Nach Ablauf eines Jahres seit dem Tode des 
selbständigen Handwerkers ist die Fortführung des 
Betriebes gemäß Abs. 1 und 2 nur gestattet, wenn 
er von einem Hairdwerker geleitet wird, der den 
Erfordernissen des 8 3 Abs. 1 entspricht. 
II. Verfahre» bei Eintragung und Löschung 
in der Haildwerksrolle. 
<8 1.1 Die Eintragung in die Handwerksrolle er 
folgt von Amts wegen oder auf Antrag. 
Ueber die Eintragung in die Hanöwerksrolle hak 
die Handwerkskammer eine Bescheinigung auszu 
stellen lHandwerkskarte». Den Wortlaut der Hand- 
werkskarte und die Höhe der für ihre Ausstellung 
zu erhebenden VerwaltungZgebühr, die in die Kasse 
der Handwerkskammer fließt, setzt der Deutsche 
Handwerks- und Gewerbekammertag mit Geneh 
migung des Reichswirtschaftsministers fest. 
Wird der Gewerbetreibende in der Handwerks- 
rolle gelöscht, so ist die Handwerkskarte zurückzu 
geben. 
(§ 8.1 Die Handwerkskammer hat dem Gewerbe 
treibenden und, falls dieser in das Handelsregister 
eingetragen ist, der gesetzlichen Berufsvertretung 
von Industrie und Handel die beabsichtigte Ein 
tragung schriftlich gegen Empfangsbescheinigung 
mitzuteilen. 
<8 13.1 Die Löschung in der Handwerksrolle er 
folgt von Amts wegen oder auf Antrag des Ge 
werbetreibenden oder der gesetzlichen BerufsvcAre- 
tung von Industrie und Handel. 
»l. Anzeigepslicht, Auskuuftspslicht, 
Strafbestiuimnngen. 
l8 16-1 Die Fortsetzung eines entgegen den Vor 
schriften dieser Verordnung ausgeübten selbständi 
gen Handwerksbetriebes kann polizeilich verhin 
dert werden. 
<8 17.) Die Gewerbetreibenden sind verpflichtet, 
der Handwerkskammer zum Zwecke der Eintra 
gung in die Handwerksrolle auf Erfordern Aus 
kunft über Art und Umfang ihres Betriebes, über 
die Zahl der im Betriebe beschäftigten gelernten 
und ungelernten Personen, über die Zahl und die 
Art der verwendeten Maschinen und über hand 
werkliche Prüfungen des Bctriebsinhabers zu ge 
ben. Die Handwerkskammer ist befugt, die Ve- 
triebsräume und Betriebseinrichtungen durch be 
sondere Beauftragte besichtigen zu lassen. 
IV. Uebergangs- und Schlußbestimmnngen. 
l8 20.) Natürliche Personen, die vor dem 1. Ja 
nuar 1982 in die Handwerksrolle eingetragen sind, 
bleiben eingetragen, auch wenn sie den Voraus 
setzungen des 8 3 Abs. 1 nicht entsprechen. 
Natürliche Personen, die nach dem 31. Dezember 
1831 in die Handwerksrolle eingetragen sind und 
die Voraussetzungen des 8 3 Abs. 1 nicht erfüllen, 
bleiben eingetragen, sofern sie vor dem 1. Januar 
1900 geboren sind oder bis zum 31. März 1939 den 
Nachweis erbringen, daß sie den Voraussetzungen 
des 8 3 Abs. 1 nunmehr genügen. 
Natürliche Personen, die, ohne in die Handwerks 
rolle eingetragen zu sein, bei dem Inkrafttreten 
dieser Verordnung ein Handwerk als stehendes Ge 
werbe selbständig betreiben und ihr Gewerbe ge 
mäß 8 14 der Gewerbeordnung für das Deutsche 
Reich ordnungsmäßig angezeigt haben, sind von 
Amts wegen in die Hanöwerksrolle einzutragen, 
auch wenn sie den Voraussetzungen des 8 3 Abs. 1 
nicht entsprechen; sie sind bereits vor der Eintra 
gung zur Fortsetzung ihres Gewerbebetriebes be 
rechtigt. Die Eintragung ist zu löschen, wenn der 
Gewerbetreibende nach dem 81. Dezember 1899 ge 
boren ist und nicht bis zum 81. Dezember 1939 den 
Nachweis erbringt, daß er den Voraussetzungen 
des 8 3 Abs. 1 nunmehr genügt. 
Die Bestimmung des 8 3 Abs. 2 findet auf die in 
Abs. 2 und 3 bezeichneten Fälle entsprechende An 
wendung. 
18 22.» In den Fällen des 8 20 Abs. 1 bis 3 gel 
ten für die nachträgliche Ablegung der Meisterprü 
fung die Bestimmungen des 8 138 der Gewerbe 
ordnung für das Deutsche Reich mit folgenden 
Maßgaben: 
1. Die Zulassung zur Meisterprüfung darf nicht 
von dem Nachweis einer orbnüngsmäßtgen Lehr 
zeit oder von der Ablegung einer Gesellenprü 
fung abhängig gemacht werden. 
2. Für die Zulassung zur Meisterprüfung genügt 
der Nachweis einer fünfjährigen praktischen Tä- 
ķâķîşş HüfiflißffCS? . . . Erde« Fracht! 
Roman von Carl Otto W i n d e cf e r. 
32) 
Nachdruck verboten. 
Peter erzählte von seiner Rückkehr, erzählte, 
warum er zuerst die Wahrheit verschwieg, be 
richtete, warum er später den Mut zur Wahr 
heit nicht fand. Hier, an dieser Stelle seines 
Berichts, sah Roberts zum ersten Male ans. 
Nur für einen kurzen Augenblick, dann malte 
er weiter Kreise und Bogen auf die Platte des 
Tisches. 
Als Peter geendet hatte, entstand eine lange 
Pause. So lang, daß der Mut und die Hoff 
nung, die in Peter gekeimt hatten, wieder 
schwanden. 
Endlich richtete sich Roberts auf. Sein Ge 
sicht war unbeweglich wie stets und verriet 
keinen seiner Gedanken, verriet nicht, welchen 
Eindruck Peters Erzählung auf ihn gemacht 
hatte. 
Ehe er sprach, legte er die Zigarre sorgsam 
auf den Aschenbecher. 
„Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, Herr 
Hartmann" begann er schließlich. „Ich freue 
mich, daß Sie so offen waren. Und darum: 
ich will Ihnen helfen — halt", unterbrach er 
sich, als Peter stürmisch nach seiner Hand 
griff. „Ich mache eine Bedingung: Voraus 
setzung für meine Hilfe ist, daß Sie nicht eher 
nach Deutschland zurückkehren, als ich Ihnen 
erlaube." 
Peter ließ den Kopf sinken. „Ich danke 
Ihnen, Mister Roberts", sagte er leise, „aber 
ich weiß nicht —" 
„Bitte, sprechen Sie nicht weiter", unterbrach 
ihn der Alte streng. „Ich werde Ihnen meine 
Bedingung erklären: möglicherweise ist es 
lächerlich, daß ich mich aus Sie kapriziere, 
denn ich könnte an Ihrer Stelle hundert und 
nochmals hundert tüchtige junge Ingenieure 
bekommen. Ich will das nicht. Ich habe 
Interesse an Ihnen und möchte Sie behalten. 
Und darum meine Bedingung. Denn" — er 
beugte sich ein wenig vor und senkte die 
Stimme — „niemand garantiert mir, daß man 
Sie bei Ihrer Rückkehr nach Deutschland nicht 
ebenfalls verhaftet." 
Peter sah auf. „Und meine Mutter? Soll 
ich sie im Stich lassen?" 
„Davon ist keine Rede. Sie können ihr von 
hier aus besser helfen, denn von der Zelle des 
Untersuchungsgefängnisses aus. Und Sie kön 
nen mit Ihrer Rückkehr auch nicht die Unter 
suchungshaft Ihrer Mutter abkürzen, noch 
ihren Freispruch erzwingen. Erzwingen, 
sage ich. Ich glaube und hoffe, daß es auch so 
gelingt. Vergessen Sie nicht: wenn man aus 
menschlicher Einsicht heraus auch Ihre Hand 
lungsweise verstehen kann, so haben Sie durch 
das Verschweigen der Wahrheit kein kleines 
Teil Schuld daran, daß Nichetzky diesen Niesen 
schwindel inszenieren konnte. Und ich weiß 
nicht, ob das deutsche Strafgesetzbuch nicht 
einen Paragraphen dafür hat, der Ihre 
menschliche Schuld in eine Schuld vor dem 
Gesetz verwandelt. Tie Lage Ihrer Mutter 
ist nicht ungefährlich. Aber ich sagte Ihnen 
schon: ich glaube und hoffe, daß sich alles noch 
zum Guten wendet. Ich will Ihnen Helsen. 
Ich habe Sie zur Probe für zwei Monate en 
gagiert. Ich kann es nicht verantworten, Sie 
ohne jede Probezeit fest anzustellen. Ich bin 
aber bereit, Ihr Gehalt pro Monat um zu 
nächst hundert Dollar zu erhöhen. Diesen 
Mehrbetrag erhalten Sie nicht, ich übersende 
ihn noch heute ^einem tüchtigen Frankfurter 
Anwalt, dem Sie die Verteidigung Ihrer 
Mutter übertragen. Schicken Sie ihm gleich 
zeitig eine persönliche Schilderung der Vor 
gänge, wie sie wünschenswert ist. Sie können 
das ruhig mit Ralley besprechen. Er ist ver 
schwiegen und ein geriebener Jurist dazu. Er 
war früher Anwalt in Newyork und hat die 
tollsten Sachen zustande gebracht. Ich gebe 
Ihnen für diese Geschichten den heutigen Tag 
frei, Ralley dazu. Von morgen ab haben Sie 
mir voll und ganz zur Verfügung zu stehen. 
Ich erwarte: keinen überstürzten Versuch 
einer Fahrt nach Frankfurt, Herr Hartmann. 
Sie machen die Sache dadurch nicht besser und 
verlieren meine Hilfe. Abgemacht?" 
„Ich danke Ihnen", sagte Peter und schlug 
ein. 
In den folgenden Tagen arbeitete Peter 
wie ein Pferd. Tie übrigen Kommissionsmit 
glieder waren angekommen. Täglich fanden 
anstrengende, ausgedehnte Konferenzen statt, 
bei denen Peter zugegen sein mußte. War 
wirklich mal ein freier Ruhetag dazwischen, 
dann mußte das Material aufgearbeitet wer 
den, die Pläne und Unterlagen mußten dem 
Stand der Verhandlungen angepaßt und ent 
sprechend umgearbeitet werden. 
Es war nicht leicht, nein. Es war sogar, we 
nigstens im Anfang, unsäglich schwer. Aber es 
machte Peter Freude. Er lernte die tief in 
nerliche Genugtuung der Tätigkeit kennen, 
arbeitete oft über das geforderte Matz hinaus, 
um die Lücken seiner Kenntnisse aufzufüllen, 
das fehlende praktische Wissen möglichst zu er 
setzen und um hinter den anderen Herren der 
amerikanischen Delegation nicht zurückzublei 
ben. Es war kein Zweifel, daß Roberts ihn 
bevorzugte. Nicht persönlich, nicht im Umgang, 
rein in der Zuweisung der einzelnen Arbeits 
gebiete erwies sich das. Der persönliche oder 
gar privatime Konnex war in diesen Tagen 
völlig ausgeschaltet. Nie kam Roberts auch 
nur mit einem Wort auf die Unterredung im 
Rauchzimmer zurück. Nie glitt die Unterhal 
tung in eine freiere Tonart ab. Roberts war 
der Chef und Peter sein Mitarbeiter. 
Nur einmal sagte Roberts, schon in den 
ersten Tagen, als er vor einer Konferenz im 
Vestibül des Hotels auf Peter traf: 
„Ich habe heute hundert Dollar an Rechts 
anwalt Doktor Neustaedt in Frankfurt über 
wiesen^ Er hat mir telegraphisch bestätigt, daß 
er die Verteidigung Ihrer Frau Mutter über 
nimmt. Damit ist die Sache in guten Händen." 
„Ich danke Ihnen, Mister Roberts", sagte 
Peter. Aber Roberts war schon weitergegan 
gen und begrüßte den russischen Volkskom 
missar Doktor Krestjaninov, dem er herzlich 
die Hand schüttelte. 
„Damit ist die Sache in guten Händen!" 
summte es Peter im Kopf. „In guten Hän 
den —!" und für einen Augenblick tauchte das 
Bild seiner Mutter vor ihm auf, wie sie jetzt 
wohl, niedergeschlagen, hoffnungslos, in der 
Zelle des Frankfurter Untersuchungsgefäng 
nisses sitzen mochte. Es war gut. daß Ralley in 
diesem Monat auf ihn zutrat und ihm ver 
traulich auf die Schulter klopfte. 
„Kopf hoch", sagte er dabei leise. „Haben Sie 
den Schriftsatz abgeschickt?" 
„Sofort." 
„Allright. Dann wird die Sache schon wer 
den." 
Sie schritten zusammen dem Konferenzzim 
mer zu. 
„Haben Sie übrigens gesehen, wen Wilson 
gestern abend bei sich hatte?" 
Wilson war eins der Mitglieder der ame 
rikanischen Delegation, ein steifer, nicht son 
derlich angenehmer Herr, der bei den gemein 
samen Mahlzeiten beharrlich an den Prohibi- 
tigkeit als Facharbeiter oder selbständiger Ge 
werbetreibender in dem Handwerk, in dem die 
Meisterprüfung abgelegt werden soll, oder in 
einem ihm verwandten Handwerk. Ist die Ge 
sellenprüfung in dem betreffenden .Handwerk 
oder in einem ihm verwandten Handwerk ab 
gelegt, so genügt der Nachweis einer dreijähri 
gen praktischen Tätigkeit, auf die die Zeit der 
Selbständigkeit anzurechnen ist. 
Anziehen der Hengstpreise 
Der zweite Tag der Schleswiger Hengstkörung. 
Die Hengstkörung des Verbandes Schleswiger 
Kaltblutpferde nahm am Dienstagvormittag ihren 
Fortgang. Von den insgesamt 41 vorgeführten. 
Hengsten der Jahrgänge 1930 und 1931 wurden 38 
angekört, während nur drei ausschieden. Nachmit 
tags fand eine Ankörung der älteren zur Körung 
bestellten Hengste statt. Hier schieden von elf Tieren 
drei endgültig aus. Der Handel mit Hengsten, der 
dann einsetzte, war so lebhaft wie nie zuvor. Ver 
schiedene Spitzentiere fanden zu hohen Preisen Ab 
nehmer. So wurde z. B. für den Hengst „Optimist" 
9500 t®J, für einen „Isegrim m" 8500 JUL, für 
„Kamerad" 6500 Jl.M gezahlt. Für ein Tier sollen 
sogar 10 000 JUL gezahlt worden sein. Diese Preise 
bedeuten eine bedeutende Erhöhung der Vorjahrs 
preise, die sich um 8000 bis 5000 JUl bewegten. Nicht 
angekörte Hengste sind weniger gefragt: sie bedin 
gen 800 bis 1000 JUl, — Nachmittags fand eine 
Versammlung des Hengsteversicherungsvereins 
statt, in der aber lediglich interne Bersicherungs- 
fragen zur Erörterung gelangten. 
Am Mittwochvormittag erfolgte die Ankörung der 
45 zum Wiederkommen aufgeforderten jungen 
Hengste. Anschließend ist Prämiierung von jungen 
und alten Hengsten. 
Die Welt-StiSstofferzeugung 1933-34 
belief sich auf 1786 776 To. gegenüber 1678 859 To. 
1932-33 (= plus 7 Proz.1. U. a. erhöhte sich die 
Produktion synthetischen Stickstoffes von 462 060 auf 
511865 To. sowie die Produktion von Chilesalpeter 
von 70 800 auf 86 200 To. Der Welt- Stickstoffver 
brauch stieg in gleicher Zeit von 1758 000 auf 
1862106 To. an. Während der Chilesalpeter-Ver 
brauch sich mit 161191 To. nahezu verdoppelte, be 
trug der Verbrauch synthetischen Stickstoffes von 
1 624 000 gegen 1701 000 To. 
Der Wohnungsbau Januar-November 1934 
In den Monaten Januar-November 1934 wur 
den insgesamt 100 015 Bauerlaubnisse für den Neu 
wohnungsbau erteilt gegenüber 69 499 im Vorjahr. 
Die Zahl der Bauerlaubnisse stieg somit um rd. 
43.9 Proz. an. Ferner wurden in der Berichtszeit 
88 064 Baubeginne gezählt gegenüber 62 705 im 
Vorjahr. Hier beträgt der Anstieg 41,9. Proz. Die 
Zahl der Bauvollendungen erhöhte sich um 68,8 vH. 
und zwar von 86 883 auf 146 625. 
tionsgesetzen festhielt, an denen sich hier in 
Zürich sonst keiner der Amerikaner scherte. 
„Nein", gestand Peter. 
„Nicht, haha!" Ralley lachte. „Es war zum 
Brüllen, wie er in puritanischer Keuschheit 
tat, als er uns sah. Niemand anders hing an 
seinem Arm als die famose kleine Rundtän 
zerin von der Uhu-Bar." 
Peter mußte lächeln. — 
Jeden Morgen, noch ehe er zum Frühstück 
hinunterging, ließ sich Peter vom Boy die 
Frankfurter Zeitungen heraufbringen. Mit 
Gier griff er nach den Blättern und' las Zeile 
für Zeile der Berichte über den „Erbschafts 
schwindel Löbel", dem die Zeitungen in sensa 
tioneller Aufmachung breiten Raum gewähr 
ten. Ein einziges Blatt übte vornehme Zu 
rückhaltung. Es berichtete kurz und sachlich 
und schrieb einmal: 
„Wie auch der Prozeß ausgehen wird, wie 
sich auch die Schuldfrage in der für bald an 
gesetzten Verhandlung klären wird — der 
Prozeß und die Vorgänge, die ihn verursach 
ten, sind, was die Person der Angeklagten 
Frau Hartmann anbelangt, im wahren Sin 
ne des Wortes tragisch zu nennen. Ein Symp 
tom unserer Zeit, die an Not, Entbehrungen 
und Hoffnungslosigkeit so reich ist. Menschen, 
die einst im Wohlstand lebten, hat die Infla 
tion verarmen lassen. Und bei aller Gerech 
tigkeit für die sozialen Nöte unserer Zeit: 
wieviel, wie unendlich vielmal schwerer mehr 
ist die Armut für Menschen, die einmal die 
angenehmere Seite des Lebens kennengelernt 
haben. Früher, als noch ein Wiederaufstieg 
möglich war, als man noch durch Arbeit und 
Fleiß wieder gutmachen konnte, was man un 
verschuldet erlitt, wäre alles anders gewesen. 
Heute in der Zeit der Hoffnungslosigkeit, der 
trostlosen Arbeitslosigkeit und der allgemeinen 
Verarmung breiter Schichten unseres Volkes 
wagt der Mensch den Blick in die aussichtslose 
Zukunft nicht mehr. Er sucht in der Vergan 
genheit, mit der er sich trösten muß, sucht nach 
alten Guthaben, die längst vergessen sind und 
heute die Möglichkeit geben, ein paar Tage, 
ein paar Monate der Gegenwart aufzubessern. 
Das ist der tiefere Sinn des Prozesses, dessen 
Verhandlung wir jetzt erwarten, das ist die 
tragische Verkörperung eines gemeinsamen 
Schicksals, in das der Zufall die Hauptange 
klagte drängte. Es wird schwer sein, mit rei 
nem Gewissen über diese Frau ein Schuldig 
auszusprechen." 
(Fortsetzung folgt.)
	        
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